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Der Israelit · 1926-02-25 · Heft 9 (25.2.1926) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 9 (25.2.1926)
Date
1926-02-25
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 14 Nr. 9___ Empfehlung und Begutachtung von Kandidaten, die sich um ostpreußische Beamtenstellen bewerben, nicht nur auf ihre pädagogische Eignung, sondern auch auf ihre Befähigung zum Schächtamt sein Augenmerk zu richten. Nach Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten und Wahl von Dr. Jakobowitz zum Vorsitzenden, Dr. Neufeld- Elbing zum Stellvertreter, wurde die Sitzung geschlossen. Nachklänge zur Rabbinerwahl. Basel, 21. Februar. In Nummer 4 des „Israelit" berichteten wir über den Verlauf und Ausgang der Baseler Rabbinerwahl und rprad)en von der Möglichkeit der bevorstehenden Gründung einer Religionsgesellschaft durch die gesetzestreuen Mitglieder der Israelitischen Gemeinde V°sel. Jü fc« zm lauföö Dann auch in zwei Sitzungen der Orthodoxen vom 17. und is. Januar die durch diä Wahl von Herrn Rabbiner Dr Werl geschaffene Situation besprochen und als Resultat dieser Besprechungen der Vorstandssitzung der Israelitischen Gemeinde vom 19. Januar ein Memorandum vorgelegt, in welchem 45 Mitglieder dem Vorstand mitteilen, daß sie als Folge des Ausgangs der Rabbinerwahl zum Zusammenschluß zu einer Separatgemeinde entschlossen seien. Der Vorstand, nun vor ernste Tatsachen gestellt, bemühte sich dann aber, die Orthodoxie von ihrem Schritte abzuhalten und suchte eine Einigung herbeizuführen, um die Spaltung der Gemeinde zu verhüten. Bei einer Besprechung des Vorstandes mit einer Deputation der Orthodoxen, zu der auch der neugewählte Rabbiner Herr Dr. Weil zugezogen wurde, einigte man sich dann auf die Einsetzung esner Ritualkommission, welche gemeinsam mit dem Rabbiner die Verantwortung für die einwandfreie Erhaltung der rituellen Institutionen der Gemeinde übernehmen soll. Bei der statutarischen Festlegung der Rechte und Pflichten dieser einzusetzenden Ritualkommission ergaben sich aber neue Schwierigkeiten, da Herr M. Schwarz, der Führer der Gesetzestreuen, unbedingt darauf verharrte, daß in die Statuten ein Passus ausgenommen wurde, wonach die Ritualkommission nur aus Mitgliedern der gesetzestreuen Richtung und dem Rabbiner zusammengesetzt sein könne und des ferneren die Ritualkommission ihre Entscheidungen in rituellen Angelegenheiten unabhängig vom Gemeindevorstand treffen dürfe. Auf beide Punkte wollte sich aber der Gemeindepräsident, Herr Dreyfus-Brodski, nicht einlassen. Dieser Kampf zwischen Orthodoxie und Vorstand fand nun in der heute stattgefundenen ordentlichen Gemeindeversammlung seine Fortsetzung. Herr Dreyfus- Brodski stellte sich wiederholt auf den Standpum-, daß die Orthodoxie stets auf die Gunst und das Wohlwollen des Vorstandes rechnen dürfe, daß aber statutarisch vorgeschrieben werde, nur gesetzestreue Mitglieder Wohlwollen des Vorstandes rechnen dürfe. Daß aber statutarisch der Ritualkommission Rechte, die bisher nur dem Vorstand zustanden, zugewiesen werden sollen, widerspreche dem demokratischen Geist. Andererseits sagte Herr Schwarz, daß nur eine statutarische Verankerung der oben erwähnten Punkte der Orthodoxie Gewähr dafür biete, daß auf die Dauer die einwandfreie Erhaltung der religiösen Institutionen gesichert erscheine und mit Toleranzversicherungen nicht gedient sei. Daraufhin wurde ein Antrag aus der Mitte der Gemeindeversammlung gutgeheißen, welcher den Statutenzusatzentwurf des Vorstandes bezüglich der Ritualkommission an denselben zurückweist und den Vorstand anweist, erneut in Verhandlungen mit den Orthodoxen einzutreten, einie Einigung zu erstreben und der Baseler Gemeinde den Frieden zu erhallen. Wir wollen nun den Verlauf der Verhandlungen abwarten und zu gegebener Zeit über die weitere Entwicklung der Dinge berichten. Berlin, 18. Februar. ' Zu unserer Korrespondenz über die Rabbinerwahl in Basel vom 17. Januar (Nr. 4 unseres Blattes) wird uns mitgeteilt: „Herr Rabbiner Dr W e i l l, der neugewählte Raw, erfreut sich aus seiner Tätigkeit in Paris und in seinem jetzigen Wirkungskreis in Straßburg-Bischheim des Rufes eines ernsten Jehudi, dessen bisherige Wirksamkeit zu keinem Zweifel berechtigt, daß er die Gemeinde Basel ln demselben streng orthodoxen Geist zu führen beabsichtigt, wie sein verehrter Vorgänger, Herr Rabb. Dr. Cohn. Ein gutes Zeichen für die Baseler Der Israelit Gemeinde ist es, daß beide in engste Wahl gezogene Herren Rabbiner, Weil! und sein Gegenkandidat Levy. dem orthodoxen Berliner Rabbinerseminar entstammen." SuniSnien« Terror in Bukarest. Bukarest, 14. Februar. Während der Senat der Bukarester Universität über die Forderungen der antisemitiscyen Studentenschaft beriet, drangen trotz Militärbewachung zahlreiche faszistische Studenten in das Gebäude und den Sitzungssaal ein und versuchten, den Senat im Sinne der Annahme der antisemitischen Forderungen bezüglich des Numerus clausus und der Beistellung jüdischer Leichen für die Anatomie zu terrorisieren. Bei dieser Gelegenheit wurden jüdische Studenten, die im Universitätsgebäude weilten, grausam geschlagen. Als bekannt wurde, daß der Senat sich weigerte, fcem Zim? M MlMlMn zn MiMlUn. emsinntzkn mr j<grecUmgen gegen Juden in mehreren Gässäll. In jüdischen Wohnungen und Geschäftshäusern wurden die Scheiben eingeschlagen, Juden in den Gassen mißhandelt. (ITA.) Die Schächkfrage in Norwegen. Oslo, 12. Februar. Die Regierung in Norwegen bereitet ein allgemeines Schlachtgesetz vor, das in der vom Landwirtschafts- Ministerium vorgeschlagenen Form das rituelle Schächten unmöglich machen würde. Das Gesetz sollte bereits in Kraft treten, als die hiesige jüdische Gemeinde „Det Mosaiske Troffamfund" hiervon Kenntnis erhielt. Es gelang dem Präsidenten der Gemeinde, Herrn I. Gitt e l s e n, einen Aufschub der endgültigen Behandlung des Gesetzes zu erwirken. Mit unermüdlicher Eifer sammelte er ein beträchtliches Material zur Beleuchtung der Schächtfrage, darunter ein für diesen speziellen Fall verfaßtes Refponfum des Oberrabbiners in Kopenhagen, Herrn Dr. M. Friediger, der in allen religiösen Fragen unserer Gemeinde stets bereitwilligst zu Seite steht. In diesen Tagen weilt Herr Oberrabbiner Dr. Friediger hier in Oslo und führt zusammen mit dem Gemeindepräsidenten Verhandlungen mit dem StaatSminister der norwegischen Regierung und den übrigen Mitgliedern der Regierung. Soviel darf bereits heute gesagt werden, daß die von jüdischer Seite unternommenen Beweisführungen, die sich sowohl auf das religiöse als auch auf das wissenschaftliche Moment beziehen, einen tiefen Eindruck gemacht haben. Wir haben die begründete Hoffnung, daß die Bemühungen von Erfolg gekrönt werden. Die jüdische Gemeinde in Warschau. (Bon unserem Korrespondenten). Warschau, 9. Februar. Am 1. Februar stand das jüdische Warschau, diese größte jüdische Gemeinde in Europa, unter dem Zeichen eines im öffentlichen Leben wichtigen Tagesereignisses: der Eröffnung des neugewählten jüdischen Gemeinderates. An diesem Tage wurde die konstituierende Sitzung dieses Rates abgehalten. Es klingt fast unglaublich, wenn man die Vorgeschichte nicht kennt, daß diese Sitzung erst 19 Monate nach der Wahl des Rates stattfand. Und wirklich ist es bereits die zweite Sitzung in der Reihe. Die erste, die im Sommer 1924 gleich nach der Wahl einberufen wurde, kam infolge eines Konfliktes mit der Regierung nicht zustande. Das Kultusministerium verordnete nämlich damals, daß die Sitzungen des jüdischen Gemeinderates geheime und ihre Amtssprache die polnische Sprache sein müsse. Gegen diese Rechtsverkürzüng erhoben sämtliche jüdischen Gruppierungen den schärfsten Protest. Die Proteste waren sehr stürmisch, so daß der Regierungsoorsteher sich gezwungen sah, noch bevor man an die Tagesordnung schreiten konnte, die Sitzung auf unbeschränkte Zeit zu vertagen. Seitens der Regierung wurde nachher inoffiziell erklärt, daß man die nächste Sitzung nicht eher einberufen werde, als bis sich die jüdischen Parteien an sie mit einer entsprechenden Bitte wendeten. Dann könnte natürlich die Regierung Bedingungen stellen. Sie hat sich aber in dieser Hinsicht getäuscht. Die jüdischen Parteien haben den Nervenkampf bestanden. Niemand wandte sich an die Regierung in dieser Angelegenheit. So kam es, daß die alte Gemeindeverwaltung, die noch vor mehr als ____25. Februar 1926 12 Jahren gewählt wurde- und- -durch das Hinfcheiden einiger Mitglieder sowie das MÄretW anderer ganz de^ kotnpletiert war, noch weitere -19 Monate ^das Ruder inihrer schwachen, fast willenlosen Hand behielt. Der Kultusminister sah ein, daß man auf die* Dauer den bisherigen Zustand nicht erhalten kann, und nachdem er zur Ueberzeugung gelangte,, daß der eingeschlagene Weg nie und nimmer zum Ziele führen wird, beschloß er, auf seinen Standpunkt zu verzichten. Demgemäß legte er der Minderheitskommission vor, zu dieser Frage Stellung zu nehmen. Der Rückzug war der Regierung dadurch erleichtert, daß inzwischen mit der jüdischen Repräsentanz eine sogenannte „Verständigung" abgeschlossen wurde, deren geheimer Akt einen Punkt bezüglich der dem jüdischen Standpunkte entgegenkommenden Regelung dieser Frage enthielt. Wiewohl die Minderheitssektion nach der Demission M (BmöflUMabinrns Dis gnnze DeiWMgung in öik Rumpelkammer der mißlungenen Experiillölltä dSZ fkÜheren Kabinettschess zu schieben versuchte und die Frage ausrollte, ob sie unter den gegenwärtigen Verhältnissen überhaupt noch irgend welche Geltung haben könnte, trotz alledem betrachtete es dieselbe Sektion als angemessen, jenen Punkt hervorzuholen, welcher gerade in diesem Momente geeignet war, dem großmütigen Geber gute Dienste zu leisten. Die Minderheitssektion befürwortete demnach die Veröffentlichung einer Verordnung, welche in vollständigem Gegensätze zu der vorjährigen steht. Die Sitzung könne nach dieser neuen Verordnung des Kultusministers St. Grabfki auch öffentlich sein. Bezüglich der Sprache werden gleichfalls keine Beschränkungen auferlegt. Auf diese Weise war es möglich geworden, die konstituierende Sitzung des jüdischen Gemeinderates einzuberufen, was am 1. d. Mts. erfolgte. Der Rat besteht aus 50 Mitgliedern. Seine Zusammensetzung nach den Parteien ist folgende: Agudas Jisroel 17, „unparteiische" Orthodoxe 3, Zionisten 14, Misrachi 5, Volkspartei 3, „Bund" 5, Poale Zion 2, philantropifcher Verein (Beth Lechem) 1. Wie man sieht, bilden die Agudisten die größte Fraktion im Rate. Kurz vor der konstituierenden Sitzung kam es zwischen Agudas Jisroel und den unparteiischen Orthodoxen sowie dem Vertreter der philantropischen Gesellschaft zu einem Ausgleich in Bezug auf die Wahl des Präsidiums. Durch diesen orthodoxen Block bekam Agudas Jisroel eine gesicherte Mehrheit, denn es stand fest, daß die Linken (Volkspartei, Bund und Poale Zion) mit den Zionisten nicht gehen werden. Dennoch machte Agudas Jisroel die möglichsten Anstrengungen, um eine Verständigung mit den Zionisten betreffs der Wahl des Präsidiums herbeizuführen, um dann die ruhige und normale Arbeit beider oberen Gemeindeorgane (bekanntlich gibt es in den größeren Gemeinden einen Rat und eine Verwaltung. S. „Israelit" Nr. 17 vom 23. April 1925) zu ermöglichen. Obgleich Agudas Jisroel im Block mit den anderen Orthodoxen ein bedeutendes Uebergewicht gegenüber den Zionisten bildet, beanspruchte sie für sich bloß einen Präsidenten und Vizepräsidenten — im Rate oder in der Verwaltung —- und überließ die andere Präsidenten- und Vizepräsidentenstelle den Zionisten. Diese wollten aber auf keinen Kompromiß eingehen (hauptsächlich dank der negativen Stellungnahme zu diesem Kompromiß seitens des Misrachi) und stellten die unerhört arrogante Forderung, beide Präsesstellen ihnen zu überlassen. Sie waren so freundlich, Agudisten als Vizepräsidenten tolerieren zu wollen. Angesichts dessen war ein Ausgleich ganz ausgeschlossen. Als man zur Wahl schritt, gaben die Zionisten im eigenen wie im Namen des Misrachi eine Erklärung ab, daß sie sich an der Wahl nicht beteiligen würden. Sonst beteiligten sich alle anderen Parteien an der Wahl. Die Bundisten stimmten auf ihren Kandidaten, der 5 Stimmen bekam. Blanko-Zettel gaben Poale Zion und Volkspartei ab. Gewählt würden die Kandidaten der Agudas Jisroel: Dep. Kirschbraun als Präsident, Stadtratsmitglied Jacob Trockenheim als Vizepräsident. Beide erhielten je 20 Stimmen. Der Sieg der Agudas Jisroel ist um so höher einzuschätzen, als er das Resultat der Bildung einer geschlossenen orthodoxen Front darstellt. Was dieser für eine riesige, weit über den Rahmen des unmittelbaren Vorteils der Eroberung einer an und für sich wichtigen Position hinausreichende prinzipielle Bedeutung hat, zeigen am deutlichsten die Verhältnisse im Cocher jüdischen ~ Gemeinderate, wo die „unparteiischen" Orthodoxen ins Schlepptau der Zionisten sich nehmen ließen

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