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Der Israelit · 1926-04-29 · Heft 18 (29.4.1926) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 18 (29.4.1926)
Date
1926-04-29
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
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Seite 14 -m. 18 Der Israelit 29. April 1SSS Abrahamsbund ausgenommen wird unter dem ersten Blutopfer für den angestammten Väterglauben. Und wenn bei Fackelschein und Würzesduft der heilige Sabbat scheidet, hat die Poesie begeisterter Sänger in kunstvoll gegossenen Versen, in wahrhaften Dithyramben mich zu feiern gesucht. Indes — am vertrautesten bin ich dem Volke in der 110 -Nacht geblieben, wo man mir eigens einen gefüllten Pokal kredenzt. Darum kann man es verstehen, wenn ich einmal rückschauend all das zusammenfafsen möchte, was ich da geschaut und erlebt. Die Bilder geben ein Kaleidoskop, farbenreich, abwechslungsvoll. Doch sollen sie getreu sein, Licht und Schatten zeigen, ohne Retouche und Schönfärberei. Am besten gefiel es mir — das sei gleich zugestanden — in jenen Familien, wo man noch wwn sieht mit allerlei Kommentaren, wo Frage und Antwort sich ablösen, der Baal-Habajis im „Kittel" dasitzt, die Hausfrau im alten wjs der Kopf- bzw. Haarverhüllung als „Malkoh" thront, ein Thorajünger vielleicht zu Gaste geladen ist und dergl. Dort ist gut fein. Und ich blieb stets bis zu Ende da. sollte es auch weit über Mitternacht hinaus sein. Wiederum traf ich Familien, in denen das Programm des Abends sich schlecht und recht abwickelte, Punkt für Punkt, genau nach dem Wegweiser der nim- Und doch fehlte etwas: Wärme des Gemütes, Helle des Geistes. Ich möchte dies aber durchaus nicht nässen. Darum Bewertungsnote „entsprechend". Und ungemütlicher fand ich es wo anders. Das „kluge Kind" fragt zwar die nmvi n», bekommt jedoch vom Vater kaum Antwort. Die iiv-Schüssel ist nicht in Ordnung. Bei den „zehn Plagen" kommt erst wieder Leben ins Ganze. „Warum tauchst Du den Finger in den Wein und spritzest aus den neuen Teppich?" fragt das Kleinste den Vater. Und prompt erfolgt die Antwort: „So steht es da in der man." Im Sinne des Talmuds enthebt eigentlich eine solche Frage fast der Pflicht, «mW na 311 fasen. Das Kleine ist aber noch nicht zufrieden: „Hat fcer lüräßtgrtsv such gus Den IwM flifurlgtr" „Wkl natürlich", antworte dSt> 58«*«. lS0Nst gM 05 lMMg Schaalos. Man betrachtet die alten Bücher, liest in der Uebersetzung, unterhält sich, schaut nach dem Essest, ißt wenig Meerrettich und desto mehr nor.n unter allerlei geistreichen Bemerkungen, schreitet zum Hauptpunkt, 111? \nbvr freut sich auf Adrr-hu und Chad-Gadjo, das der Lehrer gesanglich einübte. Und er hatte Recht. Schlaf und Langweile hilft der traditionelle Sang besiegen, auch die Kleinen bleiben wach. Und am andern Tage erzählt man überall, wie schön man den na gegeben. Ein anderes Bild. Seder ohne iio-Schüsfel. Die 3 Mizwos liegen in einer Serviette. Jeder hat ein Glas Wein. Zerstreut auf dem Tische findet man minimale Quantitäten von Petersilie, Spuren von Bitterkraut, auch Ei nebst gebratenem Fleisch. Der Vater macht vvj? und gleich x'2iav' „sagt" die man und teilt Meerrettich aus und zwar so, wie er es „vor sich" gesehen hat. Einzelne Familienmitglieder haben die man auf, andere zu. Man unterhält sich von der schweren Schüttelarbeit, von Klößchen, Grimmselchen, neuen Kleidern usw. Inzwischen ist der Vater fertig geworden mit der man Das Festesmahl einigt die Familienmitglieder wieder in seltener Harmonie. Es ist halb 9 Uhr. Vom Nachbarhaus kommt Besuch herüber: der 23jährige Sohn und seine etwas jüngere Schwester. „Ach, ihr seid noch beim Essen! Wir sind schon lange fertig. Morgen Abend wird es ja etwas später. Bis die Synagoge aus ist. . . . Ueberhaupt wird bei uns am ersten Abend nicht so lange gefedert. Ich bin 1122 und habe nach dem Fasten Hunger." „Es wundert mich, daß du fastest," bemerkt der Hausherr, „du fastest doch sonst auch nicht." „Das mag sein, doch wegen des Sterbens der Erstgeborenen unterlasse ich dieses Fasten nie, so lange ich lebe", meinte der 1122 mit ernster Miene. Die Unterhaltung kommt auch weiter in Fluß, bleibt im Fluß, besonders beim weiblichen Teil. Man benscht, meist jeder für sich. Einige kjjkll auch IJiljTSfi' ffn ffiflf] «*•?*■ 9300 Bon „SHIußgesölMn" m nichts gu mrrkm, Mnn urite-7. hält sich, plaudert und plaudert, bis ein Vorausschauender zum Schluß gemahnt: „Jetzt aber ins Bett! Es ist schon fast halb zehn und morgen geht man schon um 8 Uhr schulen. . . . Einmal sah ich auch einen rnv ^2, der es durchaus ernst nahm mit seinen heiligen Pflichten am Sederabend. Er ging sogar so weit, daß er bei den mvis 'i jedesmal den Becher für mich leerte. Allerdings nahm sein Gesicht dabei allerlei und sonderbare Züge an. Es fiel ihm doch schwer und er machte über die 8 Becher eine Schaaloh beim 21- Der war ein sehr frommer Mann und gab nicht leicht eine Entscheidung, ohne seine Poskim zur Hand zu nehmen oder in den ni2ivni mVw sich umzuschauen. In diesem Fall machte er eine Ausnahme und sagte dem Allzugewissenhaften, er möge für die Zukunft ruhig meinen Becher stehen lassen und denselben nächsten Vormittag zum viip verwenden, was man gern akzeptierte. Am schlimmsten fand ich es in jenen Fällen, wo man mir überhaupt kein 012 weihte, höchstens einen Stuhl und diesen draußen vor die Türe stellte. (Kiste schel Elijohu?-) Ich komme die Dorfstraße herauf, lenke den Schritt zum Hause des Parnes. Es ist dunkel. Ich schaue und lausche. Die Läden sind zu, kein Addir-hu! Unwillkürlich kommen mir Gedanken wie s. Zt. auf dem Karmel: Vielleicht schläft er, der Hausherr, und wird erwachen. Vielleicht ist er in Gedanken. Vielleicht auch auf Reisen — in einem Kurort, um dort mit seiner Frau den nvv zu verbringen. (Nebenbei gesagt, ein Unding; denn ein Baal-Habojs soll am Sederabend als wirklicher „Hausherr" dort sitzen, umgeben von den Seinigen. Im Restaurant ist aber der Hotelier H oder D der Baal Habajrs). Während ich so kalkuliere, vernehme ich doch etwas Leben im Innern. Ich lausche am Laden, das Ohr an eine Spalte gelehnt. Es lautet ganz ähnlich wie Holzsägen. Und Stille wiederum, Stille. Sollte es nur eine Sinnestäuschung gewesen sein? Doch nein, man hört es wieder. Diesmal ähnelt es mehr dem Barchentreißen. Ich finde nun den Schlüssel zur Lösung des Rätsels: man leient heute Abend nur bis -p'?^2i- So geht es schneller. Ich gehe weiter und summe mechanisch für mich hin: i'i-«72i, und an Deinen Toren." Toren, Toren . . . Toren ... da stand ich schon in der Großstadt. Wieder bei dunklen Häusern. Und ich hatte doch gehofft, Dmtfizn iirr nm Vsiw’ '12 V2H überall heute Abend Licht zu finden, wo Israeliten wohnen. Trügerische Hoffnung! Bei den dunklen Palästen große Schilder mit großen Namen, die oft mit -Rat aufhörten. Etliche Male fand ich auch eine Nachtglocke daneben. Die gehört nicht für Elijohu Hanowi. „Nur ernsten Klängen ist ihr metallner Mund geweiht." Ich zog auch nicht daran. Denn wo ich einkehre, soll mit mir Licht, Freude, Frieden und Glück einrteten. Und das soll einst überströmen auf die Allmenschheit, auf die ganze Welt. Ich soll ja einst die erhabene Rolle übernehmen, den zu avisieren. Doch zuvor fällt mie die schwere Ausgabe zu hy w2x crt 2'«^ Oma« bv o’22 2V1 M'12, die Kluft zu überbrücken, welche zwischen den Herzen der Ahnen und denen der Nachkommen gähnt, die volle Harmonie Herzustollen zwischen dem altjüdischen Gerste und der Lebensanschauung der spätesten Epigonen. Ach, eine schwere, ungeheuer heikle Aufgabe! Sie kommt mir jedesmal so recht zum Bewußtsein, wenn ich die Wanderung durch die jüdischen Häuser antrete in der 110-Nacht. Heilige Mizwaus, quantitativ gehäuft und qualitativ so bedeutsam, so tiefgründig, lassen die Ignoranz breiter Masten, das Amhoarazus oft in den groteskesten Formen, in grellsten Farben erscheinen. Und dennoch, ich verzage nicht! Ich sah auch andere Bilder, die mich ermutigen, in meiner Sem schvnrn Trun-s«tze sorgend, dem Deprimierenden das Erhebende folgen zu lasten, fei das Bild hierhergesetzt. Eine schlichtbürgerliche Familie in wenig thoratreuer Umgebung. Der Vater hat weder höhere Bildung genossen noch Thorakenntnisse sich angeeignet. Beim Seder itzeu die beiden erwachsenen Söhne, der eine Kaufmann, )er andere Student, auf v"' nach Hause gekommen. Auch einen Freund haben sie mitgebracht, den Sohn eines weit links stehenden Fabrikanten. Alle drei suchten und fanden Anschluß an lernbeflissene Jugendvereinigungen und wirken durch ihren streng thoratreuen Lebenswandel verbessernd, veredelnd und befruchtend aufs Elternhaus ein. Ueberall gute Ansätze, überall Rückkehr zu niuai min, überall starker Wille zum Besseren. Der 110 wirkt durch einen Zauber, seine Wärme, seine gemütvolle Entwicklung und lichtvolle Lehren erhebend auf alle Teilnehmer. Man freut sich auf solche Familienfeier schon lange voraus und zehrt noch lange von der Erinnerung. Mir aber sagt dieses Bild, auf Jugend zu bauen, auf Jugend zu vertrauen. Die Kontraste werden sich mindern, ausgleichen im guten Sinne, schwinden durch die urwüchsige Kraft der nun selbst. ... Wir stehen mitten auf der Brücke zwischen nov und nun,? .... Ich sehe den Sinai, lichtumflutet. Auch Rauchschwadern dazwischen. Das Licht aber durchbricht und besiegt sie. Die breite Volkmasse steht unten. Sie lieht aber auserwählte Männer oben, Führer, die den Weg zur Höhe, zum Lichte zeigen. Der Berg bebt, zittert. Er fällt aber nicht um, weicht nicht von der Stelle. Auch Israel trotzt allen Schwankungen siegreich und allen Erschütterungen. Mitten zwischen Peßach und dem Offenbarungstage, Erinnerung hier und Hoffnung dort, bleibe ich unerschütterlich treu meiner hohen Mission, meinem lieben und ewigen Volke Israel und begleite es unsichtbar auch zum 711-120-Feste hin. Ainderecke. Unser Zählen. Von Keirrrich Giustädter. Das Kind, das zur Schule geht, zählt die Tage, bis der ersehnte Schabbos kommt. Es freut sich immer wieder von Woche zu Woche auf ihn. Da winkt ihm Ruhe, Erholung, Genuß. Niemals verlieren die Sabbatfreuden ihren besonderen Reiz. Der Erwachsene zählt gleichfalls. Der Sonntag ist ihm der Erste vor dem künftigen Schabbos, der Montag der Zweite und so weiter. Ihm ist nicht minder wie dem Kinde der Sabbat ein Tag der Ruhe und der Erlösung von den alltäglichen Sorgen. Er nennt ihn den Erstrebten der Tage, ein Denkmal der Weltenschöpfung. Sobald vom Ersten der Feste, von Peßach, ein Tag vergangen ist, beginnen wir Tage und Wochen zu zählen bis Schowuaus, der Zeit der Gesetzgebung, dem Tag der Erstlinge. Je länger wir zählen, desto weiter gedeihen die wunderbaren Fortschritte im Pflanzenleben, die zu keiner Zeit des Jahres augenfälliger sind als jetzt. In unseren Seelen reift gleichzeitig das Bewußtsein, daß nicht das Abwerfen aller uns drückenden Lasten für uns die Freiheit, die Erlösung bedeutet, sondern daß wir erst frei werden, wenn wir den ganzen Menschen der Herrschaft des Gottesgesetzes unterordnen. Denn auch unsere Väter, die Gott aus Aegyptens Sklavenhäusern erlöst hat, sind erst frei geworden, als sie freiwillig am Sinai die Befolgung der Thora versprochen hatten. Als sie später im Lande Israels auf eigenem Grund und Boden saßen, da zählten sie ständig. Wie wir die Tage zu Wochen und die Wochen zu einer Siebenheit von Wochen reihen, so banden sie Jahre zu Jahressträußen und wanden aus je sieben Jahressträuhen einen Jobelkranz, in dem die Jahressabbate und der Jobelsabbat am meisten hervorleuchtete. Was brachten sie alles! Freiheit den Geknechteten, ein Aufatmen den Verschuldeten, Eigentum den Besitzlosen, Sättigung den Dürftigen, Erholung selbst dem leblosen Boden, eine allgemeine Anerkennung der Menschenrechte und damit einen Vorgeschmack der endgültigen Erlösung. Und im Ausblick auf diese endgültige Erlösung, Ms FE be*-3»o|^ia^, sth-n zählend und immer wieder zählendruhig unser? Lebenszeit verstreeichen, und an jedem Schabbos prüfen wir uns, ob wir reifer geworden sind zur Erlösung, ob unser Leben sich dem Wege der Thora auch mehr genähert hat, und wir bitten unseren Schöpfer: „Laß uns das Zählen unserer Tage so verstehen, daß wir ein Herz der Weisheit heimbringen." Es ist ausschließlich Sache der Leser, die im Inseraten, keil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben religionsgesehlichen Charakters auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. EH Birobrol Hl> unter Verwendung biochem. Aufbausalzen das Volksbrot der Zukunft! Man beachte den vorzüglichen Geschmack. 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