Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 46 (12.11.1925)
- Date
- 1925-11-12
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Mas man sich von R'mo ^., >, /-.»v.. > MxM Als Mahbi Mosche Jsseles die ehrenvolle Berufung als'-Rabbiner nach'Krakau erhielt, war er kaum.achtzehn Jahre, alt. Laut..den. bestehenden Gesetzen - bedurfte es -für hie Mahl eines Nabbiners der --Genehmigung des -Erzbischofs von Krakau. Natürlich verschwiegen die.Vorstände, als sie beim Bischof zu diesem Zwecke erschienen, das jugendliche Alter des Gewählten. Sie lobten ihn nur als das größte Licht im Reiche des jüdischen Geistes. Als der Rabbi seinen Einzug in die Stadt hielt, kam ihm die ganze Gemeinde entgegen. Wie staunte man aber, als man am Scheidewege auch den Galawagen des Bischofs entdeckte. Aus Neugierde, oder um der Gemeinde seine Verehrung zu zeigen, war er mit seinem ganzen Hofstaate hinausgefahren um den neuen Rabbiner zu begrüßen. Wie der Erzbischof den jungen Mann, der fast-knabenhaft aussah,. erblickte,,zeigte er sich enttäuscht, denn er schämte sich vor seinen Gästen, die er zur Begrüßung des Großen mitgenommen hatte. Er ließ den Kutscher wenden und fuhr erzürnt nach Hause zurück. Dorthin bestellte er noch am gleichen Tag die Vorsteher der Gemeinde, u verschüttete sie mit Vorwürfen und sagte zuletzt: „Für die mir widerfahrene Schmach, einen unreifen Jüngling zu ehren, muß Strafe sein. Icknehme meine gegebene Genehmigung zur Wahl des neuen Rabbiners zurück. Wenn er aber wirklich so bedeutend ist, wie ihr ihn dahinstellt, so möge er zu mir zu einer Disputation erscheinen. Von dieser Prüfung soll es abhängen, ob ich noch nachträglich meine Genehmigung gebe oder nicht. In letzterem Falle hat der neue Rabbi noch gleichen Tages Krakau zu verlassen." Die Vorstände: wagten nicht, Rabbi Jsseles davon zu benachrichtigen und in einer geheimen Sitzung mit den Dajanim der Gemeinde wollte man drei Fasttage ansetzen, auf daß der liebe Gott das Verhängnis abwende. Kaum hatte aber der junge Rabbiner von seinem Schames das Verlangen des Bischofs erfahren, lieh er sofort bekannt geben, daß die Fasttage ausgehoben seien. Man möge auf Gott vertrauen, der schon alles zum Guten lenken würde. Am Tage der Disputation waren im Krakauer Rathause alle Geistlichen, Gelehrten und Edelleute aus Krakau und Umgebung versammelt. Alle Stühle und Bänke der Hinteren Räume waren besetzt von den Zuhörern. Oben auf der Estrade standen zwei Stühle, ein punkvoller Thronsessel für den Erzbischof und ein einfacher Holzstuhl für den jungen Rabbi. Nachdem alles versammelt war, fuhr vom bischöflichen Hofe ein einfacher Wagen vor das Haus des Rabbi. Rabbi Jsseles ging zum Hause hinaus. Wie er den Wagen erblickte, sagte er zum Kutscher: „Fahre zurück zu deinem Herrn und sage ihm, daß es dem Oberrabbiner von Krakau ziemt, vierspännig im Herrschaftswagen zu fahren." Die Begleiter des Rabbi erschraken nsi wenig über diese anmaßende Forderung. Sie wollten ihm.-gerade erklären, was der.Erzbischof von Krakau bedeute, und welche Macht er in Händen hatte. Aber schon klingelte es draußen. Em Galarvagsn mit vier feurigen Rosien stand vor der Türe. Der „Remo" setzte sich mit.seinen Gleitern hinein und fuhr so wie der Erzbischof selbst ans Rathaus. Im Saale waren nach Gesetz und Sitte zwölf Juden, die angesehensten - der Gemeinde, -zu den vorderen Plätzen zugelassen, von wo aus. sie, wie der Adel und die Geistlichkeit, der Redeschlacht beiwobnen durften. Der Rabbi schritt durch die Reiben : d als er . die beiden ungleichen Stühle erblickte, ging er stracks zur Estrade und setzte sich bequem in den Thronsessel, der. für den Erzbsichof bestimmt war. Jetzt erschien der.Erzbischof in dem Saal, und v ie er den jungen Rabbi erblickte, fuhr er ihn hart an: „Wie konnte« du es wagen, junger unbedeutender Mensch?" Der Rabbi antwortete ruhig: , ,,^ia diese ganze Aufmachung, die Versammlung, die Prachtentfaltung um meinetwegen ist, so kann ich unmöglich der unbedeutende Jüngling sein, von dem der Erzbischof spricht. Hier bin . Vertreter einer großen jüdischen Gemeinde, Vertreter der heiligen Lehre und nehme ich den mir als solchem gebührenden Platz ein." Ohne zu antworten ließ der Erzbischof einen zweiten Thronsessel holen. Gleich darauf begann die Aussprache. Der Erzbischof packte sein ganzes Wissen und seine ganze Weisheit aus. Alle Fragen des Glaubens und Denkens, der jüdischen Religion und der christlichen Dogmatik kamen zur Erörterung. Der junge Rabbi antwortete ruhig, überlegt, klar und überzeugend. Er war nicht unterzukriegen. Nun rückte der geistliche Fürst mit dem letzten Trumpf, heraus. Es war die gefährlichste Falle, die er sich als letzte Karte aufgehoben hatte. „Ihr behauptet, euer Gott sei ein barmherziger und gnadenvoller Gott. Ist es so?" „Wir sagen es und es ist so in aller Ewigkeit." „Wie kann das stimmen, nachdem doch euere Lehre selbst euren Gott als eifervoll und rächend dahinstellt?" „Das zu erklären ist nicht schwer. Es war einmal ein König, der sehr gütig zu seinem Volke war. Einmal berief er alle seine Minister und sagte ihnen, er würde seinem Volke gern ein großes Geschenk machen, wüßte aber nicht was. Die Minister rieten, er möge sein Bild in Massen unfertigen lassen und dasselbe unter das Volk verteilen, womit er jedermann aufs innigste erfreuen würde. Dem König gefiel dieser Rat und er ließ sofort einen großen Maler, den beühmtesten Künstler des Landes, kommen, daß er ihn zeichne. Wie verwundert standen aber König und Minister vor dem fertigen Bilde. Kein Zug von Güte und Liebe war darin zu entdecken. Das Auge streng und unerbittlich. Zur Rede gestellt sagte der Künstler: „Ich hatte mit Absicht mehr Strenge als Güte in die Züge gelegt, denn .sieht das Volk pure Güte, Liebe und Nachsicht, so wird es kaum noch den KöniH respektieren und seine Gesetze, beachten. Es muh den König in seiner Hoheit, in seiner Würde und Strenge sehen. Es ist dann des Königs Sache selbst,. Milde, und Güte zu üven." Genau so verhält es sich mit dem Gesichte unseres Gottes. Die wahren Züge sind Liebe, Gnade und Erbarmen. Aber das Volk muß ihn auch in der Gestalt des eifernden, strafenden Richters sehen." Erzbischof und Rabbi sind als gute Freunde von einander geschieden und R'mo blieb Krakauer Oberraboiner bis zu seinem frühen Tode. Er starb in jungen Jahren, wie man sagte, im Alter von 33 Jahren. Um seinen Tod soll der Erzbischof, der mit dem jungen Rabbi in treuester Freundschaft gelebt hatte, sehr geweint haben. Das Grab des „Remo befindet sich auf dem alten Krakauer Friedhofe neben der historischen Synagoge, die „die Schul des Remo" genannt wird. Auf dem gleichen, alten Friedhof ist auch das Grab von Rabbi Jomtow Lippmann Heller und vielen anderen Großen in Israel. Uinderecke. •p*i mpian I.] Von Dr. 3. kohn in Leipzig Sosehr nun auch unsere Weisen auf der einen Seite vor dem Hochmut warnen und ihn als der Uebel größtes bezeichnen, welches alle anderen Lasten und Sünden im Gefolge hat; fo sehr es von Warnungen vor dem mo* im Talmud nur so wimmelt, z. B.: Wer hochmütig ist, bringt Zorn über die Welt (Taanith 8a) — Wer sich stolz aufbläht, dem wirds angerechnet, als hätte er den Götzen gedient, oder: als hätte er die Grundwahrheiten des Judentums geleugnet np'vo 722 (Sotah 4b ff.). — Wer stolz ist, verfällt der Hölle (Baba Vatra 10b) u. v. a. — so sagen sie doch-andererseits, was in dieser Geschichte von Acher nur verhüllt zum Ausdruck kommt, daß nämlich jeder Mensch stets seines eigenen Wertes sich bewußt sein muß, an vielen Stellen ausdrücklich. So Sotah 5, wo es heißt: Es sagte R. Ehija bar Aschi im Namen Raw's: Ein Talmudgelehrter muß ein Achtel nnawa inx) (*N'2'VV2) Stolz besitzen. (Raschi: damit er vor Leichtsinnigen seine Autorität bewahre.) Cs sagte R. Huna, Sohn des R. Jofua: Es schmückt ihn wie die Spitze, die Aehre. (Raschi: Ein Nein wenig Stolz dient dem Gelehrten zur Zierde.) Es sagte Raba: den Bann verdient, wer Stolz besitzt, ebenso der, der ihn nicht besitzt. (Raschi: den Bann verdient, wer keinen Stolz besitzt, d. h. ein wenig davon, weil seine Mitbewohner sonst die Ehrfurcht vor ihm verlieren und er nicht in der Lage ist, sie zurechtzuweisen.) Auch in den Sprüchen der Väter lehren die Weisen: Wo es an Männern fehlt, sei du bestrebt, ein Mann zu sein; d. h. laß dich nicht durch falsche Bescheidenheit irreleiten zu sagen, du seiest nicht fähig oder würdig genug in die Bresche zu treten, sondern stelle deinen Mann, wo es nötig ist. An dieser falschen Bescheidenheit ist auch der erste jüdische König, Saul, gescheitert. Seine überaus große, ihm angeborene Befchewenheit erlaubte es ihm nicht, pch gegen den Willen des Volkes durchzusetzen. Er ließ es, gegen seine bessere Ueberzeugung, gegen den ausgesprochenen Willen Gottes handeln und mußte dann vom Propheten Samuel den bitteren Vorwurf hören: „Im katon atah beenecha-rosch schiwte Jisrael attah. Wenn du dir selbst auch gering. erscheinst, (d. h. trotz deiner Bescheidenheit) hättest du nicht vergessen dürfen, daß du des. Volkes Oberhaupt bist, daß du es zu leiten hast und dich nicht von ihm hättest leiten lassen sollen." Gilt dieses aber schon von jedem Menschen, so habt Ihr, meine jungen Freunde, ganz besonderen Grund, Euch Eures Wertes bewußt 311 sein. Ihr wißt vielleicht gar nicht, welche Bedeutung der Talmud Euch als p*i ,n*a n 1,71m beilegt und welche Rolle Ihr darin spielet. Ich will es mir darum angelegen sein lassen, die markantesten Stellen zu zitieren. Wer von Euch die nin^v-Gebete mitgebetet hat, dem wird wohl die Stelle bekannt sein: P7 -rv>n bv mpiin ■']»»*? rwy (Tue es, um der . *) Maharfcha gibt eine hübsche Erklärung dieser Stelle. Das Achtel eines Achtel ist gleich Vo*. Ein Talmid Chacham — meint er — darf eben nur Stolz besitzen, 63 Teile, d. h. oder (umgedreht tu (Stotz) muß er Andern überlassen. Eine ebenfalls geistreiche Erklärung gibt R. Jonathan Eiben schüh in seinem Werke: Jaaroth. Dewasch. Ein rrn muß besitzen ein nawt? jnvräM» . soll heißen, er muß d i e Eigenschaft besitzen, die im 8. Verse des Büchstaben n gleich 8 des 119. Kapitels der Psalmen (welches nach dem Alphabeth geordnet ist) enthalten ist, nämlich: „Ein Genosse bin ich allen, hie Dich fürchten, und Deine Befehle halten."