Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 16 (15.4.1926)
- Date
- 1926-04-15
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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v Aus dem Jahresbericht der Synagogengememde «JsraelMsche Religionsgesellschafk". Wir geben im folgenden einige der wichtigsten Stellen aus dem umfangreichen Jahresbericht wieder, der in der ordentlichen Gemeindeverfämmlung vom 21. März d. Js. verlesen wurde: §!n äng«ptli non brartgooller Sorge llttb schwM» flnnnaißUen CisMÄrustgcn' mic H ünftFs 4fr meinde in ihrer 75 jährigen Geschichte noch Nicht zu verzeichnen hatte, liegt hinter uns. Die Wirtschaftskrise, die mit Eintritt der Stabilisierung einsetzte und deren Steigerung man nach all dem Schweren, das im vorletzten Berichtsjahr zu überwinden war, kaum für möglichst, hat sich in diesem Berichtsjahre zu einer katastrophalen Höhe ausgewachsen. Erst jetzt treten die erschütternden ' Wirkungen der unseligen Kriegsjahre im Wirtschaftsleben in furchtbarer Weise zutage. Eine beifpiellnfö Kapitalverarmung hat zu Niedergang der Wirtschaft/oiePch und Land in Land damit zur wachsenden Arbeitslosigkeit mit ihren bejammernswerten Begleiterscheinungen geführt, und es konnte nicht ausbleiben, daß auch unsere Gemeindefinanzen durch Minderung der Eingänge an Steuern und Gebühren in hohem Maße zu leiden hatten. Wenn der Bau unserer Gemeinde trotz dieser unheimlichen Auswirkungen dennoch unerschüttert geblieben ist, so zeugt das nur von der obsiegenden Kraft der Thora-Wahrheit, die sein Fundament bildet, und die trotz aller Not der Zölt doch immkr MM LW «liö g« rieveaaller Leistung «nzuftusrn meist. Den Erschütterungen des Wirtschaftslebens ist es zuzuschreiben, daß das Berichtsjahr ein Defizit von etwa Mk 90 000.— ergab. Die Einlegung eines fünften Steuerquartals nach dem Beispiele des Vorjahres, somit eine weitere Belastung der Gemeindemitglieder, erschien in Anbetracht des katastrophalen Ausmaßes der Wirtschaftsnot untunlich. Zur Verringerung des Defizits unternahmen wir zum ersten Mal den Versuch, die Mizwos zu den Jomim hanauroim zum Gegenstände einer allbrychte. Ferner ist der Gemeinde aus Gemeindegrundgemeinen Sammlung zu machen, die Mk. 21000.— er* ftüdeji ein ©eroinit irr Höhe »bn 9Jif. 10 000.- erwachsen I . ) i) J : :: Ri) K - . - , t und ein metterer Dnrug ist ihr aus NüSstÄn?in bem Jahre 1924 zugeflossen, so daß das effektive Defizit etwa Mk. 40 000.—beträgt. Wir verschließen keineswegs die Augen vor der Gefahr, die darin liegt, ein Defizit in das neue Wirtschaftsjahr .mit hinüber zu nehmen, und es wird unsere ernste Sorge sein, Mittel und Wege zu dessen Beseitigung zu findey. Bei aller Aufmerksamkeit, die die Höhe dieses Defizits verdient, ist jedoch die eindringliche Tatsache nicht zu »MsnMvvtz von öinsm Wlimt'-MMinWkMs 88N runh SfstOOO Mark yur etwa 7 kssrozenl ungedeckt ZS- , bstehen W." Wohl ist'es schmerzlich für UNS betonen zu müssest, haß ein Teil dieses Defizits darauf zurückzuführen ist, haß wiederum eine gewisse Anzahl von Gemeindemhgliedern ihrest Verpflichtungen nicht in dem erwünschten Maße nachgekomnsen ist, weil sie ihre Pflichten gegenüber her Gemeinde,' hie allen anderen chäritatioen Pflichten vorangeht, verkennt. Gemessen jedoch an der respektablen Höhe des Gesamtbedärfs darf ein Fehlbetrag von etwa 7 Prozent unter den gegenwärtigen Umständen nicht esttMusigen, vielmehr läßt & den erfreulichen Schluß f ijfli' W tiimita miiercf tzkWM M fffäfff innewohpen, die hie Hoffnung berechtigt ^HchöiNM lass SN, daß wir auch die tragische Schwere dieser Periode mit göttlicher Hilfe ohne Schaden überdauern werden. Wir rechnen nicht mit einer Aufwärtsbewegung, die die bisherige Not plötzlich zum Stillstand bringen könnte. Das Abebben der Wirtschaftsnot kann nach allen Erfahrungen nur allmählich vor sich gehen. Es ist daher noch in diesem Jahre mit einer Fortdauer der Defizitwirtschaft zu rechnen, und der Fehlbetrag dieses Jahres dürfte hinter dem des Berichtsjahres nicht Zurückbleiben, sondern wachsende Tendenz zeigen. fil? nW Sorge um ien. jjl IHflöS absorbiert alle Kräfte, hemmt die Entschlutzsreudigkeit und hindert den Blick, ins Weite zu schauen. Die Finänzmisere brückt um so schwerer auf uns, als sie uns die Möglichkeit rauht, an Zukunftsaufgaben heranzutreten. Wir sind uns darüber vollständig klar, daß manche unserer Institutionen des Ausbaues bedarf, manche Einrichtung als Erfordernis der Zeitentwicklung neu geschaffen werden müßte. Wenn wir hier zur Untätigkeit Adolf Stern ‘»"ST- Gestorben am 12. Teweth 5386. verurteilt stph, so moste Mäh djK4 Allfilll ÖBfll IDtQUQBl ÜH Mitteln, nicht der fehlenden Erkenntnis von ihrer Dringlichkeit zuschreiben. Keineswegs ist es eine geistige Genügsamkeit, die uns Bescheidenheit in dieser Hinsicht diktiert. Wir müssen unter den jetzigen Zeitläuften der Vorsehung danken, daß sie uns vor dem Schlimmsten, von der Schließung von Institutionen, bewahrte. Der Gemeinderat hat sich mit großer Vertiefung die <2?tat£?eratung angelegen jein lassen, <Settte (Sorge gilt tngpBfpnpBrß' Mm Mirevmm Der das System größtmöglichster Sparsamkeit burchzusühren. Der Gemeinderat hät uns dankenswerte und nützliche Anregungen gegeben und sein waches Interesse sowohl auf Angelegenheiten ideeller als auch materieller Natur erstreckt. Heim nicht im wesentlichen alles das in die Tat umgesetzt werden konnte, was der Gemeinderat an Wünschen uNd Anregungen aussprach, so lag das gewiß nicht am Mangel an gutem Willen, sondern an Hemmnissen materieller Natur. Wir sind ' dem Gemeinderat für sein nie erlahmendes Interesse, für die Fülle seiner Idee» unb' für bie gründliche Durcharbeitung' aller Bor- II . >. . '! . .;! i ' ■ I; «>. . flllilpMvrlagcn qu «MichNgem D«nk? Eine Möglichkeit, die verringerten Einnahmen durch Beschränkung der Ausgaben vollkommen äuszugleichen, besteht nicht! Der Vorstand berät fortlaufend mit dem Gemeinderät die 'Möglichkeit von Ersparnissen. Es sind auch am Etat des laufenden Rechnungsjahres Abstriche In erheblicher Höhe gemacht worden. Allein es darf nicht übersehen werden — unb das bestätigt die Finänzgeschichte eines jeden ’ Landes — daß Sparsamkeitsmaßnahmen allem noch niemals ausgereicht haben, einen aus dem Gleichgewicht geratenen Etat wieder herzustellen. Unser ' rncht zurückzuführeü aus Ätougel btt (Spat- Tamftit, fDUDcrn cs Ijat seine Ursach« »urschlUßttch in schlechten Eingängen 8er SieNern und Gebühren. Dies müssen wir in aller Oeffentlichkeit, angesichts der lm Publikum bestehenden Vorstellungen von mangelndem Verständnis für die' Notwendigkeit' von Einschränkungen, mit Nachdruck' betonen. Der Ausfall allein an Steuern betrug in den'beiden letzten Quartalen des Berichtsjahres beispielsweise je 22,7 Prozent. Zahlenmäßig ausgedrückt gingen im Berichtsjahre an Steuern statt der ausgeschriebenen Mk. 177 000.— nur Mk. 137 000.— oder Mk. 40 000.— zu wenig ein. Die Sesselgebühren haben einen Ausfall NM M. R 000 — zu vkizriWcn unv mm Schulgeld beträgt der Ausfall Mk. 10706.—. Der Ausfall an Steuern mb Gebühren erreicht die Höhe von Mk. 71 500.—. Hier ist die Quelle des Defizits zu suchen. Und hierin wird wohl nicht eher ein durchgreifender Wechsel eintreten, als bis eine Neubetebung des Wirtschaftslebens bessere Verhältnisse schafft. Eine Wiederherstellung des Gleichgewichtes des Etats ist jedoch aller Voraussicht nach bei Fortdauer der Konjunktur nicht zu' erwarten. 0L svsMörim mit (satfmusQQDon und Pensionen einen Zuschuß von Mk. 127 000.—. bU Aufwenbungen für Gehältex und Pensionen zusammen mit den Sachausgaben erreichten die Höhe von Mk. 212 000.—. Der Zuschuß der Gemeinde für jedes Kind belief sich im Berichtsjahre auf Mk. 230.—, während er im Frieden (im Jahre 1914) Mk. 45.— betrug. Die Gesamtzuschüsse an unsere Schulen (Realschule, Lyceüm, Volksschule und Jeschiwa) machen mehr als Mk. 200000 oder 35 Proz. des Gesamtbudgets aus. Wir haben uns im Hinblick auf die stetig wachsenden Unterhaltungskosten der Realschule genötigt gesehen, zu einem System der Staffelung des Schulgeldes überzugehen. Für gutsituierte Eltern tfi'bas Schulgelb auf Mk! 350.- pro Kinb ltnh i... I .!t .li .V fl! ' '■ '] Jahr sBslgBsBtzl toprDBn; Tür DU MMelschichl ist Dai Schulgeld auf Mk. 250.— heraufgesetzt und für den Haüptsejh wozu eswa vier Fünftel zu rechnen sind, ist der Zatz des der bisherigen Hohe von Mk. 200.— jährlich verblieben. Wir dürfen mit freudiger Genugtuung erwähnen, daß der Opfersinn der Gemeindemitglieder sich bewährt und die' Einreihung sich ziemlich reibungslos vollzogen hat. ' ' Wenn mir im Berichtsjahre gezrvungen waren, ein^ N«Ust«TslilUNg p?r r-orgiLne^men^ fo malle man dies der finanziellen Struktur Des Wirtschastsjahres zugute haltirn. Hatten wir nicht eine Erhöhung eintreten lasten^ so'wäre das Defizit weit größer ausgefallen. Wir dürfen jedoch mst Besrieditzuntz feststellen, daß der weitaus größte Teil der Gemeindemitglieder in Würdigung der Botläge der Gemeinde die Erhöhung der Seffel» gebühren willig auf sich genommen hat Kündigungen haben nux in ganz unerheblichem Umfange stattgefunden. Wir geben hierbei dem Wunsche Ausdruck, daß in naher Zukunft bessere Zeiten für die Gemeinde anbrechen mogen,'hawlt die Möglichkeit gegeben ist, an einen Abbau bfy |eranjuly4|n-