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Der Israelit · 1926-05-13 · Heft 20 (13.5.1926) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 20 (13.5.1926)
Date
1926-05-13
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 Jlt. 20 Der Israelit 13 Alai 1926 Dankesworten Koppels und vernichtenden Blicken öes ©cjetten. „Wir aus einem tietnen MMsnutz em so großer-" Koppel fand nicht das richtige Wort für den Ausdruck seiner Bewunderung. „Ein so großer Nichtsnutz werden kann", ergänzte der Geselle, zum Aerger des Meisters, der sich nicht gern Illusionen nehmen ließ. Es war ihm, als hätte ihm jemand ein sauber gearbeitetes Aermelstück aus purer Bosheit wieder aufgetrennt. Hinter dem Verschlage in der Küche saß Reisele und weinte, und wußte selber nicht warum. „Wenn die Menschen nichts Schlimmeres von Dir zu sagen wissen," tröstete die Mutter und wischte sich mit dem Schürzenzipfel das vom Herdfeuer angelaufene Gesicht, „dann hast du gewiß keinen Grund zu weinen, Närrchen." (Fortsetzung folgt.) Festgebek an der heiligen Mauer. Es ist ein wunderschöner Frühlingstag. Von dem tiefblauen Himmel, wie er eben nur in Palästina ist, sendet die Sonne ihre schönsten Feststrahlen. Ganz Jerusalem ist in Sonne getaucht. Auf den grünen Hügeln, die die Stadt so wunderbar umsäumen, liegt Sonnenglanz. Sonne liegt auf den Straßen und Sonne spiegelt sich in den Augen aller Vorübergehenden, m-mv und .rnnn nsnp haben wir in Schul gebetet und gehört, zu aber wollen wir — wie jeder heute — an der „heiligen Mauer" sein. Unser Weg ist weit. Draußen fast vor der Stadt, wo fTn mim W Wllkll imö in MlM FM öuntß Mumm vttlym, rootmen um, uno M eine T!MM ff! es von dort zu der Mauer. Doch, was bedeutet eine Stunde Weges, selbst in brennender Palästinasonne, wenn es gilt, hinaufzusteigen zu dem Orte unseres Heiligtumes. Bis zum Jaffa-Tor führt unser Weg durch eine Landstraße. Bäume zu beiden Seiten, ein herrlicher Ausblick auf grüne Fluren, bunte Felder und malerisch bewachsene Hügel. 2'2v D-nn d^pvt* so drängt es sich mir auf die Lippen, aber nur um den Satz zu vollenden nnya a’no 'm nvi' als ich die Schar bemerkte, die mit uns hinaufwallte zur Westmauer. Denselben Weg, den vor Jahrhunderten unsere Väter gingen, wallen heute ihre Kinder aus Nord und Süd, aus Ost und West. Vom Jaffa-Tor aus geht es durch die engen Straßen der Altstadt. Das Auge hat hier keinen Sinn für die architektonischen Schönheiten, unser Auge sucht hier anderes. Immer enger werden die Straßen. Der Weg führt nunmehr durch richtige orientalische Gewölbe, so wie sie in den Märchen beschrieben sind . Zu beiden Seiten Kaufläden, die zum großen Teile in arabischem Besitz sind, weshalb auch heute, trotz v"' gefeilscht und gehandelt wird. Es ist ein fortwährendes Kommen und Gehen. Vor uns ein Strom Menschen, hinter uns und uns entgegen kommen schon Scharen zurück. Jerusalemer Juden mit langen Pies, spanische Juden in ihren wunderbaren farbigen Samt- und Brokatmänteln, Polen, Deutsche, Engländer, aus allen Ländern kamen sie zu einem Zwecke und einen Weg gehen sie. Wir biegen in eine Querstraße ein, die schon nicht mehr überwölbt ist. Ein Stück Mauer zeigt sich da oben vor uns, ein Stück der ’a-ira V/vo noch eine Biegung, und wir sind an unserem Ziele. Vor uns liegt die ’aiy»' sie ist 28 Meter lang, 14% Meter hoch. Die unteren Steinreihen sind große Quadersteine, so wie sie uns aus der Geschichte des Tempelbaues bekannt sind. Die oberen Steinreihen stammen aus späterer Zeit. Der ganze Platz vor der ’mya Vrvo ist gedrängt voll. Rechts haben sich die Männer gruppiert und links die Frauen. Ich bemühe mich eine lange Zeit vsrgsbsns. elNM Matz ZU Mommm. Wg iltz vuhiz 5s% lääeü fä™. 3QB0I BßjjflUJJfSl ist Iah rnrt einer. unglauhlidjeti Zähigkeit. Fast eine Viertelstunde dauert es, bis ich mich an die Wand vorgedrückt habe; und als ich meinen Platz schon erobert habe, ist noch immer nicht an rftsn zu denken. „Nur einen Kuß will sie geben, laßt sie doch bitte hin", mit diesen Worten schieben Frauen sich gegenseitig vor an die Mauer. Einen innigen Kuß auf den Stein, einen Tränenstrom, ein Abschiedblick, und sie machen den Nächstfolgenden Platz. Endlich stehe auch ich ganz vorne. Mein heißer Kopf fühlt den kühlen Stein und auch mir fließen die Tränen. Um mich her ein einziger Schrei! u'nvn'Ivai- Auf firr-Boden stehen wir, auf dem Platze unseres Heiligtumes und doch, an keinem Orte der Welt fühlen wir so das Golus wie hier. Ich schließe die Augen und sehe das cnpari xra in alter Pracht, höre den Gesang der mii», sehe unsere Eltern jubelnd - und jauchzend zum Bnpan rra wallen. Einen Augenblick der Versunkenheit, doch schon mahnt die Gegenwart. Hinter mir drängt es sich. Noch Hunderte und Aberhunderte wollen gleich mir ihr Herz an dieser Stätte ausschütten. Doch ich bin auch rücksichtslos geworden, so schnell gebe ich den gewonnenen Platz nicht auf. Immer wieder liebkosen meine Hände und mein Mund den kalten Stein, der doch so unendlich viel Leben in sich hat und immer wieder stammeln meine Lippen das Gebet cn-van ma ma'v- R. F. ffiic sollen mir Mim 1 Eine Entgegnung von Heinrich Einsiädter. In Nr. 17 des „Israelit" veröffentlichte ich f ü r K i n - der einen kleinen Artikel über die Art des Betens. Es lag mir fern, im Rahmen jenes kleinen Aufsatzes Streiflichter auf manche Unsitten zu werfen, die wir in den Synagogen bei Erwachsenen beobachten, sondern meine Absicht war, erzieherisch auf die Jugend einzuwirken. Da aber in Nr. 19 eine Erwiderung erfolgt ist, die ich nicht durch Stillschweigen bestätigen möchte, und da mir andererseits manche Kundgebungen der Zustimmung zu meinen Ansichten zugegangen sind, sehe ich mich veranlaßt, hiermit speziell auf das „Schütteln" beim Beten zurückzukommen, ohne mich nochmals über alles zu verbreiten, was damit zusammenhängend von mir erwähnt worden ist. Das „Schütteln" beim Beten ist keine deutsche Sitte. Es ist vom Osten hierher gebracht worden und zwar mit Unrecht; denn es ist Vorschrift, daß man sich nach den Sitten des Ortes richte, nach dem man kommt. Das Schütteln äußert sich in einer taktmähigen pendelhaften Bewegung des Körpers. Die Gleichförmigkeit der einzelnen Schwingungen ist dabei das Wesentliche, während die Art der Bewegung bei den verschiedenen Personen je nach ihrem Temperament und ihrer Gewöhnung bald ein schaukelndes, bald ein stoßweises. Wiegen des Oberkörpers, zuweilen auch ein abwechelndes Drehen desselben nach beiden Seiten darstellt. Dieses „Schaukeln" ist oft von ebenso gleichmäßigen Geräuschen begleitet, die durch das Festhalten und Ziehen an der Bank verursacht werden, und meistens auch von einem deutlich vernehmbaren halblauten Beten. Das „Schütteln" soll die Andacht des Beters fördern. Zugegeben, daß dies am Anfang der Fall ist, so muß ich doch bestreiten, daß es, einmal Gewohnheit geworden, auch fernerhin dazu geeignet sei. Der Beter beginnt köm stmeDnotitsmaita mm ftnfana km Sotona mit Dem ©qnmcin unD Mi Domü auf, soöalö ö? Mis ist. Wie leicht die Möglichkeit einer Ablenkung der Gedanken gegeben ist, und wie sehr auch unsere Alten damit gerechnet haben, beweisen ihre Anordnungen bezüglich der Wiederholung der Gebete, die ohne Andacht verrichtet worden sind. Doch mag jeder innerhalb seiner vier Wände alles tun, was er zur Erweckung und Befestigung der Andacht für geeignet erachtet. Anders verhält es sich jedoch beim gemeinschaftlichen Gottesdien st. Dieser sollte m. E. eine Veranstaltung bilden, die vor allem zur gegenseitigen Rücksichtnahme erzieht! Wie rst es mir möglich, andächtig zu beten, wenn der Nachbar beständigt schüttelt, wenn bei jeder seiner Bewegungen die Bank knarrt, wenn er dabei brummt oder sich so benimmt, wie es mir eben meiner ganzen Erziehung und Bildung nach als fremdartig, als st ö r e n d , wenn nicht schon als ärgerlich und rücksichtslos erscheinen muß! Es liegt mir fern, die Sitte dort beurteilen zu wollen, wo sie Heimatrechte genießt. Aber hier möge man uns ungestört in einer Form beten lassen, die unseren Anschauungen von Anstand und Würde entspricht. Nun erwähnt mein anonymer Gegner die Tatsache, daß von vielen Aschkenasim dieses früher dem Osten eigentümliche „Schokeln" mit mehr oder weniger Echtheit angenommen worden." Mit dieser Bemerkung untertreicht er unbewußt meine Ausführungen. „M itmehr oder weniger Echtheit!" Wirkt schon das Schütteln von unseren Brüdern von Osten auf uns störend, so empfinden wir es geradezu als Unfug, wenn es von Kindern und jungen Leuten nachgeahmt wird. Ich beobachte einen Knaben von etwa 10 Jahren, der im n-Hv steht, schüttelt und brummt und singt, aber — nicht betet! Einen guten, guten Jungen, der jedes Wort laut spricht und schüttelt und schüttelt, gleichviel bei der wie bei Tp'^na naa, das er, er möge mir verzeihen, gewiß nicht versteht. Dieselben Leute, die S. R. Hirsch bei jeder Gelegenheit im Munde führen, den Gelehrten und Frommen, der bestrebt war, unseren Gottesdienst nach Möglichkeit. was äußere Form betrifft, den hier' geltenden Ans^AllllllZAll 88N Anstand und üllür^e c-nAnxicisser-. sie schauen ruhig 3», tote Zusiänhe emreljjen, die öer Begründer „der Neuorthodoxie" wahrlich nicht gewünscht hat. Auch sonst ließe sich aus der „Entgegnung" noch manches als Beweis für meine Ausführungen heranziehen. Ich verzichte darauf. Die unzutreffende Ueberfchrift: „Ruhiges oder bewegtes Gebet?" ist schon ein Beleg dafür, daß selbst die gegnerische Seite sich dessen bewußt ist, daß man hier noch nicht laut und deutlich nach dem „allgemeinen Schokeln" rufen darf. Der Kern ist: Nicht die Absicht ist die Hauptasche, sondern die Rücksicht, und nicht nur die Rücksicht auf die Erwachsenen, sondern vor allem auf die Jugend, die in der Gegenwart und mit der Gegenwart lebt und im Gotteshause einen Gottesdienst sehen soll, von dem sie sich nicht abgestoßen fühlt. CEfi fff b&c ßefer, bte 3nfeca<ert-. jonstlgö Angaben relfgfonsgesehlithen Charakters auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. Besonders gute u. preiswerte Badeapparate bei; SflACbEüCO Am Eschenheimer Tor 3 Es iftlhre eigene Schuld wenn Sie sich mit unrichtigen un<3 c/e h Äugen gfäsern herumquälen! <Optisch & technisch^, kommen* erhalten Sie bei Lieferant ■sämtlicherfcassen Schleslcky -Strohlem Tel. Hansa 2208 m* h. H. Kaiserplatz 17 Hansa Grosswäscherei vorm. Gebr. 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