Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 51 (17.12.1925)
- Date
- 1925-12-17
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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* Nr. ri IMS Jkeiedei Lichter. Don Keinrich KinstLdter. Ein breiter Strom Hellen Lichts hat feine Quelle im jüdischen Eesetz. Wo irgend in der Welt das Dunkel herrscht, ob. es den Blick des suchenden Menschen verhüllt, ob es. seinen Verstand nicht arbeiten läßt oder ihm das Herz umdüstert, das Licht des Gesetzes verdrängt, es. Es zeigt dem .Menschen den Weg, ,der zum Ziele , hinführt. Es erhellt die Beziehungen der '. Wesen des Schöpfers zuMander. Es gießt aber -auch Mut. und feste Zuversicht in die.Brust, wenn des. Menschen Geist an Grenzen stößt, die' er nicht-Wersteigen fall,;"v-v; Von diesem Licht der Thora dringt aüch rin . Stratzlenbüttdel in das Judenheim Und wandelt es in ein.. Heiligtum^ Und in allen Herzen erzeust. es Flammen und F Lmmchen, ragende und glühende. in der Brust der Erwachsenen, wärmende und begeisternde in der Seele der Tugend. Seht ihr die Kerze dort auf dem Stziten- . Stark und rein steigt sie empor zu stattlicher Größe. Sie hebt sich rvmt über all ihre Genossen, ist euch fremd hier im Hause; denn; su keinerlei Gebrauch wird je sie verwendet. Mit ernster Miene naht ihr der. D ate r, um sie , zu en zünden. - Ihr Lichtglanz wird an Stärke übertroff.en von der.Fülle -es. Lichts, das. gleichzeitig allen .'Lichtträgern. im Zimmer entguillt. Aber nicht verdunkelt wird er! Blaß und geheimnisvoll, fast überrrdifch erscheint uns der Strahl» der nicht sich mischen mag mit dem alltäglichen,. der dem Zimmer eine übernatürliche Mene und-eine heilige Weihe zu verleihen scheint und vieles kündet, was . niemand in Worte - kleidet.: . Die Helligkeit des Tages, der gleichzeitig höchste Feier und ernsteste- Entsagung bedeutet. Per SeeLo Reinheit, die durch das, Licht Gottes wieder hergestellt werden soll. Das Gedenken der Seelen, die bereits zu ihrem Arbild zurückgekehrt sind Und schweigend beugt sich unsre Seele vom Abend bis zum Abend vor dem Ouell des Lichtes.-— Ein anderer Tag. In rüstiger AHeit sind die Hausgenossen! schmelzender Stimme die Worte des Hohenliedes, durch die Reihe der Wochentage hingeschritten,! Sie kamen aus Mesopotamien. Drei Faunverdrossen auf sich nehmend all die Pflichten mitten sinds. Sie brachlen Geld mit und er- Da sind es kleine Kerzen, die das Lich erzeugen sollen. And nicht auf des Hauses Tisch stehen sie, sondern an den Fenstern, um auch ins Freie einen Teil ihrer Strahlen dringen zu lassen. . . And auch die Kinder entzünden sie. Da herrscht heller Jubel im Gemach. Kaum Hai man den gepriesen, der unsren Vätern Wunder getan um diese Zeit, da künde Sang und Klang, wie fest auch wir vertrauen auf Gottes Hilfe. Die. kleinen Flämmchen flackern lustig dor am Fenster. Da wendet sich der Vorübereilenden Blick dorthjn von der Straße. Ja, schaut nur! , Diese , winzigen Perlchen erzählen davon, daß hier Juden wohnen. Juden,, die auf Gott' vertrauen. Juden, die wissen, daß nicht Heeresmacht und Waffenzähh den Sieg' verleihen. Juden, die dies Vertrauen durch die.Jahrtausende geführt tat. V ' J ' Juden, die in. tiefster Finsternis nach dem Lichte ansschaüen, das einst die Erlösung ihnen bringen wird, der auch die Kleinen entgegenjubeln am Tage der Ehann.cka! Lin Sabbat bei den Zemeulken. Zu den Jemeniten in Petach Tikwah geht man am besten zu Fuß. Es ist kein leichter Weg. Von Tel-Awiw än geht man gut zwei Stunden durch den tiefen, heißen Sand. ' Wir wandeln zwischen den Plantagen und Rebbergen von Petach Tikwah. Helles, bmhen des Grün und paradiesischer Duft auf beiden Setten und in der Mitte ein breiter, weißer sandiger Weg.! Wir kommen noch recht zu Sabbat, an Aus bem Herzen der Orangerien bringt eilt bezaubernder orientalischer Gesang und durch die . Zweige winken kleine Flämmchen, - Hier wohnen in einigen Baracken ein paar Familien, und sie empfüngen jetzt schon, frühzeitig den Sabbat. Siehe mich n'cht an, daß ich so schwarz bin, denn die Sonne hat mich geschwärzt Braungebrannte Gesichter, umrahmt von schönen langen Bärten, g'änzen. Ein Dutzend wohl, sitzen. sie in langen, weißen Hemden im Hose um den Brunnen herum und singen mit und Mühen, die zum Werke ihres Lebens zählen. Und nun neigt der letzte sich dem Ende. Da ist es. die Mutter, die das Licht entzündet., ... .; , . - . > ■ Sie,. die. im Haus die.fleißigen Hände rührt von Tag zu Tag, deren Äug des H a u s e s Treiben überwacht und von ihm .fernhält alles Fremde und Befleckende, sie, die zuerst das Licht entfacht in ihrer Kinder Geist und in ihr Herz die Liebe gießt zu jeder reinen Tugend, sie naht als Priesterin dem .reinen Tisch, , der. als Ältar prangt über dem Werte dieser Woche, und entzündet mit heiliger Würde, das Antlitz von Frieden übergossech die längst bereiten Sabb ä t licht er._... ............... ri.:;.. Da strömt auf den Bahnen des Lichts der Sabbaifriede ins stille Gemach. . it Aus Werktag wird Feier. : ’ Aus Kummer wird Seelenruhe. oir* rn Vom Alltäglichen trennt sich leicht Der CsW und wepdet sich hier zu .höheren GebEen; . deW Menschen damit die Krone reichend als Krönung der Schöpfung, die Krone der Thora: •: Sabbat und Frieden. — —;? Und heute Abend?.' warben sich eine Orangerie, die sie selbst, mit eigenen Händen bearbeiten. De ganze Familie ist, weiß gekleidet, auf dem Hofe, und durch die offenen Türen funkeln die Sabbatlichter. Nach dem Gebete gehen wir weiter zwischen Weinen, Beten und Singen. Es wird dunkler. Ueber das Feld dringt das Heulen der Schakale. In Petach Tikwah kommt aus jedem Haus der jüdische Willkommensgruß uns entgegen. Er gilt aber den Engeln. „Frieden über Euch, Engel des Friedens!" tönt es aus allen Häusern. Am. Sabbatmorgen nach dem Frühgottesdienste in Petach Tikwah sind wir im kleinen Iemenitendorf „Machnej Iehuda" hart bei „Petach Tikwah". . Auf der Erde mit ungeschlagenen Beinen auf Matten'und kleinen dürftigen Teppichen , sitzt Äe IemSKiMJeme'ndel^Das,, Vorlesen aus.Her Mvrs. 0V^£nbe, ibW'inan Heilt sich n.icht mit dem Mussafgebete. Eine neue Familie ist am Freitag erst di ekt aus Jemen, der alten Heimat, zugereist.' So s'tzt der FämMnälieste aus dem Mmemor' und erMA .y i Er spricht arabisch. Da er aber uns' erblickt, geht er auf hebräisch über, so daß wir ' Wort für Wort verstehen können. „Der Messias kommt von Jemen. Das wissen die Araber, das weiß. auch der Kalif von Jemen und das ärgert ihn. Darum Verfolgung auf Verfolgung, Bedrückung auf Be- ’ drückung, die eine schlimmer wie die andern, ' und die letzte war schon gar nicht zu ertragen. Alle Waisen, ohne Rücksicht auf Älter, — und wer steht nicht einmal ohne Ettern da?-. — müssen züm Islam übergehen. Dreil Tage und drei Nächte hüben wir gefastet und: die Bethäuser waren vom frühen Morgen bis in die tiefe Nacht gepackt voll . . ." Ich sehe um mich in die Runde. Die ganze - Gemeinde sitzt wie versteinert da. Unsägliches, stummes Weh liegt in den tiefschwarzen Augen.. Aus dem Nebenraüm, wo die Frauen versammelt find, kommt lautes Schluchzen. Aber de,r' Neuangekommene Landes- und Glaubensbruder fährt fort mit gehobener Stimme:;; 1 ,>Und was, meint Ihr, ist geschehen?' Gott l hat ein Wunder vollbracht, : Engel t in Gestalt , von jüdischen Waisenkindern Kalif' mit Feuerruten in der' Hqüd^ üM sie'/ geißekten ihn, daß er im SchläfeschmerzvoN!. Schreie von sich gab.' Alle Diener und FüMn' kamen, die Frauen aus dem Harem eilten herbei, weckien ihn, wollten ihn.aus dem Schlafes reißen. Aber, umsonst. Er schlief und schrie. Erst um die Tagesmitte, da die Zwängsbe- - kehrung der jüdischen Waisen zur Ausführung gelangen sollten, erwachte der Kalif und - befahl, man möchte die jüdischen Chachamim her-/ beirufen. — — — •' Es hat. Geld gekostet, viel Geld, aber. das j Verhängnis wurde abgewendet. Was ist Geld,! was ist Gut, wenn das Heiligste in Gefahr ist?' Wir . find arm in Jemen und sind nun noch! ärmer. Aber der innere Reichtum bleibt uns- - wir sind Juden. — — —"; And darauf fingt bk ganze Gemeinde „AdüN Olam" und stellt sich , feierlich zum Mus-' sargebete. Nach dem Gebete verbleiben wir noch eine. Weile in der Gesellschaft des Iemenitenrabbi und er erzählt uns Einiges über das Leben und die Lage seiner Gemeinde. In Petach Tikwah sei es schwer, für alle A beit zu bekommen.; Diele beschäftigen auch lieber Araber als Juden. So gehen viele Jemeniten zur Arbeit nach Tel- - Awiw, ein Weg von zwei Stunden auf dem heißen Sand. Im Häuschen des Rabbi sieht es armselig und dürf.ig genug aus. Die Sabbatmahlzekt - besteht in der Hauptsache aus.einem am Freitag' zubereiteten Grünk aut. Die Frau des Rabbi geht täglich auf Arbeit. Er selber würde es. auch tun, wenn er Arbeit bekäme. Ist aber alt; und schwächlich. Für den Weg. nach Tel-Awiw . reicht es nicht mehr aus. - „Was machts?" sagt der Chacham. „Wir lind doch in Erez Israel. Erst wenn in Jemen ich.nicht mehr als ein Minjan Juden befinden, 'ommt Moschiach. So fördern wir alle, die wir; lüerher toanbem, Moschiochs Ankunft. Die zehn Juden in Jemen werden die letzte Keduschah beten und dann dem Erlösungshvrn folgen." Die Empörung des Baumes. Von Lmil Bernhard Lohn. AMMäbbi Simon bar Iochäi die Höhle verließ, tfi der er dreizehn Jahre lang den Menschen fern und fremd ihrem Hassen und *) Entnommen den bei Georg Müller, München, erschienenen „Legenden" von Emil Bernhard C o h n. Von den sieben Erzöhlunga, die zum Teile in Talmud und Midasch i><r Grnndmotio haben, aber in freier .-künst- - lerrscher Bearbeitung wirkängsvoll aüf übs einspremen, sei die obige wkedergegieben.