Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 12 (18.3.1926)
- Date
- 1926-03-18
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 14 Nr. 12 18. Dem Käufer muß mau es vorher anzeigen, wenn die Ware, die er von uns bekommen soll, irgend einen Fehler hat. Auch darf man keinen Menschen mit Worten hintergehen, oder ihm eine falsche Meinung beizubringen suchen verkauf, Abschnitt 18). Wer auch nur den Wert einer Prutah (eines Pfennigs) entwendet, der hat das ausdrückliche Verbot: „Ihr sollt nicht stehlen!" übertreten, und ist schuldig, das Gestohlene wieder zu ersetzen. Gleichviel, ob er es einem Israeliten oder einem Heiden, ob er es einem Erwachsenen oder einem Kinde gestohlen hat (Vom Diebstahl, Abschnitt 1). Sachen zu kaufen, oder einem Diebe behilflich gu fein, ist eine große Süllds: denn dadurch würden ja Verbrecher unterstützt und zu anderem Diebstähle veranlaßt werden. Wer aber dergleichen tut, von dem heißt es: Wer mit Dieben teilt, haßt seine Seele. So ist es auch verböten, von einem geraubten Gute irgettd einen Vorteil zu haben auch dann nicht, wenn der rechtmäßige Eigentümer die Sache für unwiderbringlich verloren hält und alle Hoffnung schon äufgetzeben hat. (Vom Geraubten, Abschnitt 5, Absatz 1 und 2.) Es ist verboten, bei einem Kranken iii Lebensgefahr Mit Rücksicht auf die Entweihung des Sabbat zu zögern, das zu tun, was zu seiner Hilfe nötig ist; denn auch hier gilt die allgemeine Regel: „Diese Gebote sind auszuüben, damit der Mensch durch sie lebe: nicht aber, um darüber umzukommen. Denn sieh', die Vorschriften der Thora sind ja nicht zur Plage und Qual des Menschen da, sondern sie sollen Wohlwollen, Liebe und Glückseligkeit unter den Menschen befördern." (Vom Sabbat, Abschnitt 2, Absatz 3.) Ueberhaupt mache es sich der Mensch zur Eigenschaft, daß er schwer zu erzürnen, aber desto leichter zu besänftigen sei. Wird er um Verzeihung gebeten, so verzeihe und vergebe er von ganzem Herzen und williger Seele; hat ihm sein Gegner auch viele Kränkungen und BelMlgllllgkN zugefugl. so Iwc er Mm MO? imb trage ihm hmm Haß nach, Denn Das gehört notwenbig zu den Sitten und Gesinnungen eines echten Israeliten. Ein entgegengesetztes Betragen tadelt die heilige Schrift an den Heiden. Als z. B. die Gibeoniten sich rachsüchtig bezeigten, wird ausdrücklich hinzugesetzt: „Die Gibeoniten aber waren nicht von den Nachkommen Israels." 3. Der „More Nebuchim" oder „Führer der Verirrten" ist ein in arabischer Sprache geschriebenes Werk, das den Glaubens- und Lehrinhalt der Thora mit der damals allgemein anerkannten Philosophie des Griechen Aristoteles in Uebereinstimmung zu bringen sucht. Es stellt für die damalige Zeit einen Ausgleich her zwischen Glauben und Wissen, und hatte den großen Erfolg, daß viele Juden, die infolge ihrer philosophischen Studien in ihrem bisherigen jüdischen Glauben schwankend geworden waren, in der Auffassung des jüdischen Glaubens, wie ihn Maimonides lehrte, wieder festen Boden unter sich gewannen und dem Glauben der Väter treu blieben. Die Fragen des denkenden Geistes über ein höchstes Wesen, über den Ursprung der Welt, über Zweck und Bestimmung unseres Lebens, über das Uebel in der Welt, über die Unsterblichkeit der Seele beantwortet der „Führer der Verirrten" in höchst geistreicher Weise vom Gesichtspunkte der heiligen Bibel aus. Maimonides fetzt voraus, daß die philosophische Lehre des Aristoteles unbedingt Wahrheit ist. Wahrheit ist aber erst recht der Glaubensinhalt der jüdischen Religion. Beide haben einen gemeinsamen Ausgangspunkt und ein gemeinsames Ziel. Nur die Wege zwischen Beiden sind verschieden. Judentum und Philosophie lehren einen einheitlichen Gott als Weltbeweger. kennen n fyöfydVddt QlS[ bßi1 MgnfltzM, als sich zur höchsten Erkenntnis emporzuarbeiien. Beide sind die Ausflüsse dös göttlichen Geistes. Die Wahrheit, die Gott in dör Thora offenbart hat, muß alsv mit der Wahrheit, die die Vernunft, Der Israelit das menschliche Denken, erarbeitet hat, übereinstimen. Notwendig muß es ein Wesen geben, welches die höhere und niedere Welt leitet. Dieses höchste Sein ist ein „bewegendes Unbewegtes", ist die Ursache von allem Vorhandenen, ist unveränderlich, unkörperlich, eins und allwissend. Das ganze Weltall ist der zur Wirklichkeit gewordene Gedanke Gottes. Alles darin ist zweckentsprechend ungeordnet. Die Welt hat einen zeitlichen Anfang. Gott ist der freitätige Schöpfer, der Ordner und Erhalter der Welt. Das Weltall besteht aus einer Stufenreihe verschiedenartiger Wesen. Die oberste Stufe, Gott am nächsten, bilden die reinen Geister, die Engel. Auf der zweiten Stufe stehen die ätherischen Wesenheiten, der Himmel und dieIchte Stskiionwolt. m ©ternerijpflaren haben Letzen und sind geisteställg. Die hviUs Etufs bilflöN die vier Elemente. Innerhalb dieser.Sphären bilden sich töte Mineralien, wachsende Pflanzen, sich bewegende Tiere und geistesernpfängliche Menschen. Von Gott, dem Vollkommenen und Allgütigen, kann nichts Böses kommen. Die Uebel in der niederen Welt entstehen aus der Vatur des gthbest Moffes, der mangelhaft beänlägt sein muß und das Mute nur mangelhaft annehmen und halten ka».'n. Die meisten Uebel kommen von den Menschen selbst, die sie sich selbst oder anderen züfügön. Die Seele des Menschen hat die Anlage und den Trieb zur Erkenntnis. In diesem Triebe kommt ihr der schaffende Weltgeist zu Hilfe, um ihr die Quelle des göttlichen Geistes zu öffnen. Der Mensch vermag sich zur höheren Engelstufe zu erheben und kann die Schränken seines stofflichen Lebens überwinden. Wenn sich der Mensch vom Tierischen nicht beherrschen läßt, wenn er zur Sittenreinheit und zu höherem Gedankenfluge sich aufschwingt, erwirbt er sich selbst den Geist, macht er sich zu einem überirdischen Wesen, erringt er sich die Unsterblichkeit des Geistes und wird er mit dem üllwaltenden Weltgeiste geeint. Es ist dem Menschen möglich, die höchste Stufe zu erringen, weil ihm Willensfreiheit geschenkt ist. Der höchste Lohn des Menschen ist die Erringung eines unsterblichen Geistes durch sittliche und dsnktätrgs Selbstarbeit, die höchste Strafe des Menschen ifl baS CMchätt fsim MisMMM durch ein sündhaftes Leben im Stofflichen. Der Mensch ist imstande, durch ein ideales Leben die prophetische Anlage in sich auszubilden. Der vollkommenste aller Propheten war der Gottesmann mit strahlendem Antlitze, der der Wett eine tieseingreifende Lehre gebracht hat. Er empfing die Offenbarung im Verkehre mit Gott „von Mund zu Mund". Diese prophetische Vollkommenheit hat Mose nur deshalb besessen, weil er sich von den Banden der Sinnlichkeit, von der Begehrung frei gemacht und sich zum Grade eines reinen Geistes aufgerungen hat. Ohne Vermittlung und in durchsichtiger Klarheit strahlte ihm von dem höchsten Wesen die Wahrheit zu. Das, was er auf solcher Höhe erschaute, brachte er seinem Volke als Lehre, als eine Offenbarung. Diese der Gottheit unmittelbar entstrahlte Wahrheit ist die Thora. Die von Gott kommende Offenbarungslehre steht einzig da. Als eine göttliche Lehre ist sie vollkommen. Nach ihr kann es keine geben, die ihre Gültigkeit aufhebt und sie ersetzt. Als göttlich und vollkommen, ist die Thora unverbrüchlich, und die Nachkommen Israels sind gehalten, sie wie ihren Augapfel zu wahren. (Fortsetzung folgt, i Ls ist ausschließlich Sache der Leser, die im Inseratenteil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben religionsgesetzlichen Charakters auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. »MEDRUVA« mech. Druckluft -Teppich - Reinigungs- Gesellschaft m. b. H. früher: MEDER’S TEPPICH-REIMGUNGS-WERK ¥BL. ÜMUQAAQ4Q BMHGERSTH. 149 Entstaubung - Chem.R©in?gung - Kunststopferei - Lagerung - Entmottung mittels Zyklon-Gasvtirfahren JULIUS SCHMIDT ANNONCEN - ANNAHME zu Originalpreisen ♦ (Frankfurt am Main Langestrasse 7 Telefon Hansa 4641 Postscheck-Konto Frankfurtmain 142353 ♦ Einzige Inseraten-Annahme für Frankfurter Geschäfts-Inserate des »ISRAEUT« ♦ Annahme von Inseraten fW sämtliche hiesige und auswärtige Tageszeitungen, Wochenu. Fächblätler i ■ * fUS SCHMIDT Ä.I'ÜNONQEN - ANNAHME < zu Originaipreiseh etrrnie Vj^— v MaiheusMititec Es iftlhre eigene Schuld wenn Sie sich mit unrichtigen und schleditsituenden Augengläsern herumquälen! erhalten Sie bei Schlesicky - Ströhlein Tel. Hansa 2208 G- “• *>• H. Kaiserplatz 17 ^Oplisch & techrüsdL^. 'vollkommene Augengläser^ Lieferant sämtlicher Kranken* kassen Hansa Gross Wäscherei vorm. Gebr. Vogel Spessart 1382 u. 1383 Boyenstraße 8-14 Hanskaltungs-WSseke nach Gewicht naß, getrocknet und gemangelt Damen- und Herren-Bügelwäsche ' Abholung kostenlos { Verantwortlich für den allgemeinen Teil und das Feuilleton S. Schach norvttz, Frankfurt a. 50t.; Inserate i. 98.: tzr-. Schachn o wi tz, ebenda. — Beklag .Äsräeltt,G. in. b. Frankfurt », m. Druck Sermon Verlags-Aktiengesellschaft, Frankfurt a. M.