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Der Israelit · 1926-03-11 · Heft 11 (11.3.1926) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 11 (11.3.1926)
Date
1926-03-11
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 Nr. li 11. März 1926 löst das aus dem mehr südlichen Frankfurt mitgebrachte Frühlingsahnen in gemeinen Schnupfen auf. Dann fährt der Zug, als hätte er nur darauf gewartet, weiter durch die Lande der vielen Potentaten. Man schließt das Fenster und niest — im Preußischen noch. Der Nachbar ruft: „Gesundheit!" in Weimar- Eisenach. Man bedankt sich schön in Schwarzbürg, was der Nachbar höflich mit einem „Bitte schön!" quittiert — in R e u ß, älterer u n d jüngerer Linie . . . In Halberstadt zeigt ein frischer Wind dem Frankfurter die klimatische Distanz an. Es gibt welche, in Frankfurt natürlich, die die kühne Behauptung aufstellen, Halberstadt sei das Frankfurt des Nordens. Die Ähnlichkeit mit Frankfurt drängt sich auch durch das äußere Bild auf, durch die Berge und Wälder, die schützend die Stadt umringen und hier nicht Taunus, sondern Harz heißen. Man kann sich ebenso gut einen Halberstädter Lokalpatrioten denken, der in Frankfurt das „Halberstadt des Südens" sieht, gesagt hat es keiner. Uebrigens soll man hier, in der „Umjejend Berlins", mit dem Worte „Frankfurt" nicht so unbedingt Eindruck machen wollen. Hier wurde ich am Bahnhof von der blonden Schalterbeamtin zum ersten Mal gefragt: „Welches Frankfurt?" Und da fiel mir erst wieder das Wort von Stoltze ein, daß es noch ein anderes Frankfurt gibt, mit einem „Oder" dabei . . . Hübsche, breite Straßen, eingesäumt von roten Fassaden, davor einzelne Bäume starr und stumm des Frühlingserwachens harrend. Wie man in Prag ans jüdische Rathaus oder auf den alten jüdischen Friedhof geführt wird, wie man in Fürth den alten Schulhof gesehen haben muß, so wird man in Halberstadt gefragt, ob man das G u t sehen möchte. Es ist das „Gut Nußbaum", auf das Halberstadt ein wenig stolz ist, ein jüdisches Gut, ausgestattet mit allem, was Juden — nicht besitzen, Pferden, Kühen, Ochsen, Ackerland und Obstgärten, sogar einem Lehrhause und einem Rabbiner; eine ganze Kolonie. Was i ch von diesem Gute gesehen habe, war leider nichts mehr, als der breite blau-uniformierte Rücken des stämmigen Kutschers, der in Wichs, den feierlichen Kutscherzylinder auf dem Kopf, mit dem schönen Gutswagen mich an der Bahn abholte und an der Seite meines ersten Gastgebers, — es kamen im Laufe des Nachmittags und Abends noch viele dazu — in dessen MlilM flaue suhl. Das neue Halberstadt wohnt im dritten Stocke. So muß man denn, wenn man in die alte Stadt zur Synagoge will, mehr Treppen hinunterklettern, als sonst für eine Synagoge religiös erforderlich ist. Die alten Häuschen und Hütten, nicht malerisch, aber traut und würdig und von der rührenden Anspruchslosigkeit der Altväter zeugend, gruppieren sich um graue Kirchen und ein ragendes Kloster. Ein Marktplatz dazwischen, wie man ihn heute in dieser Dürftigkeit nur noch in den Oststädten sieht. Nun stehen wir vor der Synagoge. Von außen ein Vexierbild: Wo ist die Synagoge? Man geht durch einen Hof und noch einen, wandelt durch einen Korridor und noch einen und ist überrascht, unvermittelt in einem Raume zu stehen, wo jede Ecke, jeder Winkel, die Sitze und die Pulte, die Kerzen und die Kandelaber, die vielen schmalen bunten Fenster, der Boden und der Kuppelraum, all dieses in eine Harmonie zusammenfließt. Wer hier ein wenig einnickte — und das kann in der besten Synagoge mit Kanzel einmal passieren — müßte mit Jakobs Worten erwachen: „Nichts als ein Haus Gottes, und hier die Pforte des Himmels!" Nicht neu ist die innere Ausmachung und Ausstattung, aber auch nicht eigentlich alt; ein Dunkel, das viel heiliges Licht unter seiner Hülle birgt. Die schneeweißen Wachskerzen, die symmetrisch auf sämtliche Plätze verteilt sind, zaubern heilige Stimmung aus alten Synagogen hervor, in denen Slichaus und Kinaus als Gegenwartsklagen durch den Raum schrillten. Die Synagoge ist für Wochentagnachmittag leidlich gut besetzt. Am Vorbetepult ein Chasan, der sich Zwang antun muß, „wochentägig" zu bleiben. Auf dem Rabbinerplatz der geistige Führer in dritter Generation. Aus dem öffentlichen jüdischen Leben bekannte Gesichter in den Reihen. Es ist Stimmung und Geschlossenheit, etwas Stilgerechtes im Halberstädter jüdischen Leben. (Schluß folgt.) Ainderecke. Rabbi Mose ben Maimo» (Rambam). Von Heinrich Reutz (Fortsetzung). Eine Probe aus Perusch-Mischna von Maimonides. Zu Mischna Sanhedrin 10,1 erklärt Maimonides, daß jeder Jsraelite verpflichtet ist, fol- D e r I s r a gende 13 Grundsätze des jü zuerkennen: Ich glaube mit aufrichtig 1. Gott der Schöpfer und ist, daß 2. der Schöpfer einzig und feine Einzigkeit eine ganz unvergleichliche ist, daß er allein unser Gott war, ist und sein wird, daß 3. der Schöpfer kein Körper ist, nichts körperliches ihm zukommt, und daß ihm nichts zu vergleichen ist, daß 4. der Schöpfer der Erste und Letzte ist, daß 5. dem Schöpfer allein und keinem Wesen außer ihm Anbetung gebührt, daß 6. alle Worte der Propheten wahr sind, daß 7. die Weissagung unseres seligen Lehrers Mose eine besonders wahre gewesen, und daß er der Vater der vor und nach ihm gewesenen Propheten war, daß 8. die ganze Lehre, wie sie jetzt in unseren Händen ist, dem Mose, unserem Lehrer, mitgeteilt wurde, daß 9. diese Thora nie vertauscht werden darf und daß von Gott nie eine andere Thora gegeben werden wird, daß 10. der Schöpfer alle Handlungen der Menschen und alle ihre Gedanken kennt, daß 11. der Schöpfer wohltut, denen, die seine Gebote halten, und bestraft diejenigen, die sie übertreten, daß 12. der Messias kommen wird, und daß ich, obwohl er säumt, dennoch täglich hoffe, daß er kommen werde, daß 13. ein Wiederaufleben der Toten sein wird, wenn nach Gottes Willen die Zeit dazu gekommen sein wird. 2. MisilM Thora. Die LehrMk her MiMll werben rm Talmud erklärt, begründet, ergüttAt und erläutert. Unter den Talmudlehrern (Amoraim) herrscht nicht immer Uebereinstimmung über das, was religionsgesetzlich erlaubt oder verboten, rein oder unrein, brauchbar oder ungültig, gestattet oder unzulässig ist. Der Talmud selber entscheidet selten darüber, was maßgebend ist. Er hält auch nicht eine strenge Reihenfolge in seinen Verhandlungen ein. .Neben Sabbat¬ oder Festvorschriften befinden sich Speise-, Ehe-, Feld- oder bürgerliche Gesetze. Wer nicht Meister im Talmud ist, vermag aus dem Riesenwerke nicht, sich fertige Gesetzesvorschriften oder Verhaltungsmaßregeln zu holen. Er weiß nicht, in welchem Teile des Talmuds er die gewünschte Belehrung finden wird. Diesen Talmudkundigen wollte Maimonides ein Werk in die Hand geben, das den Stoff des Religionsgesetzes, das im Talmud behandelt wird, in eine gewisse Ordnung, in ein System bringt. Die Ueberschriften der Kapitel deuten darauf hin, welche Gesetzesvorschriften in ihnen enthalten sind. In 14 Büchern bringt Maimonides alles wohlgeordnet unter, was inhaltlich zusammengehört, ohne daß er die Stelle des Talmuds bezeichnet, die die Quelle des Gesetzes (des Din) ist. Maimonides bringt immer nur eine religiöse Weisung, weil er sich eben nur für eine unter mehreren Meinungen entschieden hat. Er ist der größte aller Poßkim oder Dezisoren, das heißt, derjenigen, die gegenüber mehreren Lehrmeinungen sich für eine als die Norm oder Richtschnur entschieden haben. Der Mischne-Thora wegen feiner 14 D«let^ «Büdner „äaD haOasaray", Die „starre Hanv" genannt. Diese Bezeichnung kennzeichnet den unvergleichlichen Wert des Werkes. Mischne Thora enthält alle in der Thora enthaltenen Gebote Gottes, alle Gebote, die die Tannaim, Amoraim, Saboräer und Gaonen zum Schutze der Gottesgebote noch hinzugefügt haben, in verständlicher 'hebräischer Sprache, wohlgeordnet nach Büchern, Kapiteln, Abschnitten und Absätzen in vorausbestimmter, übersichtlicher Reihenfolge. Aus diesem lebendigen Quell schöpfen noch heute alle Männer, von denen man Belehrung über das verlangt, was nach der Thora recht, gut und wahr ist. (Fortsetzung folgt.) UEDRUVA« mcuu. Druckluft-Teppich-Reinigungs- Gesellschaft m. b. H. früher: MEDER’S TEPPICH-REINIGUHGS-WERX TEL. HANSA 4642 BERGERSTR. 149 Entstaubung - Chem. Reinigung - Kunststopferei - Lagerung - Entmottung mittels Zyklon-Gasverfahren \Jluf €Ue Minute Adolf Matt Gr. 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Von dem Gesichtspunkte aus, die für Trinkkuren gelten, soll man auch den Gebrauch der Fay's echten Sodener Mineral-Pastillen betrachten. Auch sie bieten die wirksamen Bestandteile der gegen Hals-, Kehlkopf- und Lungenleiden seit Jahrhunderten angewandten Sodener Gemeinde-Heilquellen: Warmbrunnen Nr. 3, Wiesen- DrimiM ntr. m oi mm m also arjmuo M Die Quellen selbst verwenden. Ihre Herstellung aus vem reinen Quellensalz erklärt auch ausreichend die als ausgezeichnet bekannte Wirkung der Fay's echten Sodener Mineral-Pastillen bei Husten, Heiserkeit und Verschleimung. Hotel Kronprinz in Wiesbaden steht unter Aufsicht von Rabbiner Dr. Ansbacher. Ein bestgeleitetes Hotel mit allem modernen Komforts. Jüdische Beamte und Angestellte, welche Mitglied der Reichsversicherung sind und eine Kur nötig haben, werden darauf aufmerksam gemacht, daß, wenn sie rituelle Verpflegung verlangen, ihr Wunsch berücksichtigt wird. 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