Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 46 (12.11.1925)
- Date
- 1925-11-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Veits 6 Nr. 46 Der Asrae! lt 12. November i&g men, provokatorische Methoden angewendet. Sawicki faßte seine Aussagen in den folgenden Worten zusammen: „Steiger ist ein Opfer Lukomskis; er ist unschuldig und di e ganze Affäre ist eine polnische D r e s u s i a d e." Polizeiinspektor Sawicki erhob auch schwere Beschuldigungen gegen den Untersuchungsrichter Rutka und dessen Schriftführer Piotrowski und erklärte,' er, der Zeuge, habe diese Aussagen auch in der Boruntersuchung gemacht, aber Rutka und Piotrowski hätten die mit ihm aufgenommenen Protokolle gefälscht. Wie dies vor sich ging, wolle der Zeuge in öffentlicher Verhandlung nicht sagen, er bitte um Ausschluß der Oeffentlichkeit für seine weiteren Bekundungen. In der Sitzung vom 7. November beschloß der Gerichtshof, die Oeffentlichkeit nicht auszuschließen. Sawicki erklärte dann auf Fragen des Vorsitzenden mit Bestimmtheit, daß bei dem nach dem Attentat mit ihr vorgenommenen Verhör die Valleteuse Pasternak in Steiger nicht mit Bestimmtheit den Attentäter erkannt hat. Erst durch die Art der Führung des Verhörs durch Lukomski sei sie dazu gekommen, Steiger mit Bestimmtheit als den Attentäter zu bezeichnen. Sawicki erklärte weiter, er habe die mit ihm aufgenommenen Protokolle als falsch erklärt und sie nicht unterzeicynen wollen. Solche Protokolle wurden dreimal hintereinander vernichtet; sie waren zweifellos gefälscht. Sawicki fügte hinzu, er übernehme keine Verantwortung für das, was in den erhaltenen Protokollen als feine Aussage angeführt sei, sondern nur für das, was er jetzt vor Gericht sage. Sawicki erzählte weiter, er habe noch vor der Verhandlung vor dem Standgericht dem Inspektor Lukomski gesagt, daß er mit ihm bezüglich der Resultate seiner politischen Hervorhebungen nicht übereinstimme; er habe dann auch dem Lemberger Wojwoden und dem Polizeidirektor Rheinländer Mitteilung gemacht, diese verfügten jedoch, daß Lukomski die Angelegenheit weiter führe. Der Vorsitzende gab in der Samstagsitzung bekannt, daß für Montag die Ankunft der Akten über den Ukrainer Olszanfki aus Berlin erwartet werde und das Gericht sofort mit dem Studium dieser Akten beginnen wolle; die nächste Verhandlung werde daher erst Dienstag stattfinden. . > * * .* Danzig, 8. November. , Die Danziger, polnische Zeitung „Echo Gdanskie" teilt in ihrer Nummer vom 7. November mit, daß Olszanski, den die Zeitung selbst als den Attentäter vom 5. September 1924 bezeichnet, gegenwärtig sich in Danzig bei seinem Bruder, einem Hörer der Danziger Technischen Hochschule, aushält. Die Zeitung fordert, daß die Danziger Polizei die Brüder Olszanski den polnischen Behörden ausliefert. (Cs sind bis jetzt so viele einander widersprechende Mitteilungen über den Aufenthaltsort Olszanskis verbreitet worden, daß man auch dieser Mitteilung mit der nötigen Reserve begegnen muh.) Legalisierung der jüdischen Gemeinden in den Ostdistriklen Polens,. Warschau, 1. November. Der polnische Ministerrät Hai den Text der Verordnung betreffend die Bildung jüdischer Gemeinden in den polnischen östlichen Distrikten Wolhynien, Polesien, Bialystok und Wilna, wo zur Zeit der Zarenherrschaft keine legalen jüdischen Gemeinden existierten, angenommen. Die Grundlagen der jüdischen Gemeindeorganisativnen in diesen Gebieten sind die gleichen wie in Kongreßpolen. Das Amtsblatt wird demnächst die Verordnung bekannt geben. Teilerfüllung des polnisch-jüdischen Abkommens. Warschau, 8. November. Der Innenminister hat soeben eine Verordnung erlassen, wonach in allen Teilen Polens die Benutzung der hebräischen und jiddischen Sprache in öffentlichen Versammlungen gestattet ist. Diese Verordnung hängt mit dem zwischen der polnischen Regierung und der jüdischen parlamentarischen Vertretung geschlossenen Abkommen zusammen. Sitauen* Abwehr eines Anschlags gegen das Schächten. Kowno, 8. November. Bei der Beratung des Gesetzprojektes betreffend die Schlachthäuser im litauischen Sejm beantragten die jüdichen Deputierten, daß §-19, der bestimmt, daß die Schächtmethoden vom Landwirtschaftsminister geregelt werden ollen, auf die jüdische rituelle Schächtung keine Anwendung finde. Gegen diesen Antrag sprachen mehrere Redner der antisemitischen Darbo-(Arbeits-)Fraktion, die ausdrücklich forderten, daß die Methode der jüdischen Schächtung als Tierquälerei verboten werden soll. Der Antrag des jüdischen Klubs wurde mit den Stimmen der Minoerheiten, der Grundbesitzerpartei, sechs Geistlicher und der Sozialdemokraten angenommen. Zu bemerken ist, daß die Sozialdemokraten in diesem besonderen Falle von ihrem Prinzip, sich in religiöse Angelegenheiten nicht einzumischen, abgewichen sind, um den antijübischen Anschlag abzuwehren. Brandschatzung der Inden in Damaskus. London, 4. November. Der Vertreter der Jüdischen Telegraphen - Agentur besuchte Damaskus nach dem Bombardement durch die Franzosen und konnte folgendes feststellen: Eine direkte Beschießung des Judenviertels fand nicTt statt. Während der Beschießung des Araberviertels Chaghaur, wo sich der Hauptsitz der Rebellen befand durch französische Aeroplane fielen einige Bomben in das benachbarte jüdische Viertel, töteten 3 und verwundeten 20 Einwohner dieses Viertels. Einige jüdische Hauser wurden zerstört. Die aufständischen Araber brandschatzten die jüdischen Bürger von Damaskus, indem sie — das war noch vor der Beschießung — Geld verlangten. Die meisten jüdischen Bürger leisteten Summen zwischen 10 und 5g Goldpfund. Einige gaben auch Juwelen heraus. Während die Aufständischen das jüdische Viertel nach französischen Soldaten absuchten, stießen sie aus' einen Trupp Senegalesen, die sie umzingelten und in ein Haus trieben. Das Haus wurde sodann angezündet. Dabei fielen 5 benachbarte jüdische Häuser dem Brande zum Opfer. JtalSfiin«». Eine überraschende Wendung in der Frage der Volksabstimmung. Jerusalem, 3. November. Im heutigen „Doar Häjom" veröffentlichen die palästinensischen misrachistischeN Organisationen eine sensationell wirkende Bekanntmachung, die nur aus der überwältigenden Wirkung der rabbinischen Protestoersammlung gegen die Volksabstimmung zu erklären ist. Die Organisation macht bekannt, daß sie die Volksabstimmung in der Voraussetzung beantragt hätte, daß die' Orthodoxie sich daran beteiligen werde. Nachdem diese Voraussetzung durch die Bekanntmachung der 30 Rabbinen hinfällig geworden sei, erklärt der Misrachi, daß er zur Zeit auf die Volk sab st im m u n g verzichte und e s fü r zwecklos halte, sich daran zu beteiligen. Hinzugefügt wird, daß die Misrachi- Weltorganisation (nicht der palästinensische Misrachi?) ich in der Frage des graue n w ahlrechts s e l b st dem Votum der eigenen misrachistischen Rübbinen anpasse, die seit Jahren praktisch nichts dagegen eingewendet hätten, daß Frauen' an ddn Versammlungen und Zuammenkünften teilnähmen. Aus diesem Grunde werde der Misrachi an den künftigen Wahlen zur Delegierten - V e r {ammtunj, auch ohne vorherige Volksabstimmung; ebenfalls teilnehmen. (Diese Meldung geht uns kurzvorRedakt i o n s sich l u tz zu, nachdem der leitende Artikel dieser Nummer bereits gedruckt war. Es ist erfreulich, daß durch diese Erklärung des Misrachi der unseligen Volksabstimmung auch der letzte Rest von Bedeutung genommen worden ist, und man darf hoffen, daß sich nun auch an den Wahlen zum Waad leumi erst recht kein gesetzestreuer Jude beteiligen wird. Red.) * Verein zur Förderung rit. Speisehäuser, e.V., Hamburg An unsere Mitglieder.' Hierdurch laden wir Sie höflich st zu der am Dienstag, den 1. Dezember d.J., im Logenheim, Hamburg 13, Hartungstrabe 8/11, stattfindenden Mitglieder - Versammlung ein. Tagesordnung: 1. Wahl des Direktoriums (gemäß 8 12 der Statuten auf Anordnung des Vereinsregisters. 2. Wahl der Revisoren. Der Vorstand. I. A.: Otto Meyer, Vorsitzender. x Für eine meiner eingesührten Touren suche ♦ Y ich per sofort einen jüngeren £ (Defaifveifenden » nur aus der Branche, der möglichst schon gereift j hat und mit Landkundschaft umzugehen versteht. X Süddeutscher bevorzugt. Geboten ist ausftchts- X reiche Stellung bei steigenden Bezügen. Samstags X geschlossen. 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