Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 51 (17.12.1925)
- Date
- 1925-12-17
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Sette 10 Nr. 51 Der 3 s r a e it t 17. Dezemver 1828 Lieben gelebt, begab er sich nach seiner Heimat Thekoa im gali Sischen Bergland, die auch genannt wird die Stadt der Orangenbäume. Seine Haut war geschwärzt, seine Haare gelb und feine Augen brennend geworden. Als ein wunderlicher Fremden hielt Rabbi Simon seinen Einzug in Thekoa. Sein Weib war schon lange gestorben, aber den Sohn, den er einst auf der Flucht vor den Römern als einen Säug ing verlassen hatte, fand er als Dreizehnjäh.igen bei Bauersleuten wieder, die ihn um Gottes Barmherzigkeit willen bei sich aufgezogen hatten. Er nahm den Knaben zu sich und, da ihm ein kleines Haus als Erbteil geblieben war, zog er da hinein und widmete sich mit aller Kraft dem Studium der heiligen Lehre, wie es heißt: „Du sollst darüber sinnen Tag und Nacht." Nun stand vor dem Hause des Weisen ein Orangenbaum, und es ward die Zeit der ersten Blüte, als der Rabbi eines Morgens mit seinem Knaben am Fenster saß, um den dunklen Gang durch den Berg des Gesetzes zu gehen. Die Stimme des Lehrers klang wie von weither, und mit jenem müden Singsang nach der Gewohnheit des Lernenden bohrte sie sich tief und tiefer in die Gründe des Gesetzes ein. Der Knabe aber, der eben erst von seinem f-eien-Bauernhof gekommen und der singenden Versenkung noch gänzlich ungewohnt war, biickte starr auf den Baum vor dem Fenster, von dessen erster, halb aufgebrochener Blüte ein milder Duft mit der Frische des Frühlings herübe-zog. Während er sprach, hielt der Lehrer die Augen geschlossen und wiegte auf eine sonderbare Weise den Kopf hin und her. 3n seiner Höhle hatte er so jahrelang mit sich allein im Halbdunkel gesessen, hatte den Blick nach innen gekehrt und die große Einsamkeit in seinem Haupte zu wiegen gelernt. Den Knaben schläferte ob dieser lernenden Weise, aber die Wonne der jungen Natur umschmeichelte ihn, und plötz ich erwachte er zur vollen Schönheit dessen, was er sah. Da durchzuckte ihn die Freude Gottes auf seine Weise, und, wahrend der Vater unter ihm weg mit geschlossenen Augen seiner Lehre genoß, rief das Kind plötz'ich unvermutet und überwältigt aus: „Vater, wie schön ist dieser Bauml" Dieses Wort riß dem weisen Rabbi Simon Kopf und Augen zurück, er sah den Sohn als Kind einer anderen Welt vor sich sitzen, und, ob er sich nun verwirrt oder betrogen fühlte, furchibar erhob sich seine Stimme, als er dem Knaben zurief: „Wer da lernt und fp-icht: Wie schön ist dieser Baum, der hat seine Seele verloren und ist des Todes!" Da fing der Knabe zu weinen an und weinte so stark und unaufhörlich, daß der strenge Mann in eine tiefe Verwirrung geriet und schließlich gar von einer sonderbaren Unruhe befallen wurde, a*s er sah, daß in den Blättern des Baumes mit - einem Male der Abendwind zu spielen begann. Als die Nacht gekommen war, wurde dem dunklen Höhlenmann noch wunderlicher zumute. Wie oft hatte er in seiner Schlucht beim heiligen Studium die Nächte durchwacht, und das tiefe Brausen des Waldes batte ihn nur ruhig gemacht, die geheimen Wege seines Aenkens zu gehen. Jetzt war kein Laut draußen vernehmbar. und doch konnte er seine Gedanken nicht sammeln, denn immerfort lag ihm das heftige Weinen seines Kindes im Sinn. Dabei war es dem Aufhorchenden oft, als wartete etwas vor der Tür und begehrte Einlaß. Manchmal glaubte er sogar ein Klopfen zu vernehmen. Inmitten dieser beängstigenden Stille fing er schließlich im Hause, zu wandern an, und wanderte. bis die Ampel erlosch und die Frühe zu ihm ins Fenster stieg. Am Morgen zeigte es sich, was in der Nacht sich vor seiner Tür bereitet hatte. Der Orangenbaum stand in voller B'üle und sandte einen berauschenden Duft in die durchsonnten Lüfte. Die Vogel, schrien vor Freude und, durchschwirrten den Raum mit ihren glücklichen kleinen Leibern. Uebemächtig hatte Räbbi Simon! sich vom Lager erhoben, jetzt saß er im Fenster und hielt die heilige Rolle auf seinen Knien. Wie der Knabe nun sah, daß er wieder dem Baume gegenüber lernen sollte, erblaßte er und schlug seine bittenden Äugen zum Vater auf. Da! er aber der harten Worte von gestern gedachte, schwieg er wohl und setzte sich nur zitternd neben den Alten, der seiner kaum zu achten schien und mit finsteren B.auen begann. Aufgeregt zwang sich das Kind zum Lauschen. Da es aber zitterte und horchte, stahl sich an sein Ohr ein anderer Klang. Um den Wipfel des Baumes hatte das summende Spiel der Bienen begonnen. Sie taumellen in einer Wolke um die Blitte des Baumes, und in immer neuen Angriffen auf seine Pracht und Fülle rauschte das Heer der kleinen Krieger durch die k.ingende Luft. Als der Knabe das sah, blickte er verstohlen auf den Vater, der aber sang düster seiner Unterweisung vor sich hin und hielt nach seiner Weise die Augen geschlossen. Da schloß auch der Knabe die Augen und merkte nun erst, wie gewattig das Summen der Bienen war. Plötzlich wurde er durch eine heftige Bewegung neben sich geweckt, und wie er aufblickie, sah er, daß der Vater von einer Biene gestochen worden war. Stumm saß der Weise über seine schwellende Hand gebeugt, seine B icke aber waren drohend auf den Baum gerichtet. Da verwunderte sich das Kind und saß mit klopfendem Herzen. In dieser Nacht lag Rabbi- Simon stöhnend auf seinem Bette, denn es plagte ihn heftiger Schmerz. Ganz aufgewühlt aber hatte ihn der Gedanke an den Baum, der diesmal mit seinem Dufte das ganze Haus schien ersticken zu wollen. Beängstigend zog es durch die schwülen Mauern, Glühwürmchen schossen in großer Zahl durchs offene Fenster herein und erloschen, indes immer neue sich zum Lager Rabbi Simons verwirrten. Es war ihm, als hätte ein bitterer Kampf zwischen ihm und dem Baume begonnen, den es durchzufechten galt. Wie betäubt von dem Dufte lag er da und konnte sich nicht erheben. (Schluß folgt.) lttinderecke. Der Traum von der Menorah. Der kleine Simon hatte am Abend lange in den verträumten Schimmer der Chanulkahslammchen geblickt. In die sonst recht lustigen Kmderaugen war etwas von btefem verträumten Schimmer gefallen . . . Und am Tisch stand der Vater und sang. Die Mutter saß bei den großen Geschwistern, und die Geschwister unterhielten sich und lachten. Ob noch jemand sah. wie diese Chanukkahflamme das Zimmer mit dem eigenartigen, sonnenwarmen Glanz bemalten? Das Zimmer war dem kleinen Simon heute Abend eine ganze Welt. Es war alles so anders als gewöhnlich, sogar anders als an den Freitagabenden. Und die waren doch gewiß so recht weihevoll und erhaben. Aber es war ein Unterschied. An dem Freitagabend wird das Zimmer königlich und feierlich, und diese Chanukastimmung war beinahe märchenhaft und etwas vom Frühling war in ihr. Das heimelte o ganz anders an . . . Und auch die Menorah hatte ein neues Gesicht, liebreich und freundlich, — Simon dachte, wie sie sonst dreinschaute, ziemlich leblos und unscheinbar, und —r>ja, jetzig am ihm wie ein Blitz'der Gedanke: die Me^ norah gewinnt dieses Leben erst durch den Flam-' menzauber, der voller Wunder steckt. Das Lichts des Cbanukküh ist ihre Seele . . . Warum das! wohl so war? ...; Der kleine Simon ging dann zu Bett. Man sah in seinen hübschen Augen noch. die Verträumtheit des Abends. Und mit ihr. schlief er ein. . Er hatte auch seinen Traüm. Natürlich von der Menorah und von der Wunderkraft ihrer Ehanulk^hflämmchen und von ihrem herzinnigen Frühlingsscheine. Aber die Menorah seines Trcm^ mes war tausendmal glitzernder und glutvoller als die von heute Abend auf dem Fensterbrett. Sie funkelte viel Heller und lebte in all ihren Gliedern. In einer Fiut klingender Lichtstrahlen bewegten sich die Arme, man fühlte den Pulsschlag des Menorahlebens. Aus dem Flammenbündel stieg ein seltsam schönes Lied. Und entzückt und erstaunt war der kleine Simon in seinem Traum. Es kam aber irgend etwas, , und auf einmal wurde es ringsherum dunkel, die Lichtfülle zerknisterte. wie eine riesenhafte Häwdoloh- Kerze am Sabbatausgang. So schnell ging das, und was dann übrig blieb, war bloß eine nackte Menorah aus Metall, sie sah so kalt und hart aus, und. es war ein trauriges, totes Bild. Der kleine Simon wollte weinen,' denn er wußte nicht, was da geschehen war. Sern Träum aber ging noch weiteri Viel schneller, als man es erzählen könnte. Der Vater kam und nahm den Simon an der Hand und sagte: Das Wunder der Menorah ist ein Teil der großen Wunder, die es in unserer Welt gibt. Sieh, diese erloschene Menorah,; sie steht da wie ein Baum im Winter mit leeren Aesten. Oder, wie ein Menschenkind, das ein leeres Herz hat. Die Menorah war so sonderbar schön, als sich an ihr die Lichter entzündet hatten. Dich hat die brennende Menorah be-i geistert, und die erloschene hat dich betrübt und enttäuscht . . . Weißt du, — es geht mit den Menschenkindern ebenso. Da taufen gar viele herum, ohne inneren Glanz, ohne Wert, mit Herzen aus Metall und ohne Leben. Und die ganze wundervolle Schönheit kommt doch erU wenn jeder die Flammen der T u g e n d e n und der Liebe entzündet. Es beginnt dann das gewaltige Licht der Seele zu leuchten. . . Das ist der Grund, warum die Menorah im Schmucke ihrer Chanukkahflämmchen so ganz anders wirkt, als wenn sie erloschen und einsam ihre Zeit vertrauert ... Der kleine Simon betete am andern Morgen: „Lieber Gott, gib mir die Kraft, eine leuchtende Menorah zu werden, die so große Wunder wirken kann." I. Raphael. Es ist ausschließlich Sache der Leser, die im Inserate»' keil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben rellglonsgefehllchen Charakters auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. seif 1OO Jahren bewährt , JL «L seit iuu janren oewanrr '! von Millionen getrunken "Tubilaums - Dosen ohne Aufschlag überall erhältlich. ISiSH Hansa Gross Wäscherei vorm. Gebr. Vogel Spessart 1382 u. 1383 BoyenslraBe 8-14 Jjausfia((ungs~1Däscfie nach Gewicht naß, getrocknet und gemangelt ' ' Damen- und Herren-Bügelwäsche ' '; Abholung kostenlos ' . . . j Verantwortlich für den allgemeinen Teil und das Feuilleton