Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 44 (29.10.1925)
- Date
- 1925-10-29
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 10 Nr. 44 liches Beileid zum Tode seiner Schwiegermutter, außer dem herzliche Glückwünsche der Familie . . . zur Bar mizwoh-Feier ihres Sohnes". Wir schlagen den praktischen Lesern dieser Blätter vor, der Einfachheit halber, zu Jahresbeginn ein Inserat zu veröffentlichen etwa in dem Sinne: „Allen lieben Freunden und Bekannten im voraus unsere Glück wünsche, beziehungsweise tiefes Beileid für alle glück lichen oder traurigen Fälle, von denen ihre Familie im Laufe des Jahres betroffen werden sollte. . ." Das wäre ebenso einfach wie praktisch. Wörtchen und Wihchen. Es gibt drei Bedauernswerte in der Weil Erstens der Lehrer- Wenn der Junge gut lernt, beißt es: Was hat er für ein gutes „Köpfchen"? Wenn er schlecht lernt: Kein Wunder, bei dem Lehrer Der zweite, der Arzt. Wenn der Kranke gesund wird, heißt es: Was hat er für eine kräftige Konstitution, wenn er stirbt, bei dem Arzt, kein Wunder. Der dritte, das Esrog. Vor Sukkot laufen alle zum Händler und sehen sich das Esrog an, prüfen es, ob es einen Pitom hat, ob es aussteht kemiqdal Dowid; wenn Sukkot da ist ruft alles: ascher kidschonu bemizwausow weziwonu al netilaslulow, wo bleibt aber der Esrog? * * * Wie geht es, fragt einer in diesen geschäftlich schweren Zetten? Der andere: „Wie beim Schemone Esre. der eine ist eher fertig, der andere später." * * * izm ö’im wto Vv. Wegen dreier Dinge wartet das Publikum, (Owauth 2, 18) al boemes, bi» der Raw bei Emes hält, weal hadin, bis der Raw sagt, ob koscher oder nicht, weal hascho laum, bis der Raw bei ause scholaum hält. * * * Der Vorsteher O, der Ka«non hieß, lebte in ewigem Streit mit dem Rabbiner P. der Gemeinde. Bei einem Neuerlichen Zanke ries der Rabbiner: Was kapn mast von Ihnen anderes verlangen, wo Sie die Rosche Dewaus von Kisawnu. laznu, mo- -adnu, niaznu bildest? (Orthographisch nicht ganz einwandfrei, da mit p und mrs mit geschrieben wird. Red.) 4- * * ®tij Maagid ging me nacp dem Städtchen K. in Liiäuey. ..Warum nicht?" fragten seine Freunde, und er antwortete: v'8'22 '7 Dir bd up „Wer soll da gebest,, wo alle Gelehrte sind?" * * * Einer zänkischen Frau Mann: Jetzt weiß ich, das gegenüber bemerkte der Wort heißt nichts anderes als. nxj? iiVsi. Aber die Frau antwortete: Du Narr, das steht doch beim ja (Mann!) $ $ * Als es nach dem Gefchem-Bentschen am Schemini Azereth sofort zu „strömen" anstng, sagte der ..schlechte" Chasen zum Raw: Ja, das hat meine nbsn bewirkt. Darauf der Rüw: Wegen solcher Leute ist sogar der Mabbul gekommen. MMMM * * * Zur Mittagszeit wurde während der .9 Tage" ein Baal Habafis von einem Schnorrer Lagernd astfgehalten. „Run scheren Sie sich endlich", rief er endlich ihm zu. „Was, darf man sich in den .9 Tagen" scheren?" — ..Wo es nb'prrn 32V» ist, darf män," sprach der Hausherr. * * * Als der berühmte :.Horaw Hamagid", mit Vornamen Jom-Tob gestorben war, hielt Ritbo, ebenfalls Jom-Tob mir Vornamen, um die Hand der Witwe an, diese wies ihn ab und sprach: dp twr inn®’ bins man ■»aaV uiv- Dr. N. in L. * ♦ * Das wa fchliegr mit den Worten '3 121' '1 nSm das -J11 '»'»11 'Ivn aber mit den Worten ,1V3 (Ich irrte wie ein verlorenes Schaf). Wer daheim bleibt, ist voller Bewunderung für die weite große Welt draußen. Wer auf Reisen gegangen und sie gesehen hat, kehrt enttäuscht heim — „verloren wie ein irrendes Schaf . . ." # * * Rabbi Meier aus Przemyfl wurde einstens auf der Sttatze von einem polnischen Rohling angefallen und mit den Worten „Parschiwi Zid" („aussätziger Jude") beschimpft. Rabbi Meier bestätigte die Titulation mit einem befriedigenden Lächeln. Darüber befragt, sagte er: Sie nennen uns mit Recht so. Parschiwi" heißt aus hebräisch all. Es sind die Anfangsbuchstaben von o'wa '2'*?ail. (Wohltätig, barmherzig, schamhaft) den drei Eigenschasten, womit wir Juden uns auszeichnen. * * * Der Chafstdim - Rabbi Rabbi Raphtali aus Ropoziz sagte einmal anekdotisch von denen, die nicht, wie die anderen Chafstdim, den Weg zu ihm machten, ihn daher nicht kannten und falsche Vorstellungen über ihn hatten und verbreiten: uh nm D er I s r a eilt um sie bleiben daheim und kennen daher nicht meine Wege. * * * Der Rabbi von Lublin wurde, als er zum ersten mal in feinem Leben nach Berlin kam. von einem spottfüchtiaen Jüngling aus dem Kreise der Aufgeklärten gefragt: „Woher kommt es wohl. Rabbi, daß wir in Deutschland erstens ehrlicher sind und dann mehr Sinn für Reinlichkeit und Ordnung haben als ihr in Polen?" ..Die beiden Fragen", antwortete der Rabbi lachend, können in einem beantwortet werden. Rabbi Pinchas ben Iair zählt in der Mischna zehn Stufen der Frömmigkoft und Heiligkeit auf. Die erste heißt Reinheit (m'pl). die höchste „heiliger Geiste (vnpn nil). Wenn nun der .Berliner" (so wurden damals all die Aufqeklärten bezeichnet) Reinlichkei pflegt, dann überkommt den Jezör Hora die Angst, er. der Berliner, könnte es noch weiter hinaus bis zur höchsten Stufe bringen, und er möchte ihn davon abhalten. Der ..Berliner" berühmt ihn aber' und sagt, er gehe nickt weiter und strebe keineswegs nach Frömmigkeit, Heiligkeit usw. Der Jezer Hora glaubt es ihm aufs Wort, denn die Deutschen" sind sa ehrlich . . . und er läßt ihn unbehindert bei seiner Ordnung und Reinlichkeit. Fängt aber der ..Pole" an. Reinlichkeit zu pflegen, so stürzt Jezer Hora auf ihn los. in der Angst, er würde noch höher steigen, und hindert ihn. Sagt aber der „Pole", er beabsichtige nur auf der ersten Stufe zu bleiben, fv glaubt ibm der Jezer Hora natürlich nicht, denn in Polen sind sie ia unehrlich. So kommt es denn, daß es dort mit der Ordnung und Reinheit nicht so gut bestellt ist . . -tz. (Luiggi Luzatti betont sein Judentum.) Der römische Korrespondent der Jüdischen Telegraphen-Agentur be- 'uchte den Senator und früheren Premier Italiens, Luigai Luzzatti, im Kurorte Raveno-Lago Maggiore, wo sich Luzzattt feit einiger Zeit aufhält. Der greise Politiker und Menschenfreund zeigte sich sehr erstaunt und erbost über die Behauptung des polnischen Senators Buzok. die dieser in polnischen Zeitungen ausstellte, daß Luiggi Luzzatti noch vor Jahren zum Christentum üoergetreten wäre. Senator Luzzatti ermächtigte den I. T. A.-Vertreter. öffentlich zu erklären, daß an dieser Behauvtung kein wahres Wort sei. ..Ich bin." sagte Luzzatti. .'.Zeit meines Lebens ein guter Jude gewesen, bin me dem Glauben meiner Väter untreu geworden. Ich bin stolz auf mein Judesein und habe immer, wo das Judentum angeariffen worden war. es verteidigt und meine indischen Brüder in Schutz genommen. Ich kann nur mit Verdruß und Verachtung an die Behauptung denken, ich hätte meine grauen Haare geschändet und hätte dem Judentum nach einem Leben voll Kampf den Rücken gekehrt." Luzzatti betonte, er habe den polnischen Senator Buzek. der diese lächerliche Behauptung in der polnischen Vresse verbreitet hat. niemals empfangen und nie ein Gespräch mit ihm geführt. (Thomas G. Masaryk und seine iüdischen Freunde.) Von dem Begründer des tschechoslowakischen Staates und Präsidenten der tschechoslowakischen Republik. Thomas G. Masaryk, erschien soeben ein Memoirenwerk „Die Weltrevolution, Erinnerungen und Betrachtungen", in welchem der berühmte Verfasser sich Rechenschaft über einen bisherigen Lebensweg gibt und insbesondere die Vorgeschichte der Gründung des tschechoslowakisch Staates schildert. An mehreren Stellen des Buches sind die Zusammenkünfte des Präsidenten Masaryk mit jüdischen Persönlichkeiten in verschiedenen Ländern erwähnt. Präsident Masaryk stellt fest, daß ein großer Teil der Sympathie, die ihm in den westeuropäischen und amerikanischen Ländern entgegengebracht worden ist, auf das Konto seiner ..Hilsneriade" zu buchen sei. Damit pielt der Präsident auf den im Jahre 1899 in dem böhmischen Städtchen Kutno stattgefundenen Prozeß an. in dem ein indischer Schlächterqehilfe. Leopold Hilsner, 'älscklich des Ritualmordes an einem christlichen Mädchen angeklagt und verurteilt worden war. Prof. Masaryk trat der damals in Böhmen demagogisch hervorqerufenen antisemitischen Stimmung entgegen, bekämpfte die Ritualmordlegende und nahm sich des Angeklagten an. Ueber feine Erlebnisse in den Vereinigten Staaten berichtet Präsident Masaryk u. a.: ..Wie überall unterstützten mich auch die Juden. Und ae^r-de in Amerika ..rentierte" sich mir, wenn ich so sagen darf, die Hilsneriade. Schon im Jahre 1907 hatten die Juden in Newyork einen riesigen Empfang für mich verunstaltet: diesmal hatte ich viele persönliche Zusammenkünfte sowohl mit Vertretern der orthodoxen Richtung als rt"rf, mit Zionisten. Bo" diesen nenne ich Mr Brandeis, Mitglied des Obersten Gerichts, seiner Herkunft nach aus Böhmen: er war gut mit dem Präsidenten Wilson bekannt und genoß sein Vertrauen. In Newyork wyr Mr. Mack einer der führenden Zionisten. In Amerika haben die Juden wie in Europa großen Einfluß in der Journalistik: es war sehr vorteilhaft für uns. diese Großmacht nicht gegen uns zu haben. Auch diejenigen, die mit meiner Politik nicht übereinstimmen, benahmen sich zurückhaltend und unparteiisch." 29. Oktober 1925 Es ist ausschließlich Sache der Leser, die im Inseraten, keil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben kellgkonsgöfehllcherr Charakters auf ihr« Zuverlässigkeit zu prüfen. SLTVIIU CAFE HANSELMANN KAISERGARTEN gegenüber dem Opernhaus Künstler-Konzerte 4—12 (Ihr Helle Schaufenster sind die besten Kunderiwerber Kostenlose fachmännische Beratung J» Gischler, elektrische Anlagen Gr. Bockenheimerstr. 52 - 56, Tel. Hansa 5079 r Hansa Grosswäscherei vorm. Gehr. Vogel Spessart 1382 u,1383 Boyenstraße 8-14 ] /jausfialfungs-lDäsofie nach Gewicht naß, getrocknet und gemangelt Damen- und Herren-Bügeiwäsche Abholung kostenlos Esch-Original (isgrave’s) Oefen sind ausgespr. 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