Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 9 (25.2.1926)
- Date
- 1926-02-25
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10 Nr. 9 D e r I s rae lit 2 . Februar 1926 lischer Juden. Abraham de Santo erfuhr von ihnen die Einzelheiten der Einnahme von Granada und vernahm mit Wehmut die Nachricht vom Tode seines geliebten Herrschers und Freundes Muley Hazan. Tränenvollen Blickes starrte er hinunter nach dem schönen Süden, nach der verlorenen Heimat. Das Glück der süßen Heimat war für ihn versunken im Meere der Vergangenheit. Grau und trostlos starrte ihn im fremden Lande die Gegenwart an, — und die Zukunft glotzte wie eine rätselvolle Sphinx. 6. Rabbi in Stendal. ,Wer bildet Licht, wer webet Finsternis, Wer schafft das Glück, wer schicket Kümmernis? Ich der Ewige." (Jef. -5, 7.) Das in der oberen Judengasse von Stendal gelegene Haus des Rabbi — von außen ein grauer, moosiger, in Untermischung mit kleinen und großen dichtverstaubten Fenstern versehener, anwidernder Steinhaufen — kaum wohnlich scheinend^ hatte einen mehr denn 80 Fuß langen, am Sabbat nur sparsam erleuchteten Gang, der zu einer dunklen, halbverfallenen Wendeltreppe ührte, von der man, rabenschwarzer Nacht wegen, an den Wänden bis zum Hintergebäude sich forttasten mußte. Eine wohlverwahrte Pforte tat sich auf, und man trat in ein mit Blumen freundlich geschmücktes, an Glanz, Wert und Herrlichkeit reiches Gemach. Dieses, an den Wänden mit feinpoliertem Holze getäfelt und geziert mit bunten, wellenförmigen verschlungenen Vorhängen und künstlichen Schnitzwerken, war des Rabbis Haustempel, worin der Hauptgottesdienst abgehalten wurde, aber auch alle wichtigen religiösen mit Mahlzeiten verbundenen Feiern. Ein wertvoller bunter bildreicher Teppich bedeckte den blank gescheuerten Boden, eine brennendrote, feinwollige Decke den runden, auf vergoldeten Füßen ruhenden Tisch, und über ihnen schwebte, an glänzender Metallkette befestigt, die Sabbatlampe, blinkend wie aus dem Gusse und einen mäcktigen Lichtstrom ausströmend. Den schwerfälligen, aus gutem Eichenholz gezimmerten Tisch umstanden Stühle mit hohen, noltimmttn Sstjmji "Nd .m««. von gefchörettöM Samt. Ein Silberschrank, Ul silbernen Bechern kunstvollster Arbeit spanischer Meister, verschiedene silberne und goldene Spangen,, Ketten, Broschen, erinnerten daran, daß die Sonne der irdischen Liebe auch des Rabbis Leben einmal beschienen unter blauem, glütausströmenden Himmel Hisspäniens. Doch eine Merkwürdigkeit war der altertümliche Bücherschrank, mehr ein Regal mit einer Fülle der schon äußerlich auffallenden merkwürdigen Bücher und Handschriften, Talmüdfolianten, M'idraschwerken, kabbalistischen Werken, und mit kunstvollen' m Farben gehaltenen Titelblättern und prachtvollen Anfangsbuchstaben, erstrahlend in Gold, Silber, Blau, Rot, — oft nt gewaltiger Größe die ganze Blattseite einehmend, oft auch sich äUsformeNd zu merkwürdigen Natur- (wje Vögel, Löwen, Hirsche und Rehe) und änderen Fabelwesen. Merkwürdiger als .die. Ausstellung, muß jedoch der Hnhast/gewesen seist, denn den/.ganzen Tag — autzex. den Mahlzeit^ — oft auch halbe Nächte sah man, den Rabbi über das eine oder andere der Werke.-MeM« .Merkte, die nicht nur aus dem Lalmstd'stüd^üm. ] heroörgegüygen, sonderyr -auch geboren . m der Heimat des Auswanderers, m Spanien, hen Mederschlag^jener gewMgen jüdischManischen Dichter- ,uyd Philosophenschule enthielten, die uns noch h.eMe fesseln und. fmpo.ndfl. duM die Gxäße und, Gewaltigkeit jenerGedankenwelt. .-^Dex Rabbi saß tief sinnend vox, 'Mgw^äüfMWpgenM,. Tälmüdfolianten.. .Die ,.Gedanken wollten sich heute gär nich^recht ordnen._ ,,v - ziWäs,char es,yun wiederum,, -da 'störend in--sein neu aufgezirymerte^ beWiddNe/s Mülk eingreifen Myllte.? Abraham MNtg sich /nach Ruhe undMriedOi,; ereilte ihn Weuep, Mrmmerl;./Menn;.PieMtommen ein,/friedvolles! Dasein erstreben, sagt Gott.'^Mh.es >öenn nichtgenug damit, was sie im künftigen Leben erwartet, wollen sie ruhig und friedlich auch in dieser Welt wohnen?" Seine Gedanken schweiften zurück in die letztverflossenen Jahre: Sie waren ganz dem Neuaufbau seines zerschmetterten Lebens gewidmet gewesen. Wie hatte er aufgeatmet, als ihm, dem noch tatkräftigen, rüstigen Mann wieder ein Amt angetragen wurde. Sein Freund und Gönner, der Handelsherr Pereiro in Hamburg, hatte Beziehungen zu Mitgliedern der neu aufblühenden Judengemeinde zu Stendal in der Altmark. Die Gemeinde suchte eine geeignete Persönlichkeit als Rabbi und Führer. Abraham de Santo sagte ohne Bedenken zu, als ihm durch Pereiro schüchtern die Stelle angeboten wurde. Gewiß war sie nicht im entferntesten zu vergleichen mit seiner ehemaligen glanzvollen Position in Granada. Aber, trotzdem, er atmete auf: er war wieder in seinem Element, er hatte wieder Boden Unter den Füßen. Leise, unsichtbar, doch fühlbar deutlich, schlangen sich die Fäden der Verbundenheit und Brüderlichkeit von Führer zu den Geführten, vom Lehrer zu den Schülern, und es bildete sich ein Milieu heraus, das empfänglich war für Thoralehre und Mizwohtat: sein Leben gewann wieder an Inhalt, an Wert, seine Kenntnisse kamen wieder zur Geltung, und in harmonischer Weise verbanden sich „Lehre" und Tat. (Fortsetzung folgt.) «Zeschurun«. Monatsschrift für Lehre und Leben im Judentum. Herausgeber Dr. I. Wohlgemuth, Verlag des Jeschurun, Berlin N. 24. Das neueste Heft 1 und 2 enthält an leitender Stelle einen Aufsatz vom Herausgeber über „Die neue Bibelübersetzung". Es folgen Artikel von Dr. A. Marmor stein: „Eine meffiamfche Bewegung rm dritten Jahrhundert", I. U n n a: „Jüdische und nichtiüdische Exegeten", S. K a a tz: „Maimonioes und das Talionsprinzip", S. G r ü n b e r g : „Exegetische Beiträge", E. H i l d e s h e i m e r: „Rekonstruktion eines Refponfum des R. Saadja Gaon zum Gefellfchaftsrscht", A. Blau: „Anmerkungen zu Max Brods „Reben!" und Verwandtes", I. W.: „Zwei Welten", Ä. Kami n k a: ,,7N« in der Mefa-Jnfchrift und in Pf. 137". Bücherbesprechungen. Der hebräische Teil bringt Aufsgllk WfifF Msthods»" tmh Anmerkungen zur Mllgr des » f-, '■*?? WM W W Epstein, SloSotko und Robbr L'ek» schütz, Mlffch. . (Eine Palästina-Abteilung auf der Düsseldorfer Hygiene-Ausstellrurg.) Die im Mai d. I. in Düsseldorf zu eröffnende Internationale Ausstellung für Hygiene und Wohlfahrtswesen wird eine eigene Palästina-Abteilung enthalten. Das Arrangement des Pavillons hat die Zionistische Exekutive in Palästina übernommen. Die Landesdrganisation des Verbandes für Gesundheitsschutz: der Juden „Öse" stellt das Material für den palästinensischen Pavillon zusammen. (Die Zahl der jüdischen Bevölkerung in Bayern.). Die -..Bayerische Israelitische Gemeindezeitung" veröffentlicht eine, Gegenüberstellung der Zählen der israelitischen Wohnbevölkerung in Bayern in den einzelnen Regierungsbezirken und den größeren Äultusgemeinden- Nach den Volkszählungen vom 16. Juni 1925 und 1. Dezember 1910. Es ergibt sich -daraus, daß sich die! israelitische Wohnbevölkerung Bayerns von 54.777 am 1. Dezember 1910 auf 49.163 am 16. Juni 1925 vermindert hat. Die israelitische Bevölkerung verteilt sich auf die! einzelnen Regierungsbezirke wie folgt: -Oberbayern 16. Juni, 1925 10.790 (1. Dezembe; 1910 — 11.652); Riederbähern: 348 ‘(468); Pfalz: 7868'(8710), (in. diesen Zählen ist die israelitische Bevölkerung der'^äM Saär- 'gebret 'geschlagenen 'PsäGschen Gemeinden nicht ^eck'thältey); Öberpfalz: 1.181 (1.395); Oberstanken: 2544 (2.946); Wittel fronten: 13.719 (14.219); Ünterstanken: 9.879 (11.925); Schwaben: 2.834 M62). Bün GentWden 'mit ' über 1l)6o Mitgliedern siNd; zu neickeN: Münchest-^täbt: 10D68 -(11.083); MMchen-Gesamtgehiet'/ 10.687 (11.550); -Hüdwigshasen a. Rh.: 1.241 (783): , Fürth: .2,504 (2.826); Nürnberg: 8.603 (7.815); Würzburg: 2.261 (2.514); Augsburg: 1.203, (1.217).; Me Gldchherechtigungf derrSuden ^in dlnieü.) Die j fpyyffche. .GesandMast-ffn > Berkiy teilte chem Zentral-, PerM/.dMscher' 'Wääksburger. fumschenGlaubens" üüf' 'Me Mfrägeffnit,' daß öie^MMUt, MrMoltz.e''GÄteMs/ Pdimp^d e ’JR i de.t a , ffpästischen, JjrestpffMs, (Wrt WrstMll, daß lmn Jrche^Aer Mchti lim kathdltfchen .Äläukev^ uvertrete^ Acht ÄMger-t .... --J.— —.— -—- In dem' ^gleichen "Sittne "ZWektd-ffich dexN RMrkteur der Madrider „El Jmpercial", E. D. RoÜinö, der ausführte. die Einbürgerung der Juden in Spanien wurde durch ein königliches Dekret vom 20. Dezember 1924 erleichtert; das Dekret erläßt weitgehende Bestimmungen zur Erleichterung der Erlangung der spanischen Nationalität für die Juden spanischer Abstammung, .die sogenannten „Sephardim", die jetzt zum Teil in Holland und England, n-.eist aber im Balkan leben. Viele dieser Sephardim besitzen auch heute noch von altersher die spanische Nationalität oder stehen staatsrechtlich unter spanischem Schutz. Juden verschiedener Nationalität, darunter auch der spanischen, leben in Spanien in staatsrechtlich voller Gleichberechtigung. Das erwähnte Einbürgerungsdekret hat bis 1930 Geltung. E» ist ausschließlich Sache der Leser, die im Znferalenkeil enthaltenen Empfehlungen ritueller Daren oder sonstige Angaben religlonsgefetzlichen Lharäklers auf ihrr AuverlSfsigkett zu prüfen. Hansa Grosswäscherei vorm. Gebr. 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