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Der Israelit · 1926-05-06 · Heft 19 (6.5.1926) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 19 (6.5.1926)
Date
1926-05-06
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 Nr. 19 Der Israelit ergötzliche Schauspiel vollends versöhnend und Heymson versprach unter Lachen, doch zu kommen, gleichsam als Dank für das ihm gebotene Vergnügen. Heymson ging am Sabbatmorgen in die „Schul" — das Beshamedrasch, wo die Gelehrten beteten, verzichtete auf die Ehre —, nachdem er sich tags zuvor mit einem Trinkgeld bei Chajim gegen einen „Aufruf" bestens versichert hatte. Chajim der Schames, rief ihn aber, sobald er seiner ansichtig wurde, dennoch auf. Vom Segensspruch Heymsons hatte keiner etwas gehört — er sprach ihn vielleicht in der Sprache der Amerikaner, witzelten die Leute —, aber um so vernehmlicher war die Verkündung der Hundertdollarspende aus dem Munde des Schames. Es war auch vielleicht nur eine Bosheit Kussels, der den Ausfall des Trinkgeldes auf dem Friedhofe immer noch nicht verschmerzen konnte, was er als Nahestehender — er machte auf dem Almemor Handreichungen — vom Hergang dieses --Aufrufes" unter Ute Leute brachte Heymson hätte wie er auf den Almemor trat, Chajim dem Schames zugeraunt: „Wie kommt Ihr, Chammer, Idiot dazu, mich aufzurufen, wo ich doch . . .", worauf Chajim pfiffig mit „Omen" einstimmte und gleich zu leienen begann. Wie der Abschnitt zu Ende war, flüsterte Heymson: „Das habt Ihr brav gemacht, es gibt extra Trinkgeld!" Worauf Chajim der Schames: „Mifcheberach . . ." Chajim der Schames, wehrte sich nur schwach gegen diese Darstellung und sagte bloß: „Die Berocho ist gesagt worden, verlaßt Euch darauf, wenn nicht von ihm, dann von mir." Nach dieser überstandenen Exekution ging Heymson auch in die Schneiderklaus und kam noch gerade recht, um das versprochene „Kiddusch" von Leib Tirze Sores, dem Schenker, holen zu lassen. Im dunklen Gang zwischen Klaus und Werk statte stieß Heymson zum ersten Male auf Reifete und er blieb stehen, wie von einem Lichtstrahl, wenn sich der Himmel dunkel über die Erde gelegt, gebannt. „Woher und wohin, schönes Kind?" Er suchte sie an der Hand zu fassen. Sie entschlüpfte aber mit feuerrotem Köpfchen und verschwand in das Schneiderhaus, und er konnte nicht nach, dieweil just Pinne der Gabbe, in höhere Regionen anlangend, mit fremden Zungen sprach und ein Hoch auf die Gilde der Haarschneider ausbrachte und auf Amerika, das aus schlechtestem Schunde solche Mützen herstellt, das heißt, aus abgefeimten Lumpen Wohltäter der Menschheit macht. Eine Gruppe von Schneidern und Schustern ließ es sich nicht nehmen, den Wohltäter dreimal sanft in die Höhe zu heben und dann mit ihm einen kleinen. Reigen aufzuführen. (Fortsetzung folgt.) hillel. Als i>as Ärgern ber SBercinigung für bas liberale Judentum, ist im wesentlichen ein Theologen-Organ. Die mehr oder minder geistreichen, meist stilistisch formvollendeten Auseinandersetzungen der liberalen Geistlichen über die Theorie der jüdischen Weltanschauung in liberaler Bearbeitung und über ihr hoffnungsloses Ringen um idealen Einfluß auf die Seelen der ungläubigen Gläubigen machen den Hauptinhalt des Blattes aus. Dabei tritt der Zwiespalt zwischen der Tendenz zeitgemäßer „wissenschaftlicher" Preisgabe der Tradition und der Einsicht in die selbstmörderischen Wirkungen dieser Preisgabe häufig in einer vom menschlichen Standpunkte erschütternden Deutlichkeit zutage. Jetzt hat das Blatt den Magdeburger Rabbiner Dr. Wilde beauftragt, einmal wieder zu untersuchen, was eigentlich von . den alten „Formen und Bräuchen" des Judentums für unsre Modernen noch brauchbar und tragbar sei. Man konnte dem Ergebnis dieser Untersuchung zustimmen, wenn nicht die Prämissen, von denen sie ausgeht, so falsch und die Konsequenzen, auf die sie abzielt, so verdächtig wären. Herr Dr. Wilde verficht die Formen und Bräuche, die „die Haut des religiösen Körpers" sind, welche ihm Schönheit und Ausdruck gibt, „der Inhalt lebt erst durch die Form". „Cs kann auch keine „religiöse Gemeinschaft bestehen, die nichts als ein ethischer Verein wäre." Das Judentum hat eine Sittenlehre, aber es erschöpft sich nicht in der Sittenlehre". „Man darf der Haut nie den Ausweg verschließen, würde man einen Menschen vergolden, so mühte er sterben ... ." Soll letzteres den Totenschein für den jüdischen Liberalismus bedeuten, mit Angabe der Todesursache: Verbauung des Atemweges, Vergoldung eines lebendigen Organismus durch eine Richtung, die aus Formen Reformen machte? Es ist leider nicht dieses, was Dr. Wilde sagen will, darüber werden wir schon in den ersten Einleitungssätzen reichlich belehrt. Wir wollen es dem Herrn Rabbiner nicht verübeln, wenn er in einer wenig geschmackvollen oratorischen Wendung die Gefühle, die das Küssen der Thora in uns auslöst, an dem Küssen der Fahne durch Napoleon bei seinem Abschied von seinem Stabe veranschaulicht. Ueber Fragen des Geschmackes soll man nicht streiten. Aber da, wo Herr Dr. Wilde, mit viel weniger Respekt als er ihn vor dem großen Korsen hegt, von unserem H i l l e l und seiner Auffassung vom Judentum spricht, handelt es sich nicht um einen Vorstoß gegen den Geschmack, auch nicht allein gegen die Pietät, sondern es ist ein grobes Mißverständnis, das zu einer objektiven Verdrehung der ganzen Sachlage führt. Hillel antwortete einem Heiden, der die ganze jüdische Lehre auf einem Fuße stehend erlernen wollte: „Liebe Deinen Nächsten wie dich selbst. Das ist die ganze Religion, alles andere ist- Kommentar." Wilde nennt dies „eine platte Antwort auf eine törichte Frag e." Wilde, der tiefere und gewissenhaftere Rabbi, sieht in der Sittenlehre, im Gegensätze zu Hillel, nur einen Teil der Religion, aber nicht die ganze, er vermißt darin die Mögliüjteit ver seelischen Erhebung des sinnvollen Schonens^ mit einem Worte» den Glauben, den eigentlichen Gottesglauben. Wir müssen nach dieser Wiedergabe des Hillelfchen Satzes zunächst bezweifeln, ob ihn Wilde an der Quelle im Talmud Traktat Sabbat F. 31 überhaupt je gesehen hat. Denn dort hat die Hillelsche Antwort gar nicht die hier aus der Bibel zitierte, positive Fassung, sondern lautet in negativer Formulierung, rnr^ ■oo ibjn nro T>33m worauf es hier sehr wohl ankommt. Denn es wird mit dem Hillelfchen Satze das seelische Einheitsband angedeutet, das unser eigenes Ich — das einzige im Weltall, wovon wir eine unvermittelte sichere Kenntnis beißen — mit allen Wesen der Welt verbindet, die unmittelbare Konsequenz des Gotteseinheit-Bewußtfeins. „Dein Genosse" — das ist nicht nur Nachbar und Mitmensch, sondern jede Kreatur und alle Sterne im Weltall. (Siehe S. R. Hirsch zu 3. B. M. Kap. 19.) Der Vorwurf der Plattheit trifft nicht Hillel, sondern diejenigen, die in seiner Antwort, wie Wilde, nur ein Postulat des sozialen Sittengesetzes erblicken. Eine Plattheit wäre es auch, den Satz so zu übersetzen: „Wenn du nicht willst, das andere dir Leides zufügen, so füge auch ihnen kein Leid zu." Wollte Hillel dieses sagen, wo wäre darin überhaubt ein Sittengesetz enthalten? Es wäre lediglich das harte Gesetz des Egoismus, das im Interesse der Selbsterhaltung, des eigenen Wohlergehens empfiehlt, das Glück anderer nicht zu stören, ein Gesetz der Klugheit, das mit Sitte und Moral nicht das geringste zu tun hat. Hillel fügt aber seinem Grundsätze "die Worte an: •um ^'7 rrm ntfrva “p’Ni und will damit sagen, daß unser Tun und Lassen für unser und der „Nächsten" Wohl nicht dem Ermessen unseres Meinens und Fühlens überlassen sein kann, sondern, daß wir dafür den von Gottesweisheit und Einsicht offenbarten Maß st ab in der Thora haben. Nirgendwo ist es so klar und prägnant ausgedrückt, wie in diesem kurzen Dialog zwischen Hillel und dem bekehrten Heiden: Wir haben keine Ethik, die, etwa wie die Ethik der großen Griechen oder der späteren Philosophen, eine Sittenlehre der Menschen und lediglich unter dem Gesichtspunkte der Selbsterhaltung, des Schutzes der menschenlichen Gesellschaft zu beachten ist. Unsere Liebe zu Andern und alle daraus ersprießenden Liebeshandlungen gegen die Geschöpfe der Welt erwachsen ganz naturgemäß aus der Liebe zu Gott. „Haben wir nicht alle einen Vater?" fragt der Prophet. Die Brüderlichkeit der Menschen ergibt sich als ganz natürliche Folge aus' der Erkenntnis unserer Gotteskindschaft. Dem heidnischen Kaiser erklärt Raban Gamliel unsere Pflicht, den Armen beizustehen, worin der Heide gewissermaßen eine Auflehnung gegen ©ott uno Dös von ihm um m Eimmen veWiM ©öjUTfal erOiurt, mit Dem Satze Der Schrift ~r> am etm 'tbv Der Heide vor Hillel wollte die ganze Lehre des Judentums auf einem Fuße stehend erfassen. Hatte er aber einmal die Pflicht des Menschen begriffen, die eigene Seele als Maßstab der Pflichten und dann noch gedacht an das rr'n nDii'a Trja daran, daß alle Teile der Thora, der mündlichen wie der schriftlichen nicht aber Menschenwollen und Zeitgeist diesen Begriff der Nächstenliebe als den der wahren Gottesliebe, der treuen Gotteshörigkeit präzisieren, dann hat er das Ganze erfaßt. „Wer im Geschöpfe das Gottesgeschöpf liebt, der hat die Liebe zu Gott in der Liebe zu seinem Geschöpf bekundet: mnan ns ams mvvn ns 3W8." So ungefähr erklärt ein Lehrer, der die Worte Hillels in ihrer ganzen Tiefe ersaßt hat. weil er, selbst ein Begnadeter, das geübte Auge hatte für die Tiefen unter der Oberfläche, an der die Weisen des liberalen Judentums haften bleiben. (Don der Insel' des Hasses). Das Wolff'fcke Telegraphen-Büro verbreitete am 1. April eine offizielle Kundgabe der Badedirektion und des Gemeindevorstandes Borkum, in der gegen angeblich falsche Gerüchte über einen dort herrschenden Verhetzungszustand Verwahrung eingelegt und versichert wurde, daß Badedirektion, Gemeindeausfchutz und' die ganze Borkumer Bevölkerung dafür einstehen, daß Ruhe und Erholung für jeden einzelnen gewährleistet ind. Ein Leser des »Vorwärts" beglückwünschte die Badedirektion Borkum zu dieser Kundgebung und 6' Mai 1926 sprach die Hoffnung aus. daß das an die niedrigsten Instinkte apellierende Borkumlied" verboten werde. Als Antwort erhielt der Leser von der Badedirektion den „Führer für das Jahr 1926" zuqefchickt, in dem?s auf Seite 26 heißt: „Borkum ist heute längst bekannt unter dem Namen die ..deutsche Insel". Einer der Hauptgründe dafür, daß es sich einer immer noch mehr steigernden Beliebtheit und Anziehungskraft erfreut, liegt darin, daß es seine Tore und Türen feindlichen Ausländern und undeutschen Inländern bisher fest verschlossen hat und von feiner nun schon bald 60jährigen Tradition in dieser Beziehung auch in der vielfach so veränderten Nachkriegszeit trotz unerhörtester Druck- und Vergewaltigung-Versuche oon gewissen Seiten, die besonders in den beiden letzten Jahren in Anwendung gebracht wurden, nicht gewichen ist und auch niemals weichen wird. Borkum gehört nur den Deutschen! Juden verbeten!" (König Zreisal' v)ast im jüdischen Kaufe). Reuter berichtet aus Bagdad, dotz infolge der Ueberschwemmung des Königlichen Palastes sich die königliche Familie nach einer der Baumwollplantagen dcs Königs. 100 Meilen nördlich von Bagdad begeben hat. König Feisal selbst hält sich vorüdergebend im Hause eines reichen jüdischen Kaufmanns in Bagdad auf. vurcy Pf? PWM «IMlichtst« Schaden in Bagdad und Umgebung Iviid auf zwei Millionen Pfund geschätzt. Die Lage hat sich ein wenig verbessert» da der Tigris nicht weiter gestiegen ist. Ts ist ausschließlich Sache der Leser, die im Jnserateuteil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben religionsgesetzlichen Charakters auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. Au£ die Minute.<■ Adolf Matt ■■■■■■■■■ Gr. Friedbergerstr. 43 Ecke Schäfergasse Uhren Juwelen Trauringe Gold- und Silberwaren Gut eingerichtete Reparatur-W erkstätte SENKIKc Gasherde vorzüglich im Braten und Backen IC- Niedrige Preise - Teilzahlung Riesige Auswahl E Uärit.(h VORM.HOR5TKmTER.KKm0 .UrWE6^ am ESCHENHEIMER TOR 3. 11 MEDRUVA ft mech. Druckluft-Teppich - Reinigungs- Gesellschafs m. b. HL früher: MEDER’S TEPPICH-REINIGUNGSWERK TEL. HANSA 4642 BERGERSTR. 149 Entstaubung - Chem. Reinigung - Kunstsfopferei - Lagerung - Entmottung mittels Zyklon-Gasverfahren Hansa Gross Wäscherei vorm. Gebr. 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