Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 10 (4.3.1926)
- Date
- 1926-03-04
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 Nr. 10 4. Mäw192K das unerreichte Vorbild eines wissenschaftlich denkenden und dabei gottesfürchtig lebenden Juden gilt. Er ist beides zugleich: Der größte jüdische Philosoph und der beste Kenner des Talmuds. Er ist in seiner Größe mit Mose, dem Sohne Amrams, in Verbindung gebracht worden. Mose hat uns die Thora geboten, die ein Erbgut der Gemeinde Jakobs ist. Der Sohn Maimons hat die Gebote der Thora, wie sie von Mischna und Gemara aufgefaßt und erklärt werden, nach ihrer Zusammengehörigkeit geordnet und in einem Gesetzbuche (Kodex) vereinigt, woraus noch heute alle diejenigen ihre Belehrung holen, die in jüdisch-gesetzlichen Angelegenheiten eine Entscheidung zu dessen, ein Urteil abzugebeu haben. Im Geiste?er Thora und des Talmuds lehrt er uns die Gebi-ie Gottes und weist nach: „Gotteslehre ist vollkommen. eine Labung der Seele. Gottes Vorchriften sind Wahrheit, sind allesamt gerecht." Mose den Amram ist im Aufträge Gottes der Gesetzgeber, Mose ben Mäimon ist der Gesetzes- >ehrer, auf dessen Schulter wir stehen, aus dessen Mund wir leben. H. Mose ben Maimons Lebensgang. Rabbi Mose ben Maimon, nach den Anfangsbuchstaben dieser vier Wörter Rambam, als der Sohn Maimonides genannt, entstammt einer Familie, in der Gottesfurcht und Thorakenntnis WmW MIM. Mn AlMr Mllimnn war um gionsgesetzlicher Ortsrichter (Dajan) ln Cordova, vo Mose an einem Sabbat, am vierzehnten Nissan lErev Peßach) im Jahre 1135 geboren wurde. Von seinem gelehrten Vater wurde er in allen jüdischen Wissenschaften, besonders im Talmud unterrichtet. Unter des Vaters Leitung erwarb er sich durch fleißiges Lesen und Studium reiche Kenntnisse in der Philosophie, Astronomie, Mathematik und Heilkunde. Schon als Jüngling verfügte er über eine abgeschlossene Bildung, die sich nicht nur auf das religiöse und talmudische Wissen beschränkte, sondern alle Erkenntnisse der hochgebildeten arabischen Gelehrtenwelt umfaßte. Die Juden hatten in Spanien mehrere Jahrhundert lang in leidlich guten Verhältnissen gelebt. Sie waren im Bekenntnis und in der Betätigung ihres Glaubens nicht auf den Widerstand der andersgläubigen Bevölkerung gestoßen. Das wurde in den Jugendjahren unseres Moses anders. Aus Nordafrika war eine unduldsame Religionspartei nach Spanien gekommen und hatte auch Eordova eingenommen. Die Almohaden — so hieß diese Religionspartei — wollten überall, wo sie herrschten, den Islam, die Religion Mohammeds, wie sie sie lehrten, zur alleinigen machen. Auch die Juden sollten sich zu ihr bekennen oder das Land verlassen. Weil die Familie Maimons der Religion der Väter nicht untreu werden wollte, beschloß sie, lieber das geliebte Land der Geburt, die teure Heimat, zu verlassen, als Gott und seine Thora zu verleugnen. Sie wanderte im Jahre 1160 nach Nordasrika aus. In Afrika, in der Stadt Fez, geriet Maimons Familie in noch trübere und trostlosere Zustände. Dort war der Glaubensdruck der Mohammedaner nntD härter. Melk öuöen Mannten sich sesh«l§i um den VerfolgutchM zu sntgshen, autzerllG zum Islam. Im geheimen hielten sie an der jüdischen. Religion fest und erfüllten ihre Gebote. Viele aber ließen den Mut sinken und waren willens, den Bäterglauben ganz und gar aufzugeben, weil er nach ihrer Meinung die Ursache ihres harten Schicksals war. Das betrübte Mose ben Maimon sehr und verleidete ihm den Aufenthalt in dem Lande des Glaubenshasses. Soviel er vermochte, suchte er den Lebensmut seiner Glaubensbrüder anzueifern. Er redete ihnen zu, bis zum Eintritt besserer Zeiten auszuharren. Sein Vater und er verließen aber das Land und schifften sich 1165 nach der Heimat der Väter, nach Palästina, ein. In Akko betraten sie den heiligen Boden. Von Jerusalem aus suchten sie in Hebron die Gräber der Erzväter auf und beteten dort für ihre hart bedrängten Brüder und Schwestern. Aber auch in Palästina war ihres'Bleibens Nicht. Sie machten Aegypten zu ihrem Reiseziel und ließen sich Der Israelit zuletzt in Fostat (im jetzigen Alt-Kairo) nieder. Dort ruhte die Hand Gottes wiederholt schwer auf Moses Schulter. Zuerst verlor er durch den Tod den lieben Vater und Lehrer. Das Vermögen war durch die Auswanderung und die Reise aufgebraucht worden. David, Moses Bruder, beschaffte durch den Handel, mit Juwelen den Lebensunterhalt für die Familie. Mose selbst wollte mir mit Gottes Wort und mit der Erfüllung seiner Gebote sein Leben aussüllen. Dieses schöne, brüderliche Freundschaftsverhältnis wurde durch ein herbes Schicksal zerstört. David verlor auf einer Seereise Vermögen und Leben. Nun hatte Moses alles verloren. Aber er besaß noch sein Gottvertrauen und dieses hielt ihn aufrecht. Es führte ihn durch schwere Leiden zum Siege. Maimons Sohnden wir nun Maimonides nennen wollen, besaß als Talmudist und durch besondere Studien große medizinische Kenntnisse. Er beschloß nun, diese zu verwerten, um als Arzt den Unterhalt für seine Familie beschaffen zu können. Er übte die Heilkunde aus. Nach und nach schenkte man ihm großes Vertrauens Der Kreis derer, die seine Kunst in Anspruch nahmen, wurde immer größer. Saladin, der bekannte König von Aegypten, und später auch sein Sohn, ernannten ihn zu ihrem Leibärzte. Jetzt war Maimonides vor leiblicher Not gesichert. Er konnte seine freie Zeit seiner Lieblings- und LztzZttLtzzschsftiZunsi iniDmßä M Mu GMlkZ und dem Dienste seiner Glaubensbrüder, ni. Die schriftlichen Werke des Maimonides. Die vorzüglichen Werke, die Maimonides Namen im Judentum unsterblich gemacht haben, sind: 1. Die Erklärung zur Mischna; 2. Mischne Thora; 3. Der More Nebuchim. 1. Die Erklärung (Perusch) zur Mischna. Die 6 Ordnungen der Mischna enthalten die Niederschrift der unserem Lehrer Mose von Gott mündlich mitgeteilten Lehre, die m knappen, schwer verständlichen Sätzen die schriftliche Lehre ergänzt oder näher bestimmt. Diese Bestimmungen der göttlichen Gebote sind sehr oft nicht endgültig entschieden, sondern sie sind der Gegenstand der Meinungsverschiedenheit unserer großen Mischnalehrer. Die Gemara (der Talmud) führt die Lehren der Mischna auf ihre Uuellen im schriftlichen Gesetz zurück und sucht die verschiedenen Gründe auf, von denen sich die Mischnalehrer bei ihren gegensätzlichen Aussprüchen leiten ließen. Ohne Studium des Talmuds ist der Text der Mischna für den Laien fast unverständlich. Maimonides wollte nun die Mischna nach den Verhandlungen im Talmud kurz und deüttich so erklären, daß auch der Laie ohne Talmudkenntnis die im Talmud gewonnenen, von Maimonides endgültig entschiedenen Lehren der mündlichen Thora sich aneignen könne. Das ist ihm gelungen. Sein Mischna-Kommentar wurde später von anderen Erklärern der Mischna viel oenutzt. Eine jede gute Talmudausgabe läßt den Abhandlungen der Mischna in der Gemara auch den Perusch-Mischna von Maimonides folgen: Ein besonderer Vorzug jinb bie attjfr^rci.ben CMleMNM NM DegiMi lmo önfjattmtäutr rangen, die er einzelnen Teilen der Mischna oder bestimmten Kapiteln vorausschickt. Besonders wertvoll ist sein Vorwort zu Seder Seraim, das eine belehrende Einführung in Mischna und Talmud darstellt, ferner die Einleitung zu „Pirke Aboth", worin er in 8 Abschnitten von der Bedeutung der sittlichen Pflichten, von der Unsterblichkeit und der Willensfreiheit spricht. Zehn Jahre läng (1158—1168) arbeitete Maimonides an diesem Werke, in den unruhigen Jahren seiner Wanderungdie ihm die Benutzung sonst leicht zugänglicher Schriften zum -Studium erschwerten. Maimonides war zumeist -auf sein Gedächtnis angewiesen,, das den fast.unübersehbaren. Inhalt des Talmuds schon in den Jugend-, jahren als unverlierbares Eigentum sich angeeignet hakte. Maimonides schrieb seinen Peküsch zur Mischna in arabischer Sprache. (Fortsetzung folgt.) . vL MtdheufJtüU&r eini/iki Mßfl m m mit unrichtigen und schlechtspenden Augengläsern• herumqpälien!' sämthdiep Kränken** kasseni ’Vplj'schTtechnisc erhalten Sie hei Scklesicky - Ströhlein G. m. b. H. Kaiserpla4Z'l!7.; Tel. Hansa 2208 »MED RU VA« meeh. Druckluft-Teppich-ReiniguBgs- Geseilschaft m. b. H. früher: MEDER S TEPPICH REWIGUNGS-WERK. TEL. HANSA 4642 BERGERSTIL 146 Entstaubung - Chem. 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