Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 8 (18.2.1926)
- Date
- 1926-02-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Nr. 8 Der Israelit 18. Februar. 1926 der rituellen Verpflegung der jüdischen Soldaten, die auf Wunsch den Gegenwert der Menage in bar bekommen, um sich für dieses Geld rituelle Speisen kaufen zu können. Er ersuchte also die Rabbiner, in allen Städten billige Küchen für jüdische Soldaten zu gründen. Nach der Wahl eines Präsidiums und einer Permanenzkommission für die Dauer der Tagung wurde die erste Sitzung geschlossen. Am 9. Februar erstattete Rabbiner Kanal den Tätigkeitsbericht für die vier Jahre feit der ersten Konferenz. In den ersten Jahren der Existenz des Verbandes war die Tätigkeit nicht besonders intensiv, somit fiel auch der Bericht sehr schwach aus. Das Wichtigste, was dem Bericht zu entnehmen sei, ist die Gründung von 30 kleineren Jeschiwaus und Talmud* Thoras, die Inschutznahme der Melilsuicii in Den von Dks MiMp ^poölkernng g-rny verlassMM GemsrnSön des Posemr Gevleles, viele geglückte Interventionen zugunsten der Rabbiner, besonders der kleinen Gemeinden, wie auch der Befreiung der Kinder von der Schule am Schabbos. An den Bericht knüpfte sich eine lebhafte Debatte. Eine oppositionelle Stellung zur bisherigen Leitung nahm Rabbiner Dep. Brodt (Misrachi) ein. Er warf der Leitung parteiische Tendenzen vor und stellte ein Mißtrausvotum. Sämtliche. Redner verteidigten die Leitung. Rabbiner Tobias Horovitz meinte, daß der Tätigketsbericht eigentlich kein vollständiger fei, denn der Verband hat bedeutend mehr geleistet, als man nach dem Berichte urteilen könnte. Jedoch ist auch manches unterlassen worden, was als eine Vernachlässigung zu rügen sei: Der Verband hätte gegen die Ernennung des Verfassers des Buches über das Leben des Stifters zum Professor an der Universität in Jerusalem, gegen das Frauenwahlrecht zur palästinensischen Aasefoth Haniwchorim, in der Affäre Stephen Wise reagieren sollen. Er stellte zum Schluß das Vertrauensvotum. Die Abstimmung ergab die Annahme des Vertrauensvotums mit allen Stimmen gegen die einzige Stimme des Rabbiners Brodt. In der Nachmittagssitzung hielt Dep. Rabbiner Schapiro ein glänzendes Referat über Ehinuch. Nach einem Ueberblick über die Entwicklung des jüdischen Schulwesens von den urältesten Zeiten bis zum 16. Jahrhundert, als Polen das Zentrum des Thorawissens wurve, und feit dieser Zeit bis zur Gegenwart, schilderte Rabbiner Schapiro.in beredten Worten die verzweifelte Lage der Talmudjünger in den Jeschiwaus, den traurigen finanziellen Zustand aller Thoraanstalten und andererseits die fast tägliche Zunahme der jiddischistischen sowie Tarbutschulen, welche nicht bloß in religiöser Hinsicht, sondern auch in moralischer schädlich, ja verderblich aus dis jungen Kinder wirken. wie er es an Hand zahlreicher Ttttrn illnstri?rt?- ®as S&ejerol grösste in i>en lljörschlägen, die nachher von der Tagung beschlossen wurden: 1. Der Verband richtet einen Appell an das jüdische Volk, das religiöse Schulwesen als Grundpfeiler der jüdischen Existenz zu stützen und zu pflegen. 2. Die philantropischen Organisationen werden ersucht, bei der Verteilung der Subventionen kein Unrecht gegenüber den religiösen Erziehungsanstalten zu»begehen. 3. Die judaistifchen Gegenstände in den Staatsschulen müssen im religiösen Geist und von Lehrern, die die jüdische Religion in ihrem öffentlichen und privaten Leben nicht verletzen, erteilt werden. Am 10. Februar vormittags referierte Dep. Lewin über Gemeindefragen. Die Quintessenz dieses überaus bedeutsamen Referates war: Die jüdische Gemeinde war immer seit undenklichen Zeiten ein ausschließlich religiöses Institut und müsse es auch weiterhin bleiben. In den letzten Jahren ist die jüdische Gemeinde der Gegenstand der heftigsten Kämpfe geworden. Die freisinnigen Elemente wollen die Kehilloh unbedingt zu einem weltlichen „nationalen" Organ machen. Sie kommen in die Gemeindeverwaltungen, um sie von innen aus zu bekämpfen. Wir müssen uns mit aller Macht diesem verräterischen Versuch widersetzen. Die wichtigsten Resolutionen lauten: 1. Die jüdische Gemeinde ist eine rein religiöse Institution und jeder Versuch, ihr einen weltlichen Charakter zu verleihen, muß entschieden zurückgewiesen werden. 2. Frauen können nach den Satzungen der Thora weder aktives noch passives Wahlrecht zu den Gemeindeverwaltungen erhalten. 3. Der Rabbiner hat das Recht und die Pflicht, jeden antireligiösen .Beschluß der jüdischen Gemeindeverwaltung in seiner Stadt der Exekutive des Rabbineroerbandes vorzulegen und, wenn er wirklich als den Satzungen der Thora zuwiderlaufend anerkannt wird, dann ist er ungültig. 4. Ein Verwaltungsmitglied, welches gegen die Religion auftritt, verliert fein Mandat und wird von der Verwaltung ausgeschlossen. In der Nachmttagssitzung referierte Dep. Rabbiner Schapiro über die „Schechita"-Frage. Die Schechita war nämlich bisher in Kongreßpolen ganz von der Gemeindeverwaltung unabhängig. Eine Verordnung des Kultusministeriums besagt, daß die Schechita, die bisher die Einnahmequelle der rituellen Schächter und des Rabbiners war, unter die Verwaltung und Aufsicht der Gemeinde kommt. Die Schächter werden Beamte der Gemeinden. Mit Rücksicht darauf, daß in manchen besonders der ejrojjert Städte die (tnfen (Elemente die Vlacht in den Gcmcindcvcrwattungrn in ihr? Hanbekommen, erbitten die Orthodoxen, schon in dieser ziemlich kurzen Zeit durch die bittere Erfahrung gewitzigt, eine große Gefahr darin, wenn die religiösen Funktionäre, der Rabbiner und die Schächter, besoldete Beamte, abhängig.von der Gunst oder Ungunst antireligiöser Personen, werden sollten. Es wurde in diesem Sinne eine Protestresolution gegen die Uebernahme der Schechita durch die Gemeindeverwaltung gefaßt. Am 11. Februar referierten in der Vormittagssitzung Dep. Rabbiner Brodt über die materielle Lage der Rabbiner in Polen und Rabbiner Kahane über die „Agunaus"-Frage. Es ist falsch, sagte Rabbiner Kahane, wenn man meint, daß die Rabbiner befugt sind, kraft ihrer Autorität die radikale Lösung der Frage durch ein halachisches Machtwort zu lösen. Was die Thora verbietet, kann die Autorität aller Rabbiner der Welt nicht erlauben. Was von den Rabbinern geleistet werden kann und gemacht werden muß, ist Hilfsarbeit durch Sammlung von Nachrichten, Materialien, Daten. Dadurch könnten viele Agunaus von ihren Fesseln gelöst werden. Im Ausland ist auf diesem Gebiete bereits viel geleistet worden. Es wurde daher vorgeschlagen und beschlossen, daß jeder Rabbiner in seiner Gemeinde alle jüdischen Bürger auffordert, jede Nachricht, die jemand über die in der Ferne — in den Gefangenen- oder Konzentrationslagern oder sonstwo — Verstorbenen oder Vermißten besitzt, dem Rabbiner mitzuteilen. Die auf diese Weise gesammelten Daten müssen in kurzer Frist der Exekutive des Verbandes übermittelt werden. Es gibt ferner einige tausend registrierte Frauen, deren Männer seit Jahren nach Amerika emigrierten, sie, die Frauen, können aber infolge der Jmmigrationsbeschränkungen nach Amerika nicht kommen. Es wurde beschlossen, mit allen in Betracht kommenden Stellen sich ins Einvernehmen zu setzen, daß die Einwanderung dieser Amsr-ika oefMQt mirD. Am Slt/lUsse der Debatten meldete sich Vlrnisterlalral Adalberg zum Wort, um manche Aufklärungen zu geben. Ich hörte hier, sagte er, pessimistische Stimmen über die angebliche Ueberflutung der Gemeinden durch die linken atheistischen Elemente. Ich möchte nun ihre übertriebenen Befürchtungen im Lichte offizieller statistischer Daten, die zum ersten Male in die Oeffentlichkeit gelangen, besehen. Höret die Sprache der Ziffern. In Kongreßpolen gibt es 379 jüdische Gemeinden. Von der gesamten Zahl der Mandate in den Gemeindeverwaltungen bekamen die Orthodoxen 1458, Zionisten 257, Misrachisten 176, Zeire Zion 2, Poale Zion 21, Volkisten 17, Bund 36. Wie man sieht, haben die Orthodoxen eine überwiegende Mehrheit und es existiert kein Grund, beunruhigt zu sein. In Galizien gibt es 252 jüdische Gemeinden, aber in 150 Gemeinden gibt es Regierungskommissäre, so daß man sich über die dortigen Kräfteverhältnisse kein Bild schaffen kann. Er verkündete ferner, daß in den nächsten Tagen vom Ministerium zwei Verordnungen erlassen werden des Inhaltes: 1. daß die Gemeindeverwaltungen verpflichtet sind, den Rabbiner zu jeder Sitzung einzuladen, wo er gleich anderen Mitgliedern der Verwaltung Stimmrecht hat. 2. Die Gehälter der Rabbiner können in diesem Jahre nicht abweichen von der im Budget des vorigen Jahres angegebenen und bestätigten Summe. Die Witwen und Waisen der verstorbenen Rabbiner müssen Pension bekommen. Schließlich versuchte er die Versammlung zu überzeugen, daß die Uebernahme der Schechitah durch die Gemeindeverwaltungen eine finanzielle Notwendigkeit sei (die direkten Steuern können die Ausgaben der Verwaltung bei weitem nicht decken). Er sah selbst ein, daß dieses Motiv nicht überzeugend genug wirken wird und da zog - er ins Treffen ein schwerkalibriges Argument. Die Schechita, sagte er, sei eine religiöse Funktion. Als solche steht sie unter dem Schutz der Konstitution. Jedermann weiß, daß es viele Gegner des rituellen Schlachtens gibt. Wenn die Schechita von der religiösen Gemeinde losgelöst wird, dann verliert sie ihren religiösen Charakter, und es wäre dann leicht, sie zu bekämpfen, ohne dadurch die Konstitution zu verletzen. Zur Widerlegung dieses schwerwiegenden Argumentes nahm Dep. Rabbiner Lewin das Wort-und sagte, dast er nicht einsieht, weshalb die Schechita ihren religiösen Charakter verlieren sollte, wenn sie anstatt der Gemeindeverwaltung direkt dem Rabbiner untersteht. Lle Mnchmlttngssitznllä Ä4U AWNMUNg liöör M Resolutionen und den Wahlen der neuen Leitung gewibmel. Die Leitung besteht aus 25 Mitgliedern. Außerdem wurde eine Revisionskommission, bestehend aus 5 Mitgliedern, gewählt. Um 1 Uhr nachts wurde die Konferenz mit einer Schlußrede des Rabbiners Plotzki aus Ostrow in gehobener Stimmung geschlossen. Am Schluß der Tagung wurde aus Antrag des Dep. Rabbiner Lewin einstimmig beschlossen, das historische Vierländerkomitee (nmK»:mi3n)31t erneuern und den Sitz, auf ergänzenden Antrag des Dep. Rabbiner Schapiro, nach Lublin zu verlegen. Das Komitee wird zweimal im Jahre während 8 Tage in Lublin alle wichtigen, die jüdische Gemeinschaft interessierenden Probleme, die jeweils auftauchen werden, im Lichte der Thora zu prüfen und ihr entscheidendes, jeden religiösen Juden verpflichtendes Urteil zu fällen haben. jPalaftiim« Die Schechita in Jerusalem. Jerusalem, 9. Februar. Das. in voriger Nummer bekanntgegebene Abkommen zwiscyen den beiden Gemeinden zur Errichtung einer einheitlichen Schechita, war, was aus jener Korrespondenz nicht klar heroorging, nur ein Entwurf, der die letzten Zugeständnisse des Waad Hoaschkenasi darstellte. Er blieb nur ein Entwurf und ein frommer Wunsch, und da es sich zeigte, daß ein Zusammengehen in dieser Sache nicht möglich ist, blieb nichts anderes übrig, als die eigene Schechita der Sonnenfeldschen Gemeinde einzurichten. Das Abkommen scheiterte an dem Punkte, der verlangt, daß die Schochtim von beiden Seiten autorisiert sein müßten. Während sonach die Partei Sonnenfeld sich damit abgefunden hatte, ihre Schochtim auch dem Oberrabbinat Kuck zu unterstellen, verwahrte sich die Gegenseite dagegen, daß ihre Schochttrn auch der Anfsicht des Oberrabbinats Sonnenfeld untsrstkhsn füllten, ütudj ln anderer!8eziel>nnö diö Rechte des Waad Hoaschkenasi beschnitten werden. Der Abbruch der Verhandlungen und die Lösung des Abkommens erfolgte mit einem Brief des Sekretariats des Oberrabbinats Kuck an den Waad Hair Hoaschkenasi, worauf dieser die Einrichtung der eigenen Schechita einstimmig beschlossen hat. Ein Komitee wurde zu diesem Zwecke gebildet. * . Ttmevifa. Der dritte Beschluß der Agudas Harabonim in Amerika. lVon unserem Korrespondenten.) New-Pork, 7. Februar. Die Plenarsitzung des Verbandes der orthodoxen Rabbiner Amerikas hatte zwei wider-' sprechende Beschlüsse ihrer Exekutive vor sich liegen, den ersten Beschluß, der einen wahren Jssur gegen die zionistichen Institutionen ausgesprochen hatte, falls Dr. Wise an der Spitze des Vereinigten Palästina-Appelles bliebe. Der zweite Beschluß sprach von der Etablierung eines eigenen orthodoxen Drives, falls die zionistische Exekutive die Demission Wises nicht annehmen würde und überließ, die endgiltige Entscheidung der Plenarsitzung. ZUCKERKRÄNKE Aleuronal - Gebäcke von allen Autoritäten empfohlen MAGENKRANKE Rodenbach’s Grahambrol NÄHRMITTELFABRIK FRIEDRICH GÜNTHER Verkauf Hermesweg 8—12 - Hansa 3862 u.795 sowie in den Filialen der Brotn. Keksfabrik Osthafen G. m. b. H.