Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 45 (5.11.1925)
- Date
- 1925-11-05
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 14 Nr. 45 tem Unterholz. Unaufhaltsam lief Frum Hersch; bald langsamer, bald schneller. Und der Gensdarm hinter ihm drein. Als sich die ersten Häuser des nächsten Dorfes zeigten, läutete man dort gerade Mittag. Frum Herfch tat jetzt gemütlicher, so daß ihn der Gensdarm bald eingeholt hatte. Der keuchte und pustete. Der schwere Helm und die fest anschließende Uniform trieben ihm den Schweiß aus allen Poren. „Frum Herfch, heut' zeig' ich Euch an! Warum seid Ihr aus mein Rusen hin nicht stehen geblieben?" Ich Hab' Sie nicht gehört, Herr Gensdarm. Bei dem Wind hört mer nit gut. Und warum wolle Sie mich anzeigen, Herr Gensdarm?" „Ihr habt Euer Patent wieder nicht!" „Wieso, Herr Gensdarm? Wer hat das gesagt, Herr Gensdarm? Wolle Sie's sehe?" Frum Hersch kramte erst ein wenig in verschiedenen Taschen und wies dann den Schein vor. „Ja, zum Teufel," schrie der Gensdarm in hellem Zorn, „warum seid Ihr denn so eilig aus H. fortgelaufen?" , „Entschuldige Sie vielmals, Herr Gensdarm; der Hoffmanns Christian will mir heut' sei Woll' verkaufe und hat mich auf zwölf Uhr bestellt. Wenn Sie mir nit glaube, könne Sie ja mitgehe!" -— Der Gensdarm war nicht bösartig. Später hat er dieses Vorkommnis selbst lachend erzählt. Und hat von da ab die jüdischen Handelsleute in Ruhe gelassen. 16. Medizinalrat Rippftein traf auf der Landstraße den Schmaje Löb und ging neben ihm her. Der Arzt unterhielt sich auch sonst gerne mit dem witzigen Juden. Da kamen beide am Bes olom vorüber, das auf einer Anhöhe am Ausgange des Dorfes liegt. „Was ist das?" fragte Schmaje Löb den Arzt und zeigte auf den „guten Ort". „Ra, ein jüdischer Friedhof!" „Nein, Herr Doktor, das find die Fehler der Aerzte." 17. Früher bezogen die Külsheimer den Koscher- Käse aus der Käserei, die von den Mönchen des Klosters Bronnbach betrieben wurde und eine besondere rituelle Abteilung hatte. Der Pförtner des Klosters war ein Schalk, der sich seine Zeit am Tore mit allerhand kurzweiligen Späßen vertrieb. Als Herz einmal Einlaß begehrte, stellte sich der Mönch hinter das Gitter und rief hindurch: „Herz, zuerst mußt Du mir eine Frage beantworten! Was ist der Unterschied zwischen einem Juden und einem Esel?" „Das Gitter," war Herzens prompte Erwiderung. 18. Marum Neumann ging am Freitag nur selten über Land. Wenn es aber unumgänglich war, weil er sich einen guten Handel versprach, drängte er, so daß er am frühen Nachmittag wieder nach Hause kam. Da wurde ihm einmal von einem anderen Handelsmann gegen ein Uhr ein gemeinschaftliches Geschäft vorgeschlagen. Aber Marum wehrte ab und sagte: „Schmule, ich Hab' keine Zeit mehr! Ich muß heim, mei Sedre meifer*) sei und die Schabboslomp°) richte!" — (Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler e. V.) Die Gesellschaft wurde 1897 gegründet und hat seither eine Reihe reich illustrierter Mitteilungen über jüdische Kunstdenkmäler veröffentlicht. Ferner hat sie selber einige Ausste,ungen veranstaltet und andere beschickt, außerdem 1922 ein „Museum jüdischer Altertümer" in Frankfurt a. M. gegründet. Das Museum befindet sich im ehemaligen von Rothschildschen Geschäftshaus, Fahrgasse 146; es sind dort neben dem eigenen Besitz der *) Den Wochenabschnitt überlesen. &) Oel auffüllen und Dochte einlegen. Der Israelit 5. November 1625 Gesellschaft, Leihgaben der Israelitischen Gemeinde, des Städtischen Historischen-Museums sowie verschiedener Privatpersonen ausgestellt. Von Zeit zu Zeit werden unter Führung des wissenschaftlichen Leiters der Gesellschaft Spezial-Ausstellungen in Frankfurt a. M. veranstaltet und die Gesellschaft hofft, anderen Städten derartige Ausstellungen zeigen zu können, aus denen sich vielleicht weitere jüdische Museen entwickeln werden. Auch die Publikationstätigkeit ist, wenn auch in bescheidenem Umfang, wieder ausgenommen worden. Als Mitgliedsbeitrag werden mindestens jährlich Mk. 10.— oder einmal Mk. 300.— erhoben. Die Mitglieder erhalten eine Eintrittskarte zum Besuch des Museums, außerdem werden ihnen die in zwangloser Folge erscheinenden Rotizblätter der Gesellschaft unentgeltlich zugesandt. . Das jetzt erschienene 'Notizblatt (Nr. 15) enthält neben einer Einführung zwei Aufsätze von Erich Treplitz über „Jüdische Grabmalkunst" und „Die illustrierte Pessach Haggadah. Eine Illustration aus der Haggadah-Handschrift von 1740 (Die Fünf in Bene Brak) schmückt das Titelblatt. (Das jüdische Wien.) Nach den neuesten Feststellungen existieren in Wien gegenwärtig 110 jüdische Wohltätigkeitsvereine, ferner 55 Bethäuser und etwa 20 Turnvereine. Während die Zahl der jüdischen Elternvereine im Wachsen begriffen ist, hat sich die Zahl der Jugendorganisationen im letzten Jahre auf 14 vermindert. Kinderecke. •p-i r>'2 bv mpian Von Dr. 3. kohn in Leipzig?) Ihr habt doch gewiß schon alle von dem Renegaten A ch e r gehört? Cr war einer der größten Tanaim (Mischnalehrer) und hieß R. Elischa ben Abuja. Er war ein Genosse des gewaltigen Geisteshelden R. Abika und Lehrer des berühmten R. Meir und durch allerlei — bis auf den heutigen Tag noch nicht geklärte — Umstände auf Irrwege geraten. Als ihn eine Frau, die ihn als Gesetzeslehrer kannte, bei der Uebertretung eines strengen Verbotes ertappte, da sagte sie in ihrer Ueberraschung: er ist ein „Acher" (Anderer) geworden, und so ist ihm dieser Name für alle Zeiten verblieben. Von diesem Acher wird nun im Talmud erzählt, daß sich sein Schüler R. Meir die größte Mühe gegeben, ihn zur Umkehr zu bewegen, daß aber alle seine Bemühungen erfolglos blieben, weil sich Acher auf eine göttliche Stimme berief, die er gehört haben wollte, und die ihm mit den Worten: „Kehret zurück ihr abtrünnigen Söhne - inrrv fin (nur Acher nicht)," den Weg zur Buße verlegt haben sollte. Schon die ältesten Eklärer machen auf die Schwierigkeit dieser Stelle aufmerksam, daß sie in Widerspruch stehe mit vielen anderen Stellen des Talmuds, in denen gelehrt wird: ->3°7 px «nnwin ■’jsn imsr daß der Reue und Buße nichts widerstehen könne. Das Beispiel des jüdischen Königs Menasche, der im Götzendienste und Blutvergießen das Schlimmste geleistet hatte, und als er später in seiner Not sich zum wahren Gotte zurückfand und zu ihm betete, bei ihm Erhörung fand, lehre, daß keinem Sünder, er mag noch so verworfen und schlecht sein, der Weg zur Umkehr verschlossen ist. Menasche sei so schlecht gewesen, daß Gott in Wirklichkeit seine Reue gar nicht annehmen wollte, er tat es nur, um andere Sünder nicht abzuschrecken. Ist es unter solchen Umständen möglich, daß dem Acher eine göttliche Stimme die nmen versagt haben sollte? Mein Lehrer b"t gab mir eine sehr schöne und beherzigenswerte Erklärung. Wenn der Talmud erzählt, daß Acher ein bip m vernommen habe, ist es gewiß nicht zu bezweifeln, ebenso wahr jedoch ist es, daß ihn Gott trotz alledem als Vaal- Teschubah freudig ausgenommen hätte. Achers Sünden waren so groß, daß eine einfache Um¬ *) Ein kleiner Teil dieses Aufsatzes ist in der Esta- Jugendschrift erschienen. kehr keine angemessene Buße gewesen wäre. Seine Reue hätte eine innerlich so tief empfundene sein müssen, daß er ohne sie nicht hätte sein mögen, daß-sie ohne Rücksicht darauf, ob sie auf Gott versöhnend wirkte und von ihm angenommen würde, hätte erfolgen müssen. Der Ausspruch des r>2' daß aller Buße angenommen würde nun» sin — nur die Achers nicht — sollte seine Buße nur erschweren, sollte ihn von der Größe seiner Sünden überzeugen und ihm die Rückkehr fast als Unmöglichkeit erscheinen lassen. Hätte Acher die Barmherzigkeit Gottes nicht verkannt und trotz dieser Abweisung nnivn getan, Gott hätte ihm gern verziehen. Acher litt an großen Fehler, den viele Menschen zu ihrem eigenen Nachteil haben. Huerst lassen sie sich durch einen leichten Windstoß vom geraden Wege abbringen, und wenn sie sich dann auf Irrwegen ertappen, fehlt ihnen das Vertrauen zur eigenen Kraft, zu sich selbst, und sie geben sich mit den Worten: „Uns ist ja doch nicht mehr zu helfen," verloren. Darum warnt auch Nittai aus Arbela in der Mischnah Aboth: rnijnsn jo wnn brri was neben seiner eigentlichen Bedeutung, nach einer Erklärung des Midrasch Schemnel auch so übersetzt , werden kann: Gib dich, wegen der für deine Sünden zu erwartenden Strafe, nicht selbst verloren. (Aehnlich faßt auch mxsn diese Stelle auf.) (Fortsetzung folgt.) Es ist ausschließlich Sache der Leser, die im Injeratenfeil enthaltenen Emvfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben rellgionsgesehlkchen Charakters auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. CAF£ HANSELMANN KAISERGARTEN gegenüber dem Opernhaus Künstler-Konzerte 4—12 Uhr Helle Schaufensfer sind die besten Kundenwerber Kostenlose fachmännische Beratung J. Gischler, elektrische Anlagen Gr: Bockenheimerstr. 52—56, Tel. Hansa 5079 ■ Hansa Gross Wäscherei vorm. Gebr. Vogel Spessart 1382 u. 1383 Boyenstraße 8-14 Jßausfialfungs'lDäscfie nach Gewicht naß, getrocknet und gemangelt Damen- und Herren-Bügelwäsche Abholung kostenlos $ENKZiYo*~ ißjfiStiSVlGj KOHLEN “ GASHERDE srahonäreu.rransportable KACHELÖFEN mirpatentRaucngasbrennung WÄSCHEREIMASCHINEN HorstköHerßCnodLOi Verantwortlich für den allgemeinen Teil und das Feuiller'» S. Schachnowitz, Frankfurt a. M.: Inserate i. B.: S. Scha 4nowttz. ebenda. — Bering „Israelit", G.w.b.H., Frankfurt a. M, Druck Hermon Verlags-Aktiengesellschaft, Frankfurt a. M