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Der Israelit · 1926-02-04 · Heft 6 (4.2.1926) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 6 (4.2.1926)
Date
1926-02-04
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 Nr 6. Der Israelit 4. Februar 1926 geraten durch Intrigen, Verleumdungen und falsche Beschuldigungen. Man benötigte große Summen, um Anschuldige aus dem Gefängnis zu befreien und Lebensgefahren von weiteren jüdischen Menschen abzuwenden. Die Sammlungen flössen langsam. Da faßte Rabbi Schmelke einen raschen Entschluß.: Von den Städten, die sich um ihn bewerben, erhält d i e Stadt den Vorzug, die die größte Summe für den wichtigen Zweck aufbringt. — Da ließ es sich Nikolsburg nicht nehmen, die größten Opfer zu bringen, um sich so den Rabbi Reb Schmelke als geistigen Führer zu sichern. Nun war der Tag da, da der gefeierte Rabbi seinen Einzug in die Stadt halten sollte. Ausgeschickte Reiter kamen zurück mit der Botschaft, der Rabbi sei schon im Dorfe, einige Meilen von der Stadt entfernt und halte dort letzte Rast. Nun begaben sich die Ehrendelegationen und Empfangskomitees und viel Volk in Wagen, zu Roß und auch zu Fuß nach dem Dorfe, um den Rabbi zu Sm Hauss ös§ öinzWki Dorfjuöon war alles aufs herrlichste geschmückt unb gerrchiet, und jeder heeilte sich, dem Rabbi seine Freude zu zeigen. Das Haus war überfüllt, und die anderen, die keinen Platz mehr fanden, drängten sich in großer Menge vor Türe und Fenstern. Schon schickte man sich in gesteigerter Begeisterung an, die Pferde auszuspannen und den Wagen in die Stadt zu ziehen und zu tragen. Der Rabbi bat aber, man möchte ihn für eine Weile noch ganz allein lassen, zog sich in das schönste Zimmer zurück und schloß hinter sich die Türe ab. Man sprach davon, daß er in dieser Einsamkeit Zwiesprache mit den Engeln halte odet sonst heilige Geheimnisse pflege. Neugierige drängten sich ans Fenster, kletterten zur Mauer hinauf, um unbemerkt ins Zimmer spähen zu können. Was sie da gewahrten, setzte sie in ungeheures Staunen. Sie sahen, wie der Rabbi unbeholfen dastand, seufzend und ächzend, demütig und gebückt, als stände er vor einem großen Herrscher. Es war aber ihm keiner im Raume zu sehen. Und da hörten sie, wie er ein Gespräch mit sich selbst führte: „Willkommen Rabbi! Schalem Alechem Nikolsburger Rabbiner! Seid mir freundlich gegrüßt Rabbi Schmelke, Führer der Diaspora." Verständnislos hörten die Neugierigen, wie er weiter sprach: „So entschuldigt großer Rabbi und setzt Euch. Einen wunderbaren kostbaren Stuhl hat man Euch hrngeftsllt. so beefyri uns, großer Ülabbi, und nehmet Platz!" -- Nach einigen Winuten tarn der Rabbi aus dem Hause und man brachte ihn mit großem Pomp im Triumphzuge in die Stadt. Die Straßen widerhallten von Jubel und Freude. Einer von den Neugierigen, die zum Fenster des Dorfhauses hineingeschaut hatten, konnte nicht mehr an sich halten, trat abends nach den Empfangsfeierlichkeiten ins Gemach des neuen Rabbiners und bat ihn unter vielen Entschuldigungen, ihm doch den Sinn des sonderbaren Selbstgespräches, das er, wie er zugab, belauscht hatte, zu verraten. Der Rabbi lächelte und sagte: „Als ich diese ungeheuren Ehrungen, die mir die Stadt entgegenbrachte, über mich ergehen lassen mußte, da zitterte ich um meinen Anteil an der zukünftigen Welt, fürchtete, diese könnten mich hochmütig und überheblich stimmen. Da erinnerte ich mich der Worte der Mischna: „Die Ehre deines Freundes sei dir so lieb wie deine eigene." Und ich erfand wie durch eine Eingebung einen neuen Kommentar zu dieser Mischnastelle. Soll heißen: „Wenn dir Andere Ehre erweisen, so stehe diese Ehrung bei dir nicht höher, als wenn du dir diese selber erwiesen hättest." So schloß ich mich ein und fing an, mir selbst die schönsten Komplimente zu machen. Dabei trat mir die ganze Lächerlichkeit dieser Komödie so sehr ins Bewußtsein, daß ich mich vor Eitelkeit geschützt fühlte. Und wie ich damit fertig war, konnte ich zum Volke hinaus. Die mir erwiesenen Ehrungen prallten nun von mir ab, ich hatte ja ihren Wert erprobt. . . . (Bei den Marannen in Portugal.) Der bekannte Forscher Nahoum Schloufh weilte vor kurzem in Portugal, um das Leben der Nachkommen der Marannen zu studieren. Bereits in den Jahren 1912 und 1913 bereiste Schloufh in Gesellschaft von Zangwill und Jochelmann im Aufträge der Ito, die den Plan einer jüdischen Ansiedlung im portugiesischen Kolonialgebiet hegte, die portugiesischen Städte. Auf seiner jetzigen Reise fand er in den Kreisen der Marannennachkommen herzlichen Empfang. Im Städtchen K a r i a wurde im Hause eines Marannenabkömmlings namens Franziska M o r o n ein Bankett zu Ehren des Gastes abgehalten, an dem alle Marannenfamilien des Ortes beteiligt waren, und die Anwesenden nahmen mit heißen Tränen die Berichte Schloushs über das Leben der Juden in Palästina und in der Diaspora entgegen. In anderen portugiesischen Städten wiederholte sich dieser Vorgang. Ueberall strömten die Marannen zusammen und versicherten mit südländischem Impuls, daß sie sich innerlich zum jüdischen Volke zählen und teilnehmen an seinen Leiden und Hoffnungen Dr. Schloufh beabsichtigt, die SMkMMWkN mvkn für Sik Nkttung Siksks MWM Elemente zu interessieren und unter diesen selbst in Portugal mittels eines portugiesischen Blattes eine starke Agitation zu entfalten, um den noch glimmenden jüdischen Funken zu erhalten und noch weiter anzufachen. In Lisabon wurde Dr. Schloufh von der dortigen kleinen fephardischen Gemeinde ebenfalls mit einem Bankett begrüßt, auf dem seinen Bestrebungen weitgehendste Unterstützung zugesagt wurde. (Die Fahnen des jüdischen Bataillons in der alten Synagoge zu Jerusalem.) Die Fahnen des 40. (jüdischen) Bataillons der Königlichen Füsiliere, sind vor kurzem in Jerusalem eingetroffen. Zahlreiche frühere jüdische Soldaten aus'allen Teilen des Landes hatten sich in Jerusalem eingefunden, um die Fahnen entgegenzunehmen. Eine große Menschenmenge war bei Ankunft des Zuges am Bahnhof versammelt. In einer großen Prozession wurden die Fahnen in die Große Synagoge in der Agltstadt gebracht. Auf dem ganzen Wege wurden sie von den jubelnden jüdischen Massen gegrüßt. Die Ord-, nung wurde nicht gestört. Der Zeremonie der Niederlegung der Fahnen in der Großen Synagoge wohnten der Oberkommissar Feldmarschall Plumer, der englische Bischof in Jerusalem, Dr. Rennie Mac Jnnes, der Kanonikus der St. Georg Kathedrale Dr. Danby, alle höheren Beamten der Militär- und Zivilämter und die Beamten für das Luftwesen bei. Ferner waren alle ausländischen Konsuln anwesend. Die Stadt Jerusalem war durch den Bürgermeister Ragheb Bey Nashashibi repräsentiert. Es wurden Gebete für den König, Lord Plumer und den Eroberer Palästinas, Feldmarschall Lord Allenby gesprochen. Der Oberrabbiner Kook hielt eine Predigt, in der er auf die Bedeutung des Ereignisses der Fahnenhinterlegung für die Geschichte der palästinensischen Judenheit hinwies. Mit Psalmengesängen endete die Feier. Mnderecke. Offenbarung. Blitze zucken, Donner Hallen, Berge wanken, Wolken wallen, Welten beben, Völker zittern, Schofartöne lufterschüttern; — Gott, der Herr sich offenbart! Wie aus offener Himmelspforte, Brechen mächtig die „Zehn Worte", Klingen fort durch alle Zeit, Dauernd für die Ewigkeit. Götter stürzen, Throne wanken, Völker schwanden, Reiche sanken. Nur das Volk an Horebs Höhen, Israel, es blieb bestehen! Höre Juda! Deine Sendung Bringe furchtlos zur Vollendung. Sei Du Leuchte den Religionen, Fackelträger der Nationen! Daß der Thora Licht verbreite Sieghaft sich in alle Weite! I. Wechsler-Kolberg. Es ist ausschließlich Sache der Leser, die im 3tiferafenkeil enthaltenen Empfehlungen ritueller waren oder sonstige Angaben religionsgesehlichen Charakters auf ihre Zuverlässigkeit zu prüsen. ZUCKERKRANKE Aleuronal - Gebäcke -von alten Autoritäten empfohlen MAGENKRANKE Rodenbach’s Grahambrot NKHRMITTELFABRIK FRIEDRICH GÜNTHER Verkauf Het mes weg 8—12 - fSansa 3862 u.795 sowie in den Filialen der Brot* u. Keksfabrik Osthaien G. m. b. 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Man drängt sich durch und sieht im Seidenmeer, welches abends in der Beleuchtung glitzert und schimmert, Gold- und Silberlame Brokate liegen in üppiger Fülle ausgebreitet. Nicht nur die Schönheit der Stoffe ist das Anziehende, die Farben, ihre Zusammenstellung, diese Tönung von zartem Grün, zwischen Elfenbein und Metall, zum Blau und feurigen, temperamentvollen Rot. Das Glitzern des Silbers vermischt sich mit dem Prunken des Goldes. Und darüber breiten frühlingshafte Aeste ihre blumigen Zweige, auch jeweils den Farbton wiederholend, sogar in dem Gefieder der Vögel. Noch etwas ist besonders schön an dieser ärbenprächtigen Schau: die Vielseitigkeit des Materials, nicht daß nur das Kostbarste hinter diesen Scheiben liegt, im Gegenteil, leichte glänzende Seiden in einer Preislage, die jedem den Einkauf ermöglicht, wetteifern zwischen chweren silber- und golddurchwirkten Brokaten von trotzdem großer Preiswürdigkeit. Allerlei Schmuck ist dazwischengebreitet, Armbänder, lange Ohrgheänge, Perlenchnüre, bunte Straußenfedenr, Blumen und Fächer. Das alles leuchtet und lächelt den Beschauer an, wirft seine Lichter in die graue Nüchternheit der Straße, zieht an und erfreut. Berantworttich für den allgemeinen Teil und das Feuilleton S. Schachnowitz, Frankfurt a. M.; Inserate i. SB.: tz-.Sck.ach» nowitz, ebenda. — Verlag ^Israelit" G.m.b.H., Frankfurt u.®t. Druck tzerrnon Verlags-Aktiengesellschaft, Frankfurt a. M.

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