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Der Israelit · 1925-11-19 · Heft 47 (19.11.1925) · page 16

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 47 (19.11.1925)
Date
1925-11-19
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Der Israelit Blätter Seite 4 Nr. 23 19. November 1925 mit den mündlichen vollauf übereinstimmen. Der Oberkommissar bat, noch einmal die Wünsche zu formulieren und zwar nach sotgender Einteilung: 1. Forderungen für die Gegenwart. 2. Forderungen für die Zutun, i. a) religiöse Anliegen, b) Gemeindeorganisation, c) Einwanderung. Der Oberkommissar versprach, sich in die Materie zu vernesen und alle Einzelheiten genau zu prüfen. Die fast einstündige Audienz schloß mit einem Segenswunsche Rabvi Sonnenselds und herzlichen Abschieösworten des Oberkommissars. ^1 Sprechsaal. Offener Brief an Hern Jacob Herzberg, Frankfurt a. M. Sehr geehrter Herr! Sie sind ein sehr guter Redner. Wenn Sie über ein Thema sprechen, von dem Ihr Auditorium wenig weiß, so können Sie versichert sein, daß eben dies Auditorium Ihnen aufs Wort glauben wird, weil Sie die Gabe der überzeugenden Rede besitzen. Ich weih, daß Sie sich voll und ganz der Verantwortung bewußt sind, die Ihnen diese Gabe auferlegt. Dennoch nehme ich mir in Folgendem die Freiheit, Sie auf etwas hinzuweisen, was von diesem Ihrem Verantwortungsbewußtsein kein Zeugnis abzulegen scheint. Ich sage „scheint", weil ich davon überzeugt bin, daß es Ihre Absicht nicht war, in der Rede, von der ich spreche, so zu wirken, wie Sie auf Ihr jugendliches und von keiner Sachkenntnis belastetes Auditorium gewirkt haben. Sie sprachen, Herr Herzberg, in der zionistischen Vereinigung über „Agudas Jisroel", ein Thema, über das wohl das Publikum Ihres Vortrags ganz außerordentlich ununterrichtet ist. Sie hatten es sich zur gewiß nicht leichten Ausgabe gemacht, eine geistige Bewegung, eine Ideologie, die in Ihrem Kreise völlig fremdartig und nahezu unbekannt ist, in diesem Ihrem Kreise bekannt zu machen. Sie haben, sehr geehrter Herr Herzberg, diese Aufgabe nicht erfüllt. Sie sprachen nicht über Agudas Jisroel, wie sie ist, denkt und arbeitet. Sie sprachen über eine Organisation, die es meines Wissens im Judentum G. s. D. nicht gibt und niemals gab. Nimmermehr über „Agudas Jisroel". Sie haben sich auf Grund von vergilbten Zeitungsausschnitten, von zusammengereihten Zitaten aus Büchern, eine Ideologie, konstruiert, die unjüdisch und unmoralisch bis ins Letzte ist. Und diese Ideologie, diese „Weltanschauung" stellten Sie hin und nannten Sie „Agudas Jisroel". Oder vielmehr Sie nannten sie die Weltanschauung der Frankfurter Israelitischen Religions- Gesellschaft, die Sie mit Agudas Jisroel identifizierten. Sie haben auf Grund der oben gekennzeichneten Schriftsätze erklärt: Diejenigen, die sich heute „Agudisten" nennen, seien nicht mehr „gläubig", ihre „Frömmigkeit" sei ein Gemisch aus „Romantik" und „Pietät". Sie warfen auf Grund einer Stelle aus einem Roman einer immerhin stattlichen Anzahl jüdischer Menschen vor, ihr Leben auf einer Lebenslüge aufgebaut zu haben. Nicht mehr und nicht weniger haben Sie behauptet. Auf Grund eines Romanzitates. Ich muß hier wiederum erklären, daß ich nicht glaube, dies sei Ihre Ansicht, Herr Herzberg. Nur mußte notgedrungen das Publikum Sie so verstehen. Und um dieses Auditoriums willen, das aus jungen jüdischen Menschen bestand, schreibe ich diese Zeilen. Sie haben, Herr Herzberg, Bücher über Agudas Jisroel gelesen, Bücher, in denen außer den Ihnen so angenehmen Zitaten" auch eine ganze Menge Positives steht, auf Grund dessen man sehr wohl sich ein Bild machen kann über das, was Agudas Jisroel in Wahrheit will und ist. Sie haben, Herr Herzberg, dies positive Bild, das in Ihnen auf Grund Ihrer Lektüre entstehen mußte, Ihren Hörern nicht gezeichnet. Sicherlich haben Sie, wenn auch nur in einem flüchtigen Moment, wenn auch nur in einem einzigen „Zitat" dieser Bücher, gefühlt, daß es nicht ein „Gemisch aus Pietät und Romantik" sein kann, das eine Anzahl sonst so „unromantischer" und nicht gerade völlig verblödeter Menschen der ganzen Welt, — denn Sie wissen, Herr Herzberg, daß Agudas Jisroel nicht die Religionsgefellschaft in Frankfurt ist — das also diese Menschen veranlaßt, sich Unbequemlichkeiten und Beschränkungen auf Schritt und Tritt, Entbehrungen und Enthaltungen Stunde für Stunde aufzuerlegen, und mit Selbstverständlichkeit aufzuerlegen. Ich sage Selbstverständlichkeit, und wenn ich dennoch über diese Selbstverständlichkeiten Worte machen, so deshalb, weil ich mit Ihnen rede, dem diese Dinge so selbstverständlich nicht sind. In dem Augenblicke, in dem Sie diese Kluft empfanden, und Sie haben Sie empfunden, in diesem Augenblicke habe Sie suchen müssen, Positives zu finden, das diese Menschen veranlaßt, diese Lebenseinstellung festzuhalten und für sie zu kämpfen. Es war Ihnen ein leichtes, diese Motive aufzufinden, die zwar — wie Sie sagten — „subjektiv" sein mögen, aber immerhin Motive sein können. Sie haben wohl auch, Herr Herzberg, über Agudas Jisroel nicht sprechen wollen auf Grund von zwei, drei Büchern und deren Weisheiten. Nein, Sie haben vielmehr versucht, auch da, wo es Ihnen zugänglich war, das agudiftische Leben in den Bereich Ihrer Vetrach- , Ba,ec zur xjeqx tungen zu ziehen. Gewiß haben Sie die Protokolle stu- > Jahresbeiträge. diert dev beiden großen Versammlungen, der von Kattowitz und der von Wien. Gewiß haben Sie auch versucht, vom Leben einer Agudagrüppe sich ein lebendiges Bild zu machen, Sie haben -als verantwortungsbewußter Redner es auch nicht unterlassen, Agüdisten persönlich um ihre Weltanschauung zu befragen und haben sich von ihnen erklären lassen, woher die Kluft zwischen Tun und Denken stamme. Sie müssen es alsdann gemerkt haben, Herr Herzberg, daß es diesen Leuten, die da in Kaktowitz uno Wien, die da in der Frankfurter Agudagruppe, die da für ihre Person ein festes Bild von ihrer Auffassung des Judentums gezeichnet haben, daß es diesen Leuten bitter ernst mit ihrer Weltanschauung ist. Daß es ihnen bitter ernst ist mit ihrem Leben und auch mit dem ihnen aufgezwungenen Kampf gegen die Anschauungen, die sie für gefährlich und bekämpfenswert halten. Sie haben es gemerkt, daß diese Leute vielleicht doch Ideale haben und die Ewigkeitsgeltung dieser Ideale gegen alle und jeden verteidigen, die diese Ewigkeitsgeltung und diese Ideale mit aller Macht bekämpfen. Und nun, nachdem Sie dies gesehen und erkannt haben, erkannt haben müssen aus Grund der eifrigen Bemühungen um das Verständnis derjenigen, über die Sie einen Vortrag halten wollten — nun gingen Sie hin und hielten diesen Vortrag. Und siehe da — ein um$e?el)rtev Bileam. Sie waren ausgezogen um zu segnen, mindestens um gerecht zu weden, und kamen nun und fluchten. Nichts war zu hören von all den Erkenntnissen über das wahre Wesen der Agudas Jisroel und ihrer Anhänger, von den Erkenntnissen, die Sie ja gewonnen haben müssen aus Grund Ihrer eifrigen Informationen. Und nun, sehr geehrter Herr Herzberg, sind wir am Kernpunkt des Problems: Nicht um Ihretwillen — denn Sie wissen es ja, was Agudas Jisroel ist, um der jüdischen Jugend willen, die Sie hörte und Ihre Worte in sich aufnahm: Um dieser jüdischen Jugend willen, die Postscheck - Konto Landesorganisation: Gruppenverband der „Agudas Jisroel“ in Deutschland, Halberstadt: Nr. 18901 Berlin. nun auf Grund der von Ihnen vorgetragenen Erkenntnisse Agudas Jisroel und die Agudisten als den Abschaum des Judentums gründlich verachten muß, um dieser Jugend willen, die die Losung des „Ecrasez l'infame" in Worten hören mußte: Herr Herzberg, erklären Sie, wieso es kommt, daß Sie nicht ein Bild, sondern eine Fratze von Agudas Jisroel zeichneten. Woher es kommt, daß Sie gegen die gewonnenen Ansichten, die Ihnen hätten werden müssen nach alldem, was sie lasen, hörten und sahen — daß sie entgegen diesen Ansichten den Agudisten die Lebenslüge vorwarfen. Mißverstehen Sie mich nicht. Nicht daß über Agudas Jisroel nur Gutes und Schönes zu sagen Ihre Pfliä gewesen wäre: Keiner weiß es besser als wir, daß wir nur Menschen "nd und behaftet mit menschlichen Schwächen. Und niemand ist Ihnen dankbarer wie wir, wenn Sie Hinweisen auf Fehler und Mängel, die wir abstellen können. Aber daß Sie nur Schlechtes von uns sagen, und das Gute, das Sie wissen, für sich behalten: Das ist bedauerlich. Um der Zuhörer willen bedauerlich. Und wenn ich auch als Jüngerer rede einem Aelteren gegenüber und als sachlicher Gegner dem Gegner gegenüber: Halten Sie meine x^orte nicht der Beantwortung für unwert. Antworten Sie, geehrter Herr Herzberg!!-rriV'2 nipi^rm i3T> '33 Ich bin mit vorzüglicher Hochachtung Ihr Manfred Neuberger. Aus der Bewegung. Mainz. Am 12. Oktober hatten wir die Freude, Herrn Jaobson-Hamburg bei seiner Durchreise nach der Schweiz zu hören. Seinen geistvollen, vop erquickendem Humor durchzogenen Ausführungen, die von unserem Herrn Rabbiner Dr. Bondi mit großer Wärme unterstützt wurden, ist die Eintragung von 40 Mitgliedern am selben Abend für den Keren Hathora zu danken. Basel. Hier fand am 17. Oktober der erste Vortrag durch Wolf S. Jaobson für den Keren Hathora statt. Die gutbesuchte Versammlung wurde durch E. Botschko-Montreux vorzüglich geleitet. Die Kommissariats-Leitung übernahm Rabbiner Schwarz-Basel, für das Inkasso und den weiteren Ausbau stellte sich Samuel Rosenheim- Bafel zur Verfügung. Vortrags-Ergebnis: 2000 Franken Zürich. Unter dem Präsidium.des Schweizerischen Keren Hathora-Leiters, Rabb. Brom, hielten Vertreter aus Zürich, Basel, Luzern, Montreux und Genf eine Sitzung ab, in der beschlossen wurde, die Arbeit für den Keren Hathorä in der in Deutschland schon bewährten Weise zu organisieren durch Einrichtung einer Tagessvende von 15 Rappen, der Barmizrvo-Äktion, durch Glückwunsch- und Beileidsbriefe, Spendenbuch und Bemühungen bei den Gemeinden um Subventionierung. Abends sprachen in einer Versammlung unter Oberrahbiner Dr. Lewensteins Vorsitz Wolf S. Jacobson und Rabbiner Labian- Kelme eindrucksvoll und begeisternd. Obwohl am Abend' des Vortrags von der Mitgliederwerbung abgesehen wurde, sind spontan 700 Franken Jahresbeiträge gezeichnet worden. Das Züricher Kommissariat, das sich zunächst aus den Herren Rabbiner Kornfein, Max Mannes, Max Cahn, Camille Löwy, Gabriel Ortlieb zusammensetzt und noch durch Zuwahl ergänzt wird, rechnet mit 5000 Franken Jahresbeitrag. St Gallen. In der Synagoge der Adaß Jisroel sprach unter Vorsitz von Herrn N. Sternbuch am 21. Oktober Wolf S. Jacobson. Die Herren Sternbuch und Weißbord übernahmen die Keren Hathora-Arbeit für St. Gallen. Die zionistischen Kreise, die sich für den Keren Hathora als solchen nicht einsetzelft wollten, erklärten sich dagegen bereit,, ein Jnitiativ-Komitee zur Subventionierung der Telschier Jeschiwah einzusetzen. Luzern. In gut besuchter, von Rabbiner Brom trefflich geführten Versammlung erzielte Wolf S. Jaobson am 24. Oktober sogleich 1000 Franken Mitgliedsbeiträge ourch seinen erwärmenden Vortrag. Die weitere Werbung hat mit Herrn Rabbiner Brom, dem Leiter des Schweizerischen Keren Hathora, Herr Immanuel Herz angebahnt. Genf. Am 25. Oktober rief ein großer Vortrag' von Wolf S. Jacobson eine ausgiebige Diskussion hervor, die Herr S. Sternberg leitete, und in der Herr Dr. Shklar, besonders warm für Agudas Jisroel eintrat. Abendsrgebnis 400 Franken. S)ie Sjevven Sternberg und Klopmann besorgen die Kommissariatsarbeiten. Baden (Schweiz). Nach einem Vortrag von Wolf S. Jacobson haben Herr Lehrer Fröhlich, der die Versammlung geleitet hat, und Frau Louis Wyler die Organisierung des Keren . Hathora-Kommissariats übernommen. Tauroggen. Hier herrscht empfindlicher Mangel an Schaß-Masechtos und an Sifrei Newiim. Wer gebrauchte Einzelexemplare entbehren kann, wolle sie unfrankiert an den Spediteur Gebr. Gutkin in Tilsit zur Weiterbeförderung an M. Polangin in Tauroggen (Litauen) senden. Es handelt sich um sechzig arme Menschen, die nach einem Blatt Gemoro und nach „Nach" lechzen. Auf Anfrage erteilt das Landesdirektorium des Ke.ren Hathora, Hamburg, Schaüenburgerstraße 15/19 gern Auskunft. Jerusalem. Dank der Förderung durch die allweltliche Palästinazentrale wurde von der palästinensischen Poale Agudas Jisroel eine Ziegelei 'eingerichtet, die vielen Arbeitern Beschäftigung geben wird. Vorderhand sind bereits 25 Arbeiter darin tätig. Jerusalem. Die Jerusalemer Poale Agudas Jisroel hat die Durchführung der Jnnenarbeiten im Neubau des Diskinschen Waisenhauses übernommen. Diese Arbeiten, wurde von einer größeren Gruppe Aulim besorgt und werden eine längere Zeit in Anspruch nehmen. — Die Kücbe der Poale Agudas Jisroel in Jerusalem findet dank ihrer ausgezeichneten Führung alltäglich erhöhte Inanspruchnahme und es ist aus den Statistiken zu ersehen, daß während der Feiertage täglich durchschnittlich 600 Personen vollkommen verpflegt wurden. Des Abends vereinigen sich sämtliche Mitglieder dieser Arbeiterorganisation, um das Thorastudium zu pflegen. Oradea-Mare. Rabbiner Dr. Joel Pollak wurde in Oradea-Mare am Bahnhofe von einer Deputation empfangen und feierlich begrüßt. Hierauf begab er sich zu Seiner Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Fuchs, um über die allgemeine Lage der Agudas Jisroel in Siebenbürgen zu beraten. Nachher stattete Dr. Pollak den Wischnitzer Rebben einen Besuch ab, wobei ihm dieser seiner großen Sympathie für die Agudabewegung versicherte. Der Wolchowitzer Raw, ein Sohn des Wischnitzer Rebben erklärte sich zur aktiven Mitarbeit bereit. Der Vorsitzende, Herr Freund, begrüßte die überaus zahlreich erschienenen Festteilnehmer, woraus Rabbiner Dr. Joel Pollak das Wort ergriff. Sehr wirkungsvolle Tischreden hielten die Herren M. Pollak, dann Rabb. Benjamin Hauer, Jsak Sternberg und der Wolchowitzer Raw. Dr. Pollak reiste bereits am Mittwoch nach Szekelyhid, am Donnerstag nach Ermihalyfalva und über Samstag und Sonntag nach Szatmar. Die Begeisterung für die Agudabewegung ist sehr groß. Dmoendcf $tgucfa~dflavfeen * . Lrkaktlrek in allen Ortsgruppen.

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