Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 5 (28.1.1926)
- Date
- 1926-01-28
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10 Nr. b rae l l t Fatum! Er ist bequemer als Euer metaphysisches System, das sich auf die Philosophie des Aristoteles stützt, — mit seinem „Pferdefuß" von der „Nichterschaffenheit der Welt!" „O, mein König!" „Laß mich reden, de Santo! Gewiß! Ihr und wir bilden geschichtlich eine Schicksalsgemeinschaft. Der ganze Unterschied in unserer Weltanschauung liegt eben darin, daß wir „empirische" Wege gehen und ihr „metaphysische". Ihr dringt mit Eurem „Gottsuchen" weit hinaus über die Grenzen des „Stofflichen". Ihr bohrt Euch mit aller Inbrunst Eures religiösen Empfindens, Fühlcns und Denkens in die Weite, in den Geist des Universums. Wenige von uns vermögen es, Euch dahin zu folgen! Und in dieser Tatsache, in diesen rein geistigen Bedingtheiten, ist Euch Euer Schicksalsweg begründet, vorgezeichnet. Hier trennt sich unsere Schicksalsgemeinschaft. Unser gemeinschaftlicher Weg ist für lange, für Jahrhunderte, — vielleicht für immer — zu Ende. Die Parze hat den Faden durchschnitten! Euer Schicksal führt Euch auf immer neuen, veränderten Wegen einem großen, noch verschleierten Endziel entgegen. Dieses ferne Endziel, — Eure Zukunft — muh herrlich sein! Euer Los ist beneidenswert: Ihr seid ein gesegnetes Volk, und Du bist ein Gesegneter des Ewigen. Nie habe ich es zu bereuen brauchen, Dich bei mir ausgenommen zu haben, als Du einst vor acht Jahren vor den Häschern der Inquisition hierherflüchtest. Fast möchte ich mit unserem großen Dichter Monfatil ausrufen: „Daß doch die Menschen die Wahrheit vom Irrtum unterscheiden könnten, dann würden sie ihre Lippen nur auf Deine Finger drücken." Anstatt des Ewigen Wohlgefallen darin zu suchen, daß sie den schwarzen Stein zu Mekka küssen, würden sie Deine Hände küssen, denn sie sind es, welche das Glück spenden. Durch Dich habe ich hienieden Erfüllung meiner Wünsche gefunden, und ich hoffe, daß ich durch Dein Verdienst auch droben erhalten werde, was ich wünsche. Wenn ich bei Dir und den Deinigen bin, bekenne ich offen die Religion, die mir vorschreibt, den Sabbat zu heiligen, und wenn ich bei meinem eigenen Volke bin, bekenne ich sie wenigstens heimlich. — Und dennoch, . . . wir find wieder anders geartet wie Ihr. Wir wurzeln im Stofflichen, — wir brauchen keine Beweise und keine Syllogismen, — wir tragen die Beweiskraft der Glaubenssätze unseres großen Prophetes auf der Spitze des Schwertes! Ihr dagegen seid Forscher, seid Grübler, — Ihr seid — mit einem Worte, — die Männer des Vuchss!" r Tiefllufannenv Oatte Muley Hazen feine Rede geendet; sie hatte ihn sichtlich erregt und angestrengt. Erschöpft ließ er sich auf eines der niedrigen Polster nieder und sah de Santo erwartungsvoll an. (Fortsetzung folgt.) Nachbars feiern Timbuklu!... (Aus dem Westen einer Gioßstadt). Ich war selbstverständlich zu dieser exotischen Festlichkeit nicht eingeladen, habe sie aber mitgemacht. Im Bette, das gerade über Nachbars Tanzsaal steht, wo ich mich an den niedlichen, fließenoen und pfeifenden Akkorden des Iaizbanves schlaflos drehte und wiegte bis zur Morgenfrühe. Timbuktu soll eine Stadt sein irgendwo weit draußen in der Sadara - ich verwünschte sie in dieser Nacht noch viel weiter — oder der Name eines exotischen Königs, der dort mit viel Tanz und Tand und Traram geherrscht oder noch herrscht. Heute beherrscht Timbuktu Europa, ist unbeschränkter König der Tanzsäle und Familtenbälle. Sein höriges Volk besteht aus Apachenrotten, Lumpenbanden und ähnlichen Menschen, die entsprechende Uniform für die Feier des Tages anlegen .... Man bann Timbuktu in einem öffentlichen Saal, im Zoo oder im Palmengarten, unter vielem zah lendem Volke feiern. Wer aber etwas auf sich hält, gibt mindestens ein oder zweimal im Winter auch in seinem Hause ein Fest zu Ehren des Timbuktu. Und Nachbars halten etwas aus sich . . . Eine besondere Liebe hat Timbuktu für den Sabbat. Alle Timbuktuseste, die öffentlichen wie die geschlossenen, we den am Sabbatabend gefeiert. So kam es denn, daß schon Sabbat in aller Frühe allerlei Handwerker, Anstreicher, Dekorateure. Regisseure. Friseure usw. ins Haus kamen, klopften, hobelten und hämmerte ■ i, färbten und dekorierten, Wände und A - ■ * zur Tagesneige. Indes ma ben. wo von lange her am Saboatausgur an gebetet wird. Ldowid Boruch" sang j mit Pauken und Trompeten und inl,.,chen Klängen Timbuktu ein. Wie wir oben am Becher vom Unterschied zwischen ..Heilig" und Profan", zwischen „Jisroel" und den „Völkern" sprachen, fing er unten zu tanzen an. Und als ich morgens gegen sieben die Treppe hinunter zum Morgengottesd enste ging, zog unten Timbuktu aus, wenig königlich, unsicher im Gange, torkelnd wie auf Glatteis, mit zerknitterten Gewändern, müde im Gesichte und mit schrillen, häßlichen Tönen. Im Mülleimer vor der Türe lagen viele Sekt? flaschen mit gebrochenen Hälsen.-— An Nachbars Türe von außen hängt, ungefähr da, wo bei Anderen die Mususah angebracht ist, ein blankes Schilochen mit den Worten: .Betteln und Hausieren verboten! Mitglied des . . . ." Und zur besseren Sicherheit ist auch innen ein guter Hund oa, der Bescheid weiß. In dieser Nacht mußte man den Hund fest an der Kette halten. Sein grimmiges Knurren und Kläffen fügte sich harmonisch in die Pauken und Pseiren des Jazz. Er ist nämlich auf schlechtsitzende Hosenbeine, die sich zur Türe hineinwagen, bestens abgerichtet, und das Tier versteht sich wenig auf Spatz und Spiel. .Er hätte in seinem beschränkten Hundeverstand die Apachen und Lumpen für echt genommen und am Ende gar geglaubt, sie spielten draußen in Gehrock und Smoking Verstellung . . . In meinem Briefkasten staute sich die Post. Zirkulare, Bittbriese. Warenhäuser werden geschlossen aus Mangel am Nötigsten. Krankenhäuser stellen den Betrieb ein, Menschen verkümmern ohne Arbeit und Verdienst, Mütter und Kinder darben, kein Brot und kein Obdach. Nachbars Briefkasten ist ebenso voll gespickt mit Schriftstücken gleichen Inhalts. Er holt sie ärgerlich heraus, wirft sie mit einem wütenden „Elende Bettelei!" in den Mülleimer, zu den vielen leeren Sektflaschen mit den gebrochenen Hälsen .... Jammer und Elend wandeln, noch in der schlechten Maske der Wohlhabenheit, durch die Gaffen Hinter Mauern in kalten Stuben weint leise der Hunger. Lumpen- und Apachenbanden sausen im Auto durch die Straßen. Festsääle erstrahlen in indischem Zauberlichte .... Und Nachbars feiern Timbuktu! .... Ktnberecfe. lOflBfl stricht dkm *gRK!T!f (Zum 15. Schewat.) In den meisten Kolonien Palästinas ist es seit Jahren üblich, am 15. Schewat mit der Pflanzung der jungen Bäume zu beginnen. In der Nacht zum 15. Schewat pflegen sich dort die Frommen in den Synagogen zu versammeln und die Nacht bei Erez Jisroel-Früchten, beim Absingen von Psalmen und Lesen von Talmudstellen, die von Bäumen und Früchten und von Israel, das dem Baume gleicht, handeln, bis zur Morgenfrühe zu verweilen. Das erste Gebot, das das erste Menschenpaar erhielt, bezieht sich auf den Baum, den Baum der Erkenntnis im Paradiese. Der Baum ist heilig und es steht ihm der Schutz fast wie dem Menschen zu. „Wenn Du eine Stadt belagerst usw., verdirb nicht ihre Bäume." Abraham übt Gastlichkeit unter dem Eschel-Baume. Der Anblick eines blühenden Baumes begeistert un§ im Frühlinge zum Gotteslobe in der Form eines schönen S e g e n s s pr u ch e s. Die Wesensverschiedenheit der einzelnen Bäume und Pflanzen galten oft als Bild für die Buntheit der Menschengesellschaft. Als nach dem Tode Gideons das Volk den unwürdigsten der Söhne zum Richter wählte, erzählte der kleine I o t h a m vom Berge Gerisim herab die Geschichte von den Bäumen, die ausgingen, um sich einen König zu wählen. Oliven- und Feigenbaum wie der Weinstock lehnten stolz ab. Nur der Dornenstrauch nahm die Krone an. Allein, ein Feuer 28. Januar 1926 ging von den Dornen aus und verzehrte die Baume des Libanon. ... Israels Führer werden die „Zedern des Libanon" genannt. Aber nicht immer ist die Zeder das richtige Bild. Bileam, der; heidnische Prophet, verglich „segnend" das jüdische Volk ryit den „Zedern am Wasser". A ch i j a, ein jüdischer Prophet, nannte das Volk „verdammend"; ein „Weidenrohr am Bache". Bileams Segen enthielt aber einen versteckten Fluch, wie Achifas Fluch in Wahrheit Segen bedeutet. Kommt der Sturm und die Entladung der Elemente, so schlägt der Blitz in die mächtige Zeder ein und knickt sie erbarmungslos. Die Weide aber, klein und bescheiden, sie bewegt sich mit den Winden und überlebt die Stürme und Gewitterschläge, daß sie, wenn sich der Himmel wieder aufklärt, wieder aufrecht und geschmeidig dasteht. Die mächtigen Zedern im Völkerwalde konnten den Gewitterschlägen der Geschichte nicht standhalten. So hätte innerlich auch Bileam das jüdische Volk sich gewünscht. Es war aber eine B a ch w e i d e , die sich mit allen Winden und Stürmen im Völkerleben bewegte und heute noch steht! Israel wird in den Psalmen mit Zeder und Palme verglichen. Gleich der Zeder schlägt es tiefe Wurzeln, aber wie die Palme trägt es köstliche Früchte. Auch mit dem Apfelbaume, der an a l l e n W a s s e r n gedeiht. An allen Gestaden konnte Israel in seiner Göluswanderung sein Haus aufrichten, und es stand fest. Zuletzt wird Israel gar mit der Nuß verglichen, ein Spiel in der Hand Unmündiger und hat unter oft unscheinbarer, vom Hin- und Herwerfen unschön gewordener Schale einen saftigen Kern. „In den Nußgarten stieg ich hinab," heißt es im Hohenlieds und wird von den Weisen auf Gott bezogen, der sich erlösend zu Israel herabließ. Nimmt man aber aus einem Haufen von Nüssen nur eine oder einige weg, so kommt der ganze Haufen in rollende Bewegung. Alle Glieder Israels bürgen für einander. Wir sind Zweige an einem Stamm! Es ist ausschließlich Sache der Leser, die im Inseraten, teil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben religionsgesehlichen Charakters auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. Casherde vorzüglich im Braten und Backen Niedrige Preise - Teilzahlung Riesige Auswahl E LMfTAlfft WßM'HORSrKÖITER.KNOBW AM ESCHENHEIMER TOR. 3, } Hansa Gross Wäscherei < ) vorm. Gebr. 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