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Der Israelit · 1926-05-28 · Heft 22 (28.5.1926) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 22 (28.5.1926)
Date
1926-05-28
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 1 dir. 22 v * J •PPP Der I s r a e l i t 28 Alai 1926 Traditionen des Judentums einimpfen. So wird in dem neumodischen Tel-Awiw am Pehach nirgends Chomez verkauft. Chol-hamoed, Lag-be-omer, Chamifcho-offor-befchwat, die im Galuth das Leben verschlingt, sind in Palästina Volksfeiertage. Während ganz Chol-hamoed ruht in den meisten Betrieben die Arbeit. Die Luft Palästinas gibt zahllose Möglichkeiten, aus denen eine jüdische Zukunft erwachsen kann^ die Luft des Galuth zahllose Einwirkungen, die die Arbeit für eine jüdische Zukunft erschweren. Zeigt die Psyche des Juden Tel-Awiws bereits Veränderungen? Bei Leuten, die als Erwachsene ins Land gekommen sM, r«nn M Mg SMyNlk Mts Iffl5 lichcs ändern, weil der schwere Cxislenzramps alle geistigen Kräfte verbraucht Wer in seinem Geburtsland an Synagoge und Beth-Harmdrafch gewöhnt war, bleibt diesen auch hier treu. Wer nicht daran gewöhnt war. schläft am Sabbat länger, ißt besser, macht Besuche, Spaziergänge usw., schreibt natürlich leider auch Familienbriefe, bringt vielleicht auch seine Rechnungsbücher in Ordnung ufw. Alles, wie er es im Galuth gemacht hatte. Anders die jungen Leute. Sie besuchen die Versammlungen, beschäftigen sich mit der jüdischen Politik, suchen Palästina kennen und lieben zu lernen. Da diese jungen Leute ihre Schulung noch im Galuth erttpfangen haben, bleiben sie jedoch im Grunde ihres Wesens Kinder des Ghetto, indem sie zu viel theoretisieren. Sie achten nicht das natürliche Wachstum des jüdischen Volkes, dessen Kraft und Saft seine Traditionen sind, und möchten — je nach ihrer Veranlagung — aus irgend welchen neuzeitlichen Theorien das jüdische Volk der Zukunft aufbauen. Immerhin sind diese jungen Leute, wenn sie nur die bescheidenste Existenz haben, selbstsicherer und glücklicher geworden, als sie früher waren. Die sichtbarste Aenderung hat sich in der in Palästina geborenen Jugend vollzogen. Diese Jugend ist gesund, tapfer, frei, fürchtet sich vor nichts, liebt den Sport und den militärischen Drill. * Ainderecke. Wie der Boden Palästinas Neuland ist und nur der richtigen Bearbeitung bedarf, um zum reichen Segen zu werden, so ist es auch mit der jüdischen Jugend bestellt. Richtige Bearbeitung, und die Zukunft des jüdischen Volkes ist gesichert. Diese Jugend braucht sich nicht gegen die Assimilation zu wehren, sie braucht auch nicht um die Erhaltung ihres Schabbat zu kämpfen. Wenn sie den rechten Weg beschreiten will, so hindert sie nichts daran. Doch vorerst will sie nicht. Das persönliche Verhältnis 311 bön (Sltern mag rtoef, fo gut fein, buch feelifcJ, fielen süsfs finiter rhrsrr &llerrt srsrnb gegenüber. 5»te gro^e Tragödie der Ostjudenheit setzt sich in Palästina fort. Die Eltern geben ihren Kindern warme, überquellende Liebe, aber keine Erziehung, sie sind die Ernährer, doch nicht die Führer ihrer Kinder, und so sind die Kinder in ihrem geistigen Werden sich selbst überlassen. Von den geistigen Strömungen der Gegenwart haben diese Eltern keine Ahnung und sie wissen darum ihren Kindern keine Antwort auf ihre Fragen zu geben. Kein Wunder, daß die Kinder sie sehr bald nicht mehr fragen. Eltern sowie alles, was den Eltern heilig ist und damit auch die Religion — sind daher den Kindern nur Gefühlsmomente, der seelische Zusammenhang ist zerrissen. * Ein armer Junge möchte viel lernen und ein großer Jude werden!" Eine Frühlingsgeschichte von Frieda Lohn. Berlin Was nützt die Diagnose, wenn nicht das Heilmittel bekannt ist und Anwendung findet? Dieser Jugend und diesen jungen Leuten gegenüber sind Menschen nötig, die nach dem Vorbild des großen Samson Raphael Hirsch die Bildung der Zeit und Treue zur Thora in sich vereinen. Fromme, gebildete Familien sind für die jüdische Zukunft Palästinas von größter Bedeutung. Sie müssen sich mit dem Lehrpersonal der orthodoxen Schulen zu gemeinsamer Arbeit verbinden, damit sich die Jugend wieder ihre Ideale in den Gefilden des Thorajudentums suche. Alles Große, Entscheidende in der Geschichte der Menschheit ist von wenigen ins Werk gesetzt worden; auch in dem Palästina unserer Tage, dem Palästina der Zukunft des jüdischen Volkes, können wenige die Rettung bringen! Familiennachrichken. Barmizwo: Julius, Sohn des Herrn Gabriel Eschwege, Fulda. Samstag. 29. Mai. nrfrym 's. — Erich. Sohn des Herrn Moritz Weilourg. Fulda. Buseckstraße 3. Samstag, 8. Juni. *]V 's. Wochenkalender. vom 29. Mai bis 5- Juni 1926. / vom 16.-23. Siwan 5686 Samstag Mai 29 16 p'v Sonntag 30 17 Montag 31 18 Dienstag Jun. 1 19 Mittwoch 2 20 Donnerstag 3 21 Freitag 4 22 Samstag 5 •jbnbv 23 "r 'i pns 'V'n ps vinn prnan Mauled Donnerstag abds. 10 Uhr 30 Min. sachlich.) Am nächsten Morgen erhält die alte Rest des Hauses treue Wirtin, zu ihrem Staunen die Anweisung, den Sederabend zu rüsten. Was soll das bedeuten? Ein Sederabend in diesem ver waisten Hause, das seit der großen Trauer, die eingezogen war, keinen Festtag mehr kannte, und zu ihrem noch größeren Staunen bittet sie der Fabrikherr am Abend an seinen Tisch und sagt ihr die Haggadah vor. Feuchten Auges folgt sie den teuren, so langentbehrten Worten und Klängen. Nach der Mahlzeit reicht er ihr einen kleinen Zettel und bittet sie, zu lesen, und die alte Resi liest nun auch von dem „armen Jungen, der viel lernen und ein großer Jude werden möchte", und dann wischt sich die alte Resi mit dem Zettelchen ihre nassen Augen. „Ja," sagt der Fabrikherr „für Pessach war es schon zu spät, aber was meinst, Resi, nach Pessach kommt Schewuaus, das wäre so ein rechtes Frühlingsfest für uns und den Jungen. Was meinst, wenn wir zu Schwuaus so ein Stückchen Jugend am Tische hätten, Schwuaus, das ist so das Fest für die Jugend, für das Hoffen, und wenn er dann bei uns bliebe, und wir mit ihm hoffen dürften, daß er viel lernen und ein großer Jude werden würde! Resi, dann soll kein Feiertag mehr an unserem Hause vorüberziehen, dann soll es wieder bei uns wie einstens werden, so wie es bei meinen Eltern rvar. Feiertage, wie du sie dckftsti fckjon rrrrtgsrri^tst hastRsst rft X>ov Freude stumm geworden, worüber soll sie sich denn zuerst freuen! Ihre Feiertage soll sie wieder haben und ein Stückchen Jugend nochmal ins Haus bekommen. Das Pesiachfest ist vorüber, der Fabrikherr hat sich wieder in einen Wust von Arbeit gestürzt. Aber dazwischen hat er einen geheimnisvollen Briefwechsel mit dem Rabbiner und Vorsteher einer kleinen Gemeinde im fernen Osten. Und eines Tages, gerade so in der Mitte zwischen Pessach und Schwuaus, an einem so echten ersten Frühlingstage, da der Himmel in Bläue lacht und die Luft so lind und süß schmeichelt, da die Erde zum ersten Male ihr neues und duftendes Frühlingsgewand anprobiert hat, da sitzt der Fabrikherr in aller Herrgottsfrühe an seinem Schreibtisch und schreibt eigenhändig folgenden Brief: „Lieber Jokele! Ein alter jüdischer Hausierer hat mir kurz vor dem Pessachfeste eine Haggadah gebracht, die mich den reichen-armen Mann, der über seiner Arbeit seinen großen Kummer vergessen wollte und alles andere dabei mitvergessen hat, daran erinnert, daß es noch Feiertage und armeJungen in der Welt gibt, die etwas werden möchten. Jokele, das Pesiachfest ist vorüber, aber das Schwuausfest rückt heran, das Fest der Offenbarung und des Höffens, das Fest des Frühlings, des Spriesiens und Werdens. Jäkele, sind diese Tage lllcht gäsch^ssöli zttlsi beginnen? Ich erwarte Dich zum Schwuausfeste, das p.atzt so recht für einen, der vorwärts will. Die Scheine, die ily einlege, sind Dein Reisegeld, und wenn es Dir bei mir gefällt, sollst Du bei mir bleiben. Dann kannst Du lernen, soviel und was Du nur magst und darfst ein ganzer Mann und großer Jude werdend ■; ■= Acht Tage vor Schwuaus erhielt Jäkele diesen Brief, an Schwuaus über säst er schon in der Wiener Synagoge neben, dem reichen Fabrik- Herrn, der ihn an Kindesstatt bei sich behielt. Er Hat viel gelernt und ist ein großer Jude geworden. Ls ist ausschließlich Sache der Leser, die im Inseratenteil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben religionsgesehuchen Charakters auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. L. BARBARINO Frankfurt a. M. INHABER A. 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