Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 12 (18.3.1926)
- Date
- 1926-03-18
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 Nr. 12 tfngland. Die „zwei Rabbiner". London, 4. März. Auf die Anfrage des „Israelitischen Wochenblattes für die Schweiz", auf welche Quellen sich die Behauptung des Chiefrabbi Dr. Hertz stützt, daß vor 30 Jahren das Gutachten zweier Schweizer Rabbiner Anlaß zum Verbot der Schechita in der Schweiz gegeben hat, schreibt Dr. I. H. Hertz der Jüdischen Telegraphen-Agentur folgendes: Meine Worte wurden in der Ueberfetzung nicht genau v iedergegeben. Ich habe nicht gesagt, daß sich vor 30 Jahren in der Schweiz zwei Rabbiner gegen die Schechita ausgesprochen haben, meine Bemerkung lautete vielmehr so: Vor 30 Jahren hat in der Schweiz ein öffentliches Gutachten zweier Rabbiner gegen die Schechita viel zu dem Verbot der Schechita in diesem Lande beigetragen. Meine Quelle für diese-Mitteilung ist die Zeitschrift „The American Hebrew" vom 29. Mai 1891, die damals die führende jüdische Zeitung Amerikas war. In einer Kopfnotiz jener Ausgabe wird über den Beschluß der Räte der Kantonne Bern und Aargau, betreffend das Verbot ber fcert<4>±ei mth 3ugfetef) mtigeietli, htefet? Beschluß stützt sich aus die Meinungen der Rabbiner Dr. Stein -Frankfurt und Dr. S t e r n -Stuttgart (Württemberg), daß die Schechita „auf keiner religiösen Basis beruht." Gestützt darauf, haben die Räte der beiden Kantone die folgende Resolution gefaßt: „Die Schechita ist kein religiöser Ritus, deshalb kann sie nicht den Schutz des Art. 50,1 der Bündesgefetze genießen." „The American Hebrew" nennt die beiden Rabbiner einen „Stein des Anstoßes" und „Stern der Jrrnis" und schließt daran den folgenden Kommentar: „Ob das in dieser Resolution geplante Verbot der Schechita von der Bundesregierung sanktioniert werden wird, bleibt abzuwarten. Wenn aber die Judenschaft der Schweiz durch ein Gesetz in der Tat an der Beschaffung von Kyscher- Essen gehindert werden sollte, so werden sie dies in.hohem Maße diesen beiden Rabbinern zu verdanken haben." . Das Verbot der Schechita durch die Bundesregierung in der Schweiz erfolgte zwei Jahre später wirklich. LeopM Stein; der Autor des Buches „Die Schrift des Lebens", war einer der astesten Apostel des liberalen Judentums und ein entschiedener Gegner der jüdischen Speisegesetze. Er starb im Jahre 1882; das Böse tat erst nach seinem Tode Wirkung. I. Stern aus Stuttgart war der Autor der „Lichtstrahlen aus dem Talmud", erschienen bei Reclam in Leipzig. Der Ausschluß von Juden aus der palästinensischen Gendarmerie. London, 10. März. In der Sitzung des Unterhauses fragte das Mitglied der Arbeiterpartei L. Mac Neil-Weir den Kolonienmtnister an, ob ihm bekannt sei, baß die Gendarmerie in Palästina, in der Juden, Araber und Cirkassier vertreten waren, demobilisiert und auf einer Basis reorganisiert worden ist, daß Juden ausgeschlossen seien; ferner ob der Minister Schritte unternehmen will, um diese ungleiche Behandlung der einzelnen Rassen, die Unzufriedenheit heroorruft und die harmonischen Beziehungen der Völker stört, zu verhindern.—Kolonienminister Amery erwiderte: Ich habe meiner am 2. März an Colonel Wedgwood diesbezüglich gegebenen Antwort nicht? hmgugulügen. forrefj?on&iere über itieje 2lngelegentjeit mit Dem rjOertommiflar weiter. Die ©tfjafs fung des neuen Grenzkorps steht noch im Plan. Rumänien. , v Panik IN Jassy. Jassy, 14. März. Die antijüdischen Ausschreitungen der Studentenschaft dauern fort. In der Stadt herrscht eine unbeschreibliche Panik, die jüdischen Geschäfte sind geschlossen, die Rolljalousien heruntergelassen. In den Straßenbahnen wurden Juden angegriffen. Die jüdischen Studenten Nadle,, Stern, Stifter und Kohn wurden so schwer mißhandelt, daß sie mittels Wagen in das jüdische Studentenheim gebracht wurden, welches mehrere andere Verletzte birgt und das Bild,eines Krankenhauses bietet. Fast sämtliche Inwohner sind verletzt und tragen Bandagen. Bukarest, 14. März. In einer Besprechung zwischen dem Rektor der Bukarester Universität und einer Abordnung der streikenden Der Israelit ' . ' . Studentenschaft wurden die' Richtlinien für eine Beendigung des. Streiks besprochen. Es wurde eine Konferenz von Vertretern sämtlicher Hochschulen des Landes einberufen, die das letzte Wort über den Streik zu sagen haben wird. Die Czernowitzer Studentenschaft lehnte es durch Majoritätsbeschluß ab,.sich dem Streik anzuschließen. ' (ITA). Jagd auf Juden. Bukarest, 13. März. ' Das in Munkacevo erscheinende „Jüdische Wochenblatt" teilt mit, daß rumänische Studenten einen Eisenbahnzug der Linie Vaszerheli—Galatz an einer Haltestelle gestürmt haben und über jüdische Passagiere mit Knütteln und Messern hergefallen sind. Es spielten sich unbeschreibliche Szenen ab. Mehr als 100 jüdische Passagiere wurden verletzt. Der Zustand der vier schwerverletzten Juden Leib E ß l e r, Jacob Bercovici, Leibisch Elefant und Wol R o t m a n n ist bedenklich. Sie wurden in das Krankenhaus zu Sarragen gebrachte Jtaläfritta. MW fwi^tw WÜftjiu-MimsiL Jerusalem, 7. März. Hier fand eine Versammlung ehemaliger jüdischer Legionäre statt, der mehr als 400 frühere Angehörige der jüdischen Bataillone beiwohnten. Der Vorsitzende des Menorah-Klubs führte aus, mehr als 6000 Juden aus Palästina, England und Amerika haben im Kriege in den palästinensischen Bataillonen gedient. Elle diese Soldaten müssen den Plan der Reorganisation der Gendarmerie, in der Juden fehlen sollen, als einen Vorstdß gegen die jüdischen Interessen betrachten. Herr Agronsky führte aus, er glaube nicht, daß man es mit einem fait accompli zu tun habe, dies wäre unglaublich. An die jüdische Jugend Palästinas ergehe der Ruf, der Regierung ihre Dienste für düs zu bildende Korps anzubieten. Es sei undenkbar, daß die Regierung ein solches Angebot ablehnen würde. Die Versammlung schloß sich der bereits mitgeteilten Forderung des Waad leumi an: Entweder Juden in das zu bildende Grenzkorps aufzunehmen oder ein eigenes jüdisches Grenzkorps zu schaffen. Brief aus Palästina. Jerusalem, 5. März. Die großen Erleichterungen, die in den vorhergehenden Jahren den über die Peßachtage nach Palästina .reifenden Touristen gewährt wurden, werden auch in diesem Jahre gegeben. Die britischen Konsulate in Europa und Amerika haben Instruktionen erhalten, die ie zur Ausgabe spezieller Visa ermächtigen, wenn sie durch die Palästinaämter der zionistischen Organisationen in den verschiedenen Ländern angefordert werden. Die Touristen dieser Kategorie müssen Europa bis zum 20. März verlassen haben. Die palästinensische „Messe für den. Nahen Osten", die zum ersten Mal im Oktober 1925 eröffnet wurde und einen so erfreulichen Erfolg hatte, wird am 16. März in dem selben Umfang wieder eröffnet werden und bis zum 10. April dauern. Das Ziel der Veranstalter der Ausstellung ist, die Wichtigkeit der Landesproduktion zu betonen. Unter den zahlreich ausgestellten heimischen Fabrikaten werden die ersten in Palästina hergestkMn Pianos zu sehen sein. Der Dberkonintissar vbn Pülastiüä, FäldMü^schäll Plumer, Unterzeichnete eine Verordnung, wonach alle Ausfuhrzölle für Waren, mit.Ausnahme der Zölle für Tabak und Antiquitäten, aufgehoben werden. Für die industrielle Entwicklung Palästinas ist diese Verordnung, von größter Wichtigkeit. Schon Sir Herbert Samuel hat im Jahre 1924 dem Londoner Kolonialamt einen diesbezüglichen Entwurf unterbreitet. Im Jahre 1920 wurden aus Palästina Waren im Werte von 1361 000 Pfund ausgeführt. Im Jahre 1921 betraf die Exportziffer 1499000 Pfund, 1922 1542 000 Pfund, 1923 1789 000 Pfund, 1924 2 059 931 Pfund. In allen diesen Jahren hat die Einfuhr die Ausfuhr bei weitem überstiegen: Vor einiger Zeit übergab der Obersekretär der Palästina-Regierung der Oeffentlichkeit eine Mitteilung, in der geagt wurde, wenn z. B. Palästina jährlich für fünf Millionen Waren einführt und für nur zwei Millionen Pfund ausführt, so bedeutet das keineswegs, daß das Land dem Ruin zusteuert;, im Gegenteil, der Import Palästinas, der meist Maschinen und andere' Gegenstände -■ '_- 18.MLE1926 zur Entwicklung des Landes betrifft, bedeute - eine. Bereicherung, nicht eine Verarmung des Landes. Die palästinensische Handelsbilanz ist nicht passiv, auch wenn der Import den. .Export übersteigt, weil eben meist nicht Waren des täglichen Bedarfs, sondern Maschinen, Rohstoffe und dergleichen' importiert werden, die die Produktivität. des Landes erhöhen. j Die Rechte der orthodoxen Judenheit in der Gemeindeordnung gesichert. Jerusalem, 14. März. Der hier weilende Präsident der Weltorganisation Agudas Jisroel, Dr. Pinchas Kohn^ wurde, wie die ITA berichtet, nacheinander vom Oberkommissar Feldmarschall Lord Plumer, vom Gouverneur Jerusalems und des Süd-Distrikts Sir Ronald S t o r r s und vom Generalstaatsanwalt Norman B e n t w i ch empfangen. Bei allen dieseen Begegnungen wurde die Angelegenheit der demnächst zu publizierenden jüdischen Gemeindeordnung für Palästina eingehend erörtert. Herr Dr. Pinchas Kohn setzte die Stellungnahme der Aguda zu der Frage der Gemeindeordnung auseinander und perlcEYTQ±e„ bafj ber ttttißir der Führung des Rabbi Sonnenseld in den Angelegenheiten der Erziehung, der Schechita und der Totenbestattung eine Autonomie gewährt werde. ‘ - Lord Plumer gab dem Agudäführer die Versicherung^ daß die Rechte der orthodoxen Judenheit Palästinas m der Gemeindeordnung vollauf berücksichtigt werden. KnuvUiii Reue Pläne zur Änsiedlung gesetzestreuer Jude» in Palästina. New-J ork, 1. März. Zwei Pläne wurden der Vereinigung des Kolel Somro Hachomos, dem ungarischen Kolel von. Amerika, zwecks Ansiedlung frommer Juden auf palästinensischem Boden unterbreitet. Beide Pläne erfordern die Aufbringung und Investierung großer Geldsummen^, um mit dem Wohltätigkeits-Charakter des gegenwärtigen. Kolonisations-Systems aufzuräuMen, welches die. Kolo-, nisten von der durch Beiträge aus. Amerika und Europaerhaltenen Chalukah abhängig macht. Es hat. sich gezeigt, daß der fromme Kolonist im Gegensatz zu der vorherrschenden Meinung wohl die'körperliche. Kraft besitzt, den dürren Boden Palästinas zu bebauen,, und in den Lage ist, durch eigene Arbeit unabhängig zw werden^ vorausgesetzt natürlich, daß Arbeitsgelegenheit vorhanden ist. Der erste Planentworfen von Mendel Gottesman„ plädiert für die Schaffung einer palästinensischen Jndustriegesellschaft, welche sowohl die einheimischen als auch, die fremdländischen Industrien heben soll. Um diese Geellschaft zu fundieren, sollen 60 000 Anteile herausgegeben werden, auf welche das gesamte Stimmrecht dev Gesellschaft vereinigt werden soll. Das Projekt spricht weiter von der Herausgabe von Schuldverschreibungen in. Höhe von 3 Millionen Dollars mit 40jähriger Gültigkeitsdauer zu Stücken von 100 Dollars, 500 Dollars und 1000* Dollars. Auch kleinere Zeichnungen von weniger als 100 Dollars sollen entgegengenommen werden durch; Herausgabe von 10 Dollars- und 60 Dollars-Schuldverchreibungen. Während der Käufer von 100 Dollars- Bonds und darüber hinaus Anteilscheine erhält, haben V?? PPrf i<? keinen | d«-- rnuf. Der zweite Plan stammt von L. yvrvmitz unv ver aßt sich mit der Ansiedlung der ungarischen Mitglieder des Kolel Somre Hachomos von Jerusalem. Der Verfasser fordert den amerikanischen TeU dieser Vereinigung aus, einen Fond von Dollar 650 000.— aufzubringen in ünf Jahresraten von je Dollar 130 000,—, um eine Kolonie von 100 Familien zu gründen, welche innerhalb dieser 5 Jahre, zu zwanzig' Familien im Jahr, dort an- Es ist ausschließlich Sache der Leser, die im Inseratenteil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder onstige Angaben religionsgesehlichen Charakters auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. I B i r o b r o t l1>> ui’tr Verwendung biochetn. 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