Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 13 (25.3.1926)
- Date
- 1926-03-25
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Nachkommen. Darin besteht der Grund ihres Unterganges und der Fluch des Himmels." Baron Ginsburg bittet um Auflassung der Grenzen zwischen dem jüdischen Ansiedlungsrayon und dem übrigen Rußland, da diese Trennung die Vereinigung der Israeliten mit dem Hundertmillionenvolke verhindere. Dazu der Zar: „Weit kämen wir wahrlich, wollten wir eine solche Vereinigung zulassen." — „Früher," so erinnert der Baron, „wurden die Juden in Rußland zur Bildung gezwungen." Alexander: „Das war ein grausamer Irrtum". Den Schluß der Eingabe bildet die Bemerkung, die stiefmütterliche Behandlung Rußlands zwinge die Juden zu einer verstärkten Auswanderung nach Palästina und Amerika. Der Zar: „Und Gott sei Dank, wenn das so weiter geht." — Soweit das genannte Blatt. Wie allgemein bekannt, war Alexander HI. von Rußland einer der grimmigsten Judenfeinde, die je gelebt haben. Als in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts die Schreckensnachrichten über behördlich in Szene gesetzte Pogrome in immer stärkerem Maße nach Deutschland drangen, bewog mein seliger Vater, der verstorbene Rabbiner Dr. Mqxkus Lehmann von Mainz, den Großherzog Ludwig IV. von Hessen, gelegentlich eines Besuches in Petersburg bei dem Zaren dieserhalb vorstellig zu werden. Der Großherzog sprach denn auch eindringlich mit dem Kaiser, aber während dessen Rede verließ Alexander ryütend das Gemach und schlug die Türe heftig hinter sich zu^ den verblüfften Fürsten allein stehen lassend. Als der Großherzog dies späterhin meinem Vater berichtete, sagte er zum Schlüsse: „Nun, mein lieber Herr Rabbiner, haben die Juden in Rußland nicht recht, wenn sie revolutionär sind?" ' Genau in der gleichen Weise, wie das oben erwähnte Schriftstück fand rnan auch in einem Hsringsiaiisn in Tmoisnsß einen Anfang be? Jahrhunderts von der zaristischen Gendarmerie gegen Trotzki erlassenen Steckbrief, der nun als kostbare Reliquie in den bolschewistischen Archiven in Moskau seine Stätte fand. Zu Beginn der Bolschewistenherrschaft warf man alle Akten der kaiserlichen Archive auf die Straße. Jetzt ist man klüger geworden und verkauft das Papier an die Krämer, die wegen des in Rußland herrschenden Papiermangels gute Preise zahlen. Es ist übrigens alles schon einmal dagewesen. Wie mir um die Mitte des vorigen Jahrhunderts alte Leute erzählten, konnte man in Mainz Ende des 18. und anfangs des 19. Jahrhunderts in den Fleischerläden Blätter aus Gutenberg- und Schöfferdrucken finden. Sie stammten von Büchern, die die Sansculotten in den sequestrierten Klöstern geplündert hatten. Kinderecke. Rabbi Mose ben Maimon (Rambam). Bon Heinrich Reich *"st- (Fortsetzung). IV. fflofe ben Alaimons Ruf und Rachruhm. Wie die Sonne ihre Strahlen ou| ferne Welten wirkt, nkbelscrftörend und lichtverbreitend, wärmeerzeugend und lebenerweckend, so haben die eben genannten Werke des Maimonides innerhalb der ganzen Judenheit gewirkt von den Ufern des Euphrat bis zu denen des Ebro, vom Nil bis zur Rhone. Sie haben den Un- und Aberglauben verscheucht, sie haben eine lichtvollere Erkenntnis über Gott, feine Schöpfung und seine Offenbarung erzeugt, sie haben Lust und Liebe zum Worte Gottes und zum vernünftigen Nachdenken über die Welt und ihre Erscheinungen hervorgerufen. Ungemein schnell wurden die Mischne-Thora und der More Nebuchim in alle Siedlungen der Juden vermengt, un« überall erkannte man in Maimons Sohn den Meister der Thora und des Talmuds, den Meister der Wissenschaft und der Philosophie. An ihn wandten sich die Großen der Lehre, wenn sie über eine Frage im Zweifel waren, als an den Kenner und Kundigen, der alle schwierigen Fragen entscheiden könne. „Seit dem Tode des letzten Talmudisten war nicht ein solcher Mann in Israel". „Gott erweckte ihn zur Belebung seines Volkes, weil dieses immer mehr erschlaffte." „Der Einzige des Zeitalters", „die Fahne der Rabbinen", „der Erleuchter der Augen Israels", das sind einige der Urteile über den großen Mann aus dem Munde hervorragender Zeitgenossen. Allem Lobe gegenüber blieb Maimonides bescheiden, bescheiden und ruhig auch gegenüber einigen Tadlern, die an seinen Werken manches auszusetzen hatten. Man warf ihm vor, er habe durch seine Mischne-Thora das eifrige Erlernen des Talmuds verdrängen wollen. Jetzt, nach der Abfassung des Gesetzes in Büchern, Kapiteln und Paragraphen, werde niemand mehr die Quellen des jüdischen Gesetzes, eben den Talmud, studieren wollen. Ja, er habe zu Unrecht versäumt, d i e Stellen im Talmud zu benennen, aus denen er seine Gesetzesbestimmungen geschöpft habe. Ein bedeutender Talmudist, Rabbi Abraham ben David, wollte Maimonides sogar Nachweisen, daß er den Talmud falsch verstanden und dadurch auch irrige Ergebnisse aufgestellt habe. Solchen Anklagen gegenüber verteidigte Maimonides seine Schriften, ja, er forderte seine Gegner auf, ihm Fehler nachzuweisen, er werde ihnen für die Berichtigung und Belehrung dankbar sein. In einem Briefe schrieb er: „Aber wenn ich selbst mit meinen Ohren vernähme, daß mich jemand geschmäht und meine Arbeit geringschätzt, so bliebe ich unempfindlich dabei und würde es verzeihen und vergessen." Die überwiegende Mehrheit der Gelzhvtstt hült zu chm uur vskchvts chu schmSkmerisch. Nach mehr als zwanzigjährigem Aufenthalt in Aegypten hatte sich Maimonides eine ausgebreitete ärztliche Praxis errungen. Saladins Wesir schenkte ihm sein Wohlwollen, setzte ihm ein Jahresgehalt aus und überhäufte ihn mit Gunstbezeugungen. Auch die Großen des Landes in Kahira nahmen nun feine ärztliche Kunst in Anspruch. Maimonides war dadurch so beschäftigt, daß er seine Herzensneigungen, das Thorastudium und seine Liebestätigkeit, vernachlässigen mußte. Als ihm von seiner zweiten Frau sein Sohn David geboren worden war, als ihn ein geistvoller Schüler schwärmerisch liebte, schien das Glück bei ihm eingekehrt zu sein. Nur Kränklichkeit war bei ihm steter Gast. Maimonides' Ruf war so groß, daß der englische König Richard Löwenherz, der mit dem dritten Kreuzzuge ins Morgenland gezogen war, ihn zu seinem Leibarzt ernennen wollte. Maimonides lehnte jedoch ab. Der Wesir ernannte ihn zum Oberhaupt (Nagid) aller jüdischen Gemeinden in Aegypten, und diese Würde vererbte sich später auf Sohn und Enkel. Durch seinen Einfluß auf die Machthaber Aegyptens vermochte er das harte Los seiner unglücklichen Glaubensbrüder im arabischen Jemen zu mildern. So verbreitete er Segen nach allen Seiten, und auf ihn läßt sich der letzte Vers aus dem Buch Esther anwenden: „Er war groß unter den Juden, beliebt bei der Menge seiner Brüder: er förderte das Wohl seines Volkes und rebele gum J^etf all l^rer 9la^^?omme:^.^ Ein Beweis der großen Verehrung, die man Maimonides schon bei Lebzeiten zollte, ist der Wortlaut des Kaddifchgebetes in den Ländern Jemens .Damals betete man dort: „Verherrlicht und geheiligt werde Sein großer Name, und Cr breite Sein Reich aus in euren Tagen und in den Tagen unefres Lehrers Mose ben Maimon, der ie in der Thora erleuchtet und sie in den Strahenglanz ihres Lichtes gestellt, von ihnen harte Verhängnisse und die Schwere der Frohnauflagen abgewendet hat." (Schluß folgt.) »MEDRUVA« mech. Druckluft-T eppich - Rein igungs- Gesellschafc m. b. 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