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Der Israelit · 1926-04-15 · Heft 16 (15.4.1926) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 16 (15.4.1926)
Date
1926-04-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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^' 15. April 1926 Frankfurt a. M., den 1. Ijar 5686 Nr. 16 er isrcieli WX\| Ein Centralorgan tür das orthodoxe Judentun |(]CT V * i 11 Bearündek non Dr Ppfimmm fn Main». 11 l InflHA* J Begründer von Dr. Lehmann tn Mainz. «Uuiiutiuetu oo ^auuoi 182L. Ltzullitzlanv l Gowttrark «onamch; 'Ausland: Plerrsl« tahrpretse (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Koste» des Streifband-Versandes) Deutsch-Ssterreich: Schilling 8.-; Amerika l Dollar; England 4 sh.; Frankreich 15 Fr.; Belgien 15 Fr.: Holland 2 fl.; Italien 80 Lire; Jugoslawien 70 Dm.; Litauen 7.50 Lit.; Rumänien 300 Lei; Polen 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs oder 7 Zloty; Schweiz 5 Fr.; Tschecho-Slowakei 25 Kronen; Ungarn 60098Kronen; Dänemark 5Krone«; Norwegen 5 Kronen; Schweden 8.50 Kronen. Einzelnummer dreißig Goldpfrnnigr. Der Jsrarltt erscheint le ~n Donnerstag. Inserate 40 Toldpf. für ott st-vengespalten« NonvareiÜe-Zeile. Äbor nenten zahlen bei Stellengesuchen und Familienanzeigen nur 80 Pf. Die 75 mm breite sreklamezeNe: letzte Terlsette 1.8u Mk.. vorletzte Tertsette 2.— Mk.; Thtffregebühr tn Höhe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bet laufenden Jnserataufträgeu tartfm. Preiserhöhung jeder,. Vorbehalt. Jnferatenannahme durch den Verlag des Israelit D.«. b. H.. Franks, a. M„ Tr. Eschenheimer Straße 88. Tel. Hansa 5WK sow. durch sämtl. Annoncen-Exped. des Ln- und Auslands. Alletnige Jnseratevann. für Franks. Gsschäftsanzeigen: Sul. Schmidt. Langestraße 7. ll. Platzvorschriften ohne Verbiydlichkeit. <jahiungen direkt an den Berlag auf Postscheckkonto Fr-.»kfurt lMat») Nr. 18808. — Außerdem an: Postsparkasse Wie» Str. 788^ - Poftsparkassenamt Budapest Nr. 18 üio— Postscheckkonto Warschau Nr 180757. - Postscheckamt Zürich Rr. Vlll 7254-Jnkasto-Bank Rotterdam - Postscheckamt Amsterdam Nr. 24868-Böbmtsch-Uuionbank i« Praa - S.m» M»™aro«|b Wan* Bukarest — Filiale des Wiener Bankvereins tn Agram. - Der Gerichtsstand für alle aus Abonnements oder aus Inseraten sich ergebenden Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt a. M. Vom Frühling in uns. Wenn sich die Erde, von einer neuen Sonne geküßt, mit dem bunten Teppich schmückt und aixs ictxx|*irtb Blumenkelchen würziger Duft entströmt, greisen wir nnch allen unk ISIÜtl lern, um beschaulichen Gedanken nachzugehen, als gelte es, ungestüm in uns entfesselten Kräften eherne Bande grauer Altvätermoral anzulegen. Die Welt hallt wider von Gesang und Jubel, junge Herzen weiten sich in der lockenden Natur, junge Arme recken sich in Sport und Spiel, und wir hängen schweren Gedanken nach über „die Grundpfeiler, auf denen die Welt beruht", über unsere Pflicht gegen Gott, die wir „nicht wie Lohndiener erfüllen" und ähnliches mehr. Hat der Jude kein Auge für die Fülle von Glanz und Schönheit, die die Tage vor seine Füße zaubern, kein Ohr für das Singen und Klingen der verjüngten Erde, keinen Sinn für das Wunder der neuen Schöpfung, daß er, unberührt von all dem, sich mit den Altbeständen seiner Geistesfchätze in sich verkriecht?- Und dennoch war es der jüdische, aus Gottesquellen schöpfende Genius, der mit dem Psalm 104 den schönsten Hymnus auf die Natur geschaffen, den je Menschenmund gesungen hat. Und diesen Hymnus singen wir, wenn mit -Sommerende die Natur schlafen geht. Dann suchen wir — nach dem Brauche vieler Gemeinden — und finden Frühlingswonne in uns. Wir verschließen demnach das Auge der Welt und der Natur in ihrer Größe und ihrem Glanze nicht, selbst dann nicht, wenn sie schon aufgeräumt und für lange Monate ihre Schätze eingezogen und ihre Pforten geschlossen hat. Sehen wir daher auch in der Spruchweisheit der Väter, nach der wir zu Frühlingsbeginn greifen, keine Ketten und auch keinen Dämpfer, keine Schutzbrrlls gegen blendenden Sonnenglanz, sonöern m*r Bestrebt. ^Ivschta Kräfte in vm zu zügeln und zu zähmen, von der Sonne wötch gemachten und befreiten Boden urbar zu machen, daß er Blüten treibt und Früchte trägt. Die auf dem Felde in die Höhe schießenden -ersten Gräslein erzählen von dem Prozesse, der unten vorgegangen ist, bis die ausgestreuten Saatkörner keimend die Erdfläche sprengen und emporkommen konnten. Welcher Riesenarbeit der Natur wird es noch bedürfen, daß sich all die feinsten Zellen und Gewebe bilden, das nichtssagende Gräslein zum Halm wird, dieser seinen Schuppenpanzer erhält und sich die Hülsen mit Körnern füllen, die aber noch lange im Wechsel von Sonne und Regen reifen müssen, um Frucht zu sein. Wie klein und verschwindend winzig ist doch dis menschliche Arbeit des Landrmmm* u BechlM m Der lliMMrm Fülle von Arbeit, die hier die Clements, die von Gott geleiteten Naturkräfte geschafft haben und schaffen, um das au'sgestreute Saatkorn von dem Eröinnern bis zur reifen Frucht zu treiben! Und dennoch! Ohne diese winzige Arbeit des kleinen Menschen wäre der ganze Prozeß nicht denkbar. Sonne und Regen, Erdsäfte und Himmelstau scheinen hier nur der Menschenhand zu warten, daß sie den Ansatz schaffe und sich ihrer bediene. Verhält es sich nicht genau so mit der Menschenpflanze und ihrem Wachstum? Natur und Lebensgefetz tuen das ihrige, die Menschenkraft zur Entfaltung zu bringen, und der Frühling vollends verfehlt es nicht, alle geheimen schlummernden Kräfte in des jungen Menschen Brust zu wecken. Auch hier ist 0er Boden weich, von Eis und Schnee befreit. Am Menschen selbst ist es aber, den nun in Wirkung tretenden Naturgesetzen die Richtung zu zeigen, vor Augen und Seele zu führen, wozu uns die Kraft und die Größe und die Schönheit im All anregen und verpflichten soll. Und. da greifen wir in beschaulicher Sabbatstunde, nachdem wir das Bekenntnis zur „Einzigkeit Gottes und Israels" abgelegt, nach dem alten Buche der Väterweisheit. Wer dann sich noch in Sabbats Scheidestunde in der freien Natur ergeht, für den hat die mit Frühlingsglanz übergoldete Welt schon ein anderes Gesicht, p’oaai rmtsn fVinn rn nt ns: na nt v: ntu*na ivini ihwaa wssa n«nna* Wer Flur und Baum anders zu sehen wünscht als vom Blickpunkte der von der Lehre gewonnenen Naturbetrachtung aus, hat seine Seele cmgkbüstt,- Wir leiten jeden Teil dieses Weishertsbuchss mit der These aus dem zehnten Traktat „Sanhedrin" ein, wonach „jeder Angehörige Israel s Anteil an der zukünftigen Welt hat". Der Grund für diese Einleitung ist nicht leicht er-' sichtlich, auch ist der Worte Sinn etwas dunkel, wenn man bedenkt, daß gerade in diesen Spruchbüchern Sünden ausgezählt sind, die den Menschen um seinen An teil ün der zukünftigen Weltbri ng i n. Auch in der Fortsetzung der Mischna an der Quelle ist eine ganze „Galerie der Sterblichen" aus der Geschichte namhaft gemacht, die durch ihre Handlungen den Anspruch aus ewiges Leben eingebüßt haben. Wie wären diese späteren Angaben mit dem Einführungssatze in Einklang zu bringen? Allein^ die £$orm her (Etnlßtiunfl ist mit Absicht gewählt, um wnferen sitz an „Olom habbo" von Haus aus zu betonen und zu unterstreichen, bevor wir in die Skala der Pflichten eingehen, die bei Nichterfüllung diesen unseren festen Besitz in Frage stellen und in Gefahr bringen. Es ist eine psychologisch festbegründete Tatsache, daß die aussichtsreichsten Hinweise auf Zukunstslohn nicht im Stande wären, einen Pflichtvergessenen auf den Weg der Pflicht zu locken. Was der Mensch nie besessen hat, danach strebt sein Herz nicht, und er zieht allenfalls die Freuden des Augenblicks der Erwerbung von ihm unbekannten Gütern vor. Anders aber, wenn jemand ein kostbares Vätergut sein eigen nennt und er durch falsche Lebenswege dieses Gut in Gefahr bringt. Dann wird mit Sicherheit die Mahnung: „Lasse von deinen Wegen und tue dieses und jenes, um dir den Väterbesitz zu erhalten und zu vermehren", den Eindruck nicht verfehlen. Was man einmal hat, möchte man erhalten und weiter besitzen. Hier auch die Erklärung für die Einführung in die Vätersprüche. Es geht in diesen Büchern der Moral und Sitte nicht darum, daß wir uns etwas erwerben, was wir nie besessen. Wer wollte dem nur einen Gedanken widmen, nur einen Augenblick der Daseins- und Gegenwartsfreude opfern? Was geht uns das unbekannte Morgen an, solange das Heute so lockend und blendend ist? Aber. es ist so, daß jeder Angehörige Israels seinen Anteil am zukünftigen ewigen. Leben hat, von Haus aus und von den Vätern her besitzt. Und es geht nun darum, s o zu leben, s o zu denken, s o zu handeln, wie die sechs Teile der Vätersprüche lehren, damit Dar JsraMWn seinen Altliksitz nicht vertiert. Das zur Beachtung und Beyerzigung, so oft wir, umrauscht vom Lenzesglanze, das Perek-Vuch aufschlagen! Unzählige Jünglinge. — alle seit dem dreizehnten Lebensjahr vollverpflichtete und vollberechtigte Angehörige Israels — haben das Leben der Schule verlassen, um in die Schule des Lebens zu treten. In ein Geschäft traten die einen, um die Wege des Welthandels zu erlernen.

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