Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 8 (18.2.1926)
- Date
- 1926-02-18
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr 8 Seite 13 18. Februar 1926. PersoMie«. Würzburg. 15. Februar. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel durchfuhr die ganze jüdische Gemeinde die Schreckensnachricht von dem plötzlichen Hinfcheiven des Fräulein Sarah Falk. Schwester de? unvergeßlichen Rektor Falk Frankfurt a. M. Auf dem Wege, in der. Absicht, einen Krankenbesuch zu machen, wurde sie von einem vorüberfährenden Auto erfaßt und derart verletzt, daß sie schon nach einer halben Stunde ihre reine Seele aushauchte. Wer Sarah Falk kannte und die weise Vorsicht und Achtsamkeit beobachtete, mit der sie jede Tätigkeit ausführte, jedes Hindernis aus dem Wege zu räumen suchte, wird besonders ergriffen von ihrem tragischen Tod. Der rühmlichst bekannten Familie Falk aus Aub entstammend, hielt sie die Tradition des Elternhauses hoch und heilig. Mit treuer aufopfernder Pflichterfüllung pflegte sie ihre hochbetagten Eltern Fsi bis an deren Lebensende: ihre ganze Laufbahn war eine fortgesetzte Ausübung von ancm /nV’z» und mw. Während ihres kaum sechsjährigen Aufenthaltes im Pfründnerheim des israelitischen Hospitals hat sie sich die Liebe und Verehrung der ganzen Gemeinde in hohem Maße erworben, dies zeigte die überaus zahlreiche Beteiligung bei der am B'^jw nzns erfolgten '"b Ihre sterbliche Hülle wurde nach dem benachbarten Höchberg überführt, wo ihre Großeltern vor nahezu 100 Jahren die ewige Ruhe fanden. Am Grabe sprach Herr Rabbiner Dr. Hannover warme, zu Herzen gehende Worte von den vorzüglichen Eigenschaften und dem hohen Wert dieser wahren npix Namens der Familie widmete ihr ein Vetter, Herr Wolf Hirnheimer, tief empfundene Abschiedsworte. Des herannahenden P"v wegen,, muhte von jedem weiteren nsvn Abstand genommen werden. Möge '?i der schwergeprüften Familie, die in einem Zeitraum von acht Monaten drei teure Geschwister verlieren mußte, wahre mm geben. - Vermischtes. Halberstadt, 8. Februar. Auf Einladung der hiesigen Ortsgruppe der Agudas Jisroel sprach Herr Redakteur S. Schachnowih über „die beiden Rabbi Israel, Chassidismus und Mustar". In bekannter Meisterschaft verstand es der Redner, die beiden Richtungen innerhalb des gesetzestreuen Judentums in plastisch geformten Bildern aufzubaueu und in Wesensart und Wirkung gegenüberzustelien. Von der Lebsnsgeschichte der beiden Rabbi Israel, der Gründer der machtvollen Bewegungen, ausgehend, skizzierte er ihren Weg, ihre Gefolgschaft sowie die Würdigung und Gegnerschaft, die sie gefunden. Die Gegensätze de? Geistesströmungen, die zu dem gleichen ewigen Ziele sührefn, haben im Läuse der Zeit einen versöhnlichen Ausgleich erfahren, der seinen Höhepunkt auf der Kenesio G e d a u l o fand, da sich die Größten aus beiden Lagern im Schatten der Agudas Jisroel zu gemeinsamer Arbeit für den Klall Jisroel freudig die Hände reichten. An diesem inneren Ausgleich, nicht nur zwischen Chassidismus und Mustar, sondern auch zwischen Ost- und Westjudentum weiter zu bauen, ist die edelste Aufgabe der Agudas Jisroel. Die mit tiefer Empfindung und einem dem Thema angepatztsn schlichten Pathos gesprochenen Darlegungen fanden bei der großen Zuhörerschar starken Beifall. ■ . —b. Essen a, R. 5. Februar. Die Vereinigung der Ostjuden in Essen schreibt uns: Vor ungefähr sechs Monaten fjaben wir .als. orthodoxen ]iti an» Herrn M. K ünftlin g er angestellt. Derselbe ist als bm» von bedeutenden Aerzten anerkannt und hat sich in mehrjäriger Praxis als vorzüglicher bni» bewährt. Herr Künstlinger hat sich bereit erklärt, der jetzigen kritischen Zeit Rechnung tragend, in der weiten Umgebung Essens, soweit ihm die Zeit erlaubt, in jedem gegebenen Falle als : ganz unentgeltlich zu wirken, und genügt zu diesem Zwecke eine Postkarte an den „Ostjudenverband, Bornstraße 6" zu richten. Druckfehlerberichtigung! In der Besprechung von Dr. S. Birnbaum, die am 10. 12. erschienen ist, muß es statt: „Der philosophische Weg" richtig heißen: „Der philologische Weg"; „trotz usw." soll heißen: „trotz verschiedenen Mängeln." Briefkasten. B. W. in Kosino. Das Seminar in Köln ist in streng gefetzestrenem Sinne geleitet. Rädere Auskunft erteilt Ihnen Herr Direktor Rabbiner Dr. C-rrlebach, Köln a. Rh. Lehrer W. in H. Das Buch von W. E. Blackstone enthält konfuse Ausführungen eines Milfionärs, für die jetzt auch die hebräische Sprache mißbraucht wurde. .Gefährlich ist das Buch nicht, weil es bei aller Verworrenheit doch schon auf der ersten Sette zeigt, wo es im Gänzen hinaus will, f ln . ©te Adresse des „Iefchurun" I mar InfoUl SMS DMlWWlS IllMNllU llNgxMM, Aje lautet t Völstist N- 24. W. in B. Zahlungen für den Kriegswaisen« fonds find an die Direktion der Diskonto-Gesellschaft, Berlin (Postscheckkonto Nr. ]250 Berlin), zu leisten. Buer i. W. Unseres Wissens dauern die Ferien yon Anfang Juli bis Anfang August. 2 e>r. Z s r a el i t Hauptlehrer. S. G. in O. .L. Sie erhalten direkte Antwort von einem hiesigen Herrn, der sich für die Sachen interessiert.. E. A in Kr. Das hebräische Gedichtchen wird erscheinen. Besten Dank. A L. in Berlin. Jüdische Hungerkünstler interessieren unsere > Leser höchstens am „Taanith Esther", am Purim ganz und gar nicht. Studen. Bei der jetzigen allgemeinen Krise dürsten Sie kaum eine Stelle finden, die die Kosten Ihrer Ausbildung übernimmt Außer Köln un> Würzburg gibt es zur Zeit kein Lehrerseminar in Deutschland auf streng gesetzestreuer Grundlage. frankfurter Berichte. Mernabend in der Realschule der Israelitischen Religionsgesellschafl. Am 10. Februar fand ein überaus stark besuchter Elternabend in der Aula der Realschule der Israelitischen Religionsgesellschaft statt. Den Gegenstand der Aussprache bildete das Thema: „Die sittlichen Gefahren der Gegenwart für die Jugend und ihre Bekämpfung." Das einleitende Referat hatte Herr Professor Schüler übernommen. Ausgehend von den Bestrebungen des Volksbundes für Sexualethik, der sich eben durch Rundschreiben an Eltern und Erzieher um Unterstützung seiner Bestrebungen gewandt hat, betont er, daß es auch für das Volk, auf dessen Panier vnn D^np steht, nicht überflüssig sei, die Eltern zum Schutze der sittlichen Reinheit ihrer Kinder aufzurütteln angesichts einer von Sinnlichkeit erfüllten Atmosphäre. Bei einer zielbewußten Erziehung dürfen hygienische Maßregeln, wie sie schon der Talmud gibt, nicht gering geschätzt werden; sie müßten noch erweitert werden als Prophylaxe, um das Triebleben nicht mächtig werden zu lassen. Wichtig ist sodann eine Stärkung des Schamgefühls, eine größere Gewöhnung an Selbstzucht in Bezug auf ungehörige Gedanken und ns Dies ist nur möglich, wenn schon dem Kinde gegenüber das Werden des Menschen mit edelsten sittlichen Vorstellungen wie aufopfernder Mutterliebe und religionsgeheiligten Gedanken in starke Verbindung gebracht wird. Damit wird nicht nur das Vertrauen der Kinder gewonnen, sondern auch eine feste moralische Schutzwehr gegen schlechte Kameraden und sonstige schädliche Einflüsse errichtet, so daß niedrige Vorstellungen keinen Eingang finden. Daß auf diesem Gebiet viele Eltern ihre Pflichten nicht kennen, läßt sich nicht leugnen. Bei dem in altjüdischer Tradition erzogenen Jungen ist sodann sehr wertvoll die im religiösen Rahmen erfolgende sexuelle Belehrung im Lernen, sowie gerade im Entwicklungsalter die Erweckung des Verständnisses für den hohen Menschenberuf, dem er jetzt entgegenwachse; bei der Erklärung der Bedeutung der rr’x’x z. V. liegt es nahe, darauf hinzuweisen, daß auch der Heranwachsende manche Probe zu bestehen habe. Um klarzumachen, wie das Sexuelle in die jüdische Gesamtauffassung einzuordnen ist, tuen die einschlägigen Kapitel in S. R. Hirschs „Chaurew" ausgezeichnete Dienste. Ganz besonders zu empfehlen ist auch Josef Breuers „Am Heiligtumsquell", da in ihm mit feinem psychologischen Verständnis dem Rechnung getragen ist, was in der jugendlichen Seele vorgeht. Vor den wohl beachtlichen Flugschriften des eingangs erwähnten . Volksbundes für Sexualethik haben Breuers Worte den Vorzug, daß sie von wahrhaft jüdischem Geiste durchdrungen sind und, von religiöser Begeisterung eingegeben, mehr zu Herzen dringen als jene. Wer die Jugend rein halten will, muß aber auch den Mut haben, gerade herrschende Modeströmuttgen in Literatur und Kunst abzulehnen, selbst auf die Gefahr hin, als nicht auf der Höhe der Bildung stehend zu gelten. Man meide eine Kulturrichtung, die — wie es Förster ausgedrückt hat — geradezu wegbahnend ist für den Vormarsch der Unmoral. Reinigend und lebenfördernd hingegen wirkt geistige Tätigkeit, in unseren Kreisen besonders auch das „Lernen", das mit seiner Inanspruchnahme der seelischen urtd geistigen Kräfte für das Niedrige keine Zeit und keinen Raum läßt. Wertvolles leisten auch die Jugendvereine durch ideale geistige Anregung sowohl, wie auch durch edle Geselligkeit, wobei auch Wandern und Körperübung eine Rolle spielen. Von größter Bedeutung ist schließlich noch die Willenserziehung, wie sie der übt, der der min folgt. Keine bessere Uebung der Hemmungsenergie gibt es, als die von dem jüdischen Gesetz geforderte Beherrschung des Nahrungstriebs. Oder welche gewaltige Bedeutung hat die Herrschaft über die .Zunge, die Vermeidung von snn rwV als Mittel zur moralischen Stärkung, zur Selbstbeherrschung. Ebenso erzieht der jüdische Alltag durch seine Fülle von rmxa zur tätigen Energie. Ein so gebildeter und gestählter Wille wird sich auf jedem Gebiete bewähren, auch da, wo andere leichter straucheln; und so erzogene Kinder, werden ihre Eltern nicht enttäuschen. Die angeregte Diskussion, die sich anschloß, zeigte, wie stark das Interesse war> das das Thema fand.- Es wurde jMspeatlick^ erörtert, o£>. es smecf mäßig fei, ben Eltern einjpfenben, We litten ihre stWMäll ZU? Wahrung der Reinheit ihrer Kinder eindringlich ÜAi* Augen fuhren und wertvolle Ratschläge erteilen sollten. Im einzelnen seien noch die Ausführungen des Herrn Ochsenmann erwähnt, der in beherzigenswerten Worten darauf hinwies, daß man bei den in den letzten Jahren herrschenden Bestrebungen,, das Autoritätsgefühl in der Jugend zu untergraben und es auch in der Schule möglichst zü unterdrücken — sich über ein Schwinden der Sittlichkeit nicht wundern könne. Sittliche Erziehung und Autoritätsgefühl gehörten, zusammen. Herr Robert Strauß betonte in eindringlichen Worten, von welch großer Bedeutung das Beispiel des Elternhauses fei, und wie wenig sich viele Eltern der Folgen bewußt seien, die ihre zu geringe Selbstzucht nach sich ziehe. Herr Dr. Stiebel begrüßte es als Fortschritt, daß heute derartige Probleme öffentlich erörtert würden. Frau Bamberg er und Dr. Oppenheim wiesen auf die große Bedeutung des Zusammenwirkens von Schule und Haus in der sittlichen Erziehung hin. Herr Dr. Jsak Breuer stellt anschaulich dar, wie im echt jüdischen Hause, wo Vater und Mutter nach altüberkommener Weise wirken und lehren, die sittliche Erziehung sich von selbst regele. Nachdem von anderer Seite der Meinung Ausdruck gegeben war, daß dieses altjüdische Ideal eben doch nicht mehr allgemein zu finden sei und die heute hier vertretenen Bestrebungen gerade dessen Wiederherstellung dienen sollten, schloß der Vorsitzende, Herr Neuberger, die Versammlung mit dem Wunsche, daß die gegebenen Anregungen der Erziehung unserer Jugend zu gute kommen möchten. Kulturelle Aufgaben der Agudas Jisroel in Erez Jisroel. Herr Dr. Moses Auerbach, der langjährige Leiter des orthodoxen Schulwerks in Erez Jisroel, sprach über obiges Thema in der Orts- und Juqendgruppe der Agudas Jisroel. Ein Kenner der Verhältnisse, führte Dr. Auerbach in eindringlicher Weise den Hörern die ungeheuer schweren, aber eminent wichtigen und dringenden Ausgaben vor Augen, die die Gesamtheit der Orthodoxie in Erez Jisroel zu vollbringen hat. Wohl ist schon manches geschehen, um auch im Lande der Väter die Tradition der Väter wieder zu Ehre und Achtung zu bringen, aber Ungeheures gilt es noch zu leisten, um das heilige Land von der Unreinheit zu befreien: Ist es doch eine durch nichts zu bestreitende Tatsache, daß in Erez Jisroel, im Lande, „das feine Bewohner ausfpeit, wenn sie es verunreinigen" tausende, ja zehntausende von jüdischen Kindern mit einer geradezu zynischen, folgerichtigen Systemattk in völlig unjüdischem Sinne erzogen werden. Werden doch täglich, ja stündlich, zehntausenden von Kindern jüdischer Eltern Lehren ins Gemüt gepflanzt, bei deren bloßem Anhören man K'rioh reißen müßte! Die rücksichtsloseste Bibelkritik, die in wissenschaftlichen Kreisen Europas längst abgelehnt und dutzendmal selbst von nichtjüdischer Seite widerlegt ist: in Erez Jisroel wird sie in tausenden von Schulstunden den Kindern eingepropst und damit das Band zerrissen, das die Seele des jüdischen Kindes mit der Tradition der Jahrhunderte verknüpft. Der Kampf, den Sudduzäer und Pharisäer, den Karäer und Rabbiniten führten, ist ein Kinderspiel gegen den Kampf, den in Erez Jisroel der thoratreue Teil des jüdischen Volkes heute mit den radikalen Gottesleugnern zu führen hat, die in Erez Jisroel „Kultur" machen. Die Orthodoxie hat allen Grund, heute endlich zielbewußt den Kampf gegen den Geist des Heidentums aufzunehmen, der von Zion ausgeht. Ist es doch nicht zuletzt Schuld der Thoratreuen, daß in Erez Jisroel heute Äpikorsim das Wort führen. Noch ist es nicht zu spät für das Rettungswerk. Verheißungsvolle Anfänge sind schon da: Jeschiwaus und orthodoxe Schulen. Aber der Weg zu einem wohlorganisierten Erziehungswerk des Taurohgeist.es ist noch lange und beschwerlich. Die Orthodoxie unter Führung von Agudas Jisroel ist bereit, ihn zu gehen. Redner zeigte, wie das Schulwerk sich gliedern müsse: Wir brauchen Volksschulen und höhere Schulen; denn auf die Mitarbeit der Intelligenz darf keinesfalls verzichtet werden. Wir brauchen aber auch Talmud-Thora- Schulen und Jeschiwaus, damit der Geist des überlieferten Judentums in andauerndem Studium Wurzel im kindlichen Gemüt fasten könne. Auf profane Bildung darf und kann nicht verzichtet werden, sie sind das Schlomimopser, verbindend zwischen Leben und Tauroh. Auf durchdringende Ta.urohbildung wird nicht verzichtet werden: Sie ist das Auloh-Opfer, das ganze Sichhingeben an Gottes Lehre. Auch Fachschulen Muß Agudas Jisroel schaffen, um auch im wirtschaftlichen Leben des Landes den Taurohgeist sich auswrrken zu lasten. Die hinreißenden Worte des Redners, derem Eindruck sich wohl keiner der zahlreich Versammelten zu entziehen vermochte, klangen in einem warmen Aufruf zur Unterstützung der Agudas Jisroel aus, deren Arbeit Erfolg haben wird, wenn sie zielbewußt und mit Vertrauen auf Gottes Hilfe begonnen und fortgeführt wird. An das mit starkem Beifall aufgenommene Referat schloß sich eine Aussprache der Mitglieder der Agudas Jisroel an, in der interne Angelegenheiten der Organisation besprochen wurden und in deren Belauf auch Herr Dr. Auerbach nochmals das Wort ergriff. Äne «uie ver Rayfluoe. 2)ie Nähstube der Jüdischen Frauen-Vereinigung, vc 13 Jahren gegründet, hat während des Krieges ungezählt Liebesgaben an die Soldaten aller Fronte Baimtfjraoni v«n vöutonüm WrsoniMollöiL BeMven mm Mnicc-Mbb nern erhalten hat, die, in einem Buche vereinigt, zur Eit sicht Palmstraße 10 aufliegen. Sie hat nach de« Kriege Wäsche und Kleidungsstücke für den bedürftige Mittelstand und die aller Habe Entblößten angefertig Stets fand sie Gönner, die ihr Stoffe aller Art zur Bei