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Der Israelit · 1926-03-11 · Heft 11 (11.3.1926) · page 24

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 11 (11.3.1926)
Date
1926-03-11
Page
– (sequence 24)
Language
German
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Seite 2 Nr. 6 D v i I s r Blä ft a e l t t er 11. März 1926 denen der Gesetzestafeln mir? kein cherus ist, die auf ihre Tafeln versklavendes Diktat der Völkermode gravieren lassen, statt freiheitgebender MttSslUlst. Es liegt auf der Hand, daß in solchem noch wogenden Kampfe zwischen Herz und Verstand die Logik leicht ein wenig zu kurz kommen kann. Ergrimmt über zionistrsche Methoden, zieht er zwar tapfer gegen sie ins Feld. Doch zur Beschwichtigung des dagegen aufzuckenden Herzens muß auch die Aguda hie und da eins auf den Hut bekommen. Das ist nun vorige Woche wieder einmal geschehen. Gemeint ist Chaim Jisroel Eiß; getroffen wird die Aguda. Von ihr wird erzählt, sie lebe gegenwärtig in einem Rausch des Siegestriumphes, der bei manchen Enthusiasten einen, etwas zugespitzten Uebermut auswirke, wie es bei den zionistischen Schwärmern an den Tagen nach San Remo der Fall war. Aber wir dürften nich im Siegesrausch unsern klaren Verstand verlieren; es wäre mdj>t klug^ wollte Hst AglOg ^lk engherzigen, zionistischen Parleimlerossen nachahmen; die Geschichte lehre, daß Siege oft verhängnisvoll für den Sieger werden; der Starke rühme sich nicht seiner Stärke, man freue sich nicht bei des Feindes Fall, die Agudo solle zionistischem Thauvinismus nicht mit agudipifchem Chauvinismus begegnen, nicht Macht gegen Macht, Gewalt gegen Gewalt setzen; nicht Krieg, nicht Säbelrasseln, nicht Trennung, nur Friede und Eintracht führe zur jüdischen Gerechtigkeit. Das liest sich teilweise wunderschön. Nur die Voraussetzung hat einen Haken. Von Siegestriumph und Siegesrausch ist auf der ganzen Aguda-Linie nicht der Schatten einer Spur wahrzunehmen. Aufatmend dankte man nach Fasten und Slichos in Jerusalem dem Qenter ber MLchts fÜJpWl Gewissensnot, doch auch das nicht laut oder gar lärmend, wie es bei den? zum Vergleich angezogenen „Sieg" von SarrRemo geschehen war. Zu Uebermut, zu zugespitztem, habe der Siegesrausch geführt; wo ist der Enthusiast? doch nicht etwa Eh. I. Eiß? Er schrieb ja klar und deutlich, die Aguda habe gar keinen Sieg errungen, der Zionismus habe gar keine Niederlage erlitten, W a h r h eit und Recht seien es, die ihren Weg sich erst bahnen, aber noch nicht einmal gebahnt Haben. S o schreibt kein Enthusiast, den lükl 8ißg5ÄVAllfch bis zürn Uebermut ^{tzelt, 0 schreibt kein engherziger Parteimensch, s o rühmt sich nicht jemand seiner Stärke, s o freut sich nicht ein Schadenfroher des Falles eines Feindes, s o , schreibt auch nicht, wer im Uebermut den klaren Verstand verliert. Weg damit! Alle die vorstehenden Botschkoschen Vorwürfe sind unbegründet, seine Mahnungen zur Bescheidenheit sind durch kein Aguda-Verhalten begründbar; und darum sind sie überflüssig und verletzend, so wenig auch der gute Freund das beabsichtigt hatte. Wenn er aber noch obendrein von agudrstischsrn Chauvinismus spracht, \o ist sein mit bem Verstand in dem Momente sicher durchgegangen. Chauvinismus ist doch wohl ein säbelrasselnder, rufgeblasener Patriotismus. Wenn man diese Eigenschaft einem Jabotinski nachsagt, so kann man zur Not Sinn hinein bringen. Auch in Montreux mag es zu Poincares Zeiten solche Früchtchen gegeben HHven. Aber, lieber Freund, nennen Sie bitte einen, wohlgemerkt einen Agudisten, den Sie auf chauvinistischen Allüren ertappt hätten. Mir scheint, hier passierte im Streben nach Kraftworten einfach eine Feder-Entgleisung. Anders ist der deplacierte Ausdruck nicht zu erklären; und dasselbe gilt für die Warnung vor Machtmißbrauch und vor Gewaltanwendung. All diese Mittel der rauben Eso«,- IjSHBl [8ß, Äer gisten Herzens {ft, nicht bei der Aguda und ihren Getreuen voraussetzen. Ein weiteres Rätsel. In dem Aufsatz wird betont, die Aguda solle keine Heilsarmee fein, sie solle die jüdisch denkende und jüdisch fühlende Judenheit sammeln. Was versteht Herr Botschko, er verzeihe die indiskrete Frage, unter jüdisch beitffiltber tltlb jübtfd} ftiWenber Subenfieö? 23er;iGT: J 3j! ■ ‘ steht er darunter die ganze Judenheit — wozu dann die einschränkenden Eigenschaftswörter jüdisch denkend und jüdisch fühlend? Ist unter jüdisch DonfenD und jüdisch sühletid 'begriffen, w für sich und für das jüdische Volk die Verpslichtungskraft der Thora anerkennt (das ist die Aufnahmebedingung der Aguda) was machen wir mit den anderen, Herr Botschko? Oder ist Ihr Anspruch an jüdisch Denken und jüdisch Fühlen schon erfüll" wenn jemand den zionistischen Schekel zählt, an einer Palästinareise teilnimmt, den Keren Hajessod unterstützt, die Worte schalom und babakaschah geläufig spricht, die Aguda des Verrats und der Assimilation bezichtigt, ■naiw nmi schimpft und sich damit aller jüdischen Pflichten für ledig erklärt? Aber wenn Sie selbst dieser Ansicht wären — Sie sind es selbstverständlich nicht — so bliebe immer noch die Frage, wie und wo sollen die vermeintlich jüdisch Denkenden, Fühlenden, Sprechenden mit den vermeintlichen Verrätern, Assimilantew im» am m einer lLmhmt zusammsnZAsHksstn werden? Lst teste Idee, die Agudo könne geschlossen in die zionistische Organisation eintreten oder diese bei ihrer jetzigen Haltung geschlossen in die Agudo, kommt keinem vollsinnigen Menschen. Es -wird vielmehr noch geraume Zeit vergehen, bis .die wirklich jüdisch denkende und jüdisch fühlende Gesamt-Judenheit in der Aguda gesammelt wird, um in dieser und durch sie „das göttlich geprägte Siegel von hbuo Dsr * in seiner ganzen Reinheit und Echtheit zu bewahren und Israel vor jeglicher Profanierung und Modernisierung zu schützen und von nationaler und kosmopolitischer Assimilation fern zu halten", wie Sie es kraft Ihres gesunden Menschenverstandes — dieses Mal ohne Bremsung durch das Herz — selber treffend zum Ausdruck bringen. Wer mittut. denkt unb fühlt jürndjl mUlvd, mag inzwischen draußen bleiben, bis er sich auf seine Nationalpflicht besinnt. Diese Nationalpflicht ruht unabweisbar auf ihm; er wird nicht frei von ihr. Er kann ihr untreu sein; doch untreu wird man nur dem, dem man Treue schuldet. Die Untreue noch beweist die Verpflichtung. Unter der Verpflichtung durch die Thora steht, wer von jüdischer Mutter geboren ist. Dadurch, durch die mit der Geburt ihm auferlegte, überkommene Sinai-Verpflichtung ist er Jude, bleibt er auch in seiner Untreue unser Bruder. Davon ist ohne jeglichen Zroeifel auch her ijßPP NsvsLss^ iur^rung^. Nun hat eine Anzahl solcher Brüder, die dem Malchus schomajim den Gehorsam gekündigt haben, durch Verstandesgaben, Geschick, Willenskraft und Ausnutzung der Kriegskonjunktur einen relativ starken Einfluß auf das jüdische Geschick und die nationale Verwaltung im jüdischen Heim in Erez Jisroel erlangt. Da werden dementsprechend Gesetzespläne ausgearbeitet: In das Nationalheim soll Israel nicht als Jisro-El zurückkehren, „als Volk Gottes und seines heiligen Gesetzes"/) sondern frei von diesem Gesetz, das aufhören soll. Volksgssetz'gu ülll. S)!I palästinensische ölgnba? schreit auf in Schmerz und Empörung. Die Weltaguöo )ört den Aufschrei, entspricht ihm, bringt ihn vor die. Mandatarmacht und den Völkerbund. Dem englischen Vertreter beim Völkerbund wird von unsern Gegnern zugeraunt, die ganze orthodoxe lalästinensische Judenschaft, soweit sie gegen den Gesetzesentwurf des Waad Leumi eingenommen ist, fei eine Nichtigkeit von Kaftan- und Peosrägern, urteilslos, ohne Eignung und Willen zur Arbeit, einfach von Frankfurt kommandiert — es lohne sich nicht, auf ihren Einspruch zu hören., lnd dennoch — die Völker, die dem jüdischen Volke als dem Volke der Bibel ein Heim im Väterlande zuerkannt haben, fanden auch für die Gerneinschaft her Bibel im heilige« Qcmbe vmL verwarfen Len Plan des Waad Leumi, des „Nationalrates". Wie wäre nach Herrn Botschkos Meinung dieser Ausgang möglich gewesen, dieser Erfolg der Wahrheit, wenn die Agudoh in „Frieden und Eintracht" mit den Zionisten und nicht getrennt und in entschlossenem 3) 6. 91 S, Jesrhurun.^tSo&raatta augenblicktiS nimmt). i - Kampf gegen sie vorgegangen wäre, — unbekümmert um Verrat-Geheul der Presse-Meute? £err Botschko denkt ffdj svi Es haben doch, Führer von Agudoh und Zionismus schon zweimal verhandelt, auch über den Gesetzesentwurf. Dabei haben doch die Zionisten erkannt und anerkannt, daß die Agudisten „keine Bees hamidrofch- Batlonim", sondern politisch reife Männer seien. Richtig, Herr Botschko. Doch gerade darum haben die zionistischen Führer auch zu erkennen vermocht, daß der Unterschied der Weltanschauungen zwischen Alt- und Neunationalismus nicht ausgleichbar sei und Weiterverhandlungen zunächst ausschließe, und sie trennten sich mit freundschaftlichem Händedruck von den Unsern. So, wie ftern Botschko meint, geht es also nicht. Es mußte vielmehr gekämpft werden, damit in Erez Jisroek das gesetzestreue Gemeinwesen seine Selbständigkeit und Gewissensfreiheit vor dem Anschlag retten konnte. Herr Botschko selber freut sich dieses Ausgangs; er gibt ihr» allerdings eirst J}fJ" rrmn öei objektiver Betrachtung kaum wird unbsdenklich ^stimmen können. In San Remo, so schreibt er, sei der Judenheit die geraubt gewesene nationale Ehre und Würdewieder gegeben und der geschichtliche Anspruch auf Erez Jisroel öffentlich rechtlich eingestanden worden; aber das echte,, traditionelle Judentum sei in San Remo von den Bevollmächtigten der Völker noch nicht erschaut worden. Diese Lücke , nun habe Genf ausgefüllt^ der einstige Jrtum sei korirgiert, das Judentum in seiner göttlich geprägten Form sei nunmehrvon den Vertretern der Mächte anerkannt. Dev Einfall ist so schön, daß man ihn nur widerstrebend kritisiert: denn dann bleibt er leider nurein schöner Einsall, und dann bleibt leider wenig- Wirklichkeit daran. Anerkannt ist nur das Recht dar orfyobo^tr ©ememf^ PMMM ÖÜS klm fache Menschenrecht auf frsis, selbständige Neligionsübung. Auch was weiter daraus gefolgert wird, schießt übers Ziel hinaus: dieser Akt dev Völkerbundsvertreter bilde einen Markstein, sei einzig dastehend in Israels Geschichte. Tatsächlich aber können leicht viele Fälle aufgezählt werden^ wo im Kampf zwischen Neologie und Orthodoxie diese bei Regierungen und Parlamenten sich ihn Recht schaffte: ein Mißerfolg dürfte in Deutschland in den letzten 50 Jahren kaum zu verzeichnen fein. Das ist kein Wunder, weil die Orthodoxie nie einen Angriffskrieg führt, fonöern?MkldM MS vjps heilig ist, nur Anschläge auf die Freiheit abwehrte. Genau so war es jetzt in Jerusalem-Genf.. — Um seine Selbständigkeit zu wahren, darf man sich aber nicht freiwillig unter die Botmäßigkeit just derer stellen, denen dieses Streben anderen ein Dorn im Auge ist. Das begreift Herrn Botfchkos ruhiger Kopf; nicht aber empfindet das fein, unruhig Herz. Das wird optimistisch, um sich ausder Verlegenheit zu helfen, und ruft, es werde bei jedem Attentat auf wichtige Dinim, wie Gitirn Kiduschin, die palästinensische Judenheit mit ihren gangen 8Vn«ht bagegeri au^tetjen. Sjabe Wn ichten Wahlen 6g°lv Der jüdischen Bevölkerung Nicht gewählt, weil die Rabbinen das Frauen- Wahlrecht verboten, auf das die maßgebenden Kreise nicht verzichteten.- Richtig, Herr Botschko. Doch.wie kann man sich dieses Obsiegen der Ortho-; doxie gegenüber den Areligiösen und gegenü.ev dem Misrachi vorstellen, ohne Trennung und Kampf? Bei Verstrickung der Aguda mit dem Zionismus hätte, das kann doch nicht bestritten werden,' der Misrachi die Oberhand gehabt. — Doch weiter: haben nun etwa die 85% palästinenifcher Juden, die sich her Wahl enthielten, sich „wie ein Mann" erhoben, damit das ohne sie mit. Frauenwahlrecht zustande gekommene Abgeordnetenhaus (Assifas Haniwchorim) als gesetzwidrig anfgeläst «erbe» aucfj fj^r fj«$ jM 8l5 Aguda dam ihrer selbständigen, getrennten Haltung eingreifen und die Ungültigkeit der Wahl zuständigen Ortes beantragen können; ob mit Erolg, steht dahin. Wenn Ihr verständig Wort alsowahr ist, daß die Agudoh sich bet den Verwaltungen Gehör schaffen kann, so bleibt die Gefahv;roß, von der Herr Eiß sprach, und ständige Wachsamkeit bei üollftättbiger (Stibogertfretf>et± ist oon ftXtßU- Sßatt »ergebe rrlUch Vfffj unsere gtzsetzkostlr

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