Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 9 (25.2.1926)
- Date
- 1926-02-25
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Aer Israelit Vueim-Keilsge Ar. 9 1926 Stuf ürgerie siy- Wi chi-eii NschbSM lüg siö M Zank und Streit, weil sie ihre Haustüren gu laut zuschlugen. „Nur mir lehachles*) tun sie das", dachte sie. Diese leichte Erregbarkeit nahm ihr oft jede Lust, ihren Haushalt in Ordnung zu bringen. Die Zimmer waren unsauber. Bis in den Nachmittag hinein lief sie oft in wirrer Erregung in ihrem Hause herum. Besonders aufgebracht war sie, wenn der Schweinehirt früh um sieben Uhr, wenn sie noch im Bette war, mit seinem Horn blasend durchs Dorf ging. Und sie kam in hellen Zorn, als er einmal gerade vor ihren Fenstern den Bauern das Zeichen gab, die Borstentiere aus den Ställen zu lassen. Wütend fuhr sie mit dem Kopfe durch das Fenstertürchen und schrie hinaus: „Warum blost denn gerade do bei mir?" „Blümche," sagte der Hirt gemütlich in unter- In der Dorfgemeinde. Von S. Brückheimer in Ittarkkbrett. 1. Am Purim-Abend fand sich die ganze Gemeinde in der jüdischen Wirtschaft ein. Bei rotem Glühwein und Backwerk deklamierten grotesk aufgeputzte Masken allerlei schnurrige Gedichte, und Salme Hirsch, der Hilfsvorbeter, fang auf allgemeinen Wunsch sein allseits schon bekanntes humoristisches Potpourri. Die Kinder lärmten zwischen den Tischen und liefen zur Türe und wieder herein. Befreundete Familien rückten näher zusammen, erzählten sich dies und das und die Frauen musterten gegenseitig ihre neüen Kleider. Auch manche kleine Fehde, durch Geschäftsneid entstanden oder von Zänkereien zwischen den Kindern herrührend, wurden beigelegt, wenn ein Vermittler sagte: „No, Eisik, ich mein, Du bist mit dem Schmule lang genug brochesH gewesen! Heute is doch Purim!" Und der Eisik brummt etwas vor sich hin und Schmule sieht einmal hinüber und in der nächsten Minute reden sie schon miteinander, als wären sie immer beste Freunde gewesen. Das machte die frohe Stimmung, die der Purim alljährlich in der engen, rauchigen Wirtsstube erstehen ließ. Wenn die Alten weggegangen waren und ein wenig mehr freier Raum entstanden, riefen die Jungen einen Harmonikaspieler, weil man noch ein Stündchen tanzen wollte. (Ohne dies geht es leiber in vielen Landgemeinden nicht.) Auch die Burschen tarnen ätt diö iiiro und bei dem guten Einvernehmen mit der christlichen Bevölkerung trat der eine oder der andere herzu! Solange Chaje ledig war, blieb ihr Vater, Menke Herfch, bis zum Schlüsse in der Gaststube. Sie blieb aber, wie immer, fast den ganzen Abend allein auf der Bank sitzen. Der Vater hätte nicht da zu bleioen brauchen. 2. Am Tage nach diesem Purimtage fuhr Menke Herfch mit seinem Gaule nach Wertheim. Als er vor sich auf der Straße viex jüdische junge Männer sah, die zur Rekruten-Musterung befohlen waren, packte ihn wieder der Aerger, weil seine Chaje gerade von diesen so unbeachtet geblieben war. Er hielt, bei ihnen angekommen, den Wagen an, wie wenn er sie einladen wollte. „Fährst nach Wertheim, Menke? Könne wir I weisendem Tone, „Blümche, ich muß halt blose, 1U.I. Q u »YlnV (Sin,. niUl I " 2BÖp sind gxch Hab' f« oben abvisitiert!" 5. Reichel Baums Sorge gilt allein der Kochkunst und dem Esten. Sie ist ganz niedergeschlagen, wenn ihr in der Küche etwas mißrät. Sie läuft dann zu allen ihren Bekannten, klagt und fragt um Rat. Trotz aller Mühe und Vorsorge bleiben ihr einmal am Peßach die Mazzeklöße nicht fest und fallen auseinander. Mit hochrotem Kopfe geht sie ans Fenster und ruft, über die Straße hinüber, ihre Nachbarin an: „Frummet, was mach' ich nur? Mei Kloß' bleibe nit beieinander!" Ehe die aber antworten kann, ruft's von unten herauf: „Reichel, nimm Zement! Damit halte sogar die Stein! Nimm nur Zement, Reichel!" 1 Mordechai Im Triumphzuge durch die Straßen Schuschans. Approbationen. Im neunzehnten Jahrhundert nahmen die Empfehlungsschreiben im Osten, die Rabbiner den vielen Autoren, Sendboten und sonst allerhand „Sammlern" ausstellten, so sehr überhand, daß sie vielfach zu einer Lächerlichkeit wurden. Manche große Rabbiner wußten sich dem stürmischen Drängen mit Geist und Witz zu entziehen. Insbesondere werden die Einfälle des großen „Slonimer Rabbiners", Rabbi Eisele Charis, auf diesem Gebiete im Osten heute noch von Mund zu Mund erzählt. iEinern Jünger von zweifelhafter Gelehrsamkeit, der aber unbedingt in seinem Zeugnis als „Charif" (scharfer Geist) und „Boki" (sehr bewandert) bezeichnet sein wollte, schrieb Rabbi Eisele abgekürzt nur 3"in. Darüber befragt, wie er einen Unwissenden von mangelhafter Intelligenz mit solchem Titel ehren könne, gab der Rabbi zur Antwort: „Es bleibt ihm überlasten zu lesen nonai .Tn* * * * Einem anderen „Gelehrten", der ihm sein Buch zur Approbation vorlegte, schrieb er auf dessen Bitten und Drängen eine kurze Empfehlung, setzte aber seine Unterschrift auffallend weit weg vom Texte der Empfehlung. „Warum Rabbi, die Unterschrift so weit unten?" fragte der Autor. „Es heißt ja," gab dieser zurück: pmmjwma. mitfahre? Langsam, jedes Wort betonend, entgegnete Menke Hersch: „So, Ihr wollt mitfahre! Seid Ihr recht müd vom Tanze? Ich mein, s'is bester für Euch, wenn Ihr lauft. Lauft nur!" Und, indsrn Sv ssinsrn Pferds die Peitsche gab, rief er über tan Anstchbvck gu tan üSVduWll Leuten zurück: , „Wer meine Tochte nicht ehrt, Is meinen Wagen nicht wert!" 3. Blümche, des Chajims Frau, war kränklich. (Nervös würden wir heute sagen.) Jeder Peitschenknall auf der Straße, jeder Pfiff, jeder laute J) beroges — im Zorn. wo's Säu gibt!' 4. Frum Herfchle war neugierig. „Was is chiddifch?"^) war feine ständige Frage. Passierte etwas im Dorfe, so befand sich Frum Hersch unter den ersten an Ort und Stelle. Half, wo es nötig war, rnachts derbe Bemerkungen, wenn der Vorfall gum ßadjm Da brach bei Winters Beginn am Ende des Dorfes Grohfeuer aus. Ein ganzes Viertel fiel zum Opfer. Alles war auf den Beinen, nur Frum Herfchle fehlte. Man lief hin, ihn zu wecken; denn es war mitten in der Nacht. Doch Frum Herfchle rief aus feinem Bett den draußen Stehenden zu: „Ich steh' nit auf! Mei 1) lehachis zum Aerger, Zorn. 2) Was gibt's Neues? Ein anderer Verfasser brachte ihm seinen Kommentar zur Thora. Die Erklärungen, die der Rabbi als sehr fad herausfand, schmiegten sich eng an den biblischen Text. Rabbi Eisele gab lakonisch sein Urteil ab: Ihre Erklärungen sind anp (halten sich eng an die Wahrheit.") * $ « Am späten Abend kam ein ähnlicher Querulant zu ihm mit seinem wertlosen Werke. Als er sich endlich empfahl, bat er den Rabbi, er möge ihm seinen Diener zur Begleitung mitgeben. Rabbi Eisele aber meinte: „Wenn Ihr vielleicht an die Warnung des Talmuds denket: n*r\ nWn w 82' h8 (ein Thoragelehrter soll nicht allein in der Nacht gehen), so nehmet Euer Buch mit, es wird Euch vor diesem Verdachte schützen." * * *