Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 44 (29.10.1925)
- Date
- 1925-10-29
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 44 Sette 13;; 29. Oktober 1925 Der Kongreß der europäischen Mnderheitsnattonen. Genf, 18. Oktober. Donnerstag wurde in Gens die Konferenz der Vertreter der europäischen Minderheitsnationen eröffnet. Unter den erschienenen 50 Delegierten sind neun Juden. Litauen ist durch den Sejmabgeordneten Dr. R o b i n s o n, die polnischen Juden durch Senator Körner und die Abgeordneten Grünbaum, Silo erschein, Weinzieher und Prilutzki, die Juden der Tschechoslowakei durch Dr. M a r g u l i e s und Leo M o tz k i n vertreten. Im ganzen find etwa 33 nationale Gruppen aus 12 Ländern vertreten. In längerer Rede verlangte Noah Prilutzki in sehr energischem Tone weitgehenden Schutz der Minoritätsrechte, kulturelle, ökonomische und politische Gleichberechtigung der Minderheitsnationen. Er forderte Freiheit, Frieden und Freiheit der politischen Betängung für alle Minderheiten, und selbstverpandlich auch für die jüdische wcmderheit Polens. Es wurden vier grundsätzliche Resolutionen" ausgearbeitet. Diese find: 1. Nationalkulturelle Gewissensfreiheit, die Freiheit des religiösen Bekenntnisses soll als internationaler ethischer Grundsatz ihren Ausdruck und ihre Geltung in positiven Rechtsformen finden. 2. Jeder Staat, worin es eine nationale Minorität gibt, soll dieser nationalen Gemeinschaft volle freie kulturelle, politische und wirtschaftliche Entwicklung gewähren. 3. Jede Volksgruppe, welche die Eignung zu einem autonomen Kulturleben besitzt, soll ihr Volkstum in eigenen, rechtlich öffentlichen Körperschaften pflegen und entwickeln dürfen. 4. Die Pflicht des Völkerbundes und anderer Friedensorganisationen ist es, die obengenannten Prinzipien zu verwirklichen. Die polnisch-jüdische Delegation brachte den Vorschlag ein, daß in der Resolution das Prinzip der Loyalität der Minderheiten zu dem bezüglichen Staate Ausdruck finden solle. Der Kongreß nahm schließlich einstimmig die folgende Entschließung an: „Die Delegierten von 35 Gruppen und 12 Nationalitäten, die 35 Millionen Menschen umfassen, bekennen sich feierlich zu folgenden Grundsätzen: Die nationale, kulturelle Freiheit ist ebenso ein Gut der Kulturwelt wie die religiöse Freiheit. Dieser Grundsatz soll als ewiges Prinzip für die Völkerbundsbestrebungen anerkannt werden und seinen Ausdruck in wirksamen Rechtsnormen finden. Dementsprechend soll jeder Staat gehalten sein, den Angehörigen seiner nationalen Minderheit den ungekürzten und freien Genuß aller staatsbürgerlichen Rechte zu gewährleisten." Im Verlauf der Tagung hielt der jüdische Abgeordnete des lettländischen Sejm, Rabbiner Nurok, eine Rede über das kulturelle Selbstbestimmungsrecht der Minoritäten. Er erklärte, der Vorwurf, die Minderheiten wollten als ein Staat im Staate gelten, fei ungerechtfertigt. Die Minderheiten wünschen nur, daß ihre kulturelle Autonomie im Rahmen des Staatsganzen anerkannt werde» wie es in Efthland der Fall ist. Der Vorsitzende des jüdischen Sejmklubs in Litauen, Dr. Robinson, führte aus, das kulturelle Selbstbestimmungsrecht sei die praktische Konsequenz des Prinzips der Toleranz. Abg^ Dr. I. G r ü n b a u m (Polen) hielt eine längere Rede in hebräischer Sprache über den Kampf der nationalen Minderheiten um ihre Rechte und hob die Verdienste des Komitees der jüdischen Delegationen in Paris hervor. Abg. Dr. Robinson referierte auch noch über das Selbstverwaltungsrecht der jüdisch-religiösen Gemeinden, die die Grundlage für die jüdische autonome Organisation bilden. Zu der Frage des kulturellen Selbstbestimmungsrechtes wurde folgende Resolution angenommen: „In den Staaten Europas soll jede nationale Minderheit berechtigt sein, in eigenen, den Verhältnissen eines jeden Staates angepaßten öffentlich-rechtlichen Körperschaften ihr Volkstum zu pflegen und zu entwickeln. Hier ist der Weg einer loyalen Zusammenarbeit zwischen den Minderheits¬ und den Mehrheitsnationen." In einer weiteren Entschließung wird der Völkerbund aufgefordert, entsprechend seiner klar formulierten Aufgabe und im Sinne seiner Erklärung vom 21. Dezember 1922 sich mit der Lösung des Problems der Minderheiten zu befassen und hie in den Resolutionen formulierten Rechte der Minderheiten zu sichern. Die organi- D e r I s r a e l t t fierten nationalen Gruppen Europas wollen nach Möglichkeit den Völkerbund darin unterstützen. Hierauf wurde der Kongreß geschlossen und ein Komitee eingesetzt, welches den zweiten Kongreß für das nächste Jahr vorzubereiten und mit anderen Minoritäten in Verbindung zu treten haben wird. Personalien. Rabbiner Professor De. Marx Darmstadt, 26. Oktober. Am Donnerstag, den 23. Oktober, verstarb in Darmstadt Rabbiner Professor Dr. Marx im vierundm lzigsten Lebensjahre. Einer der ältesten Rabbiner und geistigen Füherer des gesetzestreuen Judentums in Deutschland scheidet mit ihm aus einem reichen Leben für rumi min Wir müssen uns leider versagen, die Verdienste des verstorbenen Rabbiners in einem ganzen Menschenalter segensvoller Wirksamkeit zu schildern, da er sich letztwillig jedweden Nachruf in Wort und Schrift verbeten hat. Sein Andenken wird in seinen Werken fortleben, ro-isV p»ns ist- München, 23. Oktober. Wie der J^T. A.-Vertreter erfährt, ist für die Neubesetzung des durch den Rücktritt des Herrn Rabbiners Dr. Eckstein freigewordenen Vamberger Rabbinatssitzes in erster Linie Herr Rabbiner Dr. R ö s e l aus Tilsit in Aussicht genommen. Griesheim (bei Darmstadt), 25. Oktober. Von einem schweren Schicksalsschlag ist unsere Gemeinde kurz vor Festausgang durch den Heimgang des Zacharias Rosenthal betroffen worden, nachdem derselbe noch an beiden Tagen, wenn auch bereits im 76. Lebensjahre stehend, jedoch in völliger Gesundheit und Rüstigkeit die minn-Gebete vorgetragen und die Gemeinde, wie immer an den v'rrmz o'»', durch seine meisterhafte Vortragsweise hingerissen hatte. Ja, es war ihm sogar noch vergönnt, mit hinaus zum -pi-vn-Gebet zu gehen, um so rein vor seinem Schöpfer erscheinen zu können, von dem er, kaum zu Hause angekommen, durch einen unerwartet schnellen Tod abgerufen wurde. Was er als Jehudi sowie als Mensch war, wissen alle diejenigen zu würdigen, die ihn gekannt und ihm nahe gestanden hatten. Ein echter Jehudi von altem Schrot und Korn war Zacharias Rosenthal, der es mit der Erfüllung der nis» genau nahm, als erster das Gotteshaus besuchte und als letzter wieder verließ, dabei ein Mensch von edlem, graden Charakter, der sich bei allen seinen Nebenmenschen beliebt zu machen wußte. In seinem Familienkreise bestand wie wohl selten in einer Familie das schönste und harmonischste Einvernehmen. Die durch ihn hinterlassene Lücke ist unausfüllbar und der Schmerz sehr groß. Möge insbesondere der einzigen Tochter, die so sehr an ihrem Vater V'r hing, sowie allen Familienmitgliedern und Verwandten reichen Trost spenden. rrnsanvermischtes. Wiesbaden» 22. Oktober. Mit Herbstbeginn entfaltet die hiesige Agudas Jisroel-Gruppe wieder eine lebhafte Tätigkeit. Das Winterprogramm bietet unter der Leitung der Herren Rabbiner Dr. Kahn, Dr. Ansb a ch e r, Lehrer H e s, Felix G o l d s ch m i d t und Jacob T i f ch e l fast jeden Abend ' rn-nr.'v für Herren oder Damen. Einen gemütlichen Abend gab die nmn mm Feier. Nach Minchoh versammelten sich Mitglieder und Freunde der Agudoh in der „Rituellen Küche", wo eine größere Anzahl Damen Erfrischungen und Leckerbissen gespendet hatten. Die Herren Rabb. Dr. Ansbacher, Eanitätsrat Dr. Korn bl um, Lehrer Hes und Herr Teig würzten die rmjio durch geistreiche und launige nmn sodann setzte nach Maariw der fidele Teil ein, um den sich besonders Herr Leopold Deutsch verdient machte. Die Geschwister Ruth und Heinz Kahn, Sulamith und Joseph Ansbacher unterhielten das Publikum mit drolligen kurzen Vorträgen, Lehrer Hes trug den Jahrkidusch vor und Berthold Kahn schöpfte aus seinem reichha.ugen Vorn Dialektdeklamationen und „erleuchtete" mit seinem Geisteslicht selbst eine durch Stromstörung kurz eingetretene Dunkelheit. Besonders gelungen war das Luststück „Wenn der Hof verreist ist", worin die Herren Gebr. Sternlaus, Deutsch, Goldmann, Frl. Neustadt und der 9jährige Adolf Zippel großen Beifall ernteten. Einen äußerst lehr- und genußreichen Abend bot am Sonntag, den 18. Oktober, ein Vortrag des Herrn Redakteurs S. Schachnowitz -Frankfurt a. M. über „Chazaren und K a r ä e r, ein Kapitel jüdischer Geschichte und feiner Lehren". In seiner rühmlictüt bekannten zündenden und wortreichen Darstellungskunst veranschaulichte er die beiden, aus einer Zeit stammenden gewissermaßen Gegenstücke zü einander bietenden Ereignisse, und verstand es, zu bewirken, daß die Zuhörer durch feine lebhafte Schilderung und . Erläuterung dieselben gleichsam m i t e r l e b t e n. Als logische Folgerung zog er hieraus erstens die Lehre, daß das Judentum ohne Tradition dem Tode entgegengehen müsse, wie der Karaismus zeigt, andererseits die besonders für unsere Zeit beachtenswerte Wahrheit, daß die vereinigende Kraft Israels nicht die Blutsgemeinschaft sei, — denn Karäer verloren trotz /dieser den Zusammenhang, während Chazaren als fremde Raffe wertvolle Teile wurden — sondern die Glaubensgemeinschaft. Die geistreichen und überzeugenden Ausführungen lösten reichen Beifall aus, den auch der Vorsitzende, H. Felix Goldschmidt, mit Dankesworten aussprach. Hetr Rabb. Dr. Ansbacher zeigte noch an einigen Beispielen, wie unentbehrlich die Tradition für die Ausübung jeder einzelnen Mizwoh sei, gleichzeitig aber auch, wie der feinsinnige Text des Gotteswortes, gründlich und wahrhaft wissenschaftlich genommen, selbst die traditionelle Auslegung unwiderleglich bestätige, so daß die karäische Lehre von der schriftlichen Thora selbst Lüge gestraft sei. Auch diese Ausführungen fanden reichen Applaus und die zahlreiche Hörerschaft ging dankbar für den herrlichen Abend mit reichem geistigen Gewinn nach Hause. — r. — Ufsenheim, 23. Oktober. Die Kultusgemeinde Rothenburg a. T. begeht am 'p 's tu» die 50jährige Wiederkehr ihrer Neugründung im Jahre 1876, verbunden mit dem goldenen Ortsjubiläum ihres Lehrers Moses H o f m a n n. Düsseldorf, 27. Oktober. Am Sonntag, den 1. November weiht der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, Ortsgruppe Düsseldorf, auf dem neuen israelitischen Friedhofe ein Ehrendenkmal ein. Das Denkmal ist ein Kunstwerk und von dem jüdischen Bildhauer Fleischhacker entworfen und hergestellt. Düsseldorf, 12. Oktober. Der Landesverband „Westdeutschland im Reichsbund jüdischer Frontsoldaten" gibt „Erinnerungsblätter" heraus, die in besonders schönem Gewände die in Worms und Köln gehaltenen Reden enthalten sollen. Als willkommene Beilage werden diese „Erinnerungsblätter" Ansichten von der Tagung und von den jüdischen Kulturdenkmälern enthalten. Bestellungen nehmen die Ortsgruppen des „Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten" und der „Landesverband Westdeutschland im Reichsbund jüdscher Frontsoldaten".— Adresse: Otto Schwarz, Düsseldorf, Königsallee 43,2. Briefkasten. R. F. in Fürth. Unsere Nachschlagebücher reichen nicht so weit zurück. Es geht Ihnen noch Mitteilung zu- F. P. in S. Die Fahrzeit ist am 3. Marcheschwan. F. H. in S ch. Betrag erhalten. I. V. in R. Betrag eingegangen. I. N. in M. Wir pflegen keine Berichte über silberne Hochzeiten zu bringen. nw» p St. Gallen. Betrag eingegangen und dem Bestimmungsort zugeführt. E. M. Wir wären eventuell bereit, das Gedicht. das uns ehrlich empfunden scheint, mit kleinen Aenderungen abzudrucken, doch müssen wir Sie zunächst bitten, Ihren Namen der Redaktion anzugeben. Erwin Fulda. Wir empfehlen Ihnen zum Vorlesen Einstädter. Gute Herzen, sowie Einstädter und O chsenmann, Bilder und. Klänge, beides im Hermon-Derlag A.-G., Hier, erschienen. R. F. in Fürth. 4. März 1821 —«wrn Y7X ,x7 10. Juli 1813 — tuari a"’. 21. Mai 1816 ivpri 1«» ä"'. Familiennachrichken. Barmizw0: Moritz, Sohn des Herrn Sal. Schwarzwald in Offenbach a. M., gr. Marktstratze 17. Dirns. z. Zt. in Burgpreppach. Präparandenfchule. — Walter, Sohn des Herrn Moses Reis, tzeilbronn a. N. k-pi 's. Frankfurter Berichte. Jüdische Frauenvereinigung. Diesen Sonntag 6 Uhr beginnt Herr Rabb. Dr. Jos. Breuer seinen Vortragszyklus im Hörsaale, Friedberger Anlage, über „Jüdische Lebensweihe in den Dämmerstunden des Lebens", worauf auch an dieser Stelle noch einmal hingewiefen wird. Die Geschichte des 'w ps* lieber dieses interessante Thema spricht diesen Sonntag abend 6 Uhr in den Räumen des Mekor Chajim, Langestraße 18, Herr Rabbiner I. Horovicz, Jerusalem. Eine Sijnmseier in der Aguda. Das Wintersemester setzte bei uns in den Jugend- und Lernvereinen mit großem Schwünge ein. Eine Reihe von Thorafesten stehen für diesen Winter bevor. Den Reigen eröfsnete Sonntag abend die Agudas Jisroel- Jugendgruppe mit einem Sijum auf Traktat gefeiert von einem Kreise junger Leute innerhalb der A. J.-Jugendgruppe, der den Traktat unter Herrn Dr. Rothschild angefangen und ihn unter Leitung des Herrn Jakob Landau bis zu Ende gelernt hat. Es war bei diesem bescheidenen Feste für gute Bewirtung und schöne Ausmachung gesorgt. Bon den geistigen Genüssen genügt es zu sagen, daß außer den offiziellen Reden im Namen des Vorstandes der Jugendgruppe (Herr G. Schnerb), des Dozenten, Herrn Jakob Landau, usw. noch i