Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1926-02-04 · Heft 6 (4.2.1926) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 6 (4.2.1926)
Date
1926-02-04
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2450388-2450394--72881-2530259
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

cfje^X^arf iileraris Geschichtliche Deutung einer Agada. Bon Rabbiner Dr. L. A. Rosenthal in Berlin. Sanhedrin 91b (»-> '“nrr “>"n) l?an&eü üSN Stnem Lehrer, der die Halacha seinem Schüler vorenthält, Israel also um sein Vatererbe betrügt und mit Jemanden verglichen wird, der das Getreide dem Kolke entzieht, der nun von den zarten Kindern, ja selbst von den noch nicht geborenen, verflucht wird. Wer aber die Halacha lehrt, von dem sagt R. Scheschet, daß er den Josef zuteil gewordenen Segen erhalten wird, der in Aegypten das Getreide den Menschen geboten hat und als Herrscher des Landes und als tsbt»' Verbreiter des Getreides, dastand. So wenig rätselhaft dieser Satz sich gibt, so schien er mir doch nicht ohne Beziehungen geschichtlicher Art. Das erste, was mir daran auffiel, war gerade der Umstand, daß R. Scheschet es ist, der hier nicht bloß Josef in A e g y p t e n, sondern wahrscheinlich seinen Genossen R. Joses bar Chija hervorhebt. Diese Vermutung wurde verstärkt gerade durch die Beziehung auf das Getreide, das in dieser Agada schon bei R. Ghana bar Bisna (S. über diesen Halachisten Niddah 14b), dann bei R. Scheschet als Bild der Thora genannt wird. Als nämlich (Ende Horijot und Ende Verachot) in Palästina angefragt wird, ob man bei der Wahl des Schuloberhauptes dem gründlichen R. Josef oder dem scharfsinnigen Rabbah den Vorzug geben soll, entschied^man für R. Josef, denn rr'vn 71»!? p’ix S2H „Alle bedürfen dessen, der den Weizen beschützt. Und auf sich selbst wendet R. Josef den Satz an tu? rm nimnn ttk ebenfalls durch nw 1122 auf Josef sich beziehend. Daß aber solche Bezeichnungen für die Gaben der Gelehrten gang und gäbe waren, sehen wir Bababathra 145 b (12 p2i i'nr)- wo der Agadist, der Pilpulist, der Halachakundige unter dem Bilde der Reichen miteinander verglichen werden, und es dann heißt pnx Vd.t Kim K'vm und das kennzeichnet nach Raschi den allseitigen Kenner des talmudischen Schrifttums und der Erörterungen über alle Teile desselben. So wird die zuerst in der Luft schwebende Vermutung, daß R.Scheschet oben mit dem i'3Vv R. Josef gemeint hat, schon sicherer. Und um so mehr, je genauer wir das Urteil des Talmuds über Rabbah und R. Josef ins Auge fassen. An den beiden Stellen Ende Berachot und Ende.Horijoth wird R. Josef *ro und dagegen Rabbah onn Spur genannt. Der eine entspricht dem feststehenden Sinai, der nicht von der Stelle rückt und hier der feststehenden und unverrückbaren Halacha gleicht, während der Bergeversetzer mit seinem Scharfsinn das scheinbar Rahe voneinander durch seine Unterscheidungen entfernt, der scheinbar Ferne durch seine scharfsinnigen Vergleichungen einander naherückt, ann ipw. wird im Midrasch übrigens von der Bundeslade gesagt, welche den Pfad Israels wegsam machte, indem sie die Höhen beseitigte, den Sinai und den Hör Hahar allein stehen ließ. Älllih ^l?fr toirb bas SStlb nocf) t)tel verständlicher. Die beiden Vegeichncten iro mb »■»in ipw stamen nach den talmudischen Zeugnissen aus früher Zeit, schon R. Simon ben Gamaliel hat mit seinen Zeitgenossen diese. Begriffe erörtert, wie diese Unterschiede ja zu allen Zeiten in der Geisteswelt hervortreten. Besonders entschieden zeigt sich bei R. Josef der der auf alten Ueberlieferungen beruhende. Kbi3 Kin »maxi ,.ti» ruft er aus, wo ihm die Form der Ableitung nicht gründlich, also nicht wissenschaftlich erscheint. (Sabb. 22b u. v. m.) Er weist an so und so vielen Stellen die Mischna oder die Baraitha den Tannaiten zu, denen sie angehören. K»!?ya r\bpw »•’Xirv verwarf er oft. Wie Rab Josef tannaitische Ansichten in ihrer Ursprünglichkeit festhält, zeigt z. B. Crubin 6,7.; für amoräische Satzungen s. z. B. Sabbat 24b. Nehmen wir für seine Gründlichkeit einmal die Nachweise, aus welchen Quellen Rabbi die Mischna gezogen hat, wo er öfter die Ansichten zweier Lehrer vereinte; Ehullin 83b, Ehullin Anfang 1V3N Rasch haschana 7, Megilla 9. Wir könnten viel mehr anführen, wollen aber nur dartun, daß R. Josef im Gegensätze zu anderen in der Tat der unerschütterliche Vertreter der alten Quellen ist, die ihm ihre Erhaltung verdanken und uns die Untersuchungen über das Wesen der Halacha ermöglichen. So ist er wirklich der Verwalter und Verbreiter der Getreidevorräte, die er der Welt nicht vorenthält (er ist nicht der Ha yji»)> so daß die Jugend, die des Weizens bedarf, beruhigt sein kann. Hier, im Gebiete Josefs, ist immer Vorrat vorhanden und niemals Verlegenheit. Denn was bedeutet gerade 12? Es ist das von allem Spreu gereinigte Getreide, das schon benutzt werden kann; hier ist also alles fertig, zum Gebrauch bereit. Es ist dies die npivs' ,12^.1 und bei Erörterungen sind es ebenfalls die gründlich geprüften und erforschten Ansichten, die nicht erst der Bewertung bedürfen. Da isti'2w»n Kin^oi’! Weshalb haben wir aber den Satz mit i»k 31 i»k rrnrp 'i beginnen lasten? Wenn wir ragen: wem hat R. Josef diese gründliche Lehrweise zu verdanken? Da brauchen wir nur auf Rab Juda bar Jecheskel zu blicken. Er ist derjenige, der die Halacha unverfälscht im Sinne der Quellen vorgetragen haben will. Er darf Hinweisen auf apy» flbnp ntsrna* Woher wir das haben? Ehullin 18b findet ich ein Streit ubernai^v bezüglich der Ansichten t Jose ben Jehuda und deren Auffassung durch Raw Samuel und die Späteren. Da äußert sich R. Sera über R. Josef, als wenn er wahllos die Ansichten aller möglichen Leute annähme. Darüber ist R. Josef ergrimmt und spricht es aus, daß er der Schüler Rab Juda bar Jecheskels sei, der die Namen der Halachaträger so festhalte, daß; er sogar die Zweifel, wo sie begründet sind, ge-, nau vortrage, um keine Verirrung eintreten zu lassen. Auf dzt- DäbMjSfsl'UNg tzöruht ja die Entscheidung. Da haben wir in Rab Juda ben Jecheskel den Vater dieser Lehrweise, mit dem darum mit Recht unsere Sanhedrinstelle beginnt. Wir glauben, den Beweis, daß R. Scheschet hier in dem biblischen Josef den Amoräer Josef bar Chija rühmt, soweit wir könnten, geliefert und vielleicht ein Licht auf die betr. Lehrweise geworfen zu haben. Wir hoffen, daß unsere Folgerungen nicht zu weitgehend sind und sich nur in der Nähe unserer Belege bewegen. Vor Kurzem haben wir in unserer Arbeit '2 kak gezeigt, wie gefährlich es ist, aus einer günstig scheinenden Talmudstelle weitgehende geschichtliche Folgerungen zu ziehen, ohne dgs damit zusammenhängende Schrifttum zu beachten. Wir wollten damit die Möglichkeit geschichtlicher Anwendung solcher Stellen nicht leugnen, sondern . nur auf die Vorsicht Hinweisen, die sich am besten im Darlegen aller möglichen Beweismittel zeigt. Line eigenarkige Exegese. Von Rabbiner.Dr. Winkler in Kopenhagen. Zu Genesis 6,3 schreibt Herr Fuld in N. 42, 43, nachdem er die traditionelle Erklärung der Stelle 1»»» vm na«? D’-wyi nrw als „Schonfrist" verwirft: „Es ist unseres Erachtens, — 120 Jahre, so lange soll in Zukunft das normale Höchstalter der Menschen sein", ferner . . . „einschließlich meiner eigenen (Erklärung)". — Daß die Auslegung „Höchstalter" älter ist als selbst Metusalah hat doch Herr Fuld aus dem von ihm selbst zitierten Jbn Csra ersehen müssen! Wieso gibt er sie als eine neuerfundene aus? Meint er damit vielleicht die Satzeskonstruktion, so lasse ich zum Vergleich die von M a l b i m folgen: -nn p-p kV 'n ivrr''! „Der Ewige sprach, es kann Mein Geist nicht ewig (relativ gemeint) mit dem Menschen im Widerstreit sein, da nun auch er (der Geist nämlich) in Fleisch sich umgewandelt hat. Deshalb sollen des Menschen Tage nur auf einen Zeitraum von 120 Jahren begrenzt sein." „Die Furcht vor dem bald herannahenden Tode wird ihn zur Umkehr bestimmen, und dann wird er auch nicht so viel Zeit zum Sündigen haben." Warum unsere Chachomim sowohl, wie unsere großen Kommentatoren von dieser Auslegung nichts wissen wollen? Weil, wie Jbn Esra sagt, .nn* nr p* sie mit den Tatsachen im Widerspruch steht, weil das Wort nw c-'ivvi nrw va* rnv in diesem Sinne verstanden, nie in Erfüllung gegangen ist: Dreizehn Generationen hindurch nach der Sintflut war kein Einziger, der nicht ein viel höheres Alter als 120 Jahre erreicht hätte, und henach war.das gewöhnliche Menschenalter nur 70. Sie fassen daher alle das 'm w vm im Sinne von „Schonfrist" aus, — alle, auch der Midrasch, nicht wie Herr Fuld in ras -ra hineindeuten will Hai nura nr mva kommt nicht allein im Midrasch, sondern auch im Talmud: Ehullin 139,6, vor). Ausdrücklich deutet der Midrasch Bamidbar Cap. 14, Abs. 12 'un va» vm als „Schonfrist", ausdrücklich ebenso Owaus d' Rabbi N 0 s s a n, Abschnitt 32, und Tanchumo Bschalach Nr. 15,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.