Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1926-03-11 · Heft 11 (11.3.1926) · page 23

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 11 (11.3.1926)
Date
1926-03-11
Page
– (sequence 23)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2446951-2450388-2450399--72986-2530369
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

keraurgegebea oon dcc £andcsorganifa(ion dep flgudfls-JiSEoef in Deutfefjlana \2. Iakrgana ^.ranffurt a. OT., ((. ITTärs >926 / 25 2löar 5686 Nummer 6 Der erfks MM« «nd der Keren yatoray. Wenn auch jeder jüdische Monat denkende Menschen durch die in ihm stattgehabten Ereignisse zu Gott und Seinem Gesetz hinführt, so ist doch der Monat Nissan in ganz besonderer Weise geeignet, den Juden zur Selbstbesinnung aufzurufen. Und nicht, nur die festlich gehobenen Tage seines Peßachfestes halten unserm Herzen eine einßrmglW WMgk von unforor fiofDitfmn MZ stimmung, auch und in hohem Maße. der erste Tag dieses Monats, der 1. Nissan. Er gießt hohe Freude in unsere Seele, macht uns unseres jüdischen Adels bewußt. Dies ist der große Tag, mit dem Gott sich freute wie mit dem Tage, da Er Himmel und Erde schuf, es ist der große, mit zehn kostbaren Kronen geschmückte Tag. (Sabbat 87b.) Gott freute sich, weil an ihm, dem ersten Tag, der Heiligtumsweihe, das Heiligtum vollendet stand. Und Israels Fürsten brachten an ihm zum ersten Mal ihr Opfer, und in der Darbringung der Opfer bekundeten sie die Hingabe ihrer PersönilftMt unD iDras Mas an miMum. Die a’3n> die erwählten Träger des Dienstes, begannen ihr heiliges Werk. Das Feuer, das Gott vom Himmel sandte, wurde Zeugnis, daß Gott in Seinem Heiligtum weilte und wohlgefällig^aufnahm die Gaben Seiner Kinder. Moses und Ardn segneten das Volk. Und ihr Segen wurde zum Gebet: „Das sei Gottes Wille: auch auf Eurer Hände Tun ruhe Seine Göttlichkeit!" — Deshalb ist er so groß und bedeutsam, dieser erste Nissan: er weiht den göttlichen Schöpfungsakt durch die Gründung des Heiligtums, er weiht das Heiligtum durch den Opferdienst, und er wcipt Das WislR öoir unD seine Mrslen Durcrj die im Opfern bekundete Gesinnung und den ihnen dadurch gewordenen Gottessegen. — So verstehen wir die Mischna mit ihrer Vorschrift, daß der erste Nissan n:u>n ms ist für die jüdischen Könige, nwn w«-> für die j ü d i - s ch e n Feste. Dem jüdischen König, für den , das Wort galt: „Nicht durch Kraft siegt der Mann", konnte es kein bedeutsameres und ereignisreicheres Datum geben als diesen ersten Nissan, der Gottes. Welt und Gottes Heiligtum und Gottes Volk den Sinn gab. Und Den j ü D n tf) ß n Festen, Die nicht durch Saat und Ernte bestimmt werden, nicht durch Natur und Geschichte, die festgelegt wurden, noch bevor Gott Seine Welt geschaffen hätte, die niedergelegt wurden in Seiner min» die Er „gegründet als Anfang Seines Weltenplanes", des Planes, nach welchem er Natur und Geschichte sich entfalten hieß: ihnen ist der erste Nissan in seiner Beziehung zu Heiligtum und Priesterdienst, zu Opfertat und Himmelsfeuer der Tag, an dem sich ihr Sinn und ihre Bedeutung mißt. Der jüdische König, erhoben über die anderen jüdischen Menschen, das jüdische Fest, erhoben über die andern jüdischen Tage: sie stellen den Mmschkn and frig MM unter Den großen Wer Danten ö&e Wischen Heiligtums ml der jüdischen Opferleistung, in dem sie vom ersten Nissan aus -7-' der König in seinem Herrschertum, die Feste in ihrer letzten Bedeutung — sich begreifen lehren. Und heute! Wo unser Königtum schlummert, bis Gott es weckt, heute, wo unsere Feste ihren durch das Opfer umschriebene^ Sinn entbehren, bis Gott wieder die Flamme schickt vom Himmel, auch heute und, Uris ist'der erste Nissan ein lebendiges, belebtes Datum! Denn das Opfer ist nicht gebunden an den Altar, auf dem es dargebracht wird: so hat Gott 68 löFflimm 'DOpjoipoiL =3 „Miß or --- WWoni — sprach: ».Gott; mein Herr, wodurch werde ich wissen, daß ich es — das Land — in Besitz nehmen soll?" Abraham sprach vor Gott: „Herr der Welt, wenn Israel rn vor Dir sündigt, wirst Du ihm nicht so tun wie den Menschen der Sündflut, des Babelturmbaus?" Sagt Gott: „Nein." — „Gott, wodurch werde ich das wissen?" — Spricht Gott: „Nimm nur ein weibliches, dreijähriges Kalb" (d. h. die Opfer werden für sie sühnen). „3o ^err, das tfi gut. solange das Heiligturn besteht. was wird'sein, wenn rem Heiligtum mehr ist?" — „Schon habe ich ihnen die Opferordnungen bestimmt. S 0 l a n g e s i e darin lesen, nehme Ich es ihnen, wie Bist Du dem Ruf des Reren Hajischuw gefolgt und hast Du Deine pur im-Gabe dem Palästina- Aufbau-^ond der Agudas Jisroel zugeführt! Wenn nicht, wie kannst Du Dich ben brmgenben üufgafcen be5 orthodoxen Aufbau-Werkes entziehen? Annahme-Stelle des Keren Kasifckuw in Deutschland: Paizrirna-Lenttale üer Aguüaz üisroel Frankfurt am Main Postscheckksnto Frankfurt a. M., No. 53 900. wenn sie opfern und so sühne Ich ihnen alle ihre Sünden!" (Megillo 31,6.) Nicht das ist der letzte Sinn: daß man das Opfertier darbringt: das vielmehr sichert Sühne: sich die Bedeutung der Opferhandlung zum Bewußtsein bringen, beim Lesen des Opfergesetzes in sich aufblühen lasten opferfreudige Gesinnung, gebefrohe Stimmung, Geneigtheit, auf dem Altar der Volksgemeinschaft zu Gottes Ehre Opfer zu bringen. iruripn -non jnnipp jot bedeutet: sorgsam überlegen, abwägen, abschätzen „die Reihenfolge der Opfer" — und danach den großen, Sühne sichgrnßM lkntMllß iPßffpn. Fgsssn Wirr ßßtt ersten Nissan so als Weiser und Mahner aus, dann trögt er auch für uns noch alle seine Kronen! Und wenn wir heute Nachdenken, erwägen, welchem Zwecke sollen, müssen wir zuerst opfern? Die Entscheidung kann nicht ungewiß sein. Wie groß Unseres Volkes wirtschaftliche Not ist, wie tief auch der Einzelne gebeugt sein mag von der Schwere dieser Zeit,- wie wichtig daher ein Eingreifen nach dieser Richtung sein mag, höher noch steht die Pflicht, dergeistigen Verelendung zu steuern. Die mm' tft so sehr Rückgrat unseres mm mimöwm amte nnn mir w WllllM verknüpft, dre Entscheidung „Buch der Thor» oder Schwert der Vernichtung" ist so eindeutig, daß es niemandem von uns zweifelhaft sein kann, wofür er sein Opfer zu-geben hat. Und wenn die Jeschiwaus jetzt neue „Seman" eröffnen, neue Scharen lernfroher Jünglinge an die Pforten klopfen und man nicht weiß, wie die alten Bachurim erhalten, sie vor dem Hunger — ach, leider oft vormVerhungern .su fdjiiljen, ruenn bewährte Stätten der Lehre, vor ^icsalrr stellen, morgen iljre Psorlen gu schließen, wenn ... ja, denkt selber nach, wie es aussieht überall, überall, wo Thauro gelernt werden soll, und wenn ihr dann wieder nachdenkt über den rmmpn -no ihr wißt, was Eure heilige, durch nichts zu bannende Pflicht ist. Und wenn Ihr ihr dann nachkommt, freudig und, trotz eigenen Mangels, großzügig, dann glänzen wieder die zehn Kronen des ersten Nissan und ihr sorget, daß an ihm auch eine andere, eine elfte wieder Heller strahlt: mm nro W. S. I. Herz und Verstand m jüdischer Don Gottfried Holoschmidt. Jemand wünschte, ich solle ihm sagen, während er auf einem Fuße steht, was E. R. Botschkos vorwöchiger Aufsatz enthalte. Ich ^itwortete: „Die zionistische Kultur unb Lehre ist wahrhaftig schädlich, und wir dürfen uns von den Zionisten beileibe nicht trennen." Das sind die beiden Bestandteile; was sonst darin steht, ist Begründung des zweiten Bestandteils und viel Schmuck, zu dem der Herr Verfasser Neigung und Talent hat. So? fort folgte die erstaunte Frage, wie denn um des .Dimmeia ipillon zwei einanDor gänzlich ansschliößende Ansichten in einem und dem selben Köpfe reifen könnten. Antwort: die widersprechenden Ergebnisse sind nicht beide in Freund Botschkos Kopfe gereift. Nur das eine von dem Schädling zionistischer Kultur und Lehre ist Erfahrungssache und Verstandesresultat. Das andere ist v Herze n s trieb und Gefühlswallung. Frage: Verstand und Herz müssen sich doch schließlich einigen? Antwort: Jawohl, aber dazu muß der Verstand erst die Herzensregung sorgfältig geprüft haben, wuß das Herz für das Dsnkprodukt gugimglich fein. Wo bas noch nicht glltrifst, da wuchern die Widerstreite üppig. So geht es unserm Freunde. Sein gutes Herz ist voll ahawas Jisroel; es trieb ihn von Haus aus zu denen, die aus dem gleichen Grunde die gänzliche Ignorierung des Gottesgesetzes betrieben oder in Kauf nahmen. Nun ist die Thora , aber zufällig eine ihr Recht unerbittlich heischende Macht in Israel: wer ihr entläuft, geht dem Judentum verloren, mit allen bekannten miß-, liehen Folgen. Das ist nicht ein Resultat der Phantasie oder Mystik, sondern handgreifbare Wirtlichkeit. Herr Botschko sah es auch und hörte es und bekam es zu fühlen als thoratreuer Sohn des Thoravolkes. Diese harte Wirklichkeit zwang ihn Sdp-itl por ScfjyUij gum ipppt mus, (Der von 613 Thorageboten eines, ein einziges aufnahm, keineswegs etwa als Thoragebot, doch als Niederschlag zweitausendjähriger Tränenflut, als Trutzmittel gegen Judenhaß). Dazu zwang ihn schwere, bittere Erfahrung, die seinen Verstand zur Gefahrenerkenntnis brachte. Aber das Herz, das heiße, treue und gute, widerstrebt und sucht immer wieder die Reihen der Brüder, *) Verspätet wegen Raummangels.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.