Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 8 (18.2.1926)
- Date
- 1926-02-18
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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. Seite 10 Nr. 8 Der Israelit 18. Februar 1926 seiner Vorstellung und seinem Gedächtnis unverlöschlich, unverlierbar eingeprägt. Dieses lilienverzierte, schwertähnliche Kreuz auf der Brust des blendendweißen Mantels! Wer bildete damals die Eskorte beim Autodafe von Sevilla, als sein Vater, der Steuerpächter Ferdinands, mehr gezwungen als freiwillig, die Religion, des Jsa annahm! Die Ritter von St. Jakob! Vielleicht war er, der dort jetzt hilflos lag, auch Mitglied jener Eskorte und Zuschauer seines Unglücks gewesen! O, welch Verhängnis! Die Schlange am Busen! Dieser Mann in seinem Hause! Rasend jagten die Gedanken im Gehirne! Kämpften zwischen Vorsicht und Pflicht! Roch war es Zeit, den Verwundeten anderswo hinzuschaffen. In ein anderes, ferngelegenes Haus. Ins Innere der Stadt. Da fiel fein Blick auf dessen Gesicht. Es glich dem eines Toten. Der Verwundete stöhnte. Der Rabbi besinnt sich nicht länger. Er entfernt, soviel als nötig, die Kleidung des Ritters und wäscht selbst dessen Gesicht und Oberkörper, reinigt die Wunden, untersucht sie, legt heilende Salben darauf, und mit Hilfe seiner in der Pflege der Kranken geübten Tochter Eohaide passende Verbände an und empfiehlt den Kranken der Obhut einer alten Dienerin. Eohaide kommt von Zeit zu Zeit an das Lager des noch immer bewußtlosen Ritters, um die Verbände, wenn nötig, zu erneuern und die Wunden zu reinigen. Nach vielen Stunden der Bewußtlosigkeit Mögt Der Dritter piüßli® m Augm und ^blickt Cahaids. Entzückt fietraifjt&t er. Die Engelsgestalt. Mit einem tiefen Seufzer fällt r in einen erquickenden Schlaf zurück, in; Traume von dem beseligenden Bilde der holden Jungfrau umgaukelt. Der Ritter genas langsam. Eohaide überließ jetzt zurückhaltender die Pflege des Ritters ganz der Dienerin. Schließlich ist der Ritter soweit hergestellt, daß ihm ein Spaziergang im Garten de Santos gestattet wird. Da begegnet er wiederum unvermutet der holden Eohaide. Ihr Bild beherrscht seit der fortschreitenden Genesung sein ganzes Denken und Sinnen. Eohaide erkundigt sich unbefangen nach dem Befinden des Gastes. Der Ritter dankt stammelnd, und hingerissen von dem Zauber ihrer Erscheinung sinkt er ihr zu Füßen, ergreift ihre Hände und, sie mit heißen Küssen bedeckend, gesteht er ihr seine Liebe. Erschrocken stößt Eohaide die Hände des Ritters zurück und flieht ins Haus. Der Ritter geht niedergeschlagen, aber nicht hoffnungslos, auf sein Zimmer. Er sinnt nach. Er muß die schöne, stolze Maurin besitzen! Ihr abweisender Stolz machte sie ihm noch begehrenswerter. Sie muß, muß ihm gehören, — fein Weib werden! Glücklicherweise lastete ja nicht auf seinem Orden die Schwere des Zölibats! Und was galt daneben das Gelübde der Armut! Eine Farce! Wer konnte es verhindern, ihm wehren, ihm, de^ fremden Ritter, wenn er im fernen Lande der Franken, seinem Heimatslande, auf seiner Burg mit einem schönen, geliebten Weibe die Güter des Lebens genoß? Dieser Krieg neigte sich ja doch zu Ende! Aber Vorsicht! Zur Zeit galt für ihn noch strenge Wahrung des Gelübde in diesem glaubenseifrigen Lande, — galt es noch zeitweise eine Maske vor Dem Wefifijt zu tragen, er verging in sehnsüchtigem Verlangen nach Eohaide. Aber Eohaide war wie vom Erdboden verschwunden. Aengstlich, scheu, hütete sie ihre Mädchengemächer, und nur der zeitweilige Besuch ihres geliebten Davids vermochte sie aufzuheitern. Ein böser Geist weilte unter dem gastlichen Dache. (Fortsetzung folgt.) In einer Jerusalemer Gflehrtenklause. Jerusalem ist reich an großen jüdischen Menschen, Menschen, die bewundernswert sind durch ihren jüdischen Charakter und Menschen, deren Wissen Bewunderung verlangt. Doch da sie alle still ihren Idealen leben, so fluten Jahr ein, Jahr aus tausende Touristen durch die Stadt, lassen sich von ihren alten Schätzen fesseln, haben aber keine Ahnung, daß diese Stadt des einstigen Beth- Hamikdasch auch heute Menschen beherbergt, in deren Seele die Heiligkeit des jüdischen Volkes Stätte hat. Der Tourist geht im Steingewirr der Altstadtgäßchen achtlos an einem alten Mann vorbei und hätte ihm demütig die Hand drücken sollen. Der Greis ist in einem der armseligen, dunkeln Häuschen dieser Gassen geboren worden und hat nie in seinem Leben die Grenzen der Altstadt überschritten, um stets in der Nähe der' heiligen Tempelstätte zu weilen. In jenem Verkaufsstand die abgehärmte Frau in ihrem züchtigen Kopftuch ist eine arme Witwe. Sie kämpft schwer, um den kleinsten Verdienst zu erringen, und trotzdem speist sie täglich vier Jeschiwahjünger an ihrem Tisch, damit sie der heiligen Thora ihren Tribut zolle. Ein Jüngling in Kaftan und Schläfenlocken geht schnell vorbei. Sein bleiches Gesicht zeigt den göttlichen Schimmer der Durchgeistigung und der Güte. Bereits ein Gelehrter altjüdischer Weisheit und ein abgeklärter Frommer, kennt auch dieser Jüngling nichts als seine Pflicht in dem stillen Wandel vor seinem Gotte. An all diesen Menschen flutet das Getriebe der Welt, die die Menschheit umfaßt, vorüber, ohne sie anzureizen. Aber auch unter denen, die die Welt sehr wohl kennen und sie nicht scheuen, gibt es in Jerusalem Menschen, die still ihr Leben einer idealen Aufgabe geweiht haben. Einen solchen Menschen lernte ich in Dr. Masie, dem Chefarzt des Bikkur Cholim-Krankenhauses, kennen —, und von ihm will ich hier erzählen. Dr. Masie, in Rußland geboren, besuchte die Jeschiwah des Gaon Rabbi Jizchak Elchanan Spektor und wurde selber Talmudlehrer. Doch bald wurde die Sehnsucht nach Erez Jisroel in ihm stark, und er ging deshalb zu einem Lebensstudium über, daß ihm die Möglichkeit gegeben werde, in Palästina praktisch zu arbeiten. An der Züricher Universität studierte er zuerst die technischen Wissenschaften. Als sich aber erwies, daß er als Ingenieur in Erez Jisrael nicht sein Brot finden könne, ging er zum Studium der Medizin über. Es war damals die Zeit, in der die medizinische Wissenschaft durch Pasteur, fDö}; öirfljoiD ujW: einen gemumpn Anlmk kstM, 1887 machle er Den Dottor. Seine Arbeit über Würrne« bestrahlung, der er Berechnungen der höheren Mathematik zu Grunde legte, war so bedeutend, daß Virchow sie in seinem Archiv abdruckte und ihm die bei der Universität einzureichenden 200 Exemplare kostenlos übergab. Gleich nach Beendigung der Universitätsstudien wurde der lunge Gelehrte von Baron Edmond de Rothschild in Paris für seine palästinensischen Kolonien als Arzt angestellt, und so fand die Sehnsucht nach dem Lande der Väter sehr schnell ihre Erfüllung. Was nun Dr. Masie in seiner heute 37 jährigen angestrengten Tätigkeit als Arzt in abgesparten Mußestunden, Stunden, die er häufig dem Schlaf abrang, still am Schreibtische gearbeitet hat, gehört einer bestimmten jüdisch-wissenschaftlichen Aufgabe, nämlich der Feststellung der hebräischen Ausdrücke auf medizinischem Gebiete. Diese Aufgabe ist eine geradezu gigantische. Sie verlangt nicht nur eine universelle Beherrschung der gesamten talmudischen Literatur, sondern auch ein Sammeln all der hebräischen Werke, die im Laufe der Jahrhunderte über Medizin und über Naturwissenschaft erschienen sind, und deren Durcharbeitung. Vor etwa 30 Jahren war Jerusalem selbst noch eine Fundgrube solcher Werke. Cs waren aber auch teure Reisen nach den Bibliotheken Italiens, Englands und Deutschlands erforderlich, um dort nach Material zu forschen. Mitunter waren die aufgestöberten Werke und Handschriften Unica; da galt es denn, Photographien zu nehmen, eine kostspielige Prozedur. Auch die ganze hebräische lexigraphische Literatur galt es zu sammeln. Schon 1892 befindet sich Masie in einer interessanten Debatte mit Ben Jehuda in dessen Zeitschrift „Haor" über hebräische medizinische Ausdrücke. Ben Jehuda erkannte die Bedeutung Masies, und als er sein großes Wörterbuch der hebräischen Sprache schuf, benutzte er immer wieder und wieder Masies Wortfestsetzungen. Wer die seltene Ehre genießt, Masies stille Gelehrtenklause, in die er sich nach den Mühen des Tages zurückzieht, -zu betreten, erblickt an den vier Wänden bis oben an die Decke nichts als Bücher und Bücher. Masie hat keinen Katalog seiner Bibliothek — die mangelnde Zeit erlaubte ihm nie, einen solchen anzufertigen, — trotzdem weiß er bei den vielen tausenden Büchern sehr genau, mit einem Handgriff ein gewünschtes Buch zu fassen. Aber er weiß auch stets, aus welchem Buche er einen der unzähligen Worte, deren Sinn er festgestellt hat, genommen hatte. Bede Stelle, in der ein die rnsdizinitchs Äistenf^aft k>etreftent»er ötusEruti oorfommi, ist tion liftrt unterstrichen und — wo nötig — mit Anmerkungen oerehen. Dr. Masie hat natürlich einen Zettelkatalog all der von ihm zusammengetragenen Worte sich für seinen Gebrauch angefertigt. Ein Wörterbuch dieser Ausdrücke liegt bereits im Manuskript auf seinem Schreibtisch. Dieses Wörterbuch sowie auch die von ihm angefertigten Abschriften alter hebräischer Handschriften warten noch des Verlegers. Doch ein Verleger wird sich erst finden, wenn ein Mäcen das Geld gibt. Denn mit derarttgen wissenschaftlichen Werken — sie mögen noch so bedeutsam sein — läßt sich aus geschäftlicher, Basis nichts beginnen. Dr. Masie war sich nie über das Unlohnende seiner Arbeit, die mit so unendlich vielen materiellen Opfern verbunden war, im Zweifel. Er hat nach der besten Tradition Jerusalems seine Arbeit Tag für Tag seit mehr als dreißig Jahren geleistet, nur von dem einen Gedanken geleitet, sich einer idealen Aufgabe im Dienste der jüdischen Wissenschaft zu weihen, — und das bedeutet Größe. Schlomah den Ascher. Ls ist ausschließlich Sache der Leser, die im Inseratenteil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben reiigionsgesehlichen Charakter» auf ihr. Zuverlässigkeit zu prüfen. eiTVILlt " ^MaiheusJUiUec Es ilt lhre eigene Schuld Lieferant sämtlicher Kranken* hassen menn 3/e sidr ff mit unrichtigen und schlediisitjenden Vollkommene Augengiaz er* erhalten Sie bei Schlesicky - Strohlein Tel. Hansa 2208 Gm-b* H* Kaiserplatz 17 T (S Hansa Grosswäscherei vorm. Gebr. 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