Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 52 (24.12.1925)
- Date
- 1925-12-24
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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24. Dezember 1925 Personalien. David Reis y"^. Heilbronn, 10. Dezember. ■ Ein imposanter Leichenzug, wie ihn Heilbronn wohl noch selten gesehen, bewegte sich am Nachmittage des 16. Kislew durch die Straßen der Stadt. Fast jede Familie der jüdischen Gesamtgemeinde war in ihm vertreten; die Religionsgesellschaft „Adaß Jeschurun" war vollzählig erschienen; auch zahlreiche andersgläubige Mitbürger unserer Stadt waren bei dem Leichenbegängnis zu sehen. Galt es doch, den beliebten, geachteten und in allen jüdischen und nichtjüdischen Kreisen Heilbronns wohl bekannten David Reis zur letzten Ruhe zu bestatten. Infolge der starken/. Beteiligung bei der Beerdigung mußten die Trauerzeremonien außerhalb der Leichenhalle des vorgenommen werden. Zum ersten Male seit Bestehen der hiesigen Neligionsgesellschast waren die Amtshandlungen bei der Beerdigung einzig und allein in die Hände der Funktionäre der Religionsgesellschaft gelegt. Zuerst würdigte Herr Rabbiner Dr. F e i n - b,e r g in wohldurchdachter und formvollendeter Rede den Verblichenen als Mensch und Jehudi. Den Dank und bis . warme Anerkennung für die aufopfernde Tätigkeit des Verstorbenen für die Religionsgesellschaft erstattete deren 2. Vorsitzender, Herr Herm. Wollenberger. War doch David Reis n"y der Begründer der Religionsgesellschaft Heilbronn und deren erstes Vorstandsmitglied seit ihrem Bestehen bis heute und war doch diese seine Gemeinde und ihr Gedeihen im vollsten Sinne des. Wortes sein Lebensziel. Seit Jahrzehnten im Vorstände des die Gesamtgemeinde umfassenden Wohltätigkeitsvereins <wnvn nVm man) erfreute sich der Dahingeschiedene der Beliebtheit und Anerkennung aller Gemeindemitglieder, was im Aufträge des „Wohltätigkeitsoereins" seitens des Herrn Rabbiner Dr. Feinberg besonders hervorgehoben wurde. Für den Landesverband zur . Wahrung der Interessen des gesetzestreuen Judentums in Württemberg, zu dessen Gründern der Verstorbene gehörte und in dessen Vorstand seit seinem Bestehen der Verewigte saß, sprach Herr Moses Herz-Hall Worte des ehrenden, treuen und dankbaren Gedenkens. Im Namen der Familie zeichnete der Schwiegersohn, Herr Josef Hirsch-Halberstadt, die Persönlichkeit und Charaktergröße des Dahingeschiedenen in warmen und bewegten Worten. Zum Schluß wies noch ein weiteres Mitglied der Familie, Herr Ignaz Aron-Frankfurt, auf Me: eminente religiöse Ueberzeugung und Glaubensstärke des Verstorbenen hin, die ihn, von vielen verkannt und nicht verstanden, zur Gründung der ReligioNsgesellschaft veranlaßte und so hier eine Pflanzstätte für das.gesetzestreue Judentum schassen ließ. So ist denn mit David Reis rrv eine Persönlichkeit von bannen gegangen, die im Kreise ihrer Familie, im engeren Kreise ihrer Gesinnungsgenossen, in der Gesamtgemeinde Heilbronns, aber auch weit über das Weichbild der Stadt hinaus, in weiten Kreisen des gesetzestreuen Judentums eine kaum auszufüllende Lücke hinterläßt. ,->"ann. — Eine weitere Würdigung des Dahingeschiedenen, insbesondere sein Verhältnis zu seiner Gemeinde, soll n"'« am Ende des einem isan Vorbehalten werden. Gerolshofen, 12. Dezember. Am Dienstag, den 8. Dezember, feierten Herr Emanuel Lewisohn und seine .Gattin Regina, geb. Feuchtwanger im Vollbesitz der körperlichen und geistigen Kräfte das seltene Fest der g o l - denen Hochzeit, verbunden mit bOjährigem Geschäftsjubiläum. Aus diesem Anlaß wurde das Jubelpaar am vorausgehenden avimty von Lehrer Reiter in der Synagoge im Anschluß an die Sidra in längerer Rede entsprechend gefeiert. Durch ihr gemeinnütziges Wirken im Dienste des Judentums, der Kultusgemeinde und der Allgemeinheit haben es die Jubilars verstanden, sich die Sympathie weitester Kreise zu erwerben und durch eisernen Fleiß und strengste Reellität .ihr Geschäft auf respektable Höhe zu bringen, so daß es sich im Kreise der Bevölkerung des besten Rufes erfreut. Das Jubelpaar war Gegenstand herzlicher Ehrung, nicht nur seiner Kinder und Enkelkinder — auch die Kultusgemeinde, das Rabbinat und die Stadtverwaltung haben teils schriftlich, teils mündlich, ihre Wünsche und Gefühle zum Ausdruck gebracht. Zahllose Gratulationen liefen brieflich und relegraphijch aus allsn (Lauen dss In- und Auslandes tagsüber ein, die von der Beliebtheit des Paares zeugten. Möge ihm ein recht langer und heiterer Lebensabend beschieden sein. Kchweinfurk, 20. Kislew. Unsere Gemeinde ist in tiefe Trauer versetzt worden. Nach längerem Leiden ist am letzten Schabbos unser allverehrter Kultusbeamter. Lehrer Moses Weigersheimer, im Alter von 48 Jahren uns entrissen worden. Geliebt und verehrt von seiner Gemeinde, wie von seinen Fachgenossen, die in ihm einen erprobten Berater und Führer sahen, hat er durch sein . tägliches eifriges und gewissenhaftes Thoralernen sich frühzeitig den Chober-Titel und ein reiches Wissen, das r«t rn w min umschloß, erworben, so daß er den Durchschnitt seiner Berufskollegen weit überragte. Seine im Verein für jüdische Geschichte uild Literatur gehaltenen wissenschaftlichen Vorträge, gediegen im Inhalt, anmutig in der Form, fanden stets den größten Beifall. Ms Lehrer wirkte er in Goßmannsdorf und in Pfungstadt und nachdem er hier sein Amt als Schochet übernommen hatte, in den Nachbargemeinden Hochsheim, Schemmingen, Niederwerrn und nach der Erkrankung des früheren Lehrers dahier auch hier zwei Jahre. Das Amt des vm>7 betrachtete er in wahrer Der Israelit Gottesfurcht als mav narF» und gar viele Jünglinge, Lehramtsgenossen, hat er mit großer Geschicklichkeit und Gründlichkeit für dieses Amt ausgebildet. Als man iwa wirkte er durch seinen von tiefem Verständnis zeugenden Bortrag und die Palme erwarb er sich durch seine korrekte mim nrmp Bon unermüdlichem Fleiß, unnachsichtiger Strenge gegen sich selber, von wohltuender Menschenfreundlichkeit und Höflichkeit, .hatte er frühzeitig die Herzen aller Mitglieder der Gemeinde sich erobert, zumal die echte Bescheidenheit, das Merkzeichen wahrer Gottesfurcht, seiner Persönlichkeit das Gepräge gab. So kam denn auch heute bei der Beerdigung die tiefe Sympathie, die Verehrung und Liebe zu vollem Ausdruck. Aus allen Reden, des Rabbiners, des Kultusvorstandes, des Lehrervertreters, der beiden Schwäger, Lehrer Morgenroth und Schloß wurde die hohe Wertschätzung uno Liebe für den Verblichenen herausgehört. Wie sehr aber Weigersheimer in seiner schlichten Art für 'n t?np gesorgt hatte, das sprach der Meister der Fleischerinnung m einfachen, bewegten Worten aus, indem er den Verglichenen vom Standpunkte der Christen aus als einen Menschenfreund schilderte, der in seiner Liebestätigkeit keinen Unterschied der Konfession kannte, wie er denn z. B. nach dem Krieg einem alten, am Hungertuche aagenden christlichen Ehepaare aufhalf und durch-sein Eingreifen den Verkauf seines Häuschens verhindert. Die Mitglieder der Verwaltung trugen den Sarg selbst zum Grabe. Das Bitten und Beten aller Beteiligten ging dahin, daß' Gott der Witwe und der verwaisten Tocbter Trost und Beistand gewähren möge, und die Ueberzeugung und Empfindung aller war und ist es, daß wir eine Perle in die Erde betteten, gleich groß an Wert als Jehudi und Mensch, als Lehrer und Beamter. n"mn- Freiburg, 20. Dezember. Am Morgen des 27. Kislew starb hier ein Mann, der es verdient, daß an dieser Stelle jeiner gedacht wird: Herr Josef Bloch-Dreysuß. Mit ihm ist einer der Besten unserer Gemeinde, ein echt Mischer Mann von inniger Frömmigkeit und Opferwilligkeit, dahingegangen. Im Lernen und im Tun betätigte er allezeit seine Treue zu den Vorschriften unserer Religion.—Josef Bloch-Dreysuß gehörte zu den in unserer Zeit immer seltener werdenden-Männern, die, ohne ourch ihren Beruf dazu bestimmt zu sein, sich ständig mit unserem heiligen Schrifttum befassen. Den Grund zu seinem reichen Wissen hat er in seiner Jugend durch mehrjährigen Besuch der Präparandenschule in Höchberg gelegt. Er hat auch später nie aufgehört zu „lernen". Einen dauernden Eindruck machte dann, als Josef Bloch- Dreysuß in kaufmännischer Stellung in Frankfurt a. M. war, auf ihn die Lehre und das Wirken Samson Raphael Hirschs dessen Schriften ihm eine Quelle dauernden Genusses waren und geblieben sind. Als vor etwa 20 Jahren Josef Bloch-Dreysuß von Mülhausen i. E. nach Freiburg i. Br. gezogen war, reiste er jeden Sonntag zur Teilnahme an einem von Rabbiner Schüler jon Bollweiler dort abgehaltenen Gemoroschiur. In unterer Gemeinde hat Bloch seit Jahren allsabbatlich Lehroorträge gehalten, die eine große und dankbare Zuhörer: jchaft fesselten. Josef Bloch-Dreysuß hat auch an unserer Gemeinde in den verschiedensten Ehrenämtern seine schätzbare Kraft der Allgemeinheit gewidmet. Seit vielen Jahren wirkte er in mustergültiger Weise als Baal Tephiloh an den hohen Feiertagen. Bom Bezirk Sulzburg-Lörrach wurde er mehrmals in die Landes-Synode entsandt, iu welcher er als eifriges Mitglied der orthodoxen Fraktion segensreich wirkte. Unvergängliche Verdienste hat sich Bloch-Dreysuß als langjähriges Mitglied des Vorstandes der Anstalt Friedrichsheim, Asyl für israelitische Sieche und arme Greise in Gailingen, erworben. Er hat keine Zeit und keine Mühe gescheut, wenn es galt, für die in dieser Anstalt untergebrachten armen und kranken Glaubensgenossen zu sorgen. Er wird auch in diesem Amt nur schwer zu ersetzen sein. Josef Bloch-Dreysuß stand auf dem Boden des altüberlieferten Judentums. Hier gab es für ihn bei aller ,onstiger Connivenz seines Wesens keinerlei Kompromisse. Am 29. Kislew haben wir ihn, seinem längst geäußerten Wunsche entsprechend, aus dem Friedhof seiner altehrwürdigen Heimatgemeinde zur letzten Ruhe bestattet. In seiner edlen Vchcheideuheit hatte sich der Aerewigte jeglichen Nachruf an seinem Grabe verbeten. So mußte sich Herr Bezirkt-: abbiner Dr. Zimels darauf beschränken, dem Berew'gten in dankbarer Anerkennung seines Lebens und Strebens am Grabe den Chower-Titel zn verleihen, der ihm für seinen 70. Geburtstag längst zugedacht war. Das Hinscheiden dieses frommeu und überzeugungstreuen Mannes hinterläßt in unserer Gemeinde eine Lücke, die schwer auszufüllen sein wird. ir'-as:.-,- Chemnitz, 24. November. Im vergangenen Monat hat die hiesige Gemeinde durch das Hinjcheiden Hermann Grohmanns eines ihrer besten Mitglieder verloren. Am aVimma sprach als erster Redner der Ortscabbiner Herr Dr. Fuchs. Er beklagte den schweren Verlust der Gemeinde und schilderte die besondere Frömmigkeit des Dahlngeschiedenen. Hernach sprach Rechtsanwalt Dr. Lappe im Namen der Repräsentanten sowie Herr S. Gutmann im Namen der xen matt Zuletzt ergriff noch Herr S. Unger das Wort und widmete dem Verstorbenen im Namen des Vereins „Beth Israel" owie „Talmud Thora" Worte der Trauer. Herr Unger gab hauptsächlich dem Schmerze Ausdruck, welchen der gesetzestreue Teil der Chemnitzer Juden durch den Verlust eines seiner besten Freunde erlitten hat. Nr. 52 Sette 13 Briefkasten. M. L. Lehrer in Cüstrin. Verlag Menorah, Wien HU. Postfach. M. L. in M. 1. Es wird wohl fürs erste bei dem bisherigen Modus bleiben. 2. Wir nehmen zur Kenntnis, daß das von §herrn Dr. Selka angeführte „verpönte Lied zu Chanukkah" sich im 2rva ‘vrpo von Jakob Emden befindet und dort Abraham ben Esra als Autor angegeben wird. Frankfurter Berichte. Agudas Israel Zugend-Orgamsation. Dezernat für Großstadkgruppen, Frankfurt am Main. Eine Zusammenkunft der Mitglieder des Organisations-Vorstandes der A. I. I. O. für Deutschland mit den Vertretern der Großstadtgruppen fand am 18. November in Fulda statt. Es wurde daselbst beschlossen, ein Dezernat für die Bearbeitung der Großstadtgruppen ins Leben zu rufen. (Sitz Frankfurt am Main.) lieber die Notwendigkeit dieser Gründung, sowie über den Rahmen, in welchem die Arbeit nunmehr geleistet werden soll, kann nachfolgendes mitgeteilt werden: Der letzte Bundestag der A. I. I. O. (Würzburg 2. bis 4. August) hatte sich mit einer Unmenge wichtiger Probleme zu beschäftigen, und Alle, die einiges Interesse an dem Gedeihen der Organisation haben, sind gewiß durch ihre Anwesenheit in Würzburg oder durch die Presse über Referate und Diskussionen eingehend unterrichtet. Eine Frage jedoch, die aus Mangel an Zeit und Gelegenheit im Plenum leider nur kurz gestreift werden konnte, wurde in der hierzu geschaffenen Propagandakommission desto eifriger umstritten und verdient heute erneut nufgerollt zu werden, da sie für zukünftige Gestaltung der Arbeit in der Jugend-Organisation von großer Bedeutung scheint. Wenn man sich lange Stunden über die Propaganda für die Idee der Agudo den Kopf zerbrach, war man sich darüber einig, daß das wichtigste Kapitel der Gewinnung neuer Mitglieder oder die Aktivierung der bereits vorhandenen (zum großen Teil nur zahlenden) unter zwei Gesichtspunkten beurteilt werden muß. a) Propaganda in den Stadtgruppen, b) in den Landgruppen. Die bisherige gewiß anzuerkennende Arbeit des Organisations-Vorstandes galt in erster Linie den kleineren Gruppen und Grüppchen auf dem Land. Man machte sie mobil durch Errichtung von Bezirkssekretariaten, deren Arbeit nicht unterschätzt werden darf und deren ideeller Erfolg mit allem Recht als zufriedenstellend bezeichnet werden muh. Eine ganze Reihe totgeglaubter kleiner Gemeinden erwachten wieder zu neuem Leben, ihre einzelnen Mitglieder konnten, durch rastlose, aufopfernde Tätigkeit der Bezirkssekretäre für die verschiedensten Gebiete der jüdisch-agudischen Probleme wieder interessiert werden. Die Aufrechterhaltung dieser mit schwerer Mühe errichteten Sekretariate erfordert große materielle Opfer und es ist mit Bewunderung anzuerkennen, wie der Organisations-Vorstand der A. I. I. O. unter den schwierigsten Zeitverhältnissen das nötige Geld bisher aufbringen konnte. Heute in dieser Richtung weiterzuarbeiten, ist — wenn man nicht ganz pessimistisch sein will — zumindesten überaus schwer und es werden die ganzen zur Verfügung stehenden Kräfte der Kölner Leitung angestrengt arbeiten müssen, wenn wir dieses segensreiche Tätigkeitsfeld auch weiterhin aufrecht erhalten wollen. Wer wundert sich dann, wenn es. fast ein Ding der Unmöglichkeit ist, sich auch mit dem ganz wesentlichen Gebiet der Stadtgruppenarbeit zu befassen. Einer Aufgabe, die einer Jugendorganisation, wie der der Agudas Jisroel, unbedingt und in erster Reihe Sorge sein muß. Man darf sich dieser Tatsache nicht verschließen und ist daher nicht überrascht, wenn man liest, (Fuldaer Beschluß) daß die Arbeiten der A. I. I. O. für die Großstadtgruppen einem gesonderten Dezernat (Sitz Frankfurt a. M.) übertragen wurde, welches im Aufträge des Organisationsvorstandes es übernommen hat, mit Energie sich dieser Aufgabe zu widmen. 8tatt Karten 1 Zu der s. G. w. am Mittwoch, den 30. er,, Alexander-Ufer 5, stattfindenden Trauung ihrer Kinder GUTTI und JONAS laden hiermit ein: MEYER STRAUS u, FRAU FRAU BELLA EMANUEL, Fulda Berlin N., Oranienburgerstr, 64 Der soeben erschienene I u d a i k a - K a t a l 0 g für 1925 26 der Buchhandlung G 0 l d s ch m i d t G. m. b. H. Verlag H a z 0 r e f in Hamburg ist sehr reichhaltig lind bietet größte Auswahl auch für alte Geschenkzwecke. Zu beziehen vom genannten Verlage Grindelallee 85.