Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 22 (28.5.1926)
- Date
- 1926-05-28
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Nr. 22 D er 3 s r a e 11 t 'T/-;iur m 28. Mai 1926 auf die 25jährige Tätigkeit des Hilfsvereines mit ihren Erfolgen vor dem Kriege und ihrer notgedrungenen Um ftellung in der Nachkriegszeit. Das Schlußwort fprach wiederum Herr Dr. Simon. Das amtliche Ergebnis der Berliner Repräsen tantenwahlen. Berlin, 18. Mai Die vereinigten Wahlvorstände der Berliner jüdischen Gemeinde sind soeben zusammengetreten, um das defini tive Resultat der Wahlen vom Sonntag amtlich festzu stellen. Bei der amtlichen Zählung der Stimmen hat sich eine Verschiebung dahingehend ergeben, daß das poale zionistische Mandat nicht die genügende Anzahl von Stimmen erhalten hat. Herr Dr. Oskar Cohn ist nicht zum Repräsentanten, sondern nur zum Stellvertreter gewählt worden. Dagegen erhöhen sich die Mandate der Jüdischen Volkspartei von sieben auf acht. Zu den sieben schon als gewählt genannten Kandidaten tritt, als achter Herr Rechtsanwalt und Notar Dr. Abraham Lok> hinzu Die zehn Stellvertreter-Mandate verteilen sich nunmehr au^ die einzelnen Parteien wie joljt: 5 liberale, 3 volks t. 1 wlMiöifir und 1 Stellvertreter. Das Stimmenverhältnis in der neuen Repräsentanten Versammlung ist nunmehr folgendes: 10 liberale Re Präsentanten, 8 volksparteiliche Repräsentanten, 3 Re Präsentanten der Religiösen Mittelpartei und 1 konserva tiver Repräsentant. Aus der Breslauer Gemeindevertretung. Breslau, 17. Mai. In der letzten Sitzung der Gemeindevertretung fand zunächst die Einführung der neu gewählten Vorstehe t statt. Alsdann wurde eine Reihe kleinerer Vorlagen Wahl von Ausschußmitgliedern, Aenderung der Schlachtgebühren, Bewilligung einer Beihilfe an den Arbeitsnachweis, ufw. erledigt. Am interessantesten war die Auseinandersetzung über die neuen Steuern. Der Vorstand beantragte als vorläufige Kultussteuer einen Zuschlag von 18°/o zu der Einkommensteuer-Vorauszahlung zu erheben. Der Verwaltungsdirektor gab bekannt, daß die Kultussteuer 1926/27, deren Ergebnis von ihm entgegen den optimistischeren Annahmen der Gemeindevertreter aus M. 620,000.— geschätzt worden war, schließlich trotz der Erhebung eines 5. Steuerquartals und alter Rückstände des Vorjahres nur M. 504,000.— erbracht hat. Schließlich bewilligte die Versammlung die geforderten 18%, jedoch zunächst nur für das erste Vierteljahr des Kultussteuerjahres 1926/27. Ohne daß irgend ein tteler erfolgte, bewilligte man schließlich noch M. 6000.— für einen Urnen-Hain aus dem Friedhof Kofel. Man gedenkt mit diesen 650 Urnen-Grabstellen 20 Jahre auszukommen. An die öffentliche Sitzung schloß sich alsdann noch eine geheime Beratung an. Psleir. Die Ehrenbestattung der jüdischen Gefallenen in Warschau. Warschau, 17. Mai. Gestern 5 Uhr abends fand auf dem jüdischen Friedhof in der Geneza-Gasse die Ehrenbestattung von 8 während der Warschauer Militärkämpfe gefallenen jüdischen Soldaten statt. Den Trauerfeierlichkeiten wohnten bei Innenminister Mlodzianowski, der Stadtkommandant General Tokaszewski, der Regierungskommissar General Slawoj- Skladkowski, der Polizeikommandant Charleman und eine Ehrenkompanie des 21. Infanterieregiments. 6000 Warschauer Juden hatten sich auf dem Friedhof eingefunden. Am offenen Grabe sprachen Rabbiner Oberst Dr. Mises und der Innenminister. Unter den Klängen eines Trauermarsches wurden die jüdischen Kampfopfer ins Grab gesenkt. Die Namen der bestatteten Soldaten sind: Salomon Szialowaki, Kleinert, Josef Lameranz, David Hauptmann, Bär Czarnolaska, Balbuk, Calman Szurek und Butterman. Einige gefallene jüdische Soldaten sind noch nicht bestattet worden. Der Verein Chesed schel Emes hat bis jetzt 23 Leichen gefallener Juden in die Totenhalle des Genszaer Friedhofs gebracht. Eine ungeheure Menschenmenge belagert die Totenhalle; zahlreiche Angehörige von Vermißten hatten sich eingesunden, um die Leichen zu agnoszieren. Es spielten sich herzzerreißende Szenen ab. — Alles in allem sind während der Kämpfe in Warschau 205 Personen getötet.und 966 verwundet worden. Die jüdischen Toten und Verwundeten stellen einen verhältnismäßig hohen Prozentsatz der Gesamtverluste dar. / ., Die Juden und das Regime Pilsudfki. Warschau, 17. Mai. Ueber Aufforderung der neuen Regierung haben die zuständigen Organe eipen Bericht über die'Stellung der verschiedenen politischen Parteien, zu der letzten Umwälzung abgesaßt. Die Juden, heißt es in, diesem Bericht, sind über den Rücktritt des Präsidenten Wojcischpwski und der Regierung/Witos vor allem deshalb befriedigt, weil man den verhaßten. Unterrichtsminister Stanislaw Grabski losgeworden ist. Die Jüiren. würden den Mqrschall Pilsudski gern an ' der. Spitze des Staates sehen, wenn in seiner Regierung ein Manh sitzen sollte,, der für ihre Forderungen Verständnis hat, insbesondere für. die Postulate aus dem Gebiete des Schulwesens, der kulturellen und religiösen HeäürstHe. Ä!e jüdischen Hanbelskreise sehen die Lage mit Optimismus an, was dazu beitrug da^ der ^lotr/-Kurs ^iemli^ stabil geblieben i|t. W Die Sejmwahlen in Litauen. Kown.o, 17, Mai. Die Meldung der Äudischen Telegrafen-Agentur, die auch von Ihnen veröffentlicht wurde, bedarf nach zwei (^tun^ert ^in Äorre£twr. 5)ie ^Juben ^o£>en insge|aint nicht vier Mandate erlangt, sondern nur drei / haben also, infolge der Weigerung der Zionisten, eine jüdische Einheitsliste aufzustellen, v i e r M a n d a t e e i n g e - büßt. Die orthodoxe Achduth-Partei (Agudas Jisroel) Hat zwar ca. 18 000. Stimmen erlangt, infolge der verwickelten Wahlgeometrie jedoch kein Mandat erlangen können.' Immerhin ist die erreichte Stimmenzahl ein Beweis dafür, daß bei künftigen Wahlen bei besserer Vorbereitung und insbesondere, wenn die nötigen Mittel zur ausreichenden Wahlagitation aufgebracht werden, die Orthodoxie in Litauen sehr wohl imstande ist, ihre eigenen Kandidaten durchzubringen. Die drei gewählten Deputierten stehen dem religiösen Judentum vollkommen fern, ebensowenig werden sie die wirtschaftlichen Interessen des litauischen Judentums zu vertreten in der Lage fein. Ei*sl«rirv. Der englische Innenminister über die Juden als die Stützen von Gesetz und Ordnung. Der Minister des Innern, Sir William Joynson-Hicks sandte dem Herausgeber der Zeitschrift „Jewish Graphic" ein Schreiben, in welchem er für die ihm zugesandte erste Nummer dankt und ausführt: „Die Juden als Gemeinschaft waren immer Stützen von Gesetz und Ordnung. Es ist meine Pflicht in meinem gegenwärtigen Amt, die Ordnung zu erhalten und alles, was Sie und Ihnen gleichgesinnte Personen tun, um die Regierung zu stützen, öziale Katastrophen und politische Unruhen zu verhindern, wird von uns begrüßt werden." Dieser Ausspruch Sir Joynson-Hicks ist umso bemerkenswerter, als er in früheren Jahren auf Grund seiner Betätigung als Mitglied im Parlament alles andere denn als Judenfreund galt. Leiden vorzeitig dahingerafft hat. Ein Schüler ' des -Amsterdamer Rabbiner-Seminars, hatte er vor'13 'Jahren das Rabbinatsdiplom »empfangen- und wurde. Nach längerer vertretungsweisen Tätigkeit-, in-Amsterdam selbst, 1919 Oberrabbiner von Groningen. Er war eine menschlich außergewöhnlich' sympathische'' Persönlichkeit, im Besitze eines reichen Wissens und wurde auch von denen, hoch geschätzt, die seinen misrachistischen Standpunkt nicht teilen konnten.- Ihm war/es ernst mit dem Glauben, daß er durch die Wirksamkeit im Misrachi die Zionistische Organisation'! ins Lager der Thora zukückführenükönne und er ließsich diesen 'Glauben auch durch die Tatsache nicht erschüttern, daßer damit' innerhalbdes holländischen Rabhinats fast gänzlich allein stand.. Die allgemeine Teilnahme wendet sich -der Hinterbliebenen jungen Witwe und .den kleinen Kindern des Heimgegangenen zu, von denen er das jüngste erst kurz vor seinem - Tode,- fern von der Heimat, kennenlernte. \ Würzburg, 12. Mai. Freitag, den 30. April, haben wir Daniel Neumann zur letzten Ruhe gebettet/nachdem er 12 Jahre mit Treue und Hingebung als Hausverwalter an der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt Würzbürg hatte. Ein tückisches Leiden, das er sich jedenfalls im Kriege, .den er bis zum Ende an der Krönt mitmachte/ zugezogen' hatte, raffte den einst so kräftigen stattlichen Mann im Höhepunkt des' Lebens, erst 44jährig, ttoläftfn«. Arabischer Zusammenschluß in Palästina. Jerusalem, 17. Mai. Aus Initiative von Zaki Pascha wurde am 14. Mai abends eine Konferenz abgehalten, der 120 arabische Notabeln aus allen Teilen Palästinas, verschiedenen Parteien zugehörig, beiwohnten. Es wurde beschlossen, die Institution eines vereinigten palästinensisch-arabischen Kongresses wieder einzurichten. Zwecks Vorbereitung eines All-palästinensisthen Kongresses wurde ein Komitee eingesetzt. Personalien. Oberrabbiner A Ascher V'Xr Amsterdam, 22. Mai. Die ganze holländische Judenheit steht erschüttert an der Bahre des im jugendlichen Alters Hingeschiedenen Groninger Oberrabbiners A. Ascher, den ein schweres rtit rptufr vorgezeichneten Aufgaben hinaus in opferwilligster Weife diente,' einen schweren. Verlust: Aber auch in!der Gemeinde wird man ihn schwer vermissen/denn wo es galt, mit Rat und Tat einzutreten für jüdische Interessen, war er mit an erster Nelle, getreu den Mditimm seines- Elternhauses, als Sohn des ehemaligen verdienten Präparandenlehrers Neumannin Bürgpreppach. In der WovstandsiHäst hfis; UotrtfjohoKeit 'iBörems. tm üöofqII flollla ßE fflinon Münnn DlMsm ööp NWM Sabbat Beschränkung gebot, konnte es sich Distriktsrabbiner Dr. Hanover- Vorstand der Seminarverwaltung,, nicht versagen, in tiefbewegten Worten von dem treuen Mann letzten Abschied zu nehmen. - Auch R. A. Schloß, als Vorsitzender, des Frontbundes rief dem unvergeßlichen Kameraden letzte Scheidegrüße nach. Neumanns Andenken wird fortleben. Den trauernden Angehörigen pende der Allgütige lindernden Trost. Königsberg i. Pr., 26. Mai. Dienstag, den 27. Jjar (11. Mai) verschied in Berlin im Aller von 59 Jahren nach schwerem, heimtückischem Leiden der langjährige Lehrer unseres Vereines mm der Privatgelehrte Dr. Pefach Jehudo I a k o f l e f f. Der Schmerz und die Trauer über den Heimgang dieses ^vn über* chreiten die Grenzen unseres engeren Mitgliederkreises. Schon als Jüngling von 18 Jahren in Rußland mit dem irni»-Titel gekrönt, war er ein mmn itvr ein wahrer Fürst des Geistes, vor dessen tiefeindringendem Blicke, vor dessen unermüdlich forschendem Scharfsinn und dessen 01 n bv nnnn*>i2 erworbener Meisterschaft 0'?V1S1 o"v offen dalagen. Mit diesem seltenen Thorawissen verband Dr. Jakofleff tiefgründige, wissenschaftlich geschulte Kenntnisse auf den meisten Gebieten menschlichen Wissens und eine wahrhaft eigenartige pädagogische Begabung. Was aber ben .©ertt feines Sßefens feesetdmei, tfi dis Ijar- RöMmEung tzWk aumtityh^h, Mistsnsgebiete im Geiste von und firn1» Darum trauern am Grabe ihres Meisters mit uns feine ungezählten Schüler- und Freunde. vsrr ,iMwn 1122 ■>m. Das Verdienst, ein v'212 nun fm» Jahrzehnte hindurch gewesen zu sein, wird unserem Lehrer und Führer beistehen d"k- - rroxm Vermischtes. Bremen, 26. Mai. Am 11. Mai hielt der Provinzialoerband Israelitischer Frauenvereine der Provinz Hannover und der angrenzenden Gebiete seinen fünften Delegiertentag in Bremen ab. Am anderen Tage fand ein schöner Ausflug nach Bremerhaven statt, an dem sich ungefähr 100 Damen beteiligten. Nach Besichtigung des Fischereihafens und einer Rundfahrt durch den Kaiserhafen, wurde der zweitgrößte Dampfer des Norddeutschen Lloyds, der neue Dampfer „Berlin" besucht. In liebenswürdiger Weise wurden die Damen von Kapitän Rehm durch das herrliche Schiff geführt. Die schöne Halle, die behaglichen Speisesäle und die mit allem Komfort ausgestatteten Kabinen erregten die Bewunderung der Besucher. Besonderes Interesse erweckte naturgemäß die von einem zuverlässigen Beamten 1-72 geleitete Küche, die wie auf allen anderen Schiffen auch auf der „Berlin" sich befindet. Manches koschere Restaurant an Land würde den Dampfer um diese Küche beneiden, zu der neben einem besonderen Aufwaschraum noch in der Tiefe des Schiffes ein eigener Kühlraum gehört. (Diese segensreiche Einrichtung auf den Schiffen des Lloyd ist eine Schöpfung von Rabbiner Dr. Rosenak V"xt , dessen Nachfolger sich ihre Erhaltung ganz besonders angelegen sein läßt.) Nach erfolgtem Rundgang lud die Schisfsleitung zu einem Frühstück, das im Speisesaal erster Klasse eingenommen wurde, ein, wobei man sich von der Güte der koscheren Küche überzeugte. Launige Reden wurden gewechselt und mit herzlichen Worten dem Lloyd für seine Einladung gedankt. Für die zahlreichen Teilnehmer dieses Ausfluges aus dem Binnenland wird der Aufenthalt auf Dampfer „Berlin" eine unvergeßliche Erinnerung bleiben. 7605