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Der Israelit · 1925-11-12 · Heft 46 (12.11.1925) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 46 (12.11.1925)
Date
1925-11-12
Page
– (sequence 13)
Language
German
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1 1 J A W ff > rier zum \ l. dXq An der Westmauer. Viel war in letzter Zeit die Rede von der heiligen Westmauer und den Rechten der Juden aus diesen Heiligkeitsrest der großen Vergangenheit- Rechten die gelegentlich, so auch am letzten Jom Kippur, gröblichst verletzt werden. Nach einem Bericht des Herrn Koplowitsch aus Jerusalem können wir uns ungefähr folgendes Bild von der Lage und Bedeutung der heiligen Mauer machen. » Der ganz „alte Jischuw" ist mit einer hohen Steinmauer umgeben. Vor kaum einem Menschenalter wohnte innerhalb dieser Umzäunung die gesamte Bevölkerung Jerusalems. Sieben Tore führten durch diese Mauer ein und aus, die sich mit Nachtanbruch fest zu vei schließen pflegten. Den Haupteingang zum „alten Jischuw" bildet das Jaffator, durch welches man in buntem Gemische Araber, Türken, Europäer, Touristen und Mönche wandeln sieht. Kommt man durch das Tor in die alte Stadt, so sieht man auf der einen Seite die Davidsburg, ein altes, leerstehendes Schloß. Man mißt ihm ein Alter von 700 Jahren bei. Auf der anderen Seite bieten Araber ihre Warenauslagen an. Hart daneben liest man auf einem Schilde: „Hotel Amdurski". Der erste jüdische Gasthof. Man ist beim Betreten des „alten Jischuw" wie in die Unterwelt versetzt. Die Gasse, wenn sie diesen Namen verdient, ist schmal und umsäumt von allerlei Warenauslagen, besonders von Lebensmittel- und Frachtgeschäften. Man steigt ganze 48 Steinstufen hinab. Man geht nicht, sondern stößt, oder richtiger, wird im Gedränge gestoßen von Arabern mit ihren kleinen Eseln, von Mönchen und auch ehrwürdigen jüdischen Gestalten im langen Kaftan. Dazwischen auch'viele sorgfältig gekleidete Europäer mit neugierigen, forschenden Blicken. In den Seitengäßchen das gleiche Bild. Dunkel und Gedränge, Warenstände, Kramläden und tiefliegende Wohnungen in Hinterhöfen. Je mehr man sich dem eigentlichen jüdischen Viertel nähert, um so mehr verengen sich die Gassen. Es geht bergauf, bergab. In diesem Viertel sind alle Schulen, Talmud Thoras, Jeschiwaus» Hospitäler des „alten Jischuw" untergebracht. ' Vom Hofe aus sieht man den Tempelberg, den Moriah und den Oelberg mit den riesigen Kuppeln seiner vielen Kirchen. K Juden un der Klagemuner. Man muß noch viel niedriger herabsteigen, um zur „Mauer" zu gelangen, und des Juden Augen sind schon voller Tränen, bevor er noch dieses Ziel erreicht hat. Da hörte ich eine alte Frau rufen: „Schlojme, Schlojme!" Ich dachte, sie riefe jemand zur Hilfe, und fragte sie, was ihr fehle. Sie hatte sich aber nur mit Salomo, dem König und Erbauer des Tempelsein wenig ausemandergesetzt. „O Salomo! Du hast hier deinen heiligen Tempel errichtet, siehe nun, wie das Ganze jetzt in den Händen "der Unreinen aussieht." Im Ghetto Jerusalems konzentriert sich heute noch das eigentliche jüdische Leben der Stadt. Dort befindet sich die größte Schul, die „Churba". Daneben die große Talmud Thora und Jeschiwa „Ez Chajim" mit ihren tausend Schülern und vielen älteren Thoragelehrten. Hier ist die wahre Quelle von Thora und Gottesfurcht. Hier saßen Generationen hindurch die alten Gaonim und behüteten treulich mit ihrem 'Herzblute den jüdischen Anspruch auf den heiligen Boden. Hier ein kleines Häuschen, in dem vierzig Jahre lang Rabbi Sundel, der Lehrer von Rabbi Samuel S a l a nt, gelebt, gelehrt und die Geschicke Erez Jisroels bestimmt hat. Ein paar Schritte weiter die Orach Chajim-Schul und noch weiter die Talmud Thora des Rabbi Jochanan ben Sakkai, die Elijahu Hanawi-Schul, die Äri- Schul usw. Der alte Jischuw in Jerusalem . lebte hinter Mauern mit der Kraft der Vergangenheit und der Hoffnung auf die Zukunft. Unsere Palästinabilder. 1. Di- Wasser- Verteilung am goldenen Tore. Mit der Wasserversorgung stand es in der heiligen Stadt in den letzten Jahrhunderten nie besonders gut, in letzterer Zeit schlimmer denn je. Spuren und Reste alter Wasserleitungen zeigen, daß es etwa in salomonischer Zeit keinen Wassermangel in Jerusalem gab. Heute ist man zur primitivsten Methode zurückgekehrt. Das Wasser wird am Brunnen in große dunkle Hammelschläuche gefüllt, auf Eseln durch die Stadt getragen und verkauft. Infolge von Regenmangel waren im letzten Sommer die Brunnen zum Teile ausgetrocknet und das Wasser mußte rationiert werden. Ueber die. Klagen der jüdischen Bevölkerung, die. sich aus dieser Verteilung ergaben, sind unsere Leser durch den Nachrichtenteil uüseres Blattes bestens orientiert. i li i■ I '

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