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Der Israelit · 1926-03-04 · Heft 10 (4.3.1926) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 10 (4.3.1926)
Date
1926-03-04
Page
– (sequence 13)
Language
German
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MMürzi926. Nr 10 Seite 13 Korrespondetoreft ßacbricbicn. Bayer: Israel. Geckerndeverband. A n g s b u r g, 26. Februar. / Vier Bayerische Israelitische Gemeindebund tagte am 2l?1Hd 22? Februar in Augsburst. Tiqr Begriißungsakt fand im festlich geschmückten Börsensaale statt. Aus den Ansprachen Ser behördlichen Vertreter sei ein Satz dös Abgesandten des f u ltüs Ministeriums festgehalten:?Jp?deti zu führenden Verhandlungen zwischen Ministerium, und dem Gemeindeverband", so sagte Ober- Reg.-Rüt Metzger, ,>sind nicht die Paragraphen des formalen Rechts leitende Wegweiser, sondern vielmehr ein beiden Teilens wohltuendes V e r t r a u e n s verhält- > Äie Beratungen wurden eingeleitet durch einen tief schürfenden religionswissenschaftlichen Vortrag des Distriktsrabbiners Dr. St ein -Schweinfurt. Anhand der Lepren der vier ausgezeichneten Sabbatezeigte er in großer Linienführung, daß der Idealismus der jüdischen Religion -die unerschütterliche Grundlage gebe, daß? Dauer und Zielsicherheit des. Gemeindeverbands im wesentlichen davon abhängen,. inwieweit dieser diese selben Lehren in - sich lebendig erhalte, und weiterhin, daß nur durch straffte Jnnehaltung des 5. Gebotes die Festigkeit von FamHie undSta at wieder erreicht und erhalten werden könne, Hier anschließend mag gleich ein Ans ch r e i b e n der Rabbinerkonserenz an die sämtlichen bayerischen Gemeinden erwähnt sein — das, in einer späteren Sitzung verlesen, zur Linderung der wirtschaftitifjen Notlage zu steter Wohltätigkeit aufruft, einfachere •errlj^|te^^i^ urxlj Me -QJJo.Ü> eneu^Ü Der letzten Zeit als it n sittliche Torheiten aus j übisch e r Mitte mit aller Entschiedenheit förngehalten wissen wA. . Der Präsident des . Rates (Oberlandesgerichtsrat Dr. Äeumeyer) erstattete Bericht über die Arbeiten und das . Erreichte in den fünf Jahren des Bestehens des Gemeindeverbandes. Auf Grund der Statistik stellte er fest, dH die jüdische Bevölkerung in Bayern seit 1910 um ca. 6OtQ.Q Sseien ybgenommen, und daß diese Minderung hauptsächlich in der S e n k u ng der K i n - derzähl ihre Ursache habe. Sein Appell richtete sich an die jüdische Frau als Mutte r. Aus dem HaushaltungsplH fÜr 1926 (Berichterstatter: Ludw. Rosenzweig, Nürnberg) seien nur die wichtigsten Posten genannt: Für Zuschüsse zu den Besoldungen der Rabbiner und Lehr e r: 1450 000 M., für Bauzuschüsse 15 000 M., für soziale und kulturelle Aufgaben einschließlich der Zuschüsse an Unterrichts-, Erziehungs- und charitatwe Anstalten 90 000 M. Hiervon? vereinzelt:' zur Gründung einer H a u s h a l - t ü n gssch ul e 5 000, M? >zur Angliederung eines LM d e s he i m s für S ie ch e .und G r e if e an das israelitische Krankenhaus in Äürzbürg 13 500 M., zum Ausbau des jüdischen Kinderheims in München als Ländesheim 5 000 M, Demgegenüber figurieren als Einnahmen neben Zinsen und Rückständen dex StaatszUfchuß in der Höhe voni60 066.M. und eine dreiprozentige Anlage zu. den Reichs- und Landessteuern. "'Äm zweiten Verhandlüttgstag gab Justizrat Dr. Homnie l -Schweinfurt kürzest. BeÄcht.üder den Stand; i>exr .(SemGinbci^erbättbe tttt 5ÄÄt(f)e zwecksGründung eines 31 et ch sve rb andes deutschen Juden. „Eine, zarte «Pflanze,?die man schützen mH vor der rauhen Luft der Ordentlichkeit", so drückte sHrdek Präsident lüLnig üb.e.r ihn. yus.. Im März sollen m^ Berlin diei. Beratüngen-übLr-Viesen Plan fortgesetzt wetden.' Dciraüfwurde die;-endMtige Versassung deP?AeMands Bayerischer Hraelstischer Gemeinden ein- -?üeben'dieMeamtenordnung, dis? nach)-mancherlei? Zusätzen'-und Streichungen an dem Entwurf des RatesaucheinstiMmigeAnnahme fand, sei nHch eirjkurzesWöri üngesügi^ -Me ist in der Hauptsache def?^ f.ür:.,Ht<ratsbeamte - nychAebilhe^. D e r. j ü d i f ch e B-e^Wte:istdurH sie/derMilltür der Gem-e^nZ)'6'AiM'Ä:l t^kH-e.'n. e ntzö g e n, sindet in ihr seifte Rechte unh Pflichten-'undkänn gegen' stlsxrische ÄemeistHn die M)ch1 ^Hg^rrchte^ des Verbfljches ayrufem Das Feilschen NM den.-Gehalt, unwürdige untz^nNzüreichend'e Bezahlung find-durch die Paragraphen 16 BB 20 unmöglich gemacht: Die' Beamten haben nach VeMÜd^BeMsEM lü ng öffentl i ch e r B e a m tdies» Festlegung hat mehr als-deü Wert-einergrüßen GeM Der Präsident konnte auK. seinen Besprechungen hierüber mit dem Ministerium Mitteilen, daß es bisse Einstufung-.' der jüdischen Beamten ausdrücklich st anerkannt hat. Damit rückt auch der Der I sr ä e l i t" jüdische Beamte in den:b es o n d eren Schutz des Staates. Eine Beamtenordnung für jüdische Beamte ist ein Novum. -Und die andern Gemeindeverbände werden nun nicht umhin können, auch ihrerseits eine solche zu schaffen. Sie sollten dazu im Interesse ihres Ansehens und ihrer Beamten die bayerische Beamtenordnung ohne jede Äenderung übernehmen. Die Haüptverhandlungen fanden, ebenso wie das solenne Festmahl, das die 'Kultusgemeinde Augsburg den Abgeordneten gab, im historisch berühmten Hotel „zu den drei Mohren" fiatt ’ Die nächste Tagung ist in Fürth. Doch werden zuerst am 9. Mai die Neuwahlen der Abgeordneten oorgenommen. Jüdischer Friedhof und Sabbat. Hannover, 25. Februar. Der „Stätte der ewigen - Ruhe" wird nicht einmal am Sabbat die Ruhe gegönnt — in Hannover wenigstens. In der Repräsentantenversammlung erhob sich Protest dagegen, daß die beiden Friedhöfe am Schabbys auch fernerhin geschlossen bleiben sollen, und nach einer sehr heftigen Debatte wurde mft 9 gegen 6 Stimmen die Abänderung der Friedhossordnüng angenommen, in dem Sinne, daß „an den Neujahrstagen und am Versöhnungsfest die Friedhöfe für jeglichen Besuch geschlossen bleiben. An den Rüsttagen zu diesen Festen werden die Friedhöfe eine Stunde vor Beginn dös Gottesdienstes geschlossen." Zn Zukunft sind also die Friedhöfe wieder an allen übrigen Feiertagen und an <SaE>E>a±cri bis gum _ (Efitbraic^ bet 2>unteX^eft geB|^neij rote ee vie Liberalen haben roolllen. Eine Judendebatte im Danziger Volkstag. ' D a n z i g , 23. Februar. In der gestrigen Sitzung des Dolkstages begründete Frau Lahlane einen Antrag über Bekämpfung der Schundliteratur und führte aus, das „ftemde Blut vergifte den deutschen Volkskörper". Ihr erwiderte der sozialistische Senator Laps sehr scharf, indem er darauf hinwies, daß die Deutschnationalen sich des niedrigsten Schundes zu ihrer Hetzkampagne gegen die Juden bedienen. Es sei nur an die „Protokolle der Weisen von Zion" erinnert, die dem ekelhaftesten Schundroman in nichts nachstehen. Auch der Vertreter der Volkspartei, Regierungsrat Dr. Blauer, wandte sich gegen die deutschnationale Judenhetze und sagte, die Deutschnationalen müssen zunächst die Schundliteratur aus ihren eigenen Parteikreisen bannen, dann erst hätten sie ein Recht, gegen Schund auszutreten. £it<suen. Wieder eine Blutlegende in Litauen. L o w n o, 26. Februar. Nachdem die bedrohliche Ritualmord-Propaganda im Städtchen Linkowo durch Entlarvung der Hetzer abgeebbt war, hat nun in dem Städtchen Ciragole eine Ritualmordpropaganda, die schon zu schweren Ausschreitxmg^n gegeTi bie jabij^e iBeoStfecUTxjj gefüf>t± begonnen. Die Legenbe nahm davon Men Ausgang» datz der jüdische Ladenbesitzer Mathias God, der dem litauischen Klub gegenüber wohnt, seine 14jährige Tochter wegen Widerspenstigkett gezüchtigt hat. Auf das Geschrei des Mädchens hin" verbreitete sich im Klub die Legende, daß der Jude ein christliches Mädchen zu Ritualzweckeu geschlachtet hat. Man stürmte das Haus des Juden, konnte aber nichts Verdächtiges entdecken. Die Pogrom-Propaganda breitete sich im ganzen Orte und der Umgebung aus. Juden wurden in den Straßen überfallen und schwer mißhandelt. Der Lehrer Caplinsky fuhr einem Juden an die Kehle, würgte ihn längere -Zeit und schrie: „Mörder!" Mtt schwerer Mühe wurde der Jude aus seinen Händen befreit. Die. Erregung steigt, .die jüdische Bevölkerung lebt in ständiger Angst vor Pogromen. Der jüdische Sejmabgeordnete H o.lzd erg besuchte den Innenminister Endulettes und wies auf die gefährliche Lage der jüdischen Bevölkerung in Eiragole hin. In seiner Anwesenheit - ersuchte der Minister dm Keidaner Kreischef telefonisch, für strengste Ruhe zu sorgen. - Laut den letzten) Meldungen hat sich die Erregung im Städtchen gelegt:: (I D A.) , s«p«»«rz. Anfrage an Reichsrabbiner Dr. Hertz. . Zürich, 23. Februar. Wie die ITA vor kurzem berichtet hat, hat der britisch» Reichsrabbmer Dr. Hertz in seinem letzten Vortrag gegen das liberale Judentum u. a. ausgeführt, daßvor 30 Jahren - in der Schweiz zwei Rabbiner Gutachten über die' Schechita abgegeben hatten, die ein Verbot der rituellen Schächtung in der Schweiz zur Folge gehabt haben. Das in Zürich erscheinende „Israelitische Wochenblatt für frie . Schweiz" memt, daß niemand in der Schweiz etwas davon weiß, und ersucht Herrn Reichsrabbmer Dr. Hertz milzuteilen, welche „Rabbiner" es gewesen sein sollen und auf welche Qugllen er sich stützt. Cuvf!«i. SpanioUsche Juden in konstanttnopel für Spanien, K o n ft a n t i n o p e l , 21. Februar. Vor einigen Tagen haben 300 spaniolische Juden in Konstantinopel eine Loyälitätskundgebung für Spanien beschlossen. Die Konstantinopeler Presse nahm diese Kundgebung zum Anlaß einer Hetzkampagne gegen die Spaniolen in der Türkei, denen vorgeworfen wird, daß sie illoyal gegenüber der Türkei sind: und deshalb keinen Anspruch aus Bürgerrechte haben. Diese Pressekampagne hat die jüdische Bevölkerung Konstantinopels in große Erregung versetzt. Der Großrabbiner Chaini Bejarano Effendi besuchte den Gouverneur von Konstantinopel Und gab im Namen der Konstantinopeler Judeu der ü&er Me uitgeret^iyerügie imt> Tnajjfo^e hetze Ausdruck. (J.T.A.) ttina. Die Wasserversorgung Jerusalems gesichert. Jerusalem, 21. Februar. Mr. Percy Westacott, der Geschäftsführer der großen Londoner Ingenieur.i:ma Sir John .Jacksohn, weilt gegenwärtig in Jerusalem, um die Möglichketten der Versorgung Jerusalems mit Wasser, Licht und Kraft zu prüfen. Die 'genannte Firma hat von dem Konzessionsinhaber Mawromatis eine Subkonzession für diese Unternehmungen erhalten. In einem Gespräch mit dem Vertreter der Jüdischen Telegraphen - Age. tur (Palestine Telegraphie) sagte Mr. Westacott, er seimit einem ganzen. Stab hervorragender Ingenieure nach Jerusalem. gekommen. Die Vorarbeiten werden mit aller Beschleunigung durchgeführt. Sämtliche für die Wasserversorgung Jerusalems in Betracht kommenden Quellen wurden geprüft und man kann sagen, daß dieses Problem in positivem Sinne gelöst werden wird. Bis zur Durchführung der großen Wasserversorgungsanlagen wird eine vorläufige .Wasserversorgung aus dem 10 Kilometer von Jerusalem entfernten Ärunnen „Mn Farah" stattfinden. Dies wird bestimmt noch vor dem 1. August b. I. geschehen. Jerusalem wttd im August etwa 200 000 Gallonen Wasser täglich aus „Ain Farah" erhalten. Resolusionetr bet jüdischen Halionalverssmmlttttg. Jerusalem, 15. Februar. Die Regierung Palästinas hat aus das Memorandum der zweiten jüdischen Nationalversammlung Palästinas (Assefath Haniwcharim) eine schriftliche Antwort erteilt. Bezüglich der im Memorandum aufgeworfenen Frage über das Recht der jüdischen Bevölkerung des Landes, daß ein entsprechender Teil des Regierungsbudgets für Erziehung, Gesundheitswesen usw. für die Bedürfnisse der Juden verwandt werden» erwiderte die Regierung, daß sie wohl ihre Zuschüsse für das hebräische Schulwesen zu erhöhen beabsichtigt, dies aber unter der Doransfetzung, daß das hebräische Schulwesen unter Kontrolle der Regierungsorgane gestellt werde.. Auf die Frags wegen proportioneller Beschäftigung jüdischer Arbeiter bei -öffentlichen Arbeiten und deren entsprechende Entlohnung nach Facharbeiter-Taris, ist zu erwidern, daß bei der Durchführung öffentlicher Arbeiten kein' Unterschied in Rasse, Glaubensbekenntnis und Entlohnung gemacht wird. Die Regierung verspricht aber, in dieser Beziehung weiter entgegenzu kommen. Betreffs der Forderung nach einem gesetzgeberischen Schutz der arbeitenden Männer, Frauen und Kinder sieht die Regierung die Notwendigkeit einer solchen Gesetzgebung ein; ein

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