Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 46 (12.11.1925)
- Date
- 1925-11-12
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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12. November 1925 Nr. 46 Seite 17 Personalien. Hamburg. 23. Okt. Mit Semmi Hesse, der in der Woche nach plötzlich im besten Mannesalter von uns ging, ist ein pai 'rp-m von ganz seltenen Ausmaßen gestorben. Diese Liebe zur min und zu ihren Trägern, die aus einem ungewöhnlich gütest Herzen, die aber auch aus feinem Verständnis für die wahren jüdischen Lebensnotivendigkeiten floß, ließ ihn sich. überall dort betätigen, wo. man einen Mann großzügigster Gesinnung und praktischer Lebensklugheit brauchte: in der Gemeinde als langjähriges Verwaltungsmitglied des. Synagogenverbandes, für die jüdische Gesamtheit als Mitglied des Zentralrates der Agudas Jisroel. deren Geschäfte in Hamburg er viele Tahre als. Vorsitzender führte, als der Prehburger als 'X2Z für Erez Jisroel, als Mitglied der Verwaltung des nmvn pp. — Beiden Versuchungen, denen der Mensch ausgefetzt ist.i^n Reichtum und Mangel, war cr unterworfen und in der Feststellung, daß er in beidem sich bewährte wie selten einer, umschreibt man die ganze Summe seines Lebens. Im Reichtum: er hat buchstäblich seine Mittel nur. als Mittel angesehen, Mittel für den einzigen Zweck. Gutes zu tun. Das, was wir am Lebenden bewunderten, dürfen wir dem Toten laut liachrühmen: es gab in Hamburg keinen n-nn dem Semmi Hesse in der wirtschaftlichen Not der Nachkriegsjahre nicht ein treuer, edler Helfer gewesen war. Er war — das Wort hat unser ->“2 an noch zu seinen Leb-, zelten oft auf ihn angewandt — ein was nwss msa’ Zahllose Existenzen hat er gegründet und diese Hingabe an die Sorge anderer als etwas so Natürliches empfunden, daß sie auch seiner Frau und seinen Kindern zu eigen wurden. Er gab so großzügig für und a->rrr, für nio noaan und p«' für jede Not, die an seine Tür pochte, daß der Wohlstand ihm nicht zu einer Versuchung wurde, sondern zu einem Ansporn, sich zu bewähren als a^> am V'w Und im Mangel, den er für sich selber kaum spürte, weil er für seine Person stets bescheiden und anspruchslos gewesen war, auch da erwies er sich als v'x, war voll pua und Charakterstärke und zeigte, daß ihm aus innerem Reichtum die Freude am Leben kam. ->vrr v'-L'sr nrara nip-> nx nvo ce? snp'»- — wer das erreicht, der hat nach dem jüdischen Dichter die Krone des Lebens gewonnen. Ihm ilt sie geworden! Wir werden seinen Namen stets nennen in Liebe und herzlichster Erinnerung an den ungewöhnlicben 3vj ^->2' an dem bbs eifrig interessierten, tatkräftigen Mann, an den für die nnm und ihre Lehrer zu höchsten Opfern freudig bereiten Jehudi, an den zärtlichen Gatten und Vater, den guten, selbstlosen Freund! Möge Gott den Seinen und uns allen, die wir ihm Freunde waren, — und die ganze nWip war ihm Freund — in unserem Leid Trost geben msns vrr nnm sw •ps vnnna i-reiV' in? Die Lewajo fand am Freitag nachmittag unter einer selbst für Hamburger Begriffe selten großen Beteiligung aller Kreise unserer Gemeinde statt. Mit Rücksicht auf den Schabbos konnten Hespedim nicht gehalten werden. In der Schiwoh hielt Herr Rabbiner Diamant, ein langjähriger Freund ves Hauses, einen herzlichen, warmen Nachruf, der die Persönlichkeit Semmi Hesses in jeder Weise würdigte. Äüssees, 9. Nov. Herr Lehrer Leopold Schloß von hier beging vor einigen Wochen das seltene Fest seines 50jährigen Ortsjubiläums. Herr Schloß aus Oberlauringen in Unterfranken stammend, war einige Jahre in Hessen angestellt und wirkt seit 1. September 1875 in hiesiger Gemeinde, zur größten Zufriedenheit der Gemeinde und der Vorgesetzten Behörden. Am Jubeltage wurde, er daher mit Geschenken und Anerkennungsschreiben überhäuft. Namens der Kultusgemeinde gratulierte vom Vorstand Herr David und überreichte ein sehr schönes Geschenk. Der Herr Bürgermeister des Ortes, sowie der Schloßherr von und zu Aussees erschienen selbst unter den Gratulanten. Möge dem greisen Jubilar in steter Rüstigkeit des Körpers und Frische des Geistes weiteres gesegnetes Wirken befchieden fein. Büdesheim (Oberhessen). Am 18. Marcheschwan verschied hier nach kurzem schweren Leiden Frau Emma Strauß geb. Joseph, noch im frühen Alter von 58 Es ist-ausschließlich Sache der Leser, die im Inseralenkeil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben religwnsgesetziichen Charakters auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. ZUCKERKRANKE Aleuronai - Gebäcke von allen Autoritäten empfohlen MAGENKRANKE Rodenbach’s Grahambrot Nährmittelfabrik Friedrich Günther Verkauf Hermesweg 8—12 - Hansa 3862 u.795 sowie in den Filialen der Brot- «. Keksfabrik Osthafen G. m. b. H. sM Esch-Original (Musgrave’s)! / Oefen sind ausgespr. Dauerbrenner und werden der soliden Ausführung und der Fußbodenerwärmung wegen bevorzugt Luftheizungen für Einf.-Häuser, Synagogen, Säle etc. Esch s Co., Zeil 23 Fernsprecher Hansa 1156-57 ©er Israelit Jahren. In religiösem jüdischen Hause ausgewachsen, bildeten Zedoko und Gemilus Chesed einen Hauptbestandteil ihres Wirkens. So konnte es kein Wunder nehmen, daß bei der Bestattung großes Gefolge ihr das letzte Geleit gaben. Am Grabe schilderte Herr Lehrer Sonnenberg-Wachenbuchen in treffenden Worten das Leben der so früh Verstorbenen, ihre guten Taten für Klall Jisroel und für Arme und Hilfsbedürftige. — Mit dem schwergeprüften Gatten trauern brave Kinder, viele Verwandte und die ganze Gemeinde um ihren Verlust. Möge Haschern den Trauernden seinen Trost spenden. Höchberg bei Ludwigsburg, 8. Nov. Im 61. Lebensjahr starb hier an einem Herzschlag Frau Karoline Falk, die durch ihr heiteres Wesen und ihren stets hilfsbereiren Woynätigkeitssinn sich allgemeiner Beliebtheit erfreute. Am Grabe schilderte Lehrer Metzger-Ludwigsburg, sowie Oberlehrer Crlcbacher, der Bruder der Verstorbenen, deren hervorragende Tugenden. Cs war die einzige jüdische Familie, die nicht von dem Strome der Zeit und dem Zug in die Stadt erfaßt wurde. Da der Gatte wohl zu seiner Tochter nach Baisingen übersiedeln wird, so wohnt keine jüdische Seele mehr am Ort. Die ehrwürdige Synagoge und das stattliche Schulhaus mit seiner einstigen jüdischen Volksschule sind schon längst veräußert. Dodenburg a. N., 6. Nov. Am 13. November kann oer Vorsteher unserer Gemeinde, Herr Julius K a u f - ni a n n II, ein seltenes Jubiläum feiern. An diesem Tage gehört er 40 Jahre lang dem Synagogenrat an, während er das Amt des Vorstandes selbst auch seit nahezu 20 Jahren innehat. Die Gemeinde weiß die Bedeutung dieses Ereignisses wohl zu würdigen und wird einige Tage später, am Sonntag den 29. November, nachmittags 4 Uhr, eine Feier zu Ehren des Jubilars, der in diesem Jahre auch m. G. H. sein 7 5. Lebensjahr zurückgelegt hat, .veranstalten. Buhbach, 4. Nov. Am 11. Marcheschwan wurde in Poh-göns bei Butzbach Frau Sara Meier zur letzten Ruhe bestattet. Eine Frau mit einem innigen jüdischen Wesen, eine wahre ist mit ihr dahingegangen. Sie war eine Wohltäterin der Armen, ihr gastliches Haus hat keiner ohne gespeist verlassen. Die Beerdigung war denn auch ein Beweis der Achtung und Liebe, welche die Verblichene in jüdischen und nichtjüdischen Kreisen sich erfreute. Am Grabe sprach Herr Dr. Cohn aus Marburg. Möge'"Vn dem hochbetagten Vater, dem gebeugten Gatten und den Söhnen Trost geben. . rr-rsin- Schweich a. d. Mosel, 10. Nov. Sonntag, den 8. Nov. fand hier die feierliche Enthüllung eims Denkmals für die gefallenen Söhne unseres Ortes statt. Vorher war ein entsprechender Gottesdienst der einzelnen Konfessionen. — Die hiesige israelitische Gemeinde veranstaltet für ihre Gefallenen ebenfalls eine Gedenkfeier. Nach dem Schacharisgebete sang Herr Lehrer Jsenberg, Schweich, dem Ernst der Stunde anpassend, den Trauer-Psalm Michtom Ledowid Hierauf bestieg Herr Oberrabbiner Dr. A l t - mann, Trier, die Kanzel. Die tiefempfundenen Ausührungen klangen in den Herzen der andächtigen Trauergemeinde, wie auch der erschienenen Andersgläubigen wieder. Nach der Eeelenseier mit Verlesung der Namen der gefallenen Söhne der israelitischen Gemeinde, wurde von sämtlichen ehemaligen Striegern unserer Gemeinde das- Kaddischgebet gesprochen, und hiermit fand die erhebende Feier ihren Abschluß. An dem Festzug sämtlicher Vereine unsres Ortes zur Denkmalsenthüllung nahm die israelitische Gemeinde, sowie Herr Dr. Altmann ebenfalls teil und wurde dieser hierbei von unserem anwesenden Herrn Landrat, Dr. Pohl, sowie Herrn Bürgermeister Ruhland,aufs herzlichste begrüßt. Nach der Enthüllung legte im Nomen der israelitischen Gemeinde unser erster Vorsteher, Herr Philipp Salm, einen prächtigen Lorbeerkran.; mit Schleife und entfprechenderJnschrift am Denkmal nieder. Vermischtes. Hamburg, 10. November. Der Verein zur Förderung ritueller Speisehäuser e. V., Hamburg 1, Dornbusch 4, hält am 1. Dezember d. Js. im Logenheim, Hamburg 13, Hartungstrahe 9-11 abends 8 Uhr eine Mitgliederversammlung ab. Diese Mitgliederversammlung ist dadurch veranlaßt, daß das Amtsgericht (Abteilung Vereinsregister) verlangt hat, daß die in das Direkorium gewählten Mitglieder in einer Mitgliederversammlung bestätigt werden. Ferner muß statutengemäß die Wahl von Revisoren in einer Mitgliederversammlung srattsinden. Fulda. 9. September. Am 1. September wurde hier im Kreis-Siechenhaus eine rituelle Küche eröffnet, die für dessen jüdische Insassen dauernd das Essen liefert. Im Siechenhaus befinden sich seit Jahren stets eine Anzahl älterer leidender Jehndim, für die bisher nur das Mittagbrot geliefert wurde. Diese Methode hat sich jedoch als durchaus unzulänglich erwiesen. Es ist den Bemühungen des Herrn Gustav N u ß b a u m und der aufopferungsvollen Arbeit hiesiger Damen, von denen sich besonders Frau Feld heim und Frau Leopold Katzenstein außerordentliche Mühe gaben, zu danken, baß für die alten Leute nun bestens gesorgt ist. Die Einrichtung kann jedoch nur aufrecht erhalten werden, wenn auch die übrigen Gemeinden des Bezirks deren Angehörige durch das Entgegenkommen der Verwaltung ebenfalls ausgenommen werden, sie unterstützen. Wien, 8. November. Wie uns die A. I. P. B. mitteilt, war Rabbiner Lapp von.Wirballen f. A., im Gegensätze zu Zeitungsmeldungen, niemals in der Misr a ch i b e w e g u n g tätig. frankfurter Berichte. Geselischaftsabend der Israelitischen Volksschule. Man hat die höchste Kunst in den Dienst der h ochsten Wohltätigkeit gestellt; die höchste Kunst, vertreten durch Namen wie Irene T r i e s ch , Friedrich K a y ß l e r und Eduard Lankow, für die höchste Wohltätigkeit: die Ausbildung und Ertüchtigung von jungen Menschen für Leben und Judentum mittelst unserer Israelitischen Volksschule. Beides, Kunst und Wohltat, zog, und so geschah es, daß der große Saalbau am Donnerstagabend vottgefüllt war. Irene T r i e s ch glänzte an erster Stelle — auf dem Programm. Leider wurde sie noch im letzten Momente so heiser, daß man ihre Heiserkeit von Berlin bis hierher hörte. (Der Konferenzier ließ in Berlin die Heiserkeit durch Zeugen und Notar amtlich beurkunden.) Ein vollwertiger Ersatz war in Frau R o t h m a n n gewonnen. Wie vollwertig dieser Ersatz ist, wird man demnächst konstatieren können, da sich Frau Triesch anerboten Hut, in vierzehn Tagen das Versäumte mit einem eigenen Rezitationsabend zu grinsten der Volksschule nachzuholen. Die anderen großen Stiinftler waren d a und sangen und rezitierten, wie man es von ihnen erwarten mutzte. Eduard Lankow brachte von Amerika einen schönen, weichen Baß und eine warme, einschmeichelnde Vortragsweise mit. Friedrich K a y h i e r setzt sich an den Tisch und die große Brille auf die Künstlernase und beginnt gedämpft aus einem Buche etwas vorzulesen. Die Vorlesung wächst sich aber nach und nach zu einer deklamatorischen Explosion aus, die, je nach der Materie, erhebt, hinreißt, Tränen oder Lachsalven entlockt. Gleiches in anderer weicherer Art bringt auch Frau R o t h m a n n fertig, von der, ohne Bekanntgabe, Uneingeweihte kaum gewußt hätten, daß sie nicht die „berühmte Irene" sei. Ein ausgewähltes Orchester unter Leitung von Max N e u m a n n , etwa vierzig Mann, stand auf künstlerischer Höhe und erntete besonders mit der Hebräischen Rhapsodie von Lewandowsky, aber auch mir einigen Ouvertüren, größten Beifall. Als Einlage bekam man auch einen Frankfurter „Jackie Eoogan" — nicht wie im Film allein zu sehen, sondern zu hören. Da stand ein kleiner Schtiljunge (Erwin Offenvacher) auf der Bühne, warf den Ranzen von sich und jubelte in den Saal hinaus, es gäbe heute, da er Geburtstag habe, ein Festessen daheim: Wurst und Kartoffelbrei., Lachen. Da aus einmal schlug der kleine Künstler Töne an, die bis in die letzte Ecke des Saales das Elend der Zeit, das Elend des hungernden Kindes und der sorgenden Mutter, das Segenswerk der Schule und ihrer Fürsorgeeinrichtungen in Reim und Rhytinus und wuchtigen Wortbildern hinaustrugen, ernst nachdenkliche Gesichter und viel Augennaß im Saale schaffend. Der Zweck der Veranstaltung war allen gegenwärtig. Und als zweite Einlage trat eine Gruppe von Z i n n - vldaten (Kinder der Israelitischen Volksschule) leibhaft auf die Bühne, marschierten in ihrem bunten Sol- Latentand in Reih und Glied, angeführt von einem Major hoch zu Roß. Man nahm diese hübsche „Parade" ohne pazifistische Bedenken sehr gut und dankbar auf und rief die kleinen Helden immer und immer wieder auf die Bühne. Als Neumann kurz vor Mitternacht den Dirigentenstab sinken ließ, was ein Zeichen für den Abschluß des offiziellen Teiles bedeutete, sollte es, nach Bekanntgabe des Leiters, erst richtig angehen. In allen Räumen des Saalbaues taten sich Buden und Verkaufsstände, Tombolas, Blumen-, und Erfrifchungsauslagon auf, und schmucke Mädchen in sinniger Tracht warben mit unwidertehiicher Anmur um Kundschaft und — deren Geldbeutel. Mehr über dieses heitere bunte Treiben kann Berichterstatter nicht sagen, er hofft nur, daß nach den unbeschreiblichen, mvchenlangen Mühen der leitenden Damen Absatz und Eingänge so ausfielen, daß die von den Veranstaltern an den Festabend gestellten Erwartungen für das bedeutsame Werk sich vollauf erfüllten. EinweiMNZ - des Lhrenfrts'öhsfs der Israelitische« Gebinde. Eine stattliche Anzahl geladener Gäste hatte sich am ergangenen Sonntag auf dem Friedhof der Jsr. Gemeinde eingefunden, um den Feierlichkeiten der Einweihung des Ehrenfriedhofes für die im Weltkrieg gefallenen Söhne der Gemeinde beizuwohnen. Den Ein weihungsreden der Herren Gemeinderabbiner Lazarus und Salzberger folgten die Ansprachen und Kranzniederlegungen zahlreicher Kriegervereine, der republikanischen Bünde usrv. Mit dem Kaddischaebet schloß die Feier. Die Anlage des Ehrenfriedhofs, der zahlreiche Gräber von Gefallenen birgt, ist das Werk des inzwischen ver storbenen Architekten Max Seckbach. Chamikü-Feier. Die Agudas Jisroel-Jugendgruppe und die Jüdische Frauenvereinigung beabsichtigen, ihre diesjährige Cha-- nuka-Feier gemeinsam zu veranstalten. Wie wir Horen, hat Herrn Fritz Schames, dessen Erfolge astläßlich der letzten Purim-Feier noch allgemein bekannt sind, sich bereit erklärt, die künstlerische Leitung auch bei diesem Feste zu übernehmen, und verspricht auch diese Feier ein wahrhaft jüdisch-künstlerischer Gesellschafts-Abend zu werden. Bor allem wird Wert darauf gelegt, zu betonen, daß bei mäßigen Eintrittspreisen auch während des Abends an die Besucher keinezu großen Ansprüche hinsichtlich Nebenausgaben gestellt werden sollen, um eine recht große