Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 52 (24.12.1925)
- Date
- 1925-12-24
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 52 Seite 7 24. Dezember 1925 Der Israelit auch in p os.it.iv.er Einsicht so einig, wie sie sich hier einmal in der -Abwehr eines zionistischen Anschlags gezeigt hat, so.könnte sie durch die Wahl einer programmatisch auf bcm Boden des Thoragefetzes stehenden Nationalversammlung der religiös neutralen „Aßefas hamwchorrm" eine Mehrheitsvertretung gegenüberstellen, was schließlich zu einer gewissen Gemeinsamkeit nach außen und damit zu einem wahren und gesunden Frieden führen würde. Leider ist dazu vorerst wenig Aussicht vorhanden, da die Gegensätze zwischen den sogenannten Dnm>' den „gemäßigt Orthodoxen" und der Aguda eine fruchtbare politische Zusammenarbeit dieser beiden aus dem gleichen religiösen Boden stehenden Gruppen nicht zulassen. Die katholische Missionsarbeit unter den Inden. London, 15. Dezember. Während der soeben in London stattgefundenen Jahresversammlung der „Katholischen Israel-Gilde" berichtete Pater D a y, daß die Gilde auch im vergangenen Jahre ihre Bemühungen fortgesetzt hat, mit den jüdischen Massen in Verbindung zu bleiben, um ihre Bekehrung zum Katholizismus vorzubereiten. Der Erfolg scheint aber recht minimal gewesen zu sein. Day meint, es müsse noch eine geeignete Atmosphäre geschaffen werden, damit das Bekehrungswerk wirklich vollendet werde. — Seymour Jonas referierte im besonderen über die Arbeit der Gilde im Londoner Ghetto. Cs war schwer, den Juden beizubringen, daß zwischen dem modernen und dem historischen Judaismus kein religiöses Band bestehe. Mrs. Murray berichtete über die Arbeit in Amerika und Europa und stellte fest, daß amerikanische Juden die katholische Arbeit finanziell unterstützten. Herr Boas-Holland berichtete, die Gilde, die in Holland vor einem Jahre mit 1000 Mitgliedern ins Leben gerufen worden ist, zähle jetzt 42 000 Mitglieder. Amerika. Eine Rede des schweigenden Präsidenten. New Pork, 29. November. Vom jetzigen Präsidenten der Union wird gesagt, daß er der schweigsamste aller Präsidenten ist. Zwei Jahre schon, daß er im Weißen Haus residiert und man hört ihn nicht. Keine großen Empfänge, keine großen Reden. Dabei weiß man, daß er den ganzen Tag in seinem Arbeitszimmer still und lautlos und angestrengt arbeitet. Aber neulich hielt er auch eine Rede, die aus dem Munde des Schweigenden um fo gewaltigeren Eindruck machte. Er stand vor der Ehrenlegion Amerikas, deren Ehrenvorsitzender der Präsident ist, und er sprach vor ungefähr 30 000 Menschen, darunter 5000 (Boibaten, gegen den Militarismus in Amerika und die Bestrebungen, „aus der Union ein Vorkriegsdeutschland" zu machen. Amerika, so sagte der Präsident, muß bürgerlich sein und bürgerlich bleiben. Heer und Marine sind fürs Volk da und nicht umgekehrt. Das Heereswesen muß nur in dem Maße ausgebaut werden, als es nötig ist, die Landesgrenzen des bürgerlichen Amerikas zu schützen. Dann ging der Präsident mit den schärfsten Wendungen gegen den Fremdenhaß und den Antisemitismus in der bekannten Geheimorganisation vor. Amerikanisches Bürgerrecht ist nicht das Monopol eines Konsortiums. Ein Einwanderer, der vor drei Jahren in der dritten Schiffsklaffe nach Amerika gekommen ist, kann ein genau so guter Amerikaner sein, wie die Abkömmlinge der ersten Amerikaentdecker. Der Antisemitismus gehört zu den Unglückserscheinungen, die infolge des Krieges von drüben zu uns herübsrgekommen sind. Der Krieg ist zu Ende und Amerika muß zu seinen Traditionen de Demokratie zurückkehren. Der Präsident wird von allen Seiten und von der gesamten demokratischen Presse zu diesem mannhaften Worte beglückwünscht. Wie werden die 15 Millionen Dollar der Ioint- Kampagne verteilt werden? New Yor k, 26. November. Wie schon mitgeteilt, hat das Joint Distribution Comittee über die Verteilung der in den nächsten drei Jahren auszubringenden 15 Millionen Dollars für jüdische Ausbauzwecke in der Alten Welt einen provisorl,u-en Beschluß gefaßt. Die betreffende Resolution, die der Präsident des Joint, Mr. Felix M. Marburg, der Jüdischen Telegrasen-Agentur zur Veröffentlichung übergeben hat, lautet Ungeachtet dessen, daß eine genaue Verteilung des 15 Millionen Dollars-Fond, dessen Aufbringung in den nacysten drei Jahren von der Konferenz in Philadelphia beschlossen worden ist, in diesem Zeitpunkte endgültig noch nicht durchgesührt werden kann, hat es das Komitee .dennoch für ratsam gehalten, eine vorläufige Art der u.irieilung sestzustellen, die im Sinne der auf der Philadelphia-Konferenz zum Ausdruck gebrachten Ideen und der angenommenen Beschlüsse sein soll. Bei gebührender Rücksichtnahme auf unerwartete Krisen, die in dem einen oder dem anderen Lande ausbrechen und eine neue Art der Verteilung notwendig machen können, hat das Cxekutw-Komitee beschlossen, ein Jayresbudget, gültig für die nächsten drei Jahre, wie folgt aufzustellen: Für landwirtschaftliche Siedlungsarbeit und andere Wieoeraufbauarbeit jährlich 2 500 000 Dollars, davon 1500 000 Dollars für Rußland und 1000 000 Dollars für Polen, Palästina, Rumänien und andere Länder. Für medizinische und kulturelle Arbeit jährlich 600 000 Dollars, davon 300 000 für Rutzland, der Rest für Polen, Palästina, Rumänien und andere Länder. Für Kredit- und Sparkassen, Kooperativen und für Unterstützung des Handels jährlich 400 000 Dollars, davon 200 000 für Rußland, der Rest für andere Länder mit besonderer Berncrsichtigung Polens. Für Hilfsarbeit zugunsten der Flüchtlinge und Heimatlosen sollen jährlich 600 000 Dollars, für Waisen-Jnstitutionen jährlich 900 000 Dollars ausgegeben werden. Für Palästina werden außerdem in den nächsten drei Jahren je eine Million Dollars jährlich ausgegeben werden, und zwar werden jährlich 500 000 Dollars, das sind 1,5 Millionen Dollars in drei Jahren, der Palästtne Oeconomic Corporation für ihre Zwecke übergeben werden. Das ist so zu verstehen, daß von dem Gesamt- Aktien-napital der Palestine Oeconomic Corporation in Höhe von drei Millionen Dollars, jährlich 500 000 Dollars vom Joint gegen Entnahme von Aktien geleistet werden, wobei das restliche Aktienkapital bis zu drei Millionen Dollars vom Joint Distribution Comittee, Palestine Development Council, American Palestine Company und verschiedenen einzelnen Personen gedeckt werden soll. Die Palestine Oeconomic Corporation das Instrument der nichtzionistischen amerikanischen. Juden für Zwecke oer Aufbauarbeit in Palästina. Die Leitung liegt in den Händen des Herrn Louis Marshall. vermischtes. Nürnberg, 15. Dezember. Am 8. Dezember sprach im Klubsaal des deutschen Hofes in Nürnberg Herr Redakt. S. Schachnowitz -Frankfurt a. M. über: „Aus jüdischem Geist und Gemüt (Chassidismus und Mussar)". Der Vortrag war sehr gut besucht. Der Referent schilderte zunächst die Bewegungen des Chassidismus und Mussar in ihrem historischen Verlauf und zog bei seinen Ausführungen über ihre psychologische Grundlage und ihre Zwecke überaus interessante Parallelen. Auch der Stinrmungsgehalt von Chassidismus und Mussar fand züßi Schluß lebendigen Ausdruck durch Wiedergabe von Sentenzen und Anekdoten aus beiden Kreisen, besonders auch von solchen, die bei gleichem oder ähnlichen Grundgedanken doch in der Ausführung verschiedene und typische Formen angenommen hatten. Einen Kampf zwischen Rabbinismus, Chassidismus und Mussar gebe es im Osten längst nicht mehr. An der Synthese müsse aber noch weiter gebaut werden in dem Sinne, daß auch die Auseinandersetzung und Aussöhnung mit der Kultur und Wissenschaft, vom Zentralpunkt der Thora aus gesehen, erfolgen muß. Interessiert lauschten die Zuhörer bis zum letzten Wort und zollten dem Redner warmen Beifall, dem der Leiter der Versammlung, Herr Dr. Carl Mayer, in einigen Schlußbemerkungen weiteren Ausdruck verlieh. Die Nürnberger hoffen, daß Herr Schachnowitz dem befriedigenden Abend bald einen weiteren folgen lassen kann. C. M. Fürth, 19. Dezember. Am Mittwoch sprach aus Einladung der A. I. I. im vollbesetzten Großen Weißengartensaal Herr Red. S. S ch a ch n o w i tz-Frankfurt a. M. in gewohnter lebendiger Art über zwei der interessantesten Kapitel der jüdischen Geschichte, über Abfall der Karäer und Anschluß der Chazaren. Der geschichtliche Tatbestand liegt etwa 1000 Jahre hinter uns. Aber der Historiker durchlebt ihn, wie wenn er ihn heute schaute, und weiß ihn in unmittelbare Lebensnähe zu rücken. So ging der Redner von der lebendigen Gegenwart aus und wies mit Recht darauf hin, daß die brennendsten Fragen unserer Zeit oft von unserer Gegenwart gar nicht beantwortet und nur durch das Studium unserer Geschichte gelöst werden können. Was ist entscheidend für unsere Zugehörigkeit zur jüdischen Gemeinschaft? Nichts ist ausschlußreicher für diese von den Parteien heiß umstrittene Frage wie das Kapitel der Karäer und Chazaren, deren Entstehung, Geschichte und Schicksal, von vielen interessanten Einzelzügen durchflochten, der Redner an unserem Geiste vorüberziehen läßt. Dieses Kapitel spricht objektiv, sein Urteil ist unbestochen: Die Karäer sind blutsverwandt, aber durch die Trennung von Welt und Lebensanschauung der Thauro ist die Stimme des Blutes immer mehr zum Schweigen gekommen, bis kein Rest von Zusammengehörigkeitsgefühl mehr da war. Die Chazaren waren Freunde, Trabanten der Hunnen, aber die Begeisterung für die Lehre des Judentums hat sie von Geistesverwandten zu Schicksalsgenossen und Blutsverwandten gemacht, bis sie mit ihnen für alle Ewigkeit verbunden waren. Der Vortrag, der aus dem Stoff der Geschichte noch so manche Bausteine fürs Leben hervorholte, erntete reichen Beifall und fand auch bei den aus dem anderen Lager Erschienenen keinen Widerspruch. E. Drucksehler-Derichtigung. Im Artikel „Willkürlichketten der Bibelkritik" bitten wir (Spalte 3) statt Könige 18 zu lesen: I Könige XVII11. Es ist ausschließlich Sache der Leser, die im Inseratenteil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben religionsgesehlichen Charakters auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. ZUCKERKRANKE Aleuronal-Gebäcke von allen Autoritäten empfohlen MAGENKRANKE Rodenbach’s Grahambrot Nährmittelfabrik Friedrich Günther Verkauf Hermes weg 8—12 - Hansa 3862 u.795 sowie in den Filialen der Brotu. Keksfabrik Osthaien G. m. b. 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