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Der Israelit · 1926-03-04 · Heft 10 (4.3.1926) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 10 (4.3.1926)
Date
1926-03-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 10 Forderungen zu den ihrigen zu machen sich bemühen. Aber bei aller guten Absicht können sie unsere Gedanken nicht bis zum Ende durchdenken und können daher nicht die Interpreten für unsere religiösen Wünsche sein, solange eben ihre eigene Lebensführung und die Führung ihrer Gemeinde im Widerspruch ist mit dem, was sie nach außen als „religiöse Notwendigkeit" vertreten wollen. Und hätten wir selbst das Vertrauen zu dem vollen Verständnis dieser Herren, uns alles nachzufühlen und daher restlos unsere Wünsche zu erfüllen: Organisationen haben naturgemäß die Sicherheit längerer Lebensdauer als ihre augenblicklichen Führer. Wer gibt die Sicherheit und dqs Vertrauen in die Loyalität und in das Verständnis der nachfolgenden Führer? Jetzt in der Zeit der Neu- und Umbildung der jüdischen Organisationen ist der Augenblick für uns Gesetzestreue gegeben, wo wir uns selbständig konstituieren müssen. *na)V naban irby xb, so sagen wir bescheiden, in der Erkenntnis unseres bisherigen Handelns und in der Hoffnung, daß spätere Zeiten und spätere Geschlechter lVochenrundschcru. Das jüdische Handwerk. Das jüdische Handwerk nimmt neuerdings einen Anlauf. Im Mai wird in Verbindung mit der Tagung des Zentralvereins jüdisch e r H and wertet in Leipzig eine Ausstellung von Arbeiten jüdischer Meister, Gesellen und Lehrlinge arrangiert werden, die der Welt zeigen soll, daß der Jude, wie jeder andere, von Haus aus die Fähigkeit für das Handwerk mitbringt und es nur an anderen Faktoren liegen könne, wenn der Prozentsatz der jüdischen Handwerker nicht mit dem Prozentsatz der jüdischen Bevölkerung Schritt hält. Der gleiche „Zentralverein jüdischer Handwerker Deutschlands" erläßt jetzt angesichts der bevorstehenden Schulentlassungen einen A u f r u f an alle jüdischen Handwerker zur Schaffung von. Lehrstellen für die jüdische Jugend. „Ein jüdischer Handwerker," so sagt der Ausruf, „muh es als seine Ehrenpflicht ansehen, durch Ausbildung von jüdischen Lehrlingen den Beweis zu erbringen, daß der Jude als Handwerker seinen andersgläubigen Berufskollegen weder in der Leistungsfähigkeit Kurze Bemerkungen zu den Wochenabschnitten. Don Rabbiner Dr. Kanter, Arvitta» (Mähren.) Dreimal kommt nach der Massora der Ausdruck nxss in der Heiligen Schrift vor. IN V'VLVQ heißt es wiapn nxsa XLN 8*?; in X2M ’D heißt es bnxn bx nwa nxira und das Siegeslied der Debora (Richter, s, 31) schließt mit den Worten »in wmn nxxa v>anxinass heißt wörtlich »wie der Ausgang"; der Ausgang von dieser Welt ist eben verschieden. Traurig und beklagenswert ist der Ausgang noch Sklavenart, die bei Sonnenuntergang die Arbeit einfach einstellen, ohne sich darum zu kümmern, ob sie vollendet sei oder nicht. Don Moses erzählt die Schrift, daß, wenn er ausging (n#a nxxa), um sich in sein Zelt zu begeben, jeder stehen blieb und alle ihm nachblickten. Wohl dem, dessen Aus- oder Abgang bei seinen Zeitgenossen einen solchen nachhaltigen Eindruck zurücklätzt, daß alle auf idn Hinblicken uns Hinweisen (^nx itram ntfa), selbst wenn er ihrem Gesicht-kreise längst entschwunden ist. Dieser gleicht der Sonne, die nie gänzlich verschwindet, die wohl für kurze Zeit untergeht, um in desto größerer Pracht und Herrlichkeit von Neuem zu erstrahlen (inaiaaa vaw.n nxxa). Die Sonne geht bekanntlich nie unter; sie entschwindet Der I srae lit 4. März 1926 den begonnenen Bau weiter und besser fuhren werden, aberniaa bvanb f'iin ')a i)x xb* Diese Ausführung, und darüber hinaus die Selbständigkeit unseres Verbandes bedeutet wahrlich keine Kampfstellung, wie es verständnislose oder übelwollende Gegner unserer Anschauung zuweilen aussprechen. Wir waren es, die von Anfang an den Grundsatz aussprachen, daß wir bei Wahrung unserer vollen Selbständigkeit bereit sind, neben dem anderen preußischen Verbände friedlich einherzugehen, uns mit ihm bei allen vorliegenden Fragen zu verständigen, ob und wieweit wir gemeinsam an die Regierung herantreten können. Wir waren es, welche den Frieden wünschten, und trotz mancher anderartiger Aeußerungen und Handlungen temperamentvoller Führer auf der anderen Seite ihn wahren wollen. Zu jeder Stunde werden die gesetzestreuen Verbände ihre Bereitwilligkeit weiter zeigen zur Zusammenarbeit und stellen nur die eine Forderung auf, daß die Tatsache ihrer Selbständigkeit auch von der anderen Seite anerkannt werde. noch in dem Willen, das Handwerk zu heben, nachsteht." Dem ist kaum ein Wort hinzuzufügen. Heute in einer Zeit, da die kaufmännischen Berufe dem jungen Sölenjd^en faum no^ eine Anssil^t auf Exiflenzgründung Dieten, sollte man mehr denn je bei einer Berufswahl für die Söhne das Handwerk ins Auge fasten. Freilich liegen die Schwierigkeiten in einem Punkte, der in dem Aufruf des Zentralverbandes nicht berührt wird, in der Sabbatfrage. Es ist leider so, daß auch die jüdischen Handwerker nicht immer bas jüdische Handwerk durch Sabbathaltung betonen, und daß Eltern, denen um das geistige Wohl ihrer Kinder zu tun ist, immerhin noch eher kaufmännische Betriebe finden, in denen ihren Kindern der Sabbat erhalten bleibt, als Handwerksmeister, die sich und ihren Angestellten die Sabbatruhe gönnen. Es wäre daher sehr am Platze, wenn der „Zentralverband der jüdischen Handwerker Deutschlands" auch nach dieser Richtung hin ein Wort der Mahnung für seine Mitglieder hätte. Freilich bekommt man auf solche Anregungen aus jüdischen Handwerkerkreisen die stereotype Antwort zu hören, die jüdischen Arbeitgeber würden bei der Arbeitvergebung nicht oder zu wenig die jüdischen Handwerker berücksichtigen. Wenn auch darin für die Handwerker noch lange kein Freibrief für Sabbatentweihung läge, so würde doch dieser Vorwurf, falls er zu Recht erhoben ist, die jüdische Bevölkerung schwer treffen. Wie selten in einem Fall, müßte hier das °jay *]'nx in Wirkung treten. Wir empfehlen den Aufruf des „Zentralverbandes der jüdischen Handwerker Deutschlands" mit einigen Zusätzen: Es ist erstens Pflicht aller jüdischen Arbeitgeber, vorab der Gemeinden, jüdische Handwerker, die bei gleichen Leistungen doppelt schwer um ihre Existenz zu kämpfen haben, zu b erücksi ch ti g en. Es ist dann selbstverständliche Pflicht der jüdischen Handwerker, wie eines jeden Juden ohne Rücksicht auf Stand und Beruf, strenge den Sabbat zu halten. Und es ist schließlich die menschliche und jüdische Pflicht der von der jüdischen Bevölkerung unterstützten sabbathaltenden jüdischen Meister, sabbatfreie Lehrstellen für jüdische junge Leute zu schaffen und so nicht allein das Handwerk der Juden, sondern das jüdische Handwerk in der Welt zum Ruhme zu bringen. Beherzigenswerter Mahnruf. In allen Synagogen Bayerns wurde an einem der jüngsten Sabbate auf Anordnung der zuständigen Rabbiner ein Mahnruf verlesen/ den wir hiermit zur öffentlichen Kenntnis aller jüdischen Kreise auch außerhalb Bayerns bringen: Schwer lastet die Not der Zeit auf deutschem Lande. Was der Kfixg ÖIT ftation nicht zerstört hat, scheint nunmehr in einer Zeit unerhörtester wirtschaftlicher Schwere gefährdet. Ungezählte Taufende sind ohne Arbeit und Erwerbsmöglichkeit, ihre Familien hungern und frieren: immer weitere Kreise zieht die graue Sorge. Keiner kann ermessen, welchen Umfang sie morgen annehmen wird. Die bayerischen Rabbiner wissen, daß die Not vor jüdischen Häusern nicht Halt macht, daß weite Kreise des jüdischen Mittelstandes mit Sorge dem morgenden Tage entgegensehen. Aber wir wollen keine Grenzen kennen und rufen unsere Glaubensgenossen auft zu helfen, wo immer geholfen werden muß. Möge jeder sein Scherflein in seinem Kreise beisteuern zur Linderung des allgemeinen Leids; möge jeder unserer Glaubensbrüder die beseeligende Tat wahrer Menschenliebe zu schätzen wissen und sie dem flüchtigen Rausche äußeren Vergnügensvorziehen, der so häufig das traurige und befchämende Zeichen der Gegenwart ist. Nur wer barmherzig, mildtätig und schamhaft ist, trägt nach altem jüdischen Wort den Stempel wahren jüdischen Wesens, Uebt Liebe, übt Güte, daran erblicket das Wesen des Lebens, aber nicht im Taumel des Genusses und der mit ihm nur allzuhäufig verbundenen Entartung in Sitte und Kleidung. Seid schamhaft, zumal Ihr Frauen, und laßt Euch nicht unseren Blicken, um in einem andern Wellteile aufzugehen. Dies sei das Ziel und die Hoffnung eines jeden Menschen, daß von ihm gesagt,werde *mp*rei lyb rnas* mm eine ftum Bemerkung mffis m M, il Kap. 23, Vers 2. die übrigens auf einer allbekannten Miföna- und Talmudstelle beruht, findet eine scheinbar schwierige Talmudstelle ihre Lösung, die sicher! ch jedem Talmudkenner ausgefallen sein dürste. Diese Stelle befindet sich im D oktal Gitin i.6a. wo von der Verleumdung der Juden durch Bar-Kamza berichtet wird. Wegen seiner verräterischen Manivulationen (mit dem Orfertier) als Handhabe für feine Denunziation sollte er ursprünglich mit dem Tode bestraft werden. Dagegen erhob R. Secharja den Abkulos Einsorache mit der Begründung nax' )*i,T ö’tsnpa Dia b’Da* Dies hatte zur Folge, daß man ihn einfach laufen ließ und ihm die Möglichkeit bot. seine Verleumdungen und Denunziationen bei der judenseindlichen Regierung fortzusetzen. Die weitere Folge war: die Zerstörung des Heiligtums und die Dernicktuna des Reiches etc. Kleine Ursachen und große Wirkungen. Dies sagt auch klar und deutlich genug R. Iochanan: '*i bw iirumuy 'iai 13'na nx nannn mal* Hier fällt allgemein der Ausdruck inunnis;. der »Demut' bedeutet, auf. Inwiefern hot die »Demut" R. Secharjas mit dem Freispruch des Denunzianten zu tun? Und in wiefern ist die Ze'ftörung des Heiligtums und der Untergang des Reiches als eine Folge der ,D emu 1* R. Secharjas zu bezeichnen? Man beachte aber genau den Wortlaut Raschis zum Derle »nnx "'NN üb in D'aV tm genannten Verse, m bsr n»n xbi übersetzt Raschi im to.lmudiscben Sinne mit naim X1? a*i by, d. h. du sollst dem höchsten und gelehrtesten Richter des Gerichtshofes nicht widersprechen, du. mutzt dich seinem Urteil beugen. Aus diesem Grunde, meint Raschi. mußten in einem Falle, wo es sich um Leben und Tnd handelte, zuerst die weniger bedeutsamen Richter ihre Stimmen abgeben und ihre MergMfl stpUsY Mp HsMH klst Sülstk der Hb Hst« Richter sein Urteil abgeben, das vom ganzen Gerichtshöfe respektiert werden mutzte. 'Ui V'aaw xbsia bsr ]'j?bin j’Xtf* Es ist dies eine Mischna- und Talmudstelle, die als bekannt vorausgesetzt werden darf. Und nun stelle man sich die Zusammensetzung des Gerichtshofes üb^r jenen Verleumder vor, von dem in der angeführten Stelle in Gitin die Rede ist. Diesem Gerichtshöfe gehörte auch R. Secharja ben Abkulos an. In seiner großen Demut und Bescheidenheit hielt er sich für den unbedeutendsten des ganzen Rtchterkollegiums und dementsprechend aab er zuerst sein Votum ab und dieses lautete aus Fr eisprirch. Der Gerichtshof aber im Bewußtsein der Größe und Autorität des Secharja durste ihm nicht widersprechen und mutzte sein Urteil akzeptieren — wegen 21 by 'narh X*?. Die Verhandlung schloß mit einem Freispruch für den angeklagten Denunzianten, und nun konnte er erst recht seine Verleumdungen bei der Regierung fortsetzen, deren Folge die Zerstörung des Heiligtums war. Schuld an dem war — indirekt natürlich — die große Demut und Bescheidenheit R. Secharjas, der als Erster für den Freispruch plädierte und dessen Ansicht unwidersprochen bleiben mußte. Daher n'iar "1 bv irmmuj?. ..Und ihr werdet dienen dem Ewigen .. . und er wird, segnen dein Brod und d ein Wasser etc." Dieser Vers beginnt in der Mehrzahl und schließt >?T‘-

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