Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 45 (5.11.1925)
- Date
- 1925-11-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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66. Jahrgang. Frankfurt a, Al^Den Nr. 45 18. Marcheschwan 6686 AböNneinent «d Jannär 1934: Deutschland I Goldmark vwnaMch; Ausland:. Mertel» iahrvrrife' (entsprechend - deüi deutschen" Inlandspreis Anzüglich Kosten des Ttreifbaud-Ber» andes) Deutsch-Österreich: Schilling 8.-; Amerika 1 Dollar; England 4 f&; Frankreich 5 Fr.; Belgien 18 Fr.: Holland» fl.; Italien 20 Lire; Jugoslawien 7V Din.; Litauen 7.50 £tt>; Rumänien 200 Sei; Polen 4 deutsche Goldwark zum Tageskurs oder S Zloty; Schweiz 8 Fr.; Tfchecho-Slowakei 85 Kronen: Ungar» 50000 Kronen; Dänemark 5 Kronen; Norwegen 5 Krone«; Schweden 8.80 Kronen. ■ Einzelnummer dreißig Goldpfennige. . Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 40 Goldpf. fitz, die stebengespaltene — - '' k der Stellengesuk^ Abonnenten zahlen des Stellengesuche» und AaMMenanzeigen nur 80 M. Die 78 mm breite Reklamezeile: letzte Textseite 1.80 Mk., vorletzte Terrsette 2.— Mk>; Ehiffregebühr 1» Höhe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bet laufenden Jnserataufträge» tarifm. Preiserhöhung jeder-, Vorbehalt. Jnseratenannahme durch den Verlag des Israelit E.M.H.H., Franks, a. M., Tr. Escheuöetmer Straße B, Tel. Hansa SSL sow. durch sämtl. Annoncen-Exved. des In» und Auslands. Alleinige Inseraten««». für Franks. Teschiiftsanzeigen: Aul. Schmidt» Langeftratze 7, ll. Platzvorschriften ohne BerbtndNchkeit. ge» direkt an de» Verlag auf Postscheckkonto Frankfurt (Main) Nr. 19808. — Autzerde« an: Postsparkasse Wie» Nr. 79808—Dostsparkassenamt Budapest Nr. 18484 — Postscheckkonto Warschau Nr 190787. - Postscheckamt Zürich Nr. vm 7W4 — Inkasso-Bank Rotterdam — Postscheckamt Amsterdam Nr. 34 889 — Böhmtfche Unionbank in Prag — Banca Maraarosch Blank & Co. i« Bukarest — Filiale des Wiener Bankvereins in Agram. Kulturkampf? Bon Rabviner Dr. Zz. Hoyen in Schöntanke. . Tiefes Weh muß uns ergreifen, wenn wir zu einer Zeit, in welcher Völker und Staaten um das Beendigen alter Feindschaft und um das Schlichten langjährigen Streites bemüht sind, im Kreise Israels immer tiefer wurzelnden Hader um sich greifen und ganze Gemeinden dem Thoraleben sich immer mehr entfremden sehen. Als vor. drei Menfchenaltern Hirsch eine solche Entfremdung großwerden sah und ihre Wurzelim Bildungsdünkel seiner frisch emanzipierten Zeitgenossen erkannte, da folgte er den Abtrünnigen kämpfend auf ihren Wegen, indem er Stätten jüdisch beherrschter Bildung schuf; eine Realschule erstand, und nach ihrem Vorbilde eine Reihe anderer Anstalten, deren Wirkung es war, daß, die deutschen Großstädte sich aus Pflanzstätten des Abfalles in solche der Gesetzestreue verwandelten. , Diese Schulen wurden stellenweise zugleich Geistesheimat denkender Jüdifchkeit und regierungsseitig belobigte Musteranstalten. Viele ihrer Absolventen sahen sich nicht nur im jüdischen Charakter gestärkt, sondern mit einer ausreichenden Studiumsvorbildung versehen, viele wurden Zierden der Hochschule, viele andere eifrige Jünger voll Jeschiwaus. Der Blendglanz der Aufklärung wich. Auch der, der in allgemeinen höheren Schulen aufwuchs, wurde der von Hirsch $rT n"ir ausgehenden Erfassung des Geistes des Gesetzes zugänglich. Westliche. Bildung und Thora waren versöhnt. Inzwischen ist ein neuer Feind erwacht: Der Ueberdruß am Wissen, der resignierende, geistfeindliche, bildungssatte Gegenwartsmensch. Nicht die denkgewohnten Großstädter mehr sind die Meistgefährdeten, sondern die den Wissenszentren Entrückten sind jetzt mehr ausgesetzt als Alle dem versiegen jüdischen Lebens. Dem Bildungsdünkel des vorigen Jahrhunderts durften wir zu seiner Bekämpfung auf seinen Wegen folgen, aber dem groben Materialismus der Gegenwart? Wie entreißen wir diesem Moloch unsere Kinder? Wenn längst apologetisch widerlegte Anwürfe gegen die Wahrheit der Berichte und gegen die Berpflichtungskraft der Gesetze der Thora immer wieder von interessierter Seite heworgeholt:nnd Zwar nicht ÄeM'LMrger vd^o Mästchüler Dckhdd oxer'Moßtz^ejnden^/wiD^MMdWAngeschul- - len! üörgerebet!;tperben,-. — wennöie ^nhen-Großge^ meinden längst als Volksbetrug erkannten Neuerungen der Reform gleich abgelegten Stadtmoden auf dem Lande noch neue Heimstätten finden, und wenn schließlich noch von interessierter Seite dieHeuchelei begangen wird, die europäischwissenschaftliche Schulung des Juden als eine Sünde zu bezeichnen, — wenn dies alles nicht Schreckgespenster, sondern traurig wahre Erfahrungen sind, —dann dürfte doch zu den dringendsten Lebensbedürfnisser?des heutigen Judentums die Schaffung möglichst vieler noch so kleiner jüdischer höherer Schulen im ganzen Lande sein, in welchen die Kinder wenigstens das allernotwendigste geistige Rüstzeug erhalten sollen, dessen sie jetzt entraten und durch dessen Mangel sie jetzt wehrlose Opfer alles Gedruckten und Hinausposaunten werden können. Solange das Gründen solcher kleinen Schulzirkel den finanziellen und schulgesetzlichen Möglichkeiten widerspricht, sollten die vorhandenen Realschulen der orthodoxen Grohgemeinden mit Alumnaten oder Familienaufnahme für . Auswärtige : verbunden werden. Letztere technische Frage halte ich für das Minderwichtige., Das Gange möchte ich nur deshalb der öffentlichen Aussprache zur Anregung geben, weil m. E. zu oft vergessen wird, wie dankbar, wir den Schöpfern des Prinzips iODttjvrm der älteren, akademischen Form immer noch sein müssen und wie falsch es wäre, es als rrgendiwie überholt zu betrachten. So löblich und fördernswert der seit einem > Jahrzehnt großgewordene Jeschiwoh-Eifer unserer westlichen Jugend ohne Zweifel ist, — ausgewachsen ist er doch nur auf der geistigen Basis solcher Jünglinge, die durch wirklich akademische Gründlichkeit die Skepsis des monistischen Zeitalters denkend überwinden gelernt haben. Wer also diese Zwischenstufe schon heute ausschalten will, gerät in die Gefahr, den Ausweg weiter jüdischer Kreise zu hemmen. Selbst Vätern, die in ihrem Wohnorte keine andere Wahl haben, als die, ihre Kinder entweder auf die christliche. Volks- oder auf die christliche Realschule, zu schicken, sollte ein denkender Jude nur raten, nach Möglichkeit der höheren Schule den Vorzug zu geben. Sogar die in der Inflation zerronnenen Stipendiep, hie früher für solMHmecker eMiMest^^ölltettMmüiert und ver? Mehrt werden., Sys Mjhodoxe Judentum hat ja ' das Licht ' der ' äkadMifchen Bildung nicht zu scheuen,; Wenn älfp Lid Abkehr von dieser Bll- MngM^ anderell^DisiHM Wttsen^WMWiM. so: Annen wir uns darüber trösten, DiSxstreng europäische zünftige Skopus-Universität können wir ungescheut verpönen, weil schon die Tatsache, die Form und die zugestandene Bestimmung ihres Werdens der überholten Epoche des Wissens (d. h. derjenigen mit atheistischer Voraussetzung) angehören; doch werden wir mit Gottes Hilfe uns geistig zu wehren wissen. Wenn im Bewußtsein ihrer modernwissenschaftlichen Unhaltbarkeit Reform und Nationalismus einen Kulturkampfs entfesseln wollen, sind mehr als je genötigt, unsere Kinder vor der Entgeistigung zu bewahren, mit der sie das SportfaxentuM und die äußerlich aufgesetzte Naivität jener Kreise bedroht. Und so werden wir uns entschließen müssen, selbst den Gottlob bei uns oft schon nur der mm gewidmeten Eifer städtischer Kinder zugleich dem na vi zuzuwenden. Als „Geist" uns bekämpfte, hatten wir es leicht, uns geistig zu wehren. Seit jedoch Geistlosigkeit uns auflauert m bna» ^a ins qx können wir nur mit intensivierter geistiger Macht die Versprengten sman jr>a^ ina^a um uns scharen. Auch sollten wir bei politischen Wahlen nie auf seiten derjenigen stehen, die infolge Ueberschätzens des Wertes der körperlichen, turnerischen, zeichnerischen und gesanglichen Jugendbildung. die Stundenzahl der geistbildenden Schulfächer herabsetzen wollen. Auch diese handeln so erst seit der Zeit, da die Wissenschaften aufhörten, treue Helfer der Gottesleugnung zu fein- Wir orthodoxen Juden find im Interesse unserer religiösen lieberzeugung und ihrer Verpflanzung auf unsere Kinder sowohl d a r a u f a n g e w i e s e n, a l s auch d a z u beruf e n , als orthodoxe Juden die europäische Bildung zu retten. wschenrundschau. Jüdische Krankenhilfe. i36 eine längere Studie Otto M^gys uber die Not unserer Kränken veröffentlich, die einen großzügig, entworfenen Plan zur Abhilfe dieser Not zur Diskussion, stellt, Inzwischen: hat sich, der-Vorsitzende des Verbandes MWev UM Pflegeanstalten^zu dem Plane in Nr. 43 geäußert und trotz mancher Ve- 1