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Der Israelit · 1926-01-14 · Heft 3 (14.1.1926) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 3 (14.1.1926)
Date
1926-01-14
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite0 Nr. 3 Der Israelit 14. Janua 19.6 Als wir zum Bahnhof zurückkehrten, stand schon ein Zug der Berninabahn bereit, der uns in 3 Stunden nach S t. M o r i tz bringen sollte. Die Berninabahn, die für den Güteraustausch zwischen dem nördlichen Italien und der Schweiz von größter Wichtigkeit ist, gehört zu den sehenswürdigsten Hochbahnen der Wel.. Der Reisende staunt über die menschliche Kllllsst es tül/n gewagt hat, in eine Landschaft, die mit den höchsten Neigen der Natur in einem Mätzä gesegnet ist, daß man annehmen sollte, daß des Menschen Auge durch nichts davon abgezogen werden könne, ein Riesenwerk zu bauen, das durch die Eigenart der Anlagen, durch die hehre Schönheit seiner Einzelteile, durch die prächtigen Ausblicke von den einzelnen Punkten und die leichte Ueberwindung scheinbar' unbesiegbarer Hindernisse unsere eifrigste Bewunderung erregt. Um aus verhältnismäßig kurzer Strecke eine Steigung von etwa 1400 Meter zu überwinden, muh die Bahn in gewaltigen Bogen und zahlreichen Schleifen emporklimmen. Die Zahl der Viadukte und ihre Ausdehnung geht ins Fabelhafte. Zuweilen kreuzt die Bahn ihre eigene Linie, indem sie auf hohem Viadukt über sie wieder hinwegfährt. Zunächst fahren wir durch das fruchtbare Tal des Veltlin und überschreiten bald bei Campocologno die Schweizer Grenze, an der die Trümmer der alten Sperrfeste in die graue Vergangenheit weisen, während die großartigen elektrischen Kraftwerke der Gesellschaft Lombardia an die Errungenschaften der erfinderischen Neuzeit gemahnen. Die Bahn setzt über den tosenden Poschiavino, führt an vielen schäumenden Wasserfällen vorbei und läuft dann dem Ufer des tiefblauen Puschlaver Sees entlang, der dem Tal im Sommer einen wahren Liebreiz verleiht. Jetzt aber im Dezember stimmt er mit den Bergriesen feiner Umgebung, die bis zum Fuß hinab in ein fleckenloses Weiß gekleidet find, zu tiefem Ernst. Als wir bei Pofchiavo, deutsch Puschlav, dem Zuge entsteigen, erlebten wir ein Wunder: Im Sommer waren wir von Tirana abgereist, im tiefen Winter hier angekommen. „Meschane hoittim, Er wandelt die Zeiten!" Dieser Ausruf drängte sich unwillkürlich auf unsere Lippen, als wir die hochromantische, tief verschneite Berglandschaft dicht vor uns sahen. Ein gewisses Grauen konnten wir kaum unterdrücken, als wir daran dachten, daß wir uns vermessen wollten, in diese Wildnis vorzudringen, dem Drohen der Lawinen trotzend, die wir im funkelnden Glanze der Sonne stäuben sahen und deren Donner Kanonenschläge vortäuschten. Doch einstweilen war uns ein längerer Aufenthalt in Pofchiavo gegönnt, den wir zu einer Besichtigung des schmucken Städtchens benutzen. Die stark mit Italienern gemischte Bevölkerung hat zum Teil einen an den jüdischen erinnernden Typus, und in dem Cafe, in dem die meisten Besucher bedeckten Hauptes den schwarzen Trunk aus Gläsern schlürften, wollten wir gar zu gern Glaubensgenossen entdecken. In Wirklichkeit war diese Gegend aber noch nie von Juden bewohnt. Im Archiv sind noch niete Urkunden aus Der Zeit Der MMMM? wahrt, die auch hier manche Opfer gefordert haben. Am Bahnhof angelangt, bestaunten wir noch die riesigen Schneepflüge, die die Strecke freihalten. Mächtige Propeller, gleich der Bahn selbst von elektrischer Kraft bewegt, schneiden die Schneemassen und werfen sie zur Seite. Dem Schutze vor Lawinengefahr dienen längs der Bahnstrecke an' den Berglehnen zahlreiche neuartige Bauten, die das Auslösen der Lawinen verhindern sollen. Wir gelangten jetzt in die eigentliche Uebergangszone zwischen Italien und der Schweiz, in eine unbeschreiblich reizvolle Alpenlandschaft. Der Zug bietet auf seinem Wege über die zahlreichen Viadukte und Kehren immer wieder die malerischsten Ausblicke auf die soeben verlassene italienische Talebene und den herrlichen See. Er trägt uns über die wildromantische Kluft des Val Pila durch mehrere Tunnels hinan zu der Haltestelle Alp Grüm, wo wir den großartigen Anblick des gewaltigen Piz Palü genießen, dessen Gletscher uns fast greifbar nahe zu sein scheint. Der Gegensatz zwischen dieser in Schnee und Eis gehüllten Alpenlandschaft und dem sonnigen Tal dort unten ist zu jeder Jahreszeit ungemein reizvoll. Uns aber legten sich bereits die Schatten des Abends auf die tieferen Einschnitte. Wir erkannten wohl noch die einsamen Lawinenhäuser mit ihren schießschartenähnlichen Fenstern und hörten das Tosen und Karschen des Berninabl^ches, aber das Verninagebirge und der Morteratschgletscher lagen schon im Dunkel. Donnernd durchfuhr der Zug den 700 Meter langen Charnadüra-Tunnel, setzte über den Inn und fuhr im Bahnhof St. Moritz ein. Winter wo du hinblickst, Winter überall, eisige Kälte, härtester Frost. Und eine Viertelstunde später?- Inmitten eines Meeres von Licht und Wärme und Festesfreude, umgeben von Hunderten von Chanukakerzen im Hotel Edelweiß. Meschane hoittim. Wie ich meine Ahnen suchen ging. Die Familie Katzenellenbogen — Saul Wahl.*) Von Max Wollsteinec in Lharlottenburg. Wie in vielen jüdischen Familien ist auch in meiner die Erinnerung an den polnischen Eintagskönig Saul Wahl wach geblieben. Die Großmutter in dem kleinen Posenschen Städtchen erzählte uns Kindern oft von ihrer vornehmen Abstammung, auf welche sie ungemein stolz mar. Schon damals war mein Sinn für das Historische *) Aus den trefflich geleiteten Heften der „Gesellschaft für jüdische Familienforschung Nr. 4. Mitglied-Anmeldunaen an das Sekretariat Berlin, Neue Königstr. 70. recht rege und ich nahm mir vor, die Legende von Säul Wahl später wissenschaftlich aufzuklären. Als ich dann nach Berlin kam, habe ich in der Tat umfangreiche Studien über meine Ahnen, unter denen sich wirklich der legendäre Eintagskönig von Polen, Saul Wahl befindet, gemacht, und konnte zum 70. Geburtstag eines Onkels meiner Familie eine vollständige lückenlose Genealogi". dis im Druck vorlag. bieten. Die Genealogi beginnt mit MöikböttZtzÄakKatzöNöllenvogen,Derlm 3a£r<? 1482 geboren unb 1565 gsstorbsn ist. Er wurde in Katzenelnbogen im Lahnkreis geboren. Wer feine Eltern gewesen lind, war nicht festzustellen. Meine Studien in Katzenelnbogen selbst haben zu keinem Resultat geführt. <5eit dem 30jährigen Kriege gibt es überhaupt in dieser kleinen Landgemeinde keine Juden mehr. Er wanderte aus seinem Geburtsstädtchen aus, kam nach Polen und von dort nach Padua (Italien), wo er zum Rabbiner berufen wurde. Er war einer der gelehrtesten und einflußrcichsten Juden seiner Zeit. Der Geschichtsschreiber Grätz nennt ihn in seiner Geschichte der Juden „den allgemein geachteten, gewissenhaften, angesehenen Rabbiner von Padua", dessen Rat in wissenschaftlichen und religiösen Dingen, die ganze Judenfchast Europas einholte. Er hat eine große Anzahl Schriften hinterlassen; u. a. brachte er im Jahre 1555 die Werke des Maimonides. von ihm korrigiert und mit Kommentar versehen, in Venedig in Druck. Auch der deutsche Kaiser Ferdinand II. unterhielt mit ihm Beziehungen; auf dessen Veranlassung hat er für die jüdische Gemeinde Prag eine Wahlordnung ausgearbeitet. Im Jahre 1897 habe ich Padua besucht mit der Absicht, seine Grabstätte ausfindig zu machen. Nach großen Bemühungen ist es mir schließlich gelungen. Cs gibt in Padua nicht weniger als lieben jüdische Friedhöfe. Auf dem vierten nach der Reihe der Benutzung habe ich die Grabstätte und den Grabstein vollkommen unversehrt aufgefunden. Ein Stückchen von der Rückseite des Steines habe ich mitgebracht. Auch die Inschrift ist gut leserlich. Sein Sohn war Samuel Jehuda Katzencllenbogen. geboren 1521, gestorben 1597. Dieser folgte seinem Vater im Rabbinat von Padua und Venedig. Auch c»- hat eine ganze Reihe von philosophischen Schriften hinterlassen. Besondere Freundschaft verband ihn mit dem bekannten venezianischen Arzt und Gelehrten Leon da Modena der ihn in seinen Werken rühmlichst erwähnt. Auch dessen Grabmal an der Seite seines Vaters ist recht aut erhalten. Rabbi Samuel Jehuda hatte einen Sohn. Sä u l, dieser ist der sagenhafte König von Polen gewesen. Er kam von Padua auf die Talmudschule nach Brest-Litowsk in Litauen, wo er bald große Bedeutung erlangte. Er soll also eine Nacht König von Polen gewesen sein, und zwar am 15. August 1587, Interregnum Stephan Barkhorn — Sigismund III. von Polen. Die Veranlassung zu diesem Königtum wird verschiedentlich berichtet. Zunächst soll hier das'historisch Feststehende über Saul Wahl mitgeteilt werden. Der Petersburger Uninersitätsprofessor Berdschadzki. der vor einigen Jahren geftor&ert ift. tjsit au| <3rurrb tsrts frrutfter Nkten. v«ch«ewkesen, daß Saus urtfizoetfelbaft i>er bedeutendster Jude Litauens und Polens gewesen ist. -Hm Jahre 1589 ist er wegen feiner großen Verdienste um den Staat durch ein besonderes Edikt zum königlichen Diener ernannt worden, ein Titel, der ihn der Gerichtsbarkeit des Landes enthob und zum Tragen einer goldenen Kette berechtigte. Bei dieser Gelegenheit wurde ihm auch ein Wappen verliehen, das einen Löwen, der sich selbst krönt, und einen Adler darstellt. Sigismund III. gab ihm ferner als Zeichen seines besonderen Wohlwollens den Zoll und das Salzmonopol in Pacht. Die Akten und Urkunden hierüber werden noch jetzt im Archiv des Justizministeriums in Warschau und im Wilnaer Zentralarchrv aufbewahrt. Berschadzki behauptet, daß das Eintaaskönigtum Sauls in das Reich der Legende zu verweisen sei. Demaegüber gibt e* eine große Anzahl sehr gründlicher Schriften, die das Gegenteil behaupten. Die Veranlassung zu der Wahl Sauls wird nach der verbreitesten Version folgendermaßen geschildert: Als Saul Wahl auf der Talmudschule in Brest studierte, konnte er längere Zeit seinem Vater keine Nachricht zukommen lassen. Eines Tages kam nach Padua ein Fürst Radziwill. dem auf der Reise seine Geldvorräte ausaeaangen waren. Er kam daher mit seinem Anliegen um Reisegeld zum Rabbiner Samuel Katzenellenbogen. Nach einer zweiten Lesart ist Radziwill mit dem Rabbiner von Padua auf folgende Weife bekannt geworden: Radziwill war in Polen wegen seines ungezügelten Lebens bekannt und hat, bewogen von der polnischem Geistlichkeit, eine Reise zum Papst nach Rom gemacht, um dort Vergebung von seinen Sünden zu erlangen. Der Papst hatte ihm seine Sünden vergeben mit der Bedingung, daß er die Reise non Rom nach Brest zu Fuß machen müsse. So kam er in erschöpftem Zustande nach Vadua und ließ sich auf einer Bank, die sich vor dem Hause des Rabbiners befand, nieder. Der Wind streifte seinen abgetragenen härenen Mantel. Rabbi Samuel Katzenellenbogen sah in diesem Augenblick aus dem Fenster seiner Wohnung, gewahrte, daß der müde Wanderer unter dem schlechten Mantel einen kostbaren Wams trug. Er vermutete in ihm einen vornehmen Mann und ließ ihn durch seinen Diener zu sich heraufbitten. Fürst Radziwill entsprach dieser Bitte und erzählte dem Rabbiner fein Schicksal. Rabbi Samuel versah den Fürsten mit Reisegeld und neuer Kleidung und hatte nur die eine Bitte an Radziwill, daß dieser sich, wenn er nach Hause käme, seines Sohnes Saul annnähme. Fürst Radziwill hielt sein Wort. Cr fand bald den jungen Saul in Brest und ernannte ihn zu seinem Hofjuden. Saul stieg im Ansehen feiner Glaubensgenossen immer höher und höher. Sein Reichtum mehrte sich zusehends, und so wurde er der einflußreichste Jude von ganz Polen und Litauen. Am i 15. August starb der damalige König von Polen, Stephan Bartbory. Die polnischen Edelleute — auch Fürst Radziwill in Begleitung von Saul — kamen nach Warschau, um einen neuen König zu wählen. Da sie sich in der ersten Sitzung aus eine bestimmte Person nicht zu einigen vermochten, andererseits aber das Land über Nacht nicht ohne König bleiben durfte, so schlug Fürst Radziwill vor, Saul Wahl als den ungefährlichsten, über Nacht zu wählen. Der Vorschlag rouröe angenommen, unb fo mürbe Saul für rinr Nacht König VON Polen. benutzte tzle thrn verliehene Würde, um noch in derselben Nacht ein Gesetz zu dekretieren, wonach ein an einem Juden begangener Mord ebenso zu bestrafen sei, wie der Mord eines Edelmannes. Am nächsten Tage wurde dann von den polnischen Edelleuten Sigismund III. aus dem Hause Wasa zum König von Polen erwählt. (Schluß folgt.) Ainderecke Aus einem Frankfurter Kinderzimmer. Papa erzählt die Geschichte von Noah. Erich soll die Namen der Söhne wiederholen, er sagt: „also die Buben von Noah haben geheißen Ham, Senf, und Fett!." — Unser Bübchen macht Seifenblasen; auf einmal ein Geschrei: „Mama, rasch die n-->> ich habe einen Regenbogen gemacht." Bertha sagt: „wenn doch die Großmama beim lieben Gott ist, da oben, hilft sie da dem lieben Gott den Himmel aufräumen?" Bertha war Chanuka zum Entzünden in der Synagoge. Begeistert kommt sie heim: „Es war sehr schön, aber ich muß rasch was trinken, so einen Durst habe ich von dem vielen Omensagen." Die Kinder liegen zu Bett, es ist Freitag und folgendes Gespräch geht vor im Kinderzimmer: Erich: „Glaubst Du, daß die Mama für uns auch den Tisch deckt für heute abend." Bertha: „Für heute abend glaube ich nicht, wir haben doch noch Fieber." Erich: „Aber der liebe Gott könnte uns doch noch vor Schabbos gesund machen." Bertha: „Ach, vor v..-?'. das geht doch nicht mehr, so ein kurzer Freitag, da hat der liebe Gott keine Zeit mehr aor Schabbos." mW! M ^jO/iO/te von fOtoftef. „Alsa, Mirjam tarn gu Ml. Pharao und fragte: „Sou ioj tynen eine Frau Haien, die dem Bübchen zu trinken gibt; da har das Frl. Pharao ja gesagt und was meint Ihr, wen hat die Mirjam denn geholt?" Alle drei Kinder sind still — aber nur einige Momente, bis Erich, der Viereinhalbjährige, laut und deutlich ruft: „ich weih es-die Frau Milchrothschild." — , T. H. Es ist ausschließlich Sache der Leser, die im Inseratenteil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben religionsgesehlichen Charakters auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. Gasherde vorzüglich im Braten und Backen - Teilzahlung Niedrige Preise Riesige Auswahl LHAGE*$ \wt l.'CnsrKtJTTER.KNODToC» m ESCHENHEIMER TOR 3, Hansa Gross Wäscherei vorm. Gebr. Vogel Spessart 1382 u. 1383 Boyenstralie 8-14 Jjausfiallungs-IDosefic nach Gewicht naß, getrocknet und gemangelt Damen- und Herren-Bügeiwäsche Abholung kostenlos

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