Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 17 (22.4.1926)
- Date
- 1926-04-22
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10 Ni. 17 Der Israelit 22 April 1826 Leben und Schönheit in der jungen Brust eines Mädchens, das sich wie durch eine Verwechslung aus blühenden Meeresgestaden in diese arme graue litauische Kleinstadtgasse verirrt hatte Einer nur mochte dieses wohl ahnen. Benze der Schneidergeselle Koppels. Benze war kein Geselle gewöhnlicher Art. Sohn angesehener Eltern, hatte er in der ersten Jugend etwas Rechtes gelernt. Und auch jetzt als Schneider wußte er in den Freistunden, trotz der engen Nachbarschaft feinen Platz nicht in der Schneiderschul, sondern im Beshamedrasch. Er hatte Schule und Jsschiroa besucht. Als er älter geworden war drang xrt ihn, töte m otele seiner Alters genossen um diese Zeit, der Wille, etwas zu sein, etwas zu werden, sich, der Welt seinem Volke, etwas zu geben. Der Weg zu solchen Zwecken — einen anderen kannte man im Städtchen nicht — führte über Ameri k a. In Amerika mußte man aber pro duktive Arbeit leisten, um es zu etwas zu bringen dafür hatte das Städtchen unzählige lebendige Beispiele. Also lernte Benze das Schneiderhand werk. Er hatte es längst erlernt, blieb aber immer noch bei Koppel und arbeitete gegen kleinen Lohn statt nun auf sein großes Ziel los zu gehen Warum? Darüber sangen die Vögel von den Dächern und die Nähmädchen Zippes auf der Holzbank an der Schneiderklaus ihre eigenen Lieder. ... Amerika! Das leuchtende Ziel der Jugend im Osten. Auch Reisele sah mit ihren weitschauenden Augen nach diesem fernen Punkte, von wo ein paar Dollars zuweilen auch ins arme Schneiderhaus kamen. Ein Sohn Koppels, Berle, ebenfalls Schneider, war vor Jahren ausgewandert, arbeitete in New-Pork und erübrigte dort soviel, um von Zeit zu Zeit auch den alternden Eltern etwas zuzuwenden. Wo war Amerika? Aus der schmutzigen engen Gasse ging es ins Freie, Grüne, Weite, wo der Bach die Mühle trieb und der weiße Fahrweg sich zwischen Wald und Wiese zog, und von dort ging es weiter, immer weiter über Länder und Meere, nach Amerika. Reisele hatte so oft nach diesem sauberen, schonen Nande des kählöll, in dem alle Häuser, Dinge und Menschen so verwittert und verbittert aussahen, hinausgeschaut und ihre eigenen weiten Gedanken gedacht, daß ihr der Weg ins Weite und Große ganz klar vor der Seele stand. (Fortsetzung folgt.) Aus meinem Tel'Aviver Skizzenbuch. Von Schlomah den Ascher. (Schluß.) Man darf in Palästina bei Leuten, die man nicht kennt, nicht einmal das Geringste nehmen, wozu Milch verwendet wird. Ein Liter Milch beim Araber kostet 40 Pfennig, beim Juden 80 Pfennig. Wie mit der Milch, so geht es auch mit der Butter. Die wirklich erstklassige Butter der jüdischen Bauern kostet 4 bis 5 Mark das Pfund, während man in den Läden australische Butter zum halben Preise kaufen kann. In Osteuropa war man noch keine Organisierung des Kaschruthwesens gewohnt. Vielleicht fehlte dort noch die Notwendigkeit dazu. Das Rabbinat von Tel-Awiw hat bereits Aufsichtsbeamte für die sich ihm unterstellenden Restaurationen einstellen müssen. Merkwürdig berührt uns Traditionstreue aus Westeuropa die Lauheit, die man häufig in der praktischen Beobachtung des jüdischen Gesetzes innerhalb der Traditionstreuen aus Osteuropa findet. Wieviele von diesen kümmern sich z. B. nicht um das Verbot des Schaatnes, der Vermischung von Wolle und Leinen. Wie häufig kommt es vor, daß der Vater in langem Bart ruhig zusieht, wie sein Sohn das Verbot des Rasierens Übertritt. Daß man sich, wenn es sich nicht gerade um Fleisch handelt, erkundigt, woher Lebensmittel wie z. B. Butter. Käse, Milch sind, trifft man selbst bei Leuten uns Dem Dften jenen. Die es sonst sehr gewissenonst nehmen. * Es ist im Kreise der streng traditionell Gerichteten viel Arbeit nötig, damit aus allen Gebieten des Lebens das jüdische Gesetz nicht nur Theorie des Studiums bleiben, sondern Praxis der Wirklichkeit werde. Wohl leben in der jüdischen Seele noch die Traditionen der Väter seit Jahrtausenden, aber in der ba nalen Wirklichkeit mischt sich — auch in Palästina — das Galuth mit der jüdischen Seele. Doch in dem jüdischen Palästina ist heute alles noch Anfang, alles noch Werden Die Materie kann noch geformt werden. Daß sie nach jüdischer Beseelung und nicht nach Galuthbeseelung ihre endgültige Form finde, ist des Schweißes der Edelsten des jüdischen Volkes wert. (Die jüdische Abstammung des tzotumöus). Aus Madrid wird mitgeteilt: Die große Madrider Zei tuna „ABC" richtete kürzlich an die Regierung die Aufforderung, die Königliche Geschichte akademie möge nunmehr offiziell und allgemeingültig seststellen daß Columbus Spanier, nicht Genuese war. und daß somit der Ruhm der Entdeckung Amerikas un- MMMankt der fpontffljen Raffe zugelem werde Es heißt — und wird seit langer Zeit von spanischen Historikern, behauptet —, daß Columbus sich dem spanischen Königspaar Fernando und Isabel! nur deshalb als Genuese vorstellte und seine wahre Herkunft verheimlichte, weil seine Mutter I ü din gewesen sei. Bekannt ist, daß gerade zu Zeiten Ferdinands und Jfabellas die Judenverfolgungen in Spanien begannen. Die spanischen Historiker führen eine ganze Anzahl von Beweisen ins Treffen daß Columbus in Spanien geboren sei. — Bekannt lich gibt es angesehene Historiker, wie z. B. den be rühmten Geschichtsschreiber und Romancier Flasco de 2)banez. die behaupten, Columbus sei ganz und gar jüdischer Abstammung gewesen. (Ire Ableitung „Kygieue der Anden" auf der Hesolei). Wie mitgeteilt wird, steht die Ausstellung „Hygiene der Juden" auf der großen Düsseldorfer Ausstellung für Gesundheitspflege, soziale Fürsorge und Leibesübungen (Gesolei, unter der Leitung der Synaaogen-Gemeinde Düsseldorf. Die verschiedenen Abteilungen sind in einem Pavillon zusammengefaßt, Die „Ose" liefert das Material betreffend die Der hältniffe der Juden im r.ften. Die Ausstellung selbst wird durch die Synagogen-Gemeinde Düffel dorf veranstaltet und von einem örtlichen Ausschuß geleitet. Ainderecke. Wie sollen wir beten? Wer betet, soll wissen, daß er vor Gott steht und daß seine Worte zu ihm gerichtet sind. Er muß also in anständigerHaltung ein Gebet verrichten. Würdest du etwa schütteln und wackeln oder von einem Ort zum anderen gehen, wenn du mit einem geachteten Menschen prichst? Gewiß nicht! Also darfst du es sicher nicht tun, wenn der König der höchsten Könige, der Heilige, gelobt sei er, dir gegenüber ist. Der Beter soll auch wissen, was er betet. Darum, liebes Kind, mache dich frühzeitig mit dem Gebetbuche bekannt. Nur dann kannst du andächtig beten. Es muß ja nicht viel sein. Lerne zuerst kleine Gebete und sprich sie langsam; überlege dir gut, welchen Inhalt sie haben. Lieber wenig mit Andacht und in Ruhe, als ein anges Gebet, das ohne Nachdenken schnell heruntergeleiert wird. „Kannst du etwa den ganzen Ruhm Gottes aussprechen?" (Tr. Lev. 33b.) Und was du betest, sprich leise. „Wer beim Beten seine Stimme hören läßt, ist ein Kleingäubiger." (Ebenda 24b.) Ein solches Gebet hat keinen Wert und stört die Nachbarn in ihrer Andacht. Es ist verwerflich. Noch schlimmer ist es, wenn jemand im Gotteshause sich unterhält; er entweiht die heilige Stätte. Lieber bleibe man dem Gottesdienst fern, als daß man die Synagoge durch Geschwätz entwürdigt. Wohl gibt es auch Erwachsene, die sich beim Beten ungehörig benehmen, laut sprechen, brummen und singen, dem Vorbeter vorauseilen und durch Umdrehen, nachlässige Haltung oder üjjtges <&efcf>tr>äi^ unangenehm au||aßen. ^J^Tterx ollen aper Die Kinder nicht nachahmen. Sie dürfen sich diese Untugenden nicht angewöhnen, damit man von ihnen sagen kann: „Sie richten ihre Augen zur Erde nieder, ihr Herz aber zum Himmel empor." (Tr. Jeb. 105b.) Es lst ausschließlich Sache der Leser» die im Inferatenleil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben religionsgesehlichen Lharakkers ans ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. MatimisMüiiec ClTvnil <5 AdoIfMaft Gr. Friedbergerstr. 43 Ecke Schäfergasse Uhren Juwelen Trauringe Gold- und Silberwaren Gut eingerichtete Reparatur-W erkstätte sENKftre P Gasherde vorzüglich im Braten und Backen Niedrige Preise - Teilzahlung Riesige Auswahl f UA£[a£) VORM*HORSTKCOTER.KNODTbC? AM ESCHENHEIMER TOR 2, Hansa Gross Wäscherei vorm. Gebr. 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