Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 3 (14.1.1926)
- Date
- 1926-01-14
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Nr. 3 De r I s r a e l i t 14. Janua. 1926: christliche Plönierarbeit bei den Jüden-verrichte. Die Rede Wises, schreibt das Blatt, streue Saaten aus, die erst später reiche Früchte bringen werden. Ein anderer Geistlichem schreibt, er sei mit Wise sehr befreundet und dieser habe vor zwei Jahren in einer Pfarrerkonferenz erklärt, er sei halber Christ. Bublik sagt: „Wise muß gehen, auch auf die Gefahr hin, daß der Zidnismus materiell darunter leide. Wir verschachern unseren Glauben nicht für Geld Vor vier Jahren hat man Dr. Wise aus der Leitung ausgestoßen, weil er Weizmann oerleugnete, nun, da er den jüdischen G o t t v e r l e u g n e t, soll er in der Leitung bleiben?!" (Stürmischer Beifall.) Herr Fishmann stellt einige Fragen yn Bublik und bittet, Dr. Wise nicht schlechthin als Missionär zu stempeln. Rabbi Gusik sagt,'der Kampf müsse, auf der ganzen Linie gegen die Reform überhaupt geführt werden. . , . Als letzter ergreift Rabbi Lö Lenthal das Wort, und zwar, wie er sagte, nicht als Rabbiner, sondern als zionistischer Veteran. Auch die Nichtreligiösen, und insbe sondere die Zionisten dürfen nicht übersehen, daß Dr. SiSiJe mit' einer gujeitaujenöjii^rigen ju&i|c^en Tradition pDtoü()Eii M. Der sreNMM MlllNll muß ihm nahe» gelegt werden, nachdem er mit solchen Ansichten das Vertrauen der Massen nicht mehr rechtfertigen kann. Es wurde darauf die an anderer Stelle wiedergegebene Resolution mit allen gegen einige Stimmen angenommen. Personalien. Distrittsrabbiner Dr. Meyer Regensburg, 6. Jan. Distriksrabbiner Dr. S. Meyer, Regensburg, ist dieser Tage in Regensburg nach kurzem Leiden verschieden. Er war als Schüler des Berliner Räbbinerseminars und Dr. Esriel Hildesheimers, ein Vertreter jüdischer Gesinnung, ein Lehrer der Thora und ein Vorkämpfer. des Thorajudentums in Bayern wie in der Welt. Er war Mitbegründer und erster Redakteur der in Berlin erschienenen, später von Dr. Hildes heimer herausgegebenen Wochenschrift „D i e jüdische Presse". Später wurde er Bezirksrabbiner in Regensburg und verblieb'auf diesem Posten, geliebt und hochgeachtet von der ganzen Bevölkerung, bis vor wenigen Wochen, da er sich zur Ruhe setzte. 42 Jahre lang hat er in Regensburg die „Deutsch-Israelitische Zeitung" und „Laubhütte" herausgegeben. Fast sämtliche Aufsätze dieser Zeitung waren von ihm selbst verfaßt. Er war also nicht allein der Senior des bayrischen Rabbinats, sondern auch ein Veteran des jüdischen Journalismus. Sein Wirken n:*i rrnnV bleibt unvergessen. Wir kommen auf seinen Lebensgang zurück, maiun. Isaak Rhein Zürich, 10. Januar. Wie erschütternd, den Tod dieses Mannes, der unserer Besten einer war, melden zu müssen. Ein Fünfziger erst und schon ging er von uns, von seiner Familie, seiner Gemeinde, seiner a-iov. die er so geliebt, seinem Studium, seinen o-a-o o'vyvi mx», denen seine ganze Kraft gehörte. Wie verstand es Isaak Rhein nnam mm zu verbinden und ein arbeits- und segenvolles Kaufmannsleben mit idealen Gütern zu bereichern und zu adeln. Im Besitze eines immensen weltlichen Wissens gehörte zuletzt all seine der Tagesarbeit abgerungene Zeit dem Thorastudium. Wie tief sein Verständnis für alle Fragen der Zeit und viele Wissensgebiete war, so feinfühlig war er in allen Dingen von -v^n p-tx und im Umgang mit den Menschen. Geist und Gemüt, Liebe und Tatkraft fanden sich hier geeint in einem Menschen, der schlicht und bescheiden in seinem Kreise lebte und sein Bestes den Anderen gab. In erster Reihe seiner Gemeinde, der Israelitischen Religionsgesellschaft, deren Verwaltung er lange Jahre angehörte. Ueber ein Jahrzehnt war er Präsident der Schulpflege. Seine letzte große Freude in und an der Gemeinde war die Erweiterung der neuen Synagoge, aus welchem Anlaß er mit großer Sachkenntnis eine „Geschichte der Israelitischen Religionsgesellschaft" absaßte, die viel Beachtung fand und mit Interesse und Dankbarkeit ausgenommen wurde. Ein vorbildlicher Mensch in jedem Sinne ging mit Isaak Rhein von uns, vorbildlich mit seiner tiefen Frömmigkeit und warmen Menschlichkeit, vorbildlich mit seinem unablässigen Streben nach Vervollkommnung. Sein Andenken wird vielen den Weg weisen. 1112 1121 vpi Ehrung Iacob Lebermanns. Darm st a dt, 12. Januar. - Eine imposante Versammlung traf sich am verflossenen Sonntag in den Räumen des Mozartsaales. Man wollte dem alloerdienten Herrn Jacob Leber mann, der nach 37jähriger Tätigkeit aus Gesundheitsrücksichten sein Amt niederlegen muß, Dank aussprechen. Seine ehemaligen Schüler haben es sich nicht nehmen lasten, den weit über Darmstadts Grenzen bekannte Mann zu ehren. Geleitet von einigen Schülern betrat Jacob Lebermann, gefolgt von seinen Angehörigen/ den festlich erleuchteten Saas. Die herrliche Musik des Boruch Haboh leitete die Feier I ein; nächdM die HaMomümklänge verstummt, übereichte eine vdr WüMMMittest' BWychiKüM^Zn pckMchen Worten, Mstkte M dem scheidenden. Lehrest versprechend, weiterhin in seinen Lehren zu wandeln. 'Södann folgte die Festredevom Herrn Dr. Sally H e h m a wn-Franksürt, eines 'der ersten Schüler unseres verehrten Hekrn Lsbermann, durchglüht > von der Liebe zum Judentum, von dem Dank, der Hem Rastlosem gebührte: LanganhaUender Beifall bezeugte dem' Jubilat, daßder Redner ganz aus dem Herzen der dankbaren Schüler gesprochen hätte. Als äußeres Zeichen dieses Dankes überreichte derselbe einen Schreibtisch und eisten Rsthefessel. Die Verwaltung ließ durch ryren erstest Vdrfitzenöen eine Megilla überreichen:. Ein Schüler übergab'als äußeres- Zeichen des Dankes der Schule ein jüdisches Werk, es sprach' aüchr hier das kindliche Gemüt dem scheidenden Lehrer das Gelöbnis zur weiteren Arbeit für die jüdische Gesamtheit aus. Herr Rabbiner Dr. Merzbach verstand es V fesselnder Form Herrn Lebermann Dank auszusprechen. Fühle er sich auch in Anbetracht seiner kürzen Tätigkeit jn unserem Kreise nicht befugt, best Dank für die Leistungen des Scheidenden auszusprechen, da hierfür beredtere Schülerustd vor allem die Heimgegangenen Herren Prof. Dr. L. Marx und Dr. Moses Marx V~s7, gerufen gewesen wären, so habe er gerne diese Ehrenflicht übernommen, im Geiste der Heimgegangenen oiiten »u bürfen. - 11 ' iyerr- «SiegJV. SOI a rj nvtfj m Form der Jugendstreiche, die man dem jungen. Lehrer in übersprudelnder Kraft geliefert habe, in der ihm eigenen sarkastischen Form und überreichte dem Jubilar eine Ehrengabe. Un.rohmt war die Feier von musikalischen Darbietungen. Herrn Lebermanns Dank an alle war getrogen von der bescheidenen Einfachheit, die diesem Manne eigen rst, und sein eindringlicher Appell an die jetzige Schuljugend, für ihr Judentum, für ihre Thauro sich jederzeit einzüsetzen, ist sicherlich in diesen kindlichen Herzen haften geblieben. Und wenn wir nur dies eine erreicht haben, unseren Kindern zu zeigen, wie man sein Judentum in seinem Lehrer ehrt, dann dürfen wir unser Werk als ein gelungenes betrachten. Möge es Herrn Lebermann vergönnt fein, noch lange Jahre in unserer Mitte zu bleiben, denn wir sind gewiß, daß, wenn auch äußerlich seine Tätigkeit abgeschlossen ist, seine Erfahrung und Tatkraft uns und unseren Kindern erhalten bleibt, ■ nfca y» Papenburg, 10. Januar. Unser Lehrer i. R. L, Strauß, der sich als Senator der Stadt Papenburg anerkannt hervorragende Verdienste um die Allgemeinheit eworben hat, ist zum Kreistagsabgeordneten gewählt worden. Jn dieser Körperschaft hat Herr Strauß bereits früher schon gesessen. Die religiösen Verhältnisse in Baden. Zu den Sprechsaal-Artikeln über die religiösen Verhältnisse in Baden ist uns eine ganze Anzahl von Erwiderungen zugegangen, die wir in einer der nächsten Nummern veröffentlichen. Briefkasten. H H. und Andere. Sie sind im'Irrtum, wenn Sie meinen, die Synaooge im Herme - weg sei eine Institution Israelitischen Gemeinde. Die Synagoge stammt aus der Le io Reis'scheu Stiftung und der Stifter wollte das H..us zu einem unabhängigen Hause für mm und nV»Bn m chen. Wie uns ein Eingeweihter und pustr Kenner der letzten Frankfurter Geschichte, Herr Jsaax Mainz, mitteilt, hatte Leib Reis letzt willig bestimmt, daß aus der Stiftung 42 Ieschiuaihtger (nach dem Zahlen wert unterhalten werden. was sich leider nicht mehr durchführen läßt Student. Die Volksschullehrer müssen zukünstio eine Vollanstalt (Gymnasium, Realgymnasium oder Oberc-alschule, besuchen, das Abitur machen und alsdann zwei Jahre lang eine pädagogische Akademie Die ma;erilllen Aussichten des Lehrerberufes find für Juden im Augenblick schwer zu beurteilen, weil man nicht wissen kann, wieviel jüdische Volks schulen in den Großstädten entstehen werden. 9 ocb glauben wir, daß im allgemeinen das Risiko, Volksschullehrer zu werden, nicht größer ist, als das des kaufmännischen Berufes. B. in M. Sie schulden uns vom 1. Jan. bis 1. April 19 6 Mk. 168 für Abonnement. Ueder weisung aus Postscheckkonto No. 19802 erbeten. Frau I. B. in K. Dreitbart ist als religiöser Jude gestorben, kam auf dem Friedho e der Ädaß Jisio l in Berlin zur ,Tyi2p und Rabbiner Dr. M. Hildesheimer rühmte am Grabe seinen jüdischen Sinn und seine großzügigen n?18-Taten. Wir trügen keine Bedenken zu zeigen, wie dieses pun rnffatfr in der Jugend es verstanden hat. Versuchungen aus dem Wege zu gehen. frankfurter Berichte. Sijumfeierder Iefchiwa. . VgM Kuratorium der Thoralehranstalt Jeschiwa wird uns geschrieben: Die Thora-Lehr-Aiütalt Jeschiwa beabsichtigt am 16. Schwab 5686 (31./Januar sOW) einen Sijum auf p2ii'yn2v» ' zu feiern. 'Wir beehrest Üsts> die perehrlichen Freunde unserer Lehranstalt. hierM höfüchst eistguladen und hoffen gerne, sie bei unserem schönen Feste, Vas der Beendigung eines der schwierigsten Traktate des ganzen Talmuds nach elfjährigem intensiven Lernen gilt, begrüßen zu können. Die Feier findet ist. den Raumen der' Frankfürt-Loge statt und beginnt pünktlich nachmittags 4 Uhr. Der Preis der Teilnehmerkarte beträgt Mk. 7.— Anmeldungen sind möglichst umgehend, spätestens bis zum 237 Jckstuar 1928> an Herbst Moses Rapp, Hölderlinstraße 9 zu richten. Da nur über eine beschränkte Anzahl Karten verfügt werden kann, werden die Anmeldungen der Reihe des Eingangs nach berücksichügt.' 7 Die Pokale der Frankfurter Ehewrah Kadischah der Kabranim. Die genannte Ehewrah besitzt bekanntlich einen alten wertvollen Silberschatz, der bei der Chewrah-Seudo dis Festtafel ziert. Die alten herrlichen Becher tragen Auf- Ichiften, die dem Historiker und dem Forscher des jüdischest. Altsrankfurt Mancherlei aus früheren Zeiten erzählest. Nicht minder die eingraviexten Namen. Ein Mitglied der Ehewrah, Herr Paul M. A r 0 n, hat.sich der ungeheuren Mühe unterzogen, die Inschriften mitsamt dey eingraviertest Namen zu entzifferst und die Sprüche und Gedichte in säst wortgetreuer und zugleich sinngemäßer deutscher Usbsrsstznng «nsdsrzngsbsrr. So t{t etn onsgsstnstslss QünrilSntJ). (ßermön=Srllfleret Q-rnnlu furir a. M.) oorl §Ö Wellen!n schönem festem Ernbanl» entstanden, das jedes Chewramitgliev als sinnigste Gabe willkommen heißen wird. Fünf Becher mit ihren Aufschriften und Namensverzeichnissen sind besprochen, bzw>. im Urtexte wiedergegeben und übersetzt. Einer derselbe^, wohl der schönste und wertvollste, ist auch in gutem Bilde veranschaulicht. Die Aufschrift dieses Bechers weist in ihrem Akrostikon .auf den bekannten Frankfurter Rakst biner zu Anfang des 18.'Jahrhunderts, Napht.ati H a k 0 h e n, den Märtyrer des Ghettobrandes von 1711> als Verfasser hin. Zur Erläuterung de Namen, der Aufschriften und deren Verfasser hat der Herausgeber außerdem Vorworte eine historische Studie angehängt, die Geschichte und Wesen der Becher erklärt und einige Einblicke in die Zeit ihrer Entstehung gewährt. Das Werk ist als Manuskript gedruckt und in erster Reihe für die Mitglieder der Ehewrah bestimmt, doch ist eine kleine An? zahl auch für Interessenten außerhalb der Ehewrah bereitgestellt, die sich zwecks Erwerbung des Gedenkbuches, an die genannte Ehewrah wenden können. Gedächtnisabend anläßlich der Iahrzeit von Rab^ biner S. R. Hirsch/?"^- Die Agudas Jisroel Orts- und Jügendgruppe oer^ anstaltet s. G. w. nächsten Samstag, den 16. Jänuar„ «im 's abends 8^ Uhr präzise im Vereinslokall Hanauerlandstraße 17, einen Gedächtnisabend anläßlich» des Jahrzeittages von Rabbiner S. R. Hirsch >"xn.i2vi"2) Es finden Ansprachen sowie Rezitationen aus den^ Schriften des großen Rabbiners >"-7 j statt. Die Vorstände kitten um pünktliches und recht zahlreiches Er-- scheinen. Synagogeneinweihung. Die Synagoge Unterlindau, die durch Neubau wesentlich erweitert worden ist, wude Sonntag mittag mit großer Feierlichkeit eingeweiht. Die Synagoge umfaßt jetzt 600 Plätze. Die Feier begann mit dem 121a .nn, gesungen von Herrn Kantor Gerlich und einem Knabenchore und dem Einbringen der Seforim aus dem Nebensaale, wo in der Uebergangszeit der Gottesdienst abgehalten wurde. Mit einer Begrüßungsansprache des Herrn Naftali Fromm vom Synagogenvorstande hielt Herr Rabbiner Dr. Jakob H 0 r 0 v i tz die Weiherede, in der er die Gemeinde auch zur Hilfsarbeit für die Notleidenden aufrief. Herr Rabbiner Dr. Hoffmann überbrachte in großangelegter Rede die Glückwünsche der Israelitischen Gemeinde. Mit weiteren Chorgesängen schloß die eindrucksvolle Feier. Rambam-Schiur. Je am Samstag abend 8% Uhr findet von diesem n2v an in den Räumen des Mekor Chajim ein Schiur Oiiyi maVr;) des Herrn B. Ra ch ehsohn statt. Neues aus der Aguda Iugendgruppe. Im Rahmen unserer Mittwoch -Aussprache-Abende referiert am 20. Januar d. I. Herr Lehrer Willy Strauß über das Thema: „Charakterbildung- und Persönlichkeit". Damen und Herren sind zu dieser Veranstaltung herzlich eingeladen. Samstag, den 16. d. Mts., abends y? 9 Uhr findet gemeinsam mit der Ortsgruppe eine Gedächtnisfeier für S. R. Hirsch anläßlich dessen Jahrzeitstages statt. Näheres hierüber ist in diesem Blatte gesondert veröfsentlicht. Am Sonntag, den 17. Januar, abends Uhr präzise findet in unseren Räumen im Rahmen des Gosch i ch ts k u r s e s die Rau sch - C h a u d e s ch f e i e r der Jugend- und Mädchengruppe statt. Herr Redakteur S. Schachnowitz spricht über: „Rabbi Meir baal haneßund Einiges aus der Geschichte des a'l t e n I i f ch u v". Wir bitten um recht zahlreichen Besucht dieser Veranstaltung. * Abzeichen der Agudas Jisroel (Nadeln) sind neu -ekngetroffen nud für den minimalen Press, von. 30 Pfennig im Vereinslokal beim VerwÄter erhältlich. / '