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Der Israelit · 1925-11-05 · Heft 45 (5.11.1925) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 45 (5.11.1925)
Date
1925-11-05
Page
– (sequence 17)
Language
German
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IMäffer ievausgegeSen von den landesonganlfafion deeflgudas-Jisnoef in Deutfcfiiand Jahrgang Frankfurt a. M., S. November t92S/t8. Marcheschwan 5686 Nummer 22 Agudas Jisroel in Genf. Die „Jüd. Presse" in Wien schreibt: Die Petition des Waad Hoir Hoafchkenasi in Jerusalem, die vor mehr als Jahresfrist an den Mkerbund gerichtet wurde, stand nun endlich aif der Tagesordnung der diesjährigen Oktoberession des Völkerbundrates in Gens. Die Peition der aschkenasischen Gemeinde-in Jerusalem rhebt Klage gegen die Versuche, die orthodoxe Zudenheit und besonders die aschkenasische Geneinde in Jerusalem zu vergewaltigen und sie in hrer religiösen Gewissensfreiheit einzuschränken, llgudas Jisroel wurde seitens der aschkenasischen Zemeinde ersucht, diese Petition beim Völkerbund, zu vertreten; diese Bitte wurde bereitwillig erüllt, da sich Agudas. Jisroael als. Vertreterin )er thvratreuen Judenheit, als deren größte und ,'tärkste Organisation verpflichtet fühlt, überall dort einzugreifenwo die freie Entfaltung des religiösen Lebens, wo die erworbenen Rechte religiöser Gemeinden und Körperschaften bedroht sind. Daß seitens zionistischer Funktionäre und Körperschaften solche Versuche grober Vergewaltigung vielfach unternommen wurden, ist jedem, der die Ereignisse im jüdischen Leben mit klarem Blick verfolgt, bekannt Der gefährlichste Versuch dieser Art ist der Gemeindegesetzentwurf, den der Waad Leumi in Jerusalem verfaßt und gewisser-, maßen als Regierungsentwürf der jüdischen, öffentlichen Meinung suggerieren wollte. Agudas Jisroel hat nun gegen die Gesetzwerdung dieses Gemeindegesetzentwurfes den schärfsten Kampf ausgenommen. Es ist auch ihrer publizistischen unddiplomatischen Arbeit gelungen, die kompetenten Stellen über den wahren- Charakter des Gemeindegesetzentwurfes des Waad Leumi aufzuklären. ' Der Erfolg dieser Arbeit blieb nicht aus. Der Entwurf des Waad Leumi konnte nicht Gesetz werden. In Anbetracht dieser Sachlage wurde der. ganze Komplex der Gemeindegesetzessragen Gegenstand der Unterhandlungen, die am Beginne dieses Jahres zwischen der zionistischen Organisation und Agudas Jisroel angeknüpft wurden. Da bis nun zwischen den beiden Organisationen keine Einigung erzielt worden ist, konnte die an den Völkervund gerichtete Petition naturgemäß nicht zurückgezogen werden. Um aber auch nur den Schein einer unfairen Handlungsweise zu vermeiden haben sich beide Organisationen, wie in einem Communique der Agüdas Jisroel nach der agudistisch-ziönistifchen Kommissions- Verhandlung am 1. Juli mitgeteilt wurde, volle Handlungsfreiheit Vorbehalten. Wir heben dies deshalb hervor, weil nach dem Bericht der „Wiener Morgenzeitung" viele Redner der jüngsten Berliner Aktionskomiteesitzung der zionistischen Organisation unverhohlen ihre Mißstimmung darüber äußerten, „daß eine Partei, mit der die Organisation in Unterhandlungen stehe, während der Dauer dieser Verhandlungen alle Schritte unternimmt, um gegen den Zionismus Stimmung zu machen." Sicherlich, es gibt innerhalb des zionistischen Aktionskomitees viele Mitglieder, die grundsätzlich Gegner einer Verständigung mit der Aguda sind. Herr Stricker, der Chefredakteur der „Wiener Morgenzeitung", hat aus dieser seiner Gesinnung nie ein Hehl gemacht. Sein Organ ergeht sich gegen die Aguda auch in seiner Nummer vom 29. Oktober an leitender Stelle in den wüstesten Beschimpfungen, die ansonsten nur im „Eisernen Besen" zu lesen sind. Ganz nach hakenkreuzlerischen Methoden wird in einem Leitartikel eines „zionistischen" Organes so gegen die Aguda die Beschuldigung erhoben, daß „sie sich'mit dem Vatikan und Hakenkreuz, mit Halbmond und Sowjetstern gegen den Zionismus verbrüdert." Wenn auch den engstirnigen, von Haß betörten Redakteuren der „M. M.-Z." die Aguda „die Partei des Verrates und des jüdisch-religiös angestrichenen Antisemitismus" ist, so sollte zumindest, die jüngst vom zionistischen Parteirat eingesetzte Kontrolle dafür sorgen, daß solche, für jede nur irgendwie ernst zu nehmende jüdische Partei beschämende Ausbrüche eines von den niedrigsten Instinkten getragenen Haffes unterbleiben. Auch innerhalb der Aguda fehlte es nicht an gewichtigen Persönlichkeiten, die die Situation noch nicht für reif halten für eine Verständigung mit der zionistischen Organisation selbst in konkreten Einzel- , fragen. Diese Anschauungen konnten aber bisher keine Majorität erlangen und so werden die Verhandlungen fortgesetzt. Da unseres Erachtens die Aufgabe der Publizistik nicht sein kann, Verhandlungen von verantwortungsbewußten Menschen durch Hervorhebung der trennenden Momente zu stören, so halten wir es für unsere Pflicht, die Klagen .der in der „Wiener Morgenzeitung" angeführten Redner über eine feindselige Handlung der Aguda während der Unterhandlungen mit der zionistischen Organisation in das richtige Licht zu rücken. Die Petition der. aschkenasischen Gemeinde wurde an den Völkerbund gerichtet zu einer Zeit, wo die Verhandlungen Zwischen den zwei Organisationen noch nicht angeknüpft waren, und da Handlungsfreiheit trotz Fortsetzung der Unterhandlungen ausdrücklich Vorbehalten wurde, kann kein vernünftiger. Mensch daran Anstoß nehmen, daß.Agudas Jisroel die Petition, die jetzt auf die Tagesordnung des Völkerbundrates gesetzt worden ist, auch energisch vertritt. Wir legen auf die Feststellung der vollkommen korrekten Handlungsweise der Aguda umsomehr Wert, weil wir den politischen Wert des Erscheinens vor dem Völkerbundrat. überaus hoch einschätzen. Nachdem im Frühjahre Agudas Jisroel Gelegenheit oatte, auf Grund ihres sachlichen Memorandums in Sachen der Kalenderreform vor einer Kommission des Völkerbundes zu erscheinen, hat sie jetzt wiederum Gelegenheit, die religiösen Interessen eines gewichtigen Teiles der jüdischen Gemeinschaft zu vertreten. Es kann nicht ohne wohltätige Folgen bleiben, wenn eine hohe moralische Instanz, wie es der Völkerbund ist, aus eigener Anschauung erfährt, daß das jüdische Volk, zumindest ein sehr großer Teil desselben, vor allem religiös lebt und fühlt und daß feine Sorge hauptsächlich auf eine ungehemmte, uneingeschränkte freie Entfaltung seines religiösen Lebens sich konzentriert. Daß Agudas. Jisroel keine separatistischen Tendenzen verfolgt, beweist ebew der Umstand, daß sie in Sachen der Kalenderreform, wo ihr Memorandum das Substrat der Unterhandlungen bildete und die einzigen positiven Vorschläge enthielt, gemeinsam mit anderen jüdischen Vertretern vor dem Völkerbund erschienen ist. Wenn sie nun diesmal in Vertretung der Petition des Waad Hoir Hoafchkenasi allein vor dem Völkerbund für die ihres Erachtens arg bedrohte Gewissensfreiheit der Jerusalemer orthodoxen Gemeinde eintritt, so hat sie durchaus nicht die Hoffnung aufgegeben, daß die unterdessen mit der zionistischen Organisation angeknüpften Unterhandlungen gerade in Sachen des palästinensischen Gemeindegesetzes das Resultat erzielen werden, Agudas Jisroel die von ihr ersehnte Gelegenheit zu bieten, gemeinsam mit der zionistischen Organisation der kompetenten Mandatmacht einen Gemeindegesetzentwurf zu präsentieren, der auch den Bedürfnissen der religiösen Judenheit in. Palästina voll und ganz Rechnung tragen wird, , ' P. Rabbinische Protest-Versammlung gegen die Volksabstimmung in Sachen des Frauenwahlrechtes. Jerusalem, S. Cheschwan. Am gestrigen Nachmittag fand auf Einladung des. Beis Din der aschkenasischen Gemeinde in Jerusalem eine Versammlung von Rabbinern aus allen Städten des heiligen Landes statt, an der sich etwa 30 Rabbonim beteiligten. Zweck der Versammlung war, die Aussprache über die Volksabstimmung, die vom Waad leumi zur Zeit in Sachen des Frauenwahlrechtes beabsichtigt ist. Rabbiner Rubin eröffnete die Versammlung, worauf Herr Moses Blau über die Sachlage referierte. Oberrabbiner Sonnenfeld, .Rabbiner Klatzkin aus Lublin und Rabbiner K l i e r s aus Liberias gaben ihre Ansicht dahin kund, daß, nachdem das Frauenwahlrecht ein mwn p Yit>K sei, die Veranstaltung einer Volksabstimmung über diese Frage den schwersten Einbruch in die Grundfesten des Religionsgefeetzs bedeute. Es sei darum für einen gewissenhaften Jehudi verboten, sich an der Volksabstimmung mit ja oder nein zu beteiligen. Es wurde alsdann folgende Resolution beschlossen: „Die Unterzeichneten Rabbiner des heiligen Landes, Aschkenasim und Sefardim aus Jerusalem und anderen Städten des heiligen Landes. haben Rat gepflogen über die furchtbare Verheerung, die auf religiösem Gebiete durch diejenigen, die das Joch der Thora abgeschüttelt haben, angerichtet wurde, indem sie die Frage des Wahlrechtes der Frau einer Volksabstimmung unterwerfen. Wir fühlen uns verpflichtet, zu erklären: 1. Die Beteiligung von Frauen an Wahlen ist ein vollkommener ii->inn p 1188, abgesehen davon, daß dies die religiösen Grundsätze, die jüdische Sittlichkeit und die heilige jüdische Sitte verletzt; fern sei es, daran Zweifel zu hegen. 2. Der schmerzliche Beschluß, eine religiöse Frage durch Volksabstimmung lösen zu wollen, ist ein Einbruch , in den Bestand der Religion, wie er in der jüdischen Geschichte bisher unerhört war, und es ist ein vollkommener mv« für jeden Jehudi, sich an dieser Volksabstimmung mit ja oder nein zu beteiligen. Denn durch diese Beteiligung unterstützt man die Sünder und diejenigen, die das Thora-Gesetz entwurzeln wollen. Jeder jüdische Mann ist verpflichtet, im Sinne dieses Beschlusses auf seine Freunde und Nachbarn einzuwirken und sie vom Straucheln zu retten. Wir vertrauen darauf, daß jeder, der Gott fürchtet und seines Namens gedenkt, unseren Worten aufmerksam Gehör schenken werde, so daß der Trug sein Ziel nicht erreicht. Die Verantwortung aber für die Konsequenzen des Attentates fällt auf diejenigen, die es fördern und unterstützen. Möge die Ehre der Thora und die Ehre des heiligen Landes sich erhöhen, die Kraft Gottes sich groß zeigen und die Schmach seines Volkes schwinden. Omen." Unterzeichnet am 4. Eheschwan 6686, folgen 30 Unterschriften. "^Es wurde ein Ausschuß gewählt, der mit allen geeigneten Mitteln gegen die Durchführung der Volksabstimmung wirken soll, die für die gesetzestreue Judenheit keinerlei Verbindlichkeit besitzen wird.

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