Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 7 (11.2.1926)
- Date
- 1926-02-11
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Sette 2 Nr. 4 Disteln verwachsenen Wege einen freien Durchgang gebahnt. In St. Remo haben uns die Vertreter der Völker aller Länder die uns seit zweitausend Jahren geraubte nationale Ehre und MM gigmn rmk Ansprüche auf unser Land öffentlich-rechtlich eingestanden. Die uns in St. Remo widerfahrene Gerechtigkeit konnte aber nur einen Teil der Juden begeistern, während sie beim anderen Teil gewissermaßen eine Verstimmung hervorrief, da die Bevollmächtigten der Völker in St. Remo das Judentum im zionistischen Spiegel sahen und das echte, traditionelle Judentum gar nicht kannten. Genf hat nun diese Lücke ausgefüllt. In Genf haben die Vertreter der Mächte den einstigen Irrtum korrigiert und haben nach Anhörung der bis dahin ignorierten SSertreier des fonferöaitüen Judentums deren Wünsche vollauf akzeptiert unb das Judentum in seiner göttlich geprägten Form anerkannt. Dieser Akt der Genfer Völkerbundsvertreter bildet einen Markstein und ist einzig dastehend in der Geschichte Israels, das im Kampfe für die Religion die außenstehenden Völker für diese gewonnen und für den Schutz der religiösen Interessen ihren Richterspruch sich erworben hat. Agudas Jisroel, die bis vor kurzem von den zionistischen Wortführern als ein kleines Häuflein •fraitffimer Klerikaler MMnel nmrDt oller nach S>v. Klausners neuester Benennung mxn hat sich nun einen würdigen Platz in der Oeffentlichkeit errungen und steht heute mit den Zionisten auf sozialem, wirtschaftlichem und politischem Gebiete, dank ihrer intensiven Tätigkeit in Erez Jisroel und dank ihrer politischen Klugheit, als gleiche Partnerin da. Jaes hat sich sogar ihre Diplomatie in Genf der zionistischen gegenüber alsweit überlegen gezeigt. Sie schlug eine Dresche in die zionistische Festung und ist nicht Whr der Gnade und Ungnade des „Waad leumi" aüsgeliefert, sondernsteht da als selbständige, vom Forum des VMkerbundes anerkannte Organisation. Sie ite »lttt 93^= tretern der Aguda in London uno in Wien verhandelten, haben auch emgesehen, daß sie nicht mit „Beähamidrosch-Batlonim", sondern mit zielbewußten, weitsichtigen und tiefblickenden Politikern zu tun haben. Doch kann ich die Folgerungen von Herrn Eiß nicht en bloc und nicht kritiklos annehmen. Wir dürfen nicht im Siegesrausch unseren klaren und objektiven Verstand verlieren und es wäre meines Erachtens kein kluger Zug von der Agüda, wollte sie die engherzigen, zionistischen Parteiinteressen nachahmen und in irgend welcher Art für ihre Partei Nutzen ziehen, ungeachtet welche Folgen das für den Klal bringen kann. Die Parole: „Aguda ist keine Partei", darf eben kein leeres Propagandamittel sein, sondern im ÜL« Zaii« ZUZZzsüM WiMichksit! Die Geschichte hat uns gelehrt, wie Siege sich oft zum Verhängnis für den Sieger gestalteten. >n»ttn *?k ■p-ns Visn« '"irrrmn *rmn ■bbnrp-hx» lautet die jüdische Morallehre. Poche nicht auf deine Errungenschaften und juble Nicht, wenn der Feind dir unterlag. . Wir dürfen nicht auf zionistischen Chauvinismus mit agudistischem Chauvinismus antworten, mit Macht Hegen Macht und mit Gewalt gegen Gewalt. Wir verübeln es den Zionisten, da^ sie Ere^ Jisroel nicht nach ver alten Weise unserer Väter D e i Jsr orellt t BlSt t e r ir/ Februar 1926 und nicht nach dem prophetischen Geist, sondern nach einer neuen Methode, und. in wettlichetn Geist aufbäüen wollen. Ist. denn die Trennung keine neue, iw Schoße der deutschen und ungarifrfien Suben qeborene SJletbobe, bie bcts «tte I J. . 8 \i\ { s!: : Zion gar nicht kannte? Und geht nicht fast aus jedem Worte unserer Propheten deutlich hervor, wie sehr sie die Trennung und Zerklüftung im Judentum brandmarkten und' dieselben für den jüdischen Niedergang und Auslösung seines Reiches verantwortlich machten? Sollen wir dem Beispiel jenes Aengstlings folgen, der aus Furcht vor Zahnweh und der zahnärztlichen Rechnung, sich seine gesunden Zähne ausreißen ließ? .... In Deutschland und in Ungarn war die Trennung wirklich ein Gebot der Stunde. Mi M ßMUflBBlH WEM llM 8ÜN MöNÜMsohn ausgehenden Assimilation und der darauf folgenden Geigerschen Reformation das jüdische Schifslein Westeuropas zu verschlingen drohten, da trat der vom alten Hasmonäergeiste erfüllte Rabbi S. R. Hirsch auf und sammelte die wenigen der Tradition noch treu gebliebenen Söhne und schloß sie in einem besonderen Gefüge zusammen: er. gründete eine Separatgemeinde, um sich auf diese Weise von den heranstürmenden Fluten zu retten, und es gelang ihm wirklich, dadurch der Nsfarrnksrnsgung einen föamm enigegettjufeljert und bi? Erfahr gu ud?r«inb?n, Wann entschloß sich aber Rabbiner Hirsch, diese Operation am Volkskörper durchzuführen? Erst dann, als er im großen Frankfurt nur noch wenige Getreue vor sich sah. Erst dann, als er einsehen mußte, daß 99 Prozent von den-Flammen der FeuersbrunA die die Reform entfachte, erfaßt wurden, suchte er zu retten, was noch möglich war zu retten. Sein Rettungsmittel hat sich in Deutschland vielfach gut erprobt und wurde auch von Ungarn ausgenommen. Eine solche gefährliche Operation darf aber nicht frühzeitig an einem gesunden Körper vorgenommen werden, einzig auf die Gefahr hin, ba|j' er vielleicht jpäier einmal erkranken könnte. Solche Experimente rönnen nur unnütz ven Menschen zum Krüppel machen. Die Verhältnisse in Erez Jisroel sind G. I. nicht derart, wie sie s. Zt. in Deutschland und Ungarn waren. Wir haben in Erez Jisroel eine Bevölkerung, die größtenteils noch religiös orientiert ist. Sind doch bei den letztes Wahlen zur Asifat haniwchorim 85 Prozent der palästinensischen Judenheit, infolge des Verbotes der Rabbiner bezüglich des Frauenwahlrechtes, denselben ferngeblieben, obwohl, auch der orthodoxe Misrachi für das Frauenwahlrecht eingetreten war. Wievielmehr, wenn es sich um kardinale und grundsätzliche Fragen handeln würde, wie nw l’ttmpi jnw wh die Herr Eiß anführt. Da wird die gesamte palästinensische Judenheit wie sin Mann, van einigen Chaluzirn abgesehen. auffMjen wirb mit ihrer gangen Wucht unb Energie für die Verteidigung der heiligen jüdischen Prinzipien aufmarschieren. In wessen Herzen auch nur ein Funke von wahrer Jüdischkeit glimmt, er wird zur größten Feuerflamme auflodern, sollte jemand wagen, eine Hand auf unsere Heiligtümer zu legen. Wenn auch Erez Jisroel eine Zeit lang als Hort der Freigeisterei und Zügellosigkeit unserer Jugend gegolten hat, so hat sich die Situation seit einigen Jahren Vollständig geändert. Die sogcnnnnie dritte „Alisa" rekrutiert sich gu zwei HÄtteln aus frommen chassidischen Elementendie sich arif: Stadt und Land verteilen. Die anerkanntesten rabbinischen Autoritäten - aus dem Osten sind nach Erez Jisroel gezogen, die zwei. grämten örtlichen Thora Qehr^tätten^ die 'Lomber und die Mobotter Jeschiwos, haben M 'Gros nach Erez Jisroel verlegt. Eine Anzahl Lehr-, stätten für Knaben und Mädchen im Geiste der Thora wurden von der Aguda neu gegründet, die alten Jeschiwos wurden gestärkt und reorganisiert, so daß der Wunsch des Propheten jrxa *> min KXn in Erfüllung zu gehen beginnt. Die Orthodoxie ist heute ohne Zweifel in der Lage, kraft ihres Ansehens und ihrer Stärke, sich überall in sämtlichen Verwaltungen Gehör zu verschaffen und den ihr gebührenden Platz zu sichern. Wo bleibt also die Gefahr, von der Herr Eiß sMlU. Mll mm ööf Schnitt m übs Mimte Fleisch? Herr Eiß, der doch selbst aus dem Osten kommt, will für die in Palästina eingewanderten Juden des Ostens die westlichen Medikamente anwenden und er bringt Beweise von Zürich und Frankfurt. Sind denn die Züricher und Frankfurter Religionsbarometer ausschlaggebend für ganz Klal Jisroel? Weshalb nimmt Herr Eiß nicht den. Osten, wo Millionen von Juden beieinander leben und wo die Trennungsideologie bisheute nicht Fuß fassen konnte, zu einem Beispiel? Sb. mit hl nach cm bi? einem schweren Feind zu kämpfenhat> üst sie Doch bestrebt, den Volkskörper ganz zu erhalten.' In Warschau und in Lodz würden-tzwar 'letzthin Stimmen der 'Separation^ laut-- doch diese Stimmen fanden bei der großen Mehrheit der frommen Juden keinen Anklang. Die Juden des Ostens, die die erbittersten Kämpfe mit den liberalen und zionistischen Elementen auszustehen haben, wehren sich dennoch gegen die deutsche und ungarische Heilkunde und weigern sich, die dortigen Trennungsmethoden bei sich einzuführen. Weshalb wollen wir nun gerade in Erez Jisroel eine chinesische Mauer Irvi^ck-en Inden unb Inden an^ieUert? Dorr Eist sürchm vielleicht vis Hsilslehrö von Stephan Wrfe unb Dr. Klausner, aber gerade diese haben uns weit mehr Nutzen als Schaden gebracht. . Sie haben ihre Gesichter entlarvt und ihre eigene Position aufs tiefste erschüttert. Auch, die schwankenden Misrachisten haben die Augen weit geöffnet, nach und nach desertieren Manche ihrer Führer von ihrem Lager und wenden sich der AgUdck zu. (Redakteur Bublik und Rabsii Goldstein, Vorsitzender des amerikanischen Rab-- binerverbandes.) Haben wir deswegen einen zweitausendjährigen, qualvollen schweren Golüskampf ausgestanden, um als zersprengte und zerrissene Glieder nach Erez Jisroel zurückzukehren? 5 Soll das unsere von Gott verheißene Golusrnisfian sein, um derartige auf bem Baden den Diaspora erzeugte Produkte nach Ereg Jisroel gu verpflanzen und dort den Keim neuer Zerklüftungen und Zersetzungen zu bilden? Herr Eiß anerkennt die schweren Folgen, die die Trennung für uns mit sich führen wird, er macht aber die Zionisten dafür verantwortlich. Hat sich aber jemand selbst eine Wunde geschlagen, um die Verantwortung auf einen seiner Feinde ablenken zu können? ... Ich bin dessen sicher, daß auch Herr Eiß das nicht wünscht, nur sieht er die Dinge mit einer jju dunklen Brille an und glaubt bestäegen, da^ Die nnir Israels nur in Der Trennung liegt Postscheck-Konien: Landesdirektorium des Keren Hatorah in Deutschland, Hamburg Nr. 24753 (P. Sch. A, Hamburg). Keren Hatorah-Kommissariat Frankfurt a. M. Nr. 41666 (P. Sch. A. Frankfurt a.M Keren Hatorah-Kommissariat Nürnberg Nr. 18440 (P. Sch. A. Nürnberg) Keren Hatorah-Kommissariat Köln Nr, 50131 (P. Sch. A. Köln) Keren Hatorah-Kommissariat Leipzig Nr. 70147 (P. Sch. A. Leipzig) Keren Hatorah Kommissariat Berlin, P. Sch. A. Berlin Nr. 12594 für'Abraham Rzeszcwski. Keren Hatorah-Kommissariat Breslau, P. Sch. A. Breslau Nr. 60510 für Iwan Möller. Keren Hatorah-Kommissariat^Hamburg P. Sch. A.'Nr. 40953 für Dr. Julius Baer