Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 19 (6.5.1926)
- Date
- 1926-05-06
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Nr. 10 Der. Israelit liäS Korrespondenzen * ßacDricbten. Die völkische Hetze um den Siegmundshof. Berlin, 26. April. In der letzten Stadtverordnetenversammlung wurde die Anfrage der Deutschnationalen wegen der Inanspruchnahme des Atelierhauses Siegmundshof 11 durch die jüdisch-orthodoxe Gemeinde „Adaß Jisroel" behandelt. Bekanntlich hat die „Adaß Jisroel" das Atelierhaus durch Kauf erworben, um dort eine Synagoge und eine Schule emzurmen. Der Führer Der DMillMtM« in Der Siakioerorbnelerroerfamnckurrg, der bekannte Pfarrer Köch, hatte die Anfrage in eine Form gekleidet, daß eine Beleidigung und Beschimpfung der jüdischen Mitbürger dabei herauskam. In der gleichen Weise begründete er auch mündlich die Anfrage seiner Fraktion. Der Sozialdemokrat Horlitz trat den Ausführungen Kochs entgegen und sagte, die Künstler im Siegmundshof seien selbst über den rüden, mktlosen Ton der deutschnationalen Anfrage erstaunt und empört. Im übrigen sei die Gemeinde Adaß Jisroel, die Besitzerin des Hauses ist, in einer Zwangslage. weil der Minister des Innern die baldige Einrichtung einer Schule von der Gemeinde verlange. Dazu braucht aber die Gemeinde ein Haus. Gegenwärtig störe noch niemand die Künstler in ihren Arbeiten. Die sozialdsmokratlschs Fraktion beantrage baf>er, um Öen Künfttw? gu helfen, daß der Mllgistr'al in Verhandlungen versuchen solle, das Haus anzukaufen und den Künstlern die Weiterbenutzung ihrer Ateliers zu sichern. Der Antrag wurde angenommen. Die Wahlliste der konservativen Repräsentanten. Berlin, 23. April. In einer am 22. April abends abgehaltenen Sitzung wurde die konservative Liste für die Wahlen zur Repräsentanten-Versammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde festgestellt. Die ersten 10 Namen auf der Liste sind: Moritz A. Loeb. Moses Bauer. Dr. Wechselmann. Dr. Jsi Kahn. (HiSg&S^ £btxJtf H«n?snldiirkwr UM, Waller Silberstein, Moritz Glogau, Dr. Jacob Segall. Die Hebräische Universiläk und die jüdischen Gemeinden. Utrecht, 30. April. Im Vorstand der hiesigen Gemeinde wurde von zionistischer Seite der Antrag auf finanzielle Unterstützung der hebräischen Universität gestellt, mit der originellen Begründung, die Universität sei eine ..Lehr- Wswtt für BoDßitfuimr" UND imm Dshsv UM j^srmann ohne Untec\d)ieb der Weltanschauung unterstützt werden. Die Antragsteller fügten hinzu, daß sie selbst gegen die Gewährung der Unterstützung sein würden, sobald an der Universität Lehren verkündet werden sollten, die im Gegensatz zu der jüdischen Ueberlieferung stehen. Der Vorstand holte zu der Frage ein Gutachten des Oberrabbinats ein, das sich mit Entschiedenheit gegen die Gewährung der Subvention aussprach. Das Oberrabbinat bestreitet natürlich die lächerliche Behauptung, daß die Universität eine Lehranstalt für Bodenkultur sei und führt aus, daß das „jüdische Institut", die einzige bisher vorhandene Fakultät auf dem Gebiete der Geisteswissenschaften. durch Namen mie Klausner, den Inspirator non Stephen und Pppf. <sbmx\i SW s o c r gekeimzeiüMi wird. Es fei selbstverständlich, daß an dem Institut die Göttlichkeit der Thauro als ein die freie Wissenschaft behinderndes Dogma verworfen und Vibelkritik im größten Stil getrieben wird. Eine jüdische Gemeinde, die auf dem Boden der Thauro steht, könne daher sich einer Förderung dieses Institutes nicht schuldig machen. Es ist anerkennenswert, daß angesichts des Terrorismus, den die Zionisten auch hierzulande in den Gemeinden auszuüben suchen, das Oberrabbinat den Mut gefunden hat, das Kind beim rechten Namen zu nennen. Hmevita. Präsident Eoolidge unterschreibt die Koscher-Bill. Washington, 28. April. Präsident C o o l i d g e hat das vom Distrikt Columbia auf Antrag dss jüdischen Kongrstzrnitglisdss Diktstein angenommene Gesetz über den Handels mit rituellen jüdischen Speisen unterschrieben, wodurch das Gesetz ..Gültigkeit erlangt hat. Laut dem Gesetz ist es im Distrikt Columbia verboten, Fleisch nicht rüsfii 8fWa®isrsn aieDs ata loffflcn fletsch anzubceten, ebenso ist es verboten, in ein und derselben Fleifchhalle Koscherfleisch und Nichtkoscherfleisch zu verkaufen, es fei denn, daß auf dem Geschäftsschild ausdrücklich bekannt gegeben wird, daß neben Koscherfleisch auch Nichtkoscherfleisch verkauft wird. Jeder, der diese Vorschriften Übertritt, wird mit 1000 Dollars Geldstrafe, in krassen Fällen sogar mit Gefängnis belegt. Cs ist dies das erste Mal, daß ein amerikanischer Präsident ein Gesetz zum Schutze des jüdisch-religiösen Lebens unterschreibt. Das in New-York geltende K°s^gesetz untksfgg jjjfjji tzks WMM Des MiWkMrr.' hingegen vliö KofchSMsstz im Distrikt Columbia, her unmittelbar ■ -er Kongreßhoheit untersteht. Die Sanktion dieses Gesetzes durch den Präsidenten der Vereinigten Staaten bedeutet eine moralische Stütze für die jüdischreligiöse Schächtmethode. Annahme der Rabbiner-ImmigräiiönsbiÜ dmch den amerikanischen Kongreß. New-York, 28. April. Der Kongreß der Vereinigten Staaten hat die vö'M New-Yorker jüdischen Kongreßmitglied Dickstem eingebrachte Bill, wonach Frauen und minderjährige Kinder von Rabbinern, die vor dem 1. Juli 1924 yach Amerika gekommen waren, außerhalb der Quote einwandern biirjenf M Mll Ml öör. Dög lM All; gehörige von Geistlichen anderer Neligionen sowie von Professoren den gleichen Vorzug genießen. Durch die Annahme dieser Bill ist ein Zustand beseitigt worden, der bisher Anlaß zu mehr als einer jüdischen Familientragödie gegeben hat. Man hofft, daß der Senat das Gesetzprojekt schon in den nächsten Tagen sanktionieren wird. P«f5ftina. Ein Besuch in Machane Jisroel. Tel-Awiw, 23. April. d-r Aguz-ax MMl gklltllrlk in Allst lislllvll (MMUrg) besuchte Dieser Tage die Agudakokonie Machane Jisroel. An der Spitze der Delegation steht der Vizepräsident der orthodoxen Landeskanzlei in Kratislawa, Herr Oberrabbiner H i r s chl e r. Unter der Führung des Leiters des Wirtschastsamtes der Agudas Jisroel fuhr die Delegation zunächst auf die Felder von Machane Jisroel, die eine gute Ernte versprechen. Die Musterheimstätten, die Gärtnereianlagen, das Bethamidrasch, das neue Gemeinschafts- und Krankenhaus wurden gleichfalls besichtigt. Unter dem Eindruck des Gesehenen wurde von Mitgliedern der Delegation der ansehnlllhö Wrag van PfMö 300— W für Kolornalgwecke übergeben. Nachdem im Bethhakneseih gemeinsam Mincha gebetet worden war, nahmen sodann die Gäste aus der Slowakei in herzlicher Form Abschied von den Bewohnern der ersten agudistischen Kolonie im fruchtbaren Emek Jisreel. Wie wir von maßgebender Stelle erfahren, ist die Anlage eines tschechoslowakischen Kolonieviertels in Machane Jisroel geplant, in dem sich nuter anderem auch eine neue Talmud-Thora-Schule befinden wird. Ein führendes Mitglied der Delegation äußerte sich folgendermaßen über das Gesehene: „Wir sind überaus erstaunt, schon nach kaum achtmonatlicher Arbeit inmitten reichlich tragender Felder eins so töeii oorgejcfjrittene Kolonie QM flnben. Dir Pnlüstmagrntralc Der AguvllS Jisroel hat hier wirklich vorbildliche Arbeit geleistet. Jetzt verstehen wir es auch, warum sogar die gegnerische Presse für das hier Geleistete Worte der Anerkennung findet. Besonderen Eindruck hat auf uns der neue Typus des Arbeiters gemacht, den wir in Machane Jisroel vorgefunden haben, wir sahen orthodoxe Juden, die es an Arbeitswillen und Arbeitsfähigkeit mit jedermann aufnehmen können. Die Kinder der Kolonie, die einen lebhaften und gesunden Eindruck machen, ließen erkennen, daß es auch mit dem Nachwuchs der Kolonie gut bestellt ist. Jedenfalls aber wird der Keren Hajischuw bedeutend vergrößert werden müssen, damit er unseren Kolonisationsaufgaben gewachsen bleibt. Wir werden sofort nach unserer Rückkehr in die Slowakei mit einer intensiven Arbeit für das Palästinawerk der Agudas Jisroel und insbesondere für Machane Jisroel beginnen und erwarten, daß alle ortho- WSkll m MUMM Ws Dem Wögs Das Mvau 6. Mai 1928 Hajischuw die landwirtschaftliche Kolonisation orthodoxer Juden in Erez Jisroel fördern werden." Rabbiner Kuk und die Arbeiter. 3ß*UfflUiÄ, 00. Apvil. . Im Jerusalemer „Doar Hajom" wird von Verhandlungen berichtet, die zwischen Oberrabbiner Kuck und den Arbeitern im sogenannten „Gedud Haa^oda" am Rüsttage des Peßachfestes stattgefunden haben. Dem Oberrabbinate wurde bekannt, daß in der Arbeiterküche dieser Organisation am Peßach Chomez gekocht und gegessen werden solle, und so entschloß sich der Oberrabbiner zu einer persönlichen Intervention. Leicht war es chcht, denn der Leiter des Gedud ließ sich/^s shch hex hohe Besuch des Oberrabbiners im #üro gemeldet wurde, einfach ver- IM8IWI Utib fMubis "S auch, ms Mejchv» g» gehen, als Ltzerrabhiner Kuk ihn gegen Abend noch einmal anrief. Als endlich nach vieler Mühe das Telephongespräch zustande kommen konnte, schlug Oberrabbiner Kuk dem Leiter vor, ihm vom Rabbinat aus das für die Verpflegung aller Mitglieder erforderliche Quantum von Mazzaus zu besorgen, so daß die rituelle Peßachverpflegung nicht teuerer kommen würde, als der übliche Verpflegungssatz. Darauf der Leiter: „Die Leitung des Gedud und seiner Küche sieht in der Religion eine private Angelegenheit. Wer Mazzos essen will, kann' sie in der Küche haben. Wer aber die Peßachkost aus „Ueberzeugung" ablehnt, dem zwingen wir sie nicht auf und. es steht ihm frei, in der Küche nach Belieben Chomez zu essen. Es steht Herrn Rabbiner Kuk kein Recht zu, sich bie einßumiffenr ßtff LMrMMer Ml machte darauf aufmerksam, daß der Gedud mit dem Palästinaaufbau eng zusammenhänge, dieser aber keine private, sondern eine jüdische Volksangelegenheit sei. Er glaube auch nicht, daß irgend welche Mitglieder „aus Ueberzeugung" Chomez essen, eher dürfte schon zutresfen, daß sie in Ausnützung ihrer kritischen wirtschaftlichen Lage zum Chomezessen gezwungen werden. Er erklärte sich nochmals bereit, die Küche genügend mit Mazzos zu versorgen und die ganze Kostendifferenz zu übernehmen. Die Sache schloß am Telephon vorläufig damit, daß der Leiter versprach, den Antrag des Oberrabbiners einer Mitgliederversammlung des Gsbud »orgMlegeTt. Bis 5«^ ftzn ösr Artikel des „Doar Hajom" M schrieben war) ist dem Oberrabbinat kein Bescheid gugegangen. Der „Doar Hajom" fügt dieser Mitteilung ein scharfes, mahnendes Wort an die Mitglieder des Gedud an, die, solange sie auf Unterstützung des jüdischen Volkes angewiesen sind, sich nicht anmaßen dürfen, die jüdischen Gefühle der Gesamtheit in so gröblicher und herausfordernder Weise zu verletzen. Eine Institution, die, wie die Arbeiterlegion, den Aufbau des Landes symbolisiert, darf sich nicht als private Gesellschaft betrachten, die mit den ^eUigtximern b^ MfllIZ ssiMll HM. DlQ W» nistifcho Leitung müsse Dessen erngeöenk fein, daß solche Vorkommnisse nur dazu angetan sind, das Herz des Volkes der Aufbauarbeit zu entfremden. Solche Steine des Anstoßes aus dem Wege zu räumen, müsse sich die Zionistische Leitung mindestens so angelegen sein lassen, wie die Behebung äußerer Schwierigkeiten. — Die Einsicht des „Doar Hajom" ist begrüßenswert. Leider aber ist nicht zu übersehen, daß der „Doar Hajom" und die ihm nahestehenden Kreise lange genug zum Treiben der Arbeitslegionäre geschwiegen und ihre Bemühungen zur Verweltlichung des jüdischen National - Heimes sogar mit allen Mitteln, die ihnen zu Gebote standen, unterstützt haben. Berichtigungen. Die Veröffentlichung: „Ein bedeutsames Dokument" in jüngster Nummer enthält einen störenden Druckfehler, der als solcher nicht zu erkennen, aber Mißverständnisse hervorzurufen geignet ist. Der zweite Brief datiert ’-uaV n"b 'x Dre Setzer setzte rr\ Der 18. Omertäg kann niemals auf ^Dienstag fallen, mofyl aber der 38. Im Leitartikel der jüngsten Nummer „Zur Frage des rituellen Schächtens" müssen folgende Druckfehler berichtigt werden: Spalte 1, Zeile 13 von unten statt Naturen lies „Natur", Spalte 2, Zeile 12 von unten statt in Schmerzen lies „im Schmerze", Spalte 4, Zeile 13 von oben statt München lies „Bern", Spalte 4, Zeile 2 von oben statt jedes lies „jenes", Spalte 7, Zeile 17 von unten statt rauben lies „berauben", Spalte 8, Zeile 7 von unten statt auf lies „aus". Im Artikel „Vom Sinne des Judentums" in letzter Nummer am Ende des letzten Absatzes muß es heißen: ..Die p^sif^ev MdgiWmm m stotmr MD NW »dir psychischen".