Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 7 (11.2.1926)
- Date
- 1926-02-11
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 7 1926 Der Rockbi von Granada. . Historische Erzählung aus der letzten Zeit der Maurenherrschäft in Spanien. § / V Von Moritz Autd. Nicht minder anziehend in ihrer Art war auch die Ritterkleidung David ibu Soädias und Musas. Beide waren angetan mit der Jazerme, einer drahtgeflochtenen Jacke, darüber die Aljule/ ein Kleid von braunem Sammet, mit Goldstickereien, darüber der Schild von Fez, auf dem Haupte der Turban mit dem Busch vop Keihersedery; die beiden .^thüdknappen ^gepanzert, aber in we-i Niger kostbarer Gewandung. So bewegte sich die kleine Kavalkade in munterem Ritte durch die Gartenwege der Alhambra den Berg hinunter in die Begas die fruchtbare Ebene von Granada. Da fesselte die Augen der Reiter ein entzückendes Bild. Eine Schar halberwachsener Jünglinge und Mädchen sind in zwei Halbmondbogen aufgestellt.; Die Führerin der Mädchen und der Anführer der Jünglinge klatschen in die Hände. Da löst sich aus den Halbmondbogen ein Mitspieler und eine Mitspielerin. Der Jüngling umwirbt im neckischen Spiel seine Partnerin, jedoch ohne Erfolg. Das Mädchen versinnbildlicht die Stadt Granada, der jugendlich stürmische Bewerber verkörpert die andrängenden Spanier. Er nähert sich mit der größten Grandezza feiner Partnerin und die Hände in bezwingend flehender Gebärde zur Schönen erhoben singt er: „Si tp quisiesses, Granaea! Comtigo me casaria Darett en arras, y dote A Cordova, y ä Sevilla.“ „Granada, o Granada, Wenn Du mich heiraten würdest, So geb ich Dir Cordova Und Sevilla zum Brautgeschenk." Das Mädchen (Granada) wendet sich schnippisch ab, und indem es sich mehrmals in lockend reizendem Tanz dreht, singt es: „Gasada soy, Rei Don Juan, El Moro que a mi tiene Muy grande bien me gueria." „Ich bin verheiratet, König don Juan, und keins Lust, Witwe zrn werden: Der Mann, welcher mich besiht, «dch und ÜbsHsllst Mltz mit Wohltaten." Rauschender Beifall, Händeklatschen, Zambras und Musik der Anafins und Doucims folgten dem Duett. Gebannt durch den reizenden Anblick hatte die Reiterkavalkade stillgehalten und seltsam ergriffen dem sinnvollen Spiel der maurischen Tugend zugesehen. Da beugte sich der König herüber zu dem neben ihm haltenden, gedankenversunkenen de Santo mit den Worten: „Sieh da, de Santo, dm hast Du die S e e l e meines Volkes"; Und ehe de Santo antworten konnte, gab der König ein Zeichen zum Weiterreitem und im Trab, ehe die jugendliche Schar noch recht den König erkannt hatte, ging es hinein in die im goldenen Glanz der Sonne ruhende Ebene, entlang dem Ufer des Henil. An einer Brücke, welche über den Fluß führte, verabschiedeten sich der König und sein Ratgeber von den andern, und nachdem Abraham de Santo den anderen noch einige mahnende Worte zur Vorsicht mit auf den Weg gegeben hatte, ritten beide zur Stadt zurück, während die kleine' Reiterkavalkade ihrem Ziel, dem-Wäldchen Soto di Rona zustrebte.;'r III. Dichter und Frauenliebe. „Meine Braut hat zwei Lippen sein, Die funkeln wie Rubinen, Und Zähne hat's, wie Perlenreih'n Und sonnenhelle Mienen. Und rings um's Haupt die Lockenpracht, Die glitzert wie die dunkle Nacht!" Der Sänger, David ibu Soadia, schmetterte es hinaus, das Lied des gottbegnadeten Sängers Jehuda Halevi, hinaus in die Ebene mit einem vmerme|jltc^eri <3tvic£sge^ii{)i- Neben ihrn ritt sitz. Me Königin seines Herzens, der g<Jh und die kichernd ihr glühendes Gesicht über den Hals des Tieres beugte. ... Es war wie in einem Zaubermärchen! Wie schön war doch heute die Welt! Sie hätte stundenlang so neben ihrem Verlobten forttraben mögen, — wortlos — in dieser goldgleißenden Ebene. Sie schaute beglückt LÜ ihm' hinüber, und dann hinter sich, nach der'Richtung, in der ihr geliebter Vater mit dem König soeben zurückgeritten, nach der Richtung des teuren Vaterhauses. Da grüßte es herüber in prangender Rosenfülle, alles gleißend Licht und Gold und Schönheit: Ihr geliebtes Granada! Ihre Heimat! Traute Heimat! Süße Heimat! In der Nähe des . geliebten Vaters, da wollten sie sich baldigst ihr traut-himmlisches Nestlein bauen. — Armes Kind, Du träumst von Heimat! Jüdisches Kind, Du hast keine Heimat! Sie, die Dir geworden als teures, tausendjähriges Vermächtnis, die Du verzärtelst und verhätschelst hast, die Du geliebt mit Deinem Herzblut, und die Dich wiedergeliebt, — man will sie Dir rauben! Will Dich wieder hinausstoßen in dunkle, finstere Nacht, in trostlos kalte Fremde! Will Dich entwurzelt, verschmachten sehen, wie der Baum ohne Erdgrund, wie die Blume ohne Luft und Licht! Heimatlos! „Bravo, bravissirsio, 'mein lieber David," rief Musa, welcher in ' einiger Distanz von dem Paare ritt, begeistert aus: „Euer Dichter Jehuda Halevi ist wirklich ein hervorragendes Genie gewesen. Glühender könnte man auch heute nicht gut die Farben der Rose von Saron schildern, aber er malt doch noch zu matt; die Wirklichkeit (er warf einen bewundernden Seitenblick nach Cohaida) ist viel, viel köstlicher. Aber ich meine," bemerkte er ironisch, „Du seiest auch ein Dichter, wie Dein Vater, der Großrabbi von Granada, Soadia ibu Donan, und ich möchte Dich untertänigst bitten, uns auch ein paar Proben Deiner Dichtkunst zum besten zu geben." David ibu Soadia verlangsamte das Tempo seines Rittes, bis er dicht neben dem Freunde war. ..Du scherzest, mein lieber Musa! Aber ich bin käitt DWE MMgloitz ich auch MfiM,. kZ zu sein. Cs geht mir wie meinem grüßen Vskfahren Samuel Halevi ibu Nagrela: Ihm mangelte als Dichter jenes heiligstes, dem Innern entströmende Feuer, das den Zoeten auf den ersten Blick kenntlich macht, jene Töne, die sympathisch und mit unwiderstehlicher Gewalt in jeder Brust anklingen und nachtönen, mir fehlt jenes Pathos, das die Herzen im Sturm erobert. Mir deucht, daß meine Gedichte bei aller kunstvollen Behandlung der Sprache doch eine eisige Kälte ausströmen, — gleich dem Schnee des Hermon, gleich den herüberschimmernden Eiszacken der Sierra Nevada. Ach, wenn ich es doch fertig brächte, mir gleich dem edlen Dichter Abu Omar Joseph ben Chasdai nur durch ein einziges Gedicht den Lorbeer des Dichterruhmes um die Stirn zu winden!" . . . .„Nun, nun, mein treuer Freund," beschwichtigte Musa. „Stelle Deine Leuchte nicht gar zu sehr unter den Scheffel. Ich weiß, Du hast schon ganz nette, Reime gebaut. Asso Bester, laß. das Jammern. Inmitten dieser Natur und an der S.ejte des lieblichsten.der Mädchen muß Dir doch unbedingt „heilige Inspiration^ werden." ... Schelmisch drohend erhob David den Zeigefinger und sang aus dem Stegreif das „Lied eines maurischen Sängers". Musa klatschte beifällig in die Hände, und sein Blick umfaßte lächelnd das jetzt zusammen vor ihm herreitende jugendliche Paar. Er trank wohlgefällig das reizende Bild in sich hinein. Wie es in die Landschaft paßte, diese mit Schönheit gesättigte Landscho^ *»«“- in diesem Augenblicke auch gerne mögen. Dichter oder Maler! Wahrha? ibu Donan mußte ihm schon morgen stunden in der edlen Dichtkunst geben .Äaiss. hskklich mein Hofier F gut sonst! Aber . . . pfui: Ems« Mieder! Paßt nicht! Stört die ganz des Bildes! Stimmt auch nicht mit ' : r Wirklichkeit überein! . . . Schöne Al - gut." Musa lachte. ... „Gesegnet seien Deine schönen 8 Cohaida hätte sie jetzt erhoben, diese s -- schwermütig schimmernden'dunklen f; ein Blick unsäglich demütiger Liebe mit dem ihres Verlobten. So warer -< zendem Geplauder in den Schatten chens Soto di rona angelangt. Davit stellten die beiden Schildknappen als i den beiden Hauptein- und Ausgängen chens auf, und die beiden Liebenden e nun im traulichsten Liebesgeplauder i: des Wäldchens. Musa folgt rücksichtsl stehend — in einiger Entfernung. T den ringsumher! Die Vögel singen i Die Grillen zirpen. In der Lichtung wiese grast unbekümmert, sorglos, Rehe! Die Tautropfen am Grase glitzc nenlicht wie silberne Perlen. Die Er r Mannigfache Naturgeräusche durchscl Stille des Waldes, aber alle diese Gerc für den Lauscher nichts Beunruhige tiefer Unterton schwingt mit durch du symphonie. Es ist die Liebesstimme d . . . Schmetterling schwirrt von ( - ' Strauch, von Blume zu Blume und sa dem Kelche köstlichen Blütensaft. Dao zum Ohre der Geliebten und singt: „Der Lippen Kuß, er ist wie Honic Im Blick der Augen trink' ich feur O könnt' ich ewig bei dir sein. (Fortsetzung folgt.) JULIUS SCHMIDT ANNONCEN - ANNAHME zu Originalpreisen ♦ Freäkiüs’t am Main Langestrasse 7 Telefon Hansa 5842 Postscheck-Konto Frankfurtmaln 142 353 Einzige Inseraten-Annahme für Frankfurter Geschäfts-Inserate des »ISRAELIT« Annahme von Inseraten für sämtliche hiesige und auswärtige Tageszeitungen, Wochenu. Fachblätter JULIUS SCHMIDT ANNONCEN - ANNAHME zu Originalpreisen Verantwortlich für den allgemeinen Tell und das Feuilu S. Schachnowitz, Frankfurt «.'SW.; Inserate i.B.: tr.6<vT nowitz, ebenda. —Verlag .Israeltt^. G.m.b.H.. Franksur»^ Druck Hermon Verlags-Aktiengesellschaft, Frankfurt.fc^er M > x > ' *rj;; 0- %;i:L . j i t