Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1925-11-19 · Heft 47 (19.11.1925) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 47 (19.11.1925)
Date
1925-11-19
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2450337-2450382--72684-2530092
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

b£?"' Der Israelit DM7 192$ mm Wo und was ist Sambation. Skeptiker verweisen den Sambation kurzerhand in das Reich der Sage und Legende. Sie meinen: gäbe es ein solches Meer und ein solches Land, die Forscher in der Zeit des Flugzeuges und der Nordpolerpedi.ionen hätten sie längst entdeckt. Es ist schon wahr, daß auf Landkarten und in geographischen Büchern kein Sambation zu finden ist. Fraget aber einen. Juden, egal wo auf dem Erdenrunde, nach dem Sambation, erwirb ihn euch in allen Einzelheiten beschreiben, wie das Land seiner eigenen Lindheit. Wann und aus welchem Felsen der jüdischen Geschichte dieser Teich entsprungen ist, ist schwer zu sagen. In den alten, hei igen Büchern bis zur' Zerstörung des zweiten Tempels wird sein Name nicht genannt. Erst nach der Zerstörung, da Heimweh und Sehnsucht nach dem.Lande der Väter immer mächtiger anwuchsen, taucht der Sambation auf, hinter dem versprengte jüdische Stämme wohnen und sich, wie wir, in Sehnsucht nach Vereinigung mit Israel und Erez Israel verzehren. Im Talmud begegnet uns der Sambation zum ersten Mal im Traktate Sabbat in einer Disputation zwischen Rabbi Akkba und dem römischen Feldherrn Tyranus. Nufus. „Was soll denn der Sabbat etwas besonderes bedeuten?", fragte der Römer, „ist er doch ein Tag wie alle anderen Tage, mit Sonnenauf- und Untergang, mit klarem oder wolkenbedecktem Himmel, je nach der Weiterbildung. Was im Kosmos nimmt Kenntnis von eurem Sabbat?" „Und was zeichnet dich, Herr und Gebieter, von den anderen Menschen aus. daß die Menschen auf der Straße sich vor dir niederwerfen?" erwiderte der Rabbi mit einer Gegenfrage. „Ich bin," sagte Rufus stolz, „Statthalter des Kaisers, und die Menschen huldigen in mir dem Kaiser und seiner Majestät." „And' wir,""Mhm Rabbi Akiba das Wort auf, „huldigen im Sabbat dem Meister und .Weltenschöpfer, der uns einen Abglanz von seiner iPracht in diesem von uns geheiligten Tage gegeben hat" . . . Da aber Rufus noch weiter nach klaren, festen Beweisen fragte, schloß Rabbi Akiba die D'skussion mit den Worten: „Sambation möge es beweisen!" Cs fehlt natürlich nicht an Erklärern, die diesen Hinweis auf natürliche Art zu deuten fluchen. Sambation bedeutet in diesem Zusammenhang nichts anderes als das wogende Stürmen in unserer Brust, das mit Säbbatanbruch zur Ruhe kommt. Das allein sei schon Wunder genug, der für die Kraft des Sabbat spricht. Diese Erklärung hat manches für sich, bewiesen ist sie aber keineswegs. Der bekannte jüdisch-römische Historiker Iosephus Flavius, der die Zerstörung des zweiten Tempels miterlebt hat und Titus nicht fern stand, erzählt u. a.: „Als der Kaiser Titus die Länder zwischen Akosch und Brudano bereiste, die zum Gebiete des Königs Agrippas gehörten, stieß er auf einen wunderbaren Teich, der die ganze Woche rauschte, am Sabbat aber stille Ruhe bewahrte." Auch in den alten Beschreibungen der mazedonischen Feldzüge unter dem großen Alexander ist von einem Teiche die Rede, der sechs Tage m der Woche Sand und Steine in die Höhe wirbelt. Mehr weiß vom Sambation zu erzählen der bekannte, etwas phantastische Reisende Elba d d e r D a n i t e, der im neunten Jahrhundert die Welt bereiste, seine Erlebnisse aufzeichnete und sie der Nachwelt erhielt. Er will von seinen Eltern die Überlieferung übernommen haben, die diese von ihren Vorfahren erhielten usw„ daß nach der Zerstörung sich eine Wolke herunter.ieß und einen großen Teil von Juden mi.samt ihren Häusern und Herden aufnahm, irgendwohin durch die Luft trug und dann an einem bestimmten Platz absetzte. In der Nacht hörten sie ohrenbetäubendes Geräusch, und als sie aufwachten, war der steinwerfende Fluß vor ihnen, sie von der anderen Welt trennend. In der Dämmerstunde vor Sabbatbeginn bedeckt sich der Strom mit einer finsteren Wolke, daß sich keiner ihm zu nähern vermag. Stellenweise habe der Teich eine Breite von nur 60 Ellen, so daß sich die Menschen hüben und drüben gut verständigen können. Die von der anderen Seite, die Eldad gesprochen haben will, geben an, Angehörige der Stämme Dan, Naphtali, Gad und Ascher zu sein. Noch eingehender wird der Sambation beschrieben im Werke „Scheerith Israel". Der Autor erzählt, er habe sich einer Karawane, die Eisen von Saloniki nach dem Sambation führte, angeschlossen und dabei das Land genau gesehen. Es war dies im Jahre 5391 seit Schöpfung. Der Weg ging über Mekka durch endlose Wüsten, wo sich vorsintflutliche Tiere mit fünf Füßen und drei Augen befinden, bis zu einem Lande namens Mari Franco. Von dort sind es noch zwei Tagesreisen bis zum Sambation. In der letzten Stadt am diesseitigen Ufer nahm er eine Rauchwolke wahr, die die ganze Aussicht verhüllte. Die Geräusche waren unbeschreiblich. Vor Sabbatanfang verstummten all die Geräusche und die Stille hielt an bis zum Sabbatausgang. Auf der anderen Seite wohnen Juden unter eigener Herrschaft. Einer der jüdischen Könige heißt mit Namen Elieser. Es gibt noch eine Reihe anderer Wundergeschichten vom Sambation. Nur eines wollen oder können die Berichte uns nicht verraten: Wo ist der Sambation? Die einen verlegen ihn nach Afrika, unweit von Abessinien, andere suchen ihn in Indien, wieder andere wissen ganz gewiß, daß er sich in Eh in a befindet. Ein Spälerer, ein Reisender unserer Zeit, A. T r u b o s ch i st, hielt sich 1920 in Indochina auf. In der Stadt R a n g o n in der Provinz Birma sah er einen Teich mit Namen „ I r o - w a d i", der zuweilen, etwa zweimal im Monat, so gewaltig durch die Stadt rauscht, daß in den Straßen keiner seine eigene Stimme hört. Wenn der Teich in diesem Wogen und Wüten ist, ist es unmöglich, auf die andere Seite hinüberzukommen. Unter den Chinesen auf der anderen Seite wohnen sehr viele Juden. Sie haben ein eigenes Bethaus, Thorarollenund einen Rabbiner. Auf die Frage des Reisenden, ob dieser Teich vielleicht mit dem Sambation iden.isch sei. konnten Chinesen noch Juden klare Auskunft geben. Später hörte er in Kalkutta, daß es bei den Juden Indiens ausgemacht ist, daß sich der Sambation in China befindet, einige Kilometer von Kanton. Än der Familienchronik der bekannten Familie Sasson ist verzeichnet, daß ein Urahn der Familie seinen Sohn von Bombai nach Kanton zur Abwicklung geschäftlicher Angelegenheiten schickte. In Kanton erfuhr der Sohn, daß sich einige hundert Kilometer weiter ein Teich befindet, der Sand und Steine von sich wirft und am Sabbat ruht. Hinüber könne man nicht einmal am Sabbat. Nur zu bestimmten Stunden, etwa zwei Stunden vor Sabbatanfang. Wer an dieser Zeit den Uebergang wagt, muß dafür sorgen, daß er noch vor Sabbat den Rückweg antritt. Hat er dieses versäumt, so muß er schon auf der anderen Seite sein Leb lag bleiben. Alle Geschäfte zwischen beiden Ufern werden in diesen wenigen Ruhestunden vor Sabbat abgewickelt. Diese Eiuzeichnungcn in der Familienchronik der Sassons decken sich genau mit den Berichten, die Truboschist in Kanton von chinesischen Juden geworden sind. Ein chinesischer Arzt erzählte ihm, daß 600 Kilometer nördlich von Kanton sich wirklich ein F.uß mit den beschriebenen Eigenschaften befindet. Der Weg dahin ist aber mit solchen Gefahren ve.Kunden, daß kein Reifender und kein Forscher sich hinwagen kann. Die Wege wimmeln von wi.den schauerhaften Tieren, die kein Lebewesen verschonen, das in ihrer Nähe sichtbar wird. Viele Chinesen und Juden wollen aber den Strom mit eigenen Augen gesehen haben. Eine spanische Adelsfamilie bekennt sich zum Judentum. Die Familie Kub alis gehört dem höchsten spanischen Adel an, deren Mitglieder höchste weltliche und geistige Aemter einnehmen. Ein jüngeres Glied der Familie, Gabrieli Kubalis. lehrte vor kurzem aus Marokko, wo er mit Auszeichnungen gegen die R fstämme gekämpft hatte, als hoher Offizier in die spanische Heimat zurück, und dieser Gabrieli ist der Held der folgenden Begebenheit: Gabrieli Kubalis steht im Alter von 35 Jahren, hat vor seiner militärischen Laufbahn Philosophie studiert, mehrere Bücher geschrieben und besitzt den Doktortitel. Eine große Karriere war ihm sicher. Man sprach davon, daß Gabrielli bald den Posten eines Gesandten an einem europäischen Hose erhalten soll. Da riß der hochangesehene Adelsmann selbst alle Fäden, die zur großen Zukunft führten, durch und klammerte sich an andere geheime Fäden, die zur fernen Vergangenheit zurückführten. Die Sache begann in Marokko auf der Kriegsfront. Als der Leutnant Gabrieli Kubalis in einem kleinen marokkanischen Städtchen nach Deckung vor den Geschossen des Feindes ausschaute, trat an ihn ein Greis heran, der sich in Gesichlszügen und Kleidung von den anderen Marokkanern kaum auszeichnete. In der Meinung, einem Feinde gegenüberzustehen, griff Kubalis nach dem Säbel. Der Alte machte aber ein Zeichen der Friedseligkeit und flüsterte dem Spanier zu, er möge doch eine Weile aus ihn hören. Neugierig auf die Botschaft des Alten ging Kubalis auf die Aufforderung ein, und im nächsten Gebüsch in einem kleinen Abstand vom Regimente saßen die beiden aus einem Holzstamme, der alte Marokkaner und der junge Spanier, und was sie sprachen, war entscheidend für das fernere Leben des Offiziers. „Auch du bist ein Jude," sagte der Alte fast vertraulich, und er bohrte seine Augen tief in die des Spaniers. Dieser antwortete etwas verwirrt, daß er nie in seinem Leben etwas mit Juden zu tun gehabt hätte, und daß er auch keine besondere Sympathie für dieses Volk empfinde. Der Fremde aber sah mißtrauisch auf den Spanier und antwortete resigniert: „Wenn dem so ist, daß ich mich geirrt hätte, so darf ich es dir nicht anvertrauen, was ich dir sagen wollte." Von diesem Momente an trat eine Unruhe in die Seele Kubalis, die er nicht mehr meistern konnte. Er mußte immer darüber Nachdenken, wieso ihn der Alte für einen Juden hielt und was er ihm anoertrauen wollte. Er nahm bald Urlaub und kehrte nach Spanien zurück. Hier stellte er Ausforschungen an. ob er wirklich jüdische Gesichiszüge hatte, und erfuhr, daß nicht er allein, sondern auch alle seine Verwandten

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.