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Der Israelit · 1926-01-01 · Heft 1 (1.1.1926) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
67 (1926)
Issue
Heft 1 (1.1.1926)
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sette 10 Nr. 1 Der Israeli! 1. Januar IR 6 über die Väter hinausgeht, eine jüngere Jugend im Esra vereinigt, eine ältere und gebildete Ju gend vom stärksten Willen zum Judentum beseelt Nürnberg hat eine I e s ch i w a. Was dieses Wort bedeutet, kann nur der ermessen, der sich ein wenig in der Geschichte der Juden Mittelfrankens auskennt. Es hat schon einmal eine Jeschiwa in Nürnberg gegeben, wahrscheinlich z. Zt. des Rabbi Meir von Rothenburg, unter dessen eigener Leitung. Ganz gewiß aber zur Zeit seines genialen Schülers Rabbi M o r d e ch a ' (Verfassers des „Mordechai"), der im dreizehnten Jahrhundert geistiger Führer dieser Gemeinde war. Seitdem kamen hier die Juden, soweit es ttocJj rvelchs g ab, nicht rnshr ZU Ruhe. Verfolgungen, Metzeleien, Austreibungen^ vöii döttSN die alten Tore und Türme viel erzählen könnten Um die Mitte des siebzehnten Jahrhunderts noch schossen die „Nürnberger" in die Planwagen der jüdischen Auswanderer, die sich, von einer unbestimmten heißen Sehnsucht getrieben, über Fürth durch ihr Gebiet bewegten. Durch die Aeste des Wäldchens an der „Schwedenveste" heult heute noch, so erzählen die Anwohner, allnächtlich mit den Winden das Schluchzen der Mütter und Kinder, das die Bäume damals für alle Zeiten ausgenommen haben. . . . Dann kam die Freiheit. Ein neuer Mor gen erstrahlte und fand wieder eine kleine Gemeinde von Juden, die von da und dort, der Sonne nachgehend, sich hier getroffen hatten. Nichts war vom Alten mehr da, und das Neue strahlte und blendete. In den siebziger Jahren entstand die große schöne moderne Synagoge, in der aber „Maharam von Rothenburg" und „Mordechai" keinen Platz hatten. ... Und die Vielen, die hinter den dicken Mauern ihre Seele für das Judentum ausgehaucht, oder durch die schwereisernen niederen Tore in die Fremde und ins Elend zogen, auch nicht! Man war jetzt geduldet und duldete nicht mehr die Spur jener großenDulder So bannte man den ganz unschuldigen „L a n - gen Wehu Rachum" aus dem Gotteshause. Er war ihnen zu lange gewachsen für die,Kürze der Zeit, die für die Synagoge übrig geblieben. Dann paßte auch der trübe anklagende Text nicht recht in das Konzept von der Freiheit und Gleichheit. . . . Dieser „Lange Wehu Rachum" war der eigentliche Begründer des gesetzestreuen Kreises in der Adaß. . . . Kam da einer morgens, in die Synagoge von auswärts und fetzte sich nach dem Achtzehngebet auf die Bank, verdeckte mit der Rechten die Augen und betete ganz inoffiziell, ganz unerlaubt sein „Tachanun". „O laß mich doch in die Hand Gottes fallen, und nie in die Hand eines Menschen!" Da setzte sich noch einer zu ihm und noch einer. Und wie sie die Augen wieder aufhaben, reichen sie sich die Hand und sind Brüder, vereinigt im „Langen Wehu Rachum". Und die Schar mehrte sich und wuchs sich zu einem eigenen kleinen Kreise aus. Der aber bekam Zuzug aus einer neuen Generation. Und so entstand nach und nach die „Adaß" mit eigener Synagoge, mit eigenem geistigen Führer, mit einer vorwärtsdrängenden Jugend, mit Schiurim und Lernvereinen, mit Schule und Jeschiwa. Der Anschluß an „Maharam" und „Mordechai" war gesunden. Noch ist nicht aller Ziele letztes erreicht. Die Vorkriegsverhältnisse in Bayern waren für eigene Gemeindebildung durchaus ungünstig. Nun ist es wirtschaftliche Not, die die Selbständigkeit hemmt. Aber es ist viel Liebe und viel Tatkraft und viel Hoffnung vorhanden, drei Posten, aus denen sich eine schöne Zukunft schmieden läßt. getrennt durch eine Oberschwelle, die sich bogenförmig um ein Drittel der Türe legt, so daß der Redner für den zweiten Saal, den die Frauen und Mädchen besetzen, zunächst zu der Wand spricht. Dazu noch zwei andere schwere Gegner, die der Redner zu überwinden hat: der Kellner- und das Bier, die vereint den Kampf gegen „Geist und Gemüt", des Vortragenden geistige Aufwartung, aufnehmen. Nette graue Steinkrüge in stattlicher Pyramide auf dem Präsentierbrett des Herrn Ober aufgebaut, bewegen sic elegant balanzierend durch die Reihen, vom Rednerpult durch die niedrige Türe in den Frauenraum und zurück. Der Gute müht sich redlich. da und dort einen Bierkrug abzusetzen, was ihm zuwsilsn auch gelingt Immerhin Bayern! In den ersten zehn Minuten ist der Vortrag nur ein Kamps zwischen „Geist und Gemüt" auf der einen und dem bayerischen Bier auf der anderen Seite. Der Sieg ist eine Frage der stärkeren Lunge. Das Publikum ist gespannt wie die Sache ausgehen wird.. Etwa so: Redner: „Mussar stellt die Forderung auf: Erkenne dich selbst. Sein Grundsatz lautet: „Was bin ich und was ist mein Leben? Wisse woher du kommst und wohin du gehst.- Dazwischen der Ober: „Ein Bier gefällig!? Redner: „Chassidismus sucht, des Menschen Seele zu heben, daß sie sich hinaufwinde auf den zehn Sphären, von Chessed und Gewura bis zu Malchus und noch höher und höher bis zur obersten Krone. ..." Ober dazwischen: „Macht das Ganze fünfundsechzig Pfennige!-" Aber nach zehn Minuten etwa gibt der Kellner den Kampf auf. „Geist und Gemüt" haben gewonnen. Das bayrische Bier ist geschlagen auf der ganzen Linie und ist aufgelöst durch die Hintertüre auf der Flucht begriffen. Der Redner behauptet das Feld ganz allein und der Kontakt ist ungestört bis zum letzten Ausklange. Sogar der Bogen über der Türe ist erweicht. Die Wände haben Ohren, denn im Raume der Frauen ist Stille und Aufmerksamkeit. Ich vermute, der Kellner, der nun im Frack mit der blendendweißen Brust, bar allen Alkohols und sonstigen Geistes, grimmig vor der Türe seine „lieben Juden" mustert, hat nicht m.i t geklatscht. . . . (Schluß folgt.) Briefe aus Metula. Metula ist die jüdische Kolonie, die hart an die Kriegszone der Drusen im Norden Palästinas grenzt. Aus den Briefen von Metula, die im „Doar Hajom" veröffentlicht werden, kann man die Aengste und Leiden der Kolonie klar ersehen. Die Kolonie ist angefüllt von Flüchtlingen aus den nächsten Dörfern, die andauernd beschossen werden. Schwer zu leiden hat die Kolonie und die ganze Gegend unter Raubüberfällen der Diebeshorden, die die Unordnung und Unruhe für ihr Handwerk weidlich ausnutzen. Obwohl die Zeit längst da ist, wagen die jüdischen Bauern noch nicht, den Winterboden zu bestellen, da der Weg in die Felder mit Gefahr verbunden ist. Die Tabakernte liegt in den Häusern der Bauern aufgehäuft, und es ist nicht möglich, die Ernte an den Mann zu bringen. Zuweilen dröhnen Schüsse. Man sieht auch Rauchwolken von Osten aufsteigen. Ein weiterer Brief. berichtet: Von französischer wie von. englischer Seite wird versichert, daß keine Gefahr ür die Kolonie droht, da sie bestens geschützt sei. Nach dieser Versicherung fangen die Bauern allmählich an, die Feldarbeit wieder aufzunehmen.. 11. A. rv. g. Und abends wird geredet. Ein Frankfurter ist 8ck, dSM ZU EhlM Mö M setzestreuen Vereine und Gruppen all itjre Truppen marschieren lassen. Um halb neun abends ist der Saal von Alt und Jung, Männern und Frauen, vollbesetzt. Richtiger Säle: denn es sind, da man ein großes, geeignetes Lokal nicht mehr haben konnte, zwei ineinandergehende Räume, vereinigt durch eine niedrige Tür und wiederum (Der Talmud als „lebendiges Buch".) Im „Jnstitutum judaicum", das der Berliner Universität angegliedert ist und der Erforschung des nächbiblifchen Judentums auf historischer Grundlage dient, hielt Prof. Dr. G u t m a n n aus Breslau einen Vortrag über den Talmud. Nach dem Untergang des weströmischen Reiches kam in Babylonien dieses Werk zum Abschluß, das den Namen „Babylonischer Talmud" führt und mittelbar wie unmittelbar auf das Judentum den größten Einfluß gemn. Die glilW Perwvc üs? MMhenp "^f«N ungefähr lausend Jahre. Nicht weniger als ungefähr gweitaufend Personen der verschiedensten Zeiten und Orte haben am Talmud mitgewirkt: Schriftgelehrte, Schulhäupter, Lehrer, Schüler und Angehörige aller Berufe, die zum Teil das Material überkamen, zum Teil selbst schufen. Es gab im allgemeinen keinerlei schriftliche Ueberlieserung, sondern meist nur mündliche, so daß die Konservierung des umfangreichen Stoffmaterials auf mnemotechnischem Wege erfolgte. In den babylonischen Schulen des 3. bis 5. Jahrhunderts wurde die gedächtnismäßige Form der Kenntnis und Verbreitung des Talmuds gepflegt. So entstand eine große literarische Merkwürdigkeit: nämlich das „lebendige Buch". Diese „lebendigen Talmud-Exemplare" bestanden aus je 50 bis 60 Schülern, von denen jeder einzelne einen bestimmten Text mit größter Genauigkeit einstudieren mußte. Der ganze Aufbauplan war ganz fest organisiert, so daß durch das Zusammenwirken bestimmter Studierender immer je ein Talmud-Exemplar entstand. Es kam schließlich durch Ucbung so weit, daß jede Schule in Babylon über ein derartiges lebendiges Tälmud-EKemplar verfügte. Am Ende des 5. Jahrhunderts erfolgte die erste schriftliche Fixierung des großen Werkes, das nunmehr zu einer Einheit gestaltet wurde. Trotzdem gab es auch noch später lebendige Exemplare; so. hatte ein Urenkel des berühmten Talmud-Kommentat.ors „Raschi" im 12. Jahrhundert ein „lebendiges.Buch", das aus 60 bis 70 Schülern bestand. Dsiüsitsr dss „Jnstitutum judaicum", der Mannte christlich» e Judaist, Prof. Dr. Greßmann, dankte dem Vortragenden für den großzügigen Ueberblick, in dem er vieles gegeben hatte, das auch der Wissenschaft unbekannt war. (Dank der jüdischen Gemeinde in Mosul.) Im Zusammenhang mit dem für England günstigen Beschluß des Völkerbundsrates, wonach das Gebiet von Mosul mit seinen Erdölquellen an den Irak fällt, erhielt der britische Kolonienminister L. S. Amery mehrere Vegrüßungstelegramme aus Mosul, darunter auch ein vom Rabbi Sleimoun namens der jüdischen Gemeinde in Mosul unterzeichnetes Schreiben, welches lautet: „Im Namen der jüdischen Gemeinde danke ich Ihnen für die erfolgreiche Vertretung unserer Sache vor dem Völkerbund." In der Sitzung des Unterhauses fragte Major Harvey, wie viele Juden, Christen und Moslemiten es in Vilajet Mosul, das soeben vom Völkerbund dem unter englischem Mandat stehenden Irak zugesprochen hat, gibt. Kolonienminister Amery erwiderte: Nach den letztem Feststellungen im Irak wohnen in Vilajet Mosul 166 941 Araber, 38 652 Türken, 61363 Christen, 11897 Juden, 494 000 Kurden. (Lin Rabbiner soll amerikanischer Gesandter in Spanien werden.) Rabbi Emanuel I. Jack, Rabbiner der Stadt Little Rock in Arkansas, wurde als amerikanischer Gesandter für Spanien vorgeschlagen. Bisher hat schon ein Rabbiner Amerikas einen diplomatischen Posten bekleidet. Es war' dies Rabbi Kornfeld, der bis zum vorigen Jahre amerikanischer Gesandter in Persien war und dort wegen seines Eintretens zugunsten der verfolgten Juden von der jüdischen Bevölkerung der „Zweite Mordechai" genannt worden ist. Ls ist ausschließlich Sache der Leser, die im Inseratenteil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben religionsgesehlichen Charakters auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. vorzüglich im Braten und Backen Niedrige Preise - Teilzahlung Riesige Auswahl C UArCtf& VORM-HORSTKÖTTER,KNOCkC» L.J1AV»t&lr AM ESCHENHEIMER TOR 3/ Hansa Grosswäscherei vorm. Gebr. Vogel Spessarf 1382 u.1383 BoyensfraBe 8-14 Jfjausfialfungs-IDäsefie nach .Gewicht naß) getrocknet und gemangelt Damen- und fferren-Bügelwäscfie Abholung kostenlps Verantwortlich für den allgemeinen Teil und das Feuilleton S. Schachnowitz, Frankfurt a. M.; Inserate i. V.: Schach, norvttz, ebenda. — Verlag .Israelit, G.m.b.H., Frankl>.rt -.SW, Druck Hermon Verlags-Aktiengesellschaft, Frankfurt a. M.

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