Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 10 (4.3.1926)
- Date
- 1926-03-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2450388-2450398--72948-2530330- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
6^ 4 Nc. 10 De r 2 s r a e l ii . Mörz 1926 irgendwie öffentlich zu behaupten, er führe „streng koschere" Wurstwaren, und die ihm ferner aufgav, sofort das Schild „koscher" zu entfernen. Gegen das Urteil des Amtsgerichts, das nach erhobenem Widerspruch die einstweilige Verfügung bestätigte, legte der Gegner Berufung ein. Aber auch das Landgericht schloß sich der Ansicht des Amtsgerichts an. Es blieb bei dem Verbot. Aus den Gründen der beiden Gerichte ist folgendes bemerkenswert: Es wird anerkannt, daß der dem Religionsgesetz treu lebende Israelit davor geschützt sein muß, in irreführender Weise Wurstwaren usw. angepriesen zu erhalten. Wer diese Pflicht verletzt, begeht unlauteren Wettbewerb. Was ist nun „streng koscher"? Hierüber hat das Gericht sich im Anschluß an das sachverständige Gutachten geäußert, das ihm von dem zuständigen Landrabbiner erstattet war. Da es sich um einen Rechtsstreit im Gebiet des ehemaligen Königr ichs Hannover handelt, mußte das noch heute geltende Judengesetz vom Jahre 1842 Anwendung finden, das in Verbindung mit einem hannoverschen Ministerialerlaß von 1844 dem Landrabbiner in gewisser Hinsicht amtliche Eigenschaften Konezpoittlenren « Nachrichten. V«»tsche» Reich Zeitweilige Einstellung der Hilfstätigkeit der jüdischen Metthilfskonfsrsnz. SS, Feöurnr, Die Exekutive der Jüdischen Welthilfskonferenz, die in den letzten Tagen in Berlin getagt hat, hat soeben ihre Beratungen beendet. Sie hat Beschlüsse gefaßt, die folgendes besagen: 1. Die Exekutive der Jüdischen Welthilfskonferenz beschließt, bis auf weiteres die Hilfstätigkeit einzustellen und keine Sammelaktionen vorzunehmen. 2. Die Exekutive der Jüdischen Welthilfskonferenz hat in der nächsten Zeit alle ihre Kräfte auf die aufklärende Arbeit über die ökonomische Lage der Juden in den verschiedenen Ländern in Zusammenhang mit der erforderlichen Hilfsarbeit, sowie auf die Schaffung des von der Karlsbader Konferenz beschlossenen Verbandes für soziale Hilfe zu konzentrierten, gleichzeitig auch die Verbindung mit den internationalen nichtjüdischen Organisationen weiter auszubauen. 3. Die aufklärende Arbeit soll durch spezielle Enqueten und Erforschung der aktuellen Materialien, durch Herausgabe von Broschüren und sonstigen Publi- Purimnachklänge. In einem Jerusalemer jüdischen' Hotel saßen zwei Touristen bei Tisch und nahmen schweigend, da sie sich nicht kannten, ihr Mahl ein. Nach Tisch erhob sich der eine, ein Deutscher, verbeugte sich und sprach: „Mahlzeit!" Darauf der Andere, ein polnischer Jude: „Freut mich sehr, Herr Mahlzeit, ich heiße Jankel!" Ein Geldverleiher legte auf dem Sterbebette seinem Sohne ans Herz: „Kommt zu Dir ein Jude mit lang gewachsenem, ungepflegtem Barte, so borge ihm, soviel er will. Hat er geteilten Bart, so gib ihm nur die Hälfte. Hat er aber ein kleines, kurzes Bärtchen, gib ihm nichts!" „Warum?" fragte der Sohn. Der Vater erklärte: „Wenn der Zahltag kommt, da zieht der Schuldner am Barte herum und überlegt: „Schuldig bin ich. Soll ich zahlen? Ja? Nein?" Und bis er mit den Händen unten am Barte ist, geht es doch auf Ja aus; hat er aber geteilten Bart, so nimmt er den einen Teil in die eine, den anderen in die andere Hand und kalkuliert: „Soll ich oder soll ich nicht?" Und am Ende zahlt er auch nur die Hälfte." Der Kurzbart beginnt: „Schuldig bin ich, aber zahlen möcht ich nicht." Und bevor er sich recht überlegt, ist schon der Bart zu Ende. Also zahlt er gar nichts. , Ein wohltätiger Mann nahm sich am Freitag abend von der Synagoge einen Fremden mit besonders langem schönen Barte als Gast mit nach Hause. Während der Mahlzeit bat nun der Hausherr, der Gast möchte doch einige Thoraworte sagen. „Thoraworte?" wunderte sich der Fremde.- „Ich kann nicht lernen." „Sie können nicht lernen und haben so einen-langen wunderschönen Bart?" beilegt und ihm vor allem die Begutachtung von Ritualfragen den Behörden gegenüber auferlegt. Daher stellte das Gericht fest, daß Voraussetzung für den Bgrisf „streng koscher" die ganze Behandlung und der Vertrieb der Waren unter Aussicht eines orthodoxen Rabbiners sei. Ferner müsse das Geschäft am Sabbat geschlossen sein, und es dürften keine Fleischwaren mitverkauft werden, deren Herkunft nicht einwandfrei sei. Auch der Verkauf durch christliche Angestellte sei unstatthaft. Wer sich „strengtkoscher" nenne, der müsse unbedingt diese Gebote halten. Indem das Landgericht — wie schon das Amtsgericht — sich dem Gutachten des Sachverständigen in jeder Weise anschließt, öffnet es einen Weg zur Reinhaltung des geschäftlichen Lebens auf diesem Gebiete, den wir nur begrüßen können. Wenngleich die Besonderheiten des hannoverschen Judengesetzes eine gewisse Rolle in dieser Sache spielen, so wäre es verkehrt, die Nutzanwendung nur auf difen engen Raum zu beschränken. Das jüdische Religionsgesetz ist in Hannover selbstverständlich das gleiche wie in anderen Teilen des Reiches. Daher gewinnt die mitgeteilte Entscheidung vielleicht allgemeine Bedeutung. kationen, sowie evtl, durch Herausgabe einer Zeitschrift zum Ausdruck kommen. 4. Die Schaffung des Verbandes für soziale Hilfe soll in Gemeinscyast mit dem Komitee der Jüdischen Delegation in Paris durchgeführt werden. 5. Als Beginn der Tätigkeit zur Begründung des Verbandes soll der Zusammenschluß der Länder in Mittel- und Osteuropa in Betracht kommen. Zu diesem Zweck wird in Berlin eine Kommission, bestehend aus den Mitgliedern des Zentralrates der Jüdischen Welihilfskonferenz und einigen bekannten zu kooptierenden Persönlichkeiten ins Leben gerufen. In einem späteren MtpulM skttm m ykSsMknMll MiMll s>fpnr sationsn hinzutreten. Das Büro wird beauftragt, die Frage der Schaffung einer Spezialorganisation für Kinderhilse zu beraten und in Gemeinschaft mit den Kinderhilfsorganisationen einen entsprechenden organisatorischen Entwurf auszuarbeiten. Das Büro wird ferner beauftragt, Schritte zu unter-, nehmen, um die jetzt bestehenden Institutionen der Welthilsskonserenz in Rußland und in anderen Ländern, insbesondere die Arbeit des Komitees für Hilfe an Intellektuelle, sicher zu stellen. Das Büro wird ferner beauftragt, Hilfsaktionen für die Juden in Polen und Beffarabien durch das ihm zur Verfügung stehende Propagandamaterial zu unterstützen. Breslauer Brief. (Von unserem Korrespondenten). Breslau, 21. Februar. Die Repräsentanz der Breslauer Synagogengemeinde ist durch das nunmehr in Kraft getretene neue Statut von der Gemeindevertretung abgelöst worden. Eine dadurch notwendig gewordene Neuwahl der Gemeindevertreter brauchte nicht stattzufinden. Sie wurde durch Ausstellung einer Einheitsliste nach Verabredung der „Prominenten" aller Parteien ersetzt. Die Liste ergab für die Zionisten 2 Vertreter mehr als bisher. Die Konservativen erhielten ihren Besitzstand von 3 Vertretern unversehrt. Neu war der Eintritt eines offiziellen Vertreters der Aguda. Der den Ostjuden fest versprochene Vertreter fiel unter den Tisch ungeachtet ihrer starken Vertretung im Gemeindebild. Sie hatten sich nicht auf einen Kandidaten einigen können und damit ein Bild des Golus im Golus gegeben. Trotz der durch den Stimmenzuwachs der genannten Parteien bedingten Einbuße haben die Liberalen die absolute Majorität behalten. Es sitzen ihrer 13 nunmehr gegenüber 4 Zionisten, 3 Konservativen und lAgudisten. Besonders schwer siel der Aguda die Stellungnahme zur Wahlbeteiligung. Entsprechend der geringen Anzahl der Vertreter, mit denen zusammen sie die Aufgabe erhält, dem gesetzestreuen Standpunkt zum Siege zu verhelfen, und nach ihrer ganzen Konstellation wird sie lediglich eine von ihrem Gewissen und nicht von Machtafpiration diktierte Politik führen. Ihr wird es lediglich darum zu tun sein, den gesetzestreuen Standpunkt ohne Rücksicht aus die bisher von den Gemeindekonservativen gepflogene Kompronnßpolitik zu vertreten. Zur Ueberwindung der fraktionstechnischen Schwierigkeiten hospitiert ihr Vertreter bei den Konservativen — allerdings ohne Fraktionszwang. Erwartet wird hierbei, daß es möglich sein wird, mit jenen zusammen die Interessen der Gesetzestreuen nachhaltiger zur Geltung zu bringen, als es bisher der Fall war. Von jeher fungierten hier als Vertreter der sogenannten konservativen Richtung Herren, die mehr unter Du!-- düng von liberalen Gnaden ihre konservative Legitimation von vikfm UMlltten. m waren Exponenten jenes ffier* eins zur Fökdsvunz usw., mts Vereins, her. sowohl konservative wie liberale Interessen zu fördern oorgab, in Wirklichkeit aber bisher wenig Positives leistete. Es müßte denn sein, daß die Wahrung der Sitze in der Gemeindevertretung und damit auch der Jnhaberschaft der eigenen als Verdienst zu buchen 'wäre. Bei der jetzigen Neuwahl wurde die Mitgliederversammlung des Vereins jedenfalls nicht befragt. Ganz im Gegensatz zu dem demokratischen Vorgehen der agudistischen Ortsgruppe, ganz im Gegensatz auch zu den sonstigen demokratischen Prinzipien jenes Förderungsoereins. Waren es doch offenbar diese, die die Konservativen oeranlaßten, wie seinerzeit bei der Landeswahl, so auch jetzt bei der Neuwahl, weibliche Kandidaten entgegen dem anders lautenden Gutachten ihres Rabbiners aufzustellen. Diese anderwärts — selbst in Berlin und Frankfurt a. M. — etwas befremdlich wirkende Einstellung der hiesigen Gemeindekonseroatioen hat schon früher an anderer Stelle in diesen Blättern in einem „Modernes Schutzjudentum" betitelten „Es ist kein Lernbart," gab der Andere ruhig zurück, „es ist ja nur ein S ch n o r r b a r t." (Die Randbemerkungen des Zaren.) „Krasnaja Gazeta" veröffentlicht einen Auszug aus einem Memorandum über die Judenfrage, das seinerzeit von Baron Günzburg dem Zaren Alexander III. unterbreitet wurde. Der Zar hat das Dokument vielfach mit Randbemerkungen versehen. Baron Günzburg klagt über die Rechtlosigkeit der Juden und beschuldigt die Regierung, daß sie zu Unrecht die Juden revolutionärer Umtriebe bezichtigt. Die höheren Posten im Zivil- und im Armee-Dienst seien den Juden verschlossen.. Hier bemerkte der Zar: „Gebe Gott, daß es immer so bliebe!" Die Juden, heißt es weiter im Memorandum, hätten nur Pflichten, aber keine Rechte. Dazu bemerkte der Zar: „Europas Gleichberechtigungsbeispiel ist grauenhaft!" Zu der Bemerkung.Baron Günzburgs, daß die Juden infolge der Beraubung ihrer Rechte auch vom Volke als außerhalb des Gesetzes stehend betrachtet werden, schreibt der Zar: „Das ist noch garnichts. Sie haben die furchtbaren Worte ihrer Ahnen vergessen: „Sein Blut wird kommen über uns und unsere Söhne." Ihre schlechte Lage ist aber ein Fluch des Himmels." Baron Günzburg bemerkt weiter, durch die Beschränkungen werden die Juden daran gehindert, sich als Teil des 100 Millionen-Volkes der Russen zu fühlen. Der Zar schreibt am Rande: „Wir würden uns beschmutzen, wenn wir das erlauben sollten." Baron Günzburg erinnert daran, daß in früheren Jahren die Juden sogar gezwungen wurden, die Kinder in russische Schulen zu schicken. Dazu der Zar: „Das war ein großer Irrtum." Günzburg lenkt die Aufmerksamkeit des Zaren auf die Tatsache, daß die Juden angesichts der ihnen,zuteil werdenden schlechten Behandlung nach Palästina und Amerika auswandern, „Gott sei dank!", bemerkt der Zar; „mögen sie nur auswandern!" Diese Haßausbrüche in Randglossen haben sich, früher als man ahnen konnte, gegen die Hasser gekehrt. (Die Juden auf den Philippinen.) Aus Charbin wird der ITA. gemeldet: Gegenwärtig leben in Manila, der Hauptstadt der Philippinen-Jnseln, 80 neu eingewanderte jüdische Familien, sowie 100 noch aus der spanischen Zeit dort wohnende spanisch-jüdische Familien. Die Hauptbeschäftigung der Juden ist der Handel. Das gesellschaftliche und kulturelle Leben ist jedoch wenig entwickelt, da diese kleine jüdische Gemeinschaft infolge der Entfernung vom Kontinent jedes Einflusses von außen entbehren muß. In den übrigen Städten der Philippinen leben nur wenig jüdische Familien. Rabbiner in Manila ist ein junger galizischer Jude, Israel Königsberg, der als- Kriegsgefangener nach Rußland gebracht wurde, von dort nach Shanghai auswanderte und sich hier das Rabbinerdiplom erwarb. Wochenkalender. vom 6.—13. März 1926.' vom 20.-27. Adar 6686 Samsrag 6 NB71 '2 20 »"rri viispris nvyfl ma wns Sonntag 7 21 tniapana anis Montag i. 8 22 Dienstag 9 23 Mittwoch 10 24 ' '-h ' Donnerstag 11 25 Freitag Samstag 12 1.3 Vnp^i 26 27 Rausch Chaudesch benschen^ Mauted. Sonntag Morg. 8^ vnnn '«na.,,