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Der Israelit · 1925-10-22 · Heft 43 (22.10.1925) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
66 (1925)
Issue
Heft 43 (22.10.1925)
Date
1925-10-22
Page
– (sequence 13)
Language
German
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22. Oktober 1925 Der Israelit Nr. 43 Seite 13 Kölner Adaß Ieschurun und Großgemeinde. Von einem Kölner Austrittler. Köln, 18. Oktober. In Nr. 40 des „Jüdischen Wochenblattes" wird der Lynagogengemeinde Adaß Ieschurun in Köln die hohe Ehre zuteil, an das Licht der Oesfentlichkeit gezogen zu werden, einer Gemeinde, die bisher geglaubt hat, in Stille nm Ort ihres Bestehens für Tauroh, Awaudoh und G'milluß Ehallodim wirken zu können. Die Ehre ist sogar so groß, daß man ihrem Streben und ihrem Wirken eitel Lob und Anerkennung zollt: Sie jsi „der Mittelpunkt des traditionellen Judentums in Mn", „hauptsächlich auf dem Gebiete des Schulwesens hat sie Werte geschaffen", und „sie müßte zum Wohle der ganzen Gemeinde gegründet werden, wenn sie nicht bestände." Aber der Pferdefuß läßt nicht lange auf sich warten. Dem Artikelschreiber ist es fraglich, „ob diese segensreiche Entwicklung als ein Ergebnis des Austritts zu betrachten ist oder trotz des Austritts möglch war", er will „ernstlich die Frage prüfen, ob das schroffe Festhalten, am Austrittsprinzip nicht gleichbedeutend ist mit Opferung [sic.) von Tauroh, Awaudo, Gemilus Chafsodim auf dem Altäre zu weit getriebener Religionspolitik". Aber den tznpfel der Weisheit hat der Verfasser mit seinem Schlußsätze erklommen, der wörtlich wie folgt lautet: „Nur wenn Männer, die das Geschick der Adaß Ieschurun leiten, den Mut der inneren Ueberzeugung einsetzen, wird es dieser Gemeinde gelingen, die Werte zu erhalten und auszubauen, die sie geschaffen." Bei diesem Salto mortale muß man sich an den Kopf greifen und fragen: wo ist denn da die Logik geblieben? Weil die Adaß Ieschurun bisher so viel erreicht, so segensreich gewirkt hat, weil sie, auf dem Gebiete des Schulwesens Werte geschaffen hat, weil die Adaß Ieschurun neu gegründet werden müßte, wenn sie nicht bestände, und noch Hunderte „Weil", die det Artikelschreiber nicht ansührt, deshalb, so sollen wir mit dem einfachen nüchternen Verstände eines Austrittlers meinen, müßte man dem Austrittsprinzip alle Anerkennung zollen, und scharenweise müßten alle Mitglieder der Großgemeinden, die es ernst mit ihrem Judentum meinen, aus der Muttergemeinde austreten und der Separatgemeinde sich an- Moßen. Aber das meint unser Gemeindeorthodoxer natürlich nicht. Er hat eine andere Logik, die derjenigen eines Separatisten diamentral entgegengesetzt ist. Weil die Adaß Ieschurun so vieles und noch mehr erreicht hat, deshalb soll sie in sich gehen, keinen Hochmut bekommen, und reuevoll wieder zurückkehren in den alleinseligmachenden Schoß der Muttergemeinde, sonst, ja sonst, wir wagen es kaum auszusprechen, sonst, so droht uns der um das Wohl und Wehe der Adaß Ieschurun, die „neu gegründet werden müßte, wenn sie nicht bepande", so bekümmerte Gemeittdeorthodoxe, mit verheißungsvoll erhobenem Finger, ja sonst wird die große Gemeinde Eure Schulen, „die Werte geschaffen haben", verkümmern lagen, sie wird euch fühlen lassen, was es heißt, im Eifer des Fanatismus sich von der Muttergemeinde zu trennen, sie wird eure Schulen, „deren Gedeih und Verderb von weitgehendster Bedeutung für die Zukunft unseres Gemeindelebens ist", zur Auflösung bringen, trotzdem sie nichts Besseres an deren Stelle zu setzen weiß. Wahrlich, wenn das alles so wäre, wie der Artiketschreiber, der anscheinend sein Gewissen bedrüal fUgu weil er als Orthodoxer in der Großgemeinde verblieben ist, und deshalb gerne die „Ausgetretenen" wieder zu sich heranziehen möchte, wir sagen, wenn das alles so wäre, keine größere Propaganda für den Austritt aus der Synagogengemeinde Köln hätte unser Gewährsmann treiben können. Eine Gemeinde, die davon uoerzeugt ist, daß „die Adaß Ieschurun sich im Laufe der Jahre so entwickelt hat, daß diese Gemeinde heute den Mittelpunkt des traditionellen Judentums in Köln bildet", daß „die Adaß Ieschurun auf dem Gebiete des Schulwesens Werte geschaffen hat, deren Gedeih und Verderben von weitgehendster Bedeutung für oie Zukunft unseres Eemeindolebens ist", „daß die Adaß Ieschurun gegründet werden müßte, wenn sie nicht bestände", eine Gettuinde, die das alles weiß, will die Adaß Jeschurum mit ihrem gesamten Schulwerk verkümmern lassen, und nur "ns dem Grunde, weil die Adaß Ieschurun so einfältig Ulid naiv war zu glauben, daß sie alles dies nur erreichen konnte mit Hilfe des Allmächtigen, weil sie sich von der Großgemeinde separiert und ein ganz anderes Gebilde geschaffen hatte, weil sie in ihren Satzungen einen Paragraphen hat, der die Gesinnung ihrer Mitglieder zum Ausdruck bringt, und der da lautet, daß die Gemeinde auf dem Boden des gesetzestreuen Judentums steht und ihre Beschlüsse nur dann und nur insoweit Geltung haben, als sie sich mit dem am Sinai erteilten Gottesgesetze im Einklang befinden. Wahrlich, energischer hätte der Verfasser den Austritt nicht propagieren können, wenn das i n W a h r h e i t alles so wäre, wenn die Leiter der Großgemeinde dem fratzenhaften Zerrbilde entsprächen, das der Verfasser von ihnen geman. Wir müssen der Wahrheit die Ehre geben, solch bitterböse Vorsteher und Repräsentanten hat die Großgemeinde in Köln nicht, wie der Gemeindeorthodoxe euch, ihr lieben Leser, glauben machen möchte, als Mittel zum Zweck, um die Adaß- Jeschurun-Austrittler im heiligen Köln bange und kirre zu machen, um ihnen zu zeigen: „Seht, einen Turm zu Babel bis hinauf in den Himmel habt ihr erbaut, aber über Nacht kommen die Gemeindegewaltigen der großen Synagoge in Köln und mit einem Lufthauche werfen sie euer, ganzes, schönes, im Laufe von Jahrzehnten erbautes Gebäude wieder über den Haufen." Wir fragen uns wiederholt: Was bezweckte der Artikelschreiber mit seinem Artikel im Achdus-Blatte, wozu ruft er wiederholt die Manen Samson Raphael Hirschs V"üt an als Kronzeugen für feine verirrten Jdeengänge, als Kronzeugen gegen Hirschs eigenes Lebenswerk? Die Manen Samson Raphael Hirschs verweigern dem Artikelschreiber die Gefolgschaft, verweigern Sekundanten zu sein bei der „charaktervollen" Aufforderung" an die Männer, die das Geschick der Adaß Ieschurun leiten, den Mut ihrer Ueberzeugung einzusetzen." Wir haben den Fehdehandschuh nicht hingeworfen, uns wäre es lieber gewesen, .man hätte in Ruhe uns weiter wirken lassen, wie wir dies bisher getan, ohne die Oeffentlichkeit auf uns aufmerksam zu machen, ohne den Bruderstreit, der schon traurig genug ist, noch weiter zu tragen, als es zur Erhaltung des göttlichen Gesetzes unbedingt notwendig ist. Nachdem der Fehdehandschuh aber einmal hingeworfen ist, und wie uns scheint, von einer, Rabbiner Samson Raphael Hirsch nicht allzu fern stehenden Seite, fühlen wir uns verpflichtet, ihn aufzugreifen, damit über den Charakter der Adaß Ieschurun in Köln kein Zweifel in der nun einmal damit beschäftigten Oesfentlichkeit herrscht. Als oberstes Postulat steht auf der Fahne der Adaß Ieschurun in Köln geschrieben, mit hochragenden Lettern: Charakterfestigkeit, Gesetzes- und Prinzipientreue. Dies möge sich der Verfasser des Artikels im Achdus-Blatte, sofern er dies bisher noch nicht gewußt hat/ ein für allemale merken. Und ein weiteres: Die Adaß Ieschurun in Köln, geht den ihr von ihrer Ueberzeugung vorgeschriebenen Weg in gerader Linie weiter, ohne sich um den inneren oder äußeren Erfolg zu kümmern, und ohne von einmal eintrefsenden Fehlschlägen sich Niederdrücken zu lassen. Sie wird aber niemals, wir sagen mit Nachdruck, niemals, auch wenn ihr der Brotkorb einmal hoch und noch höher gehängt werden sollte, ihren Charakter, ihre Gesetzestreue, ihre Prinzipientreue und ihre Ueberzeugung, preisgeben. Niemals, das möge sich der Artikelschreiber, und falls er Gesinnungsgenossen haben sollte, was wir aber für fraglich halten auch diese, ein für allemal merken. Kein Geld und kein Gold in der Welt vermag die Adaß Ieschurun von ihrem geraden Wege abzubringen, und wenn das eine oder andere aus Unvermögen, nicht erreicht werden kann, wie dies wiederholt im Laufe der Jahre der Fall war, dann nimmt die Adaß Ieschurun mit dem Erreichten vorlieb und überläßt das andere dem allgütigen Vater im Himmel. Aber von ihrem Prinzip, auch von ihrem Austrittsprinzip, oder wie das der Artikelschreiber in hämischer Weise zum Ausdruck bringt: „Opferung von Tauroh, Awaudo, Gemtlluß Chafsodim auf dem Altäre zu weit getriebener Religionspoiitik", gibt die Adaß Ieschurun nichts, aber auch gar nichts, preis. Wir denken nicht so niedrig von der Gesinunng der Verwaltungsorgane der Großgemeinde in Köln, wie das der Artikelschreiber in wohlverstandener Absichi zu tun geruht. Wir haben das Vertrauen zu den Leitern der Grohgemeinde, das uns auch bisher nicht enttäuscht hat, daß sie den Schritt, den die Adaß Jeschurun tun mußte zur Erhaltung der ihr heiligen Prinzipien, und die Wege, die die Adaß Ieschurun zu diesem Zwecke gehen muß, zu verstehen sich bemühen, und daß sie nicht aus Eifersucht oder Neid oder ähnlichen Gründen sich zu Maßnahmen hinreißen lassen, die der Artikel- I schreiber angedeutet hat. Sollten wir uns aber in unserer Ansicht getäuscht haben, und wir vermögen aus der Vergangenheit einen derartigen Gedanken kaum auszudenken, so möge man sich gesagt fein lassen, daß weder die Adaß Ieschurun, noch irgend eine ihrer Einrichtungen, noch die ihr nahestehenden Schulen, an dem Fundament der Adaß Ieschurun zu rütteln vermögen, das fester gegründet dasteht, als der Artikelschreiber wohl zu ahnen vermag. Aber auch noch eines möge er sich ein für allemal hinter die Ohren schreiben: Verkaufen wird sich die Adaß Ieschurun niemals, sie wird auch niemals irgend eine ihrer Einrichtungen verkaufen um schnöden Mammon! Wir möchten für heute die Feder ruhen lassen, um das äußere gute Verhältnis, das zwischen der Großgemeinde und der Adaß Ieschurun in Köln schon seit Jahren besteht, nicht unnötig zu stören. Wir sind aus der Ruhe nur aufgeweckt worden durch den Hahnenschrei des Artikelschreibers und haben gesagt, was uns für heute von nöten -schien. Wir wollen auch weiter schweigen, und ohne unsere Taten an die große Glocke zu hängen, unseren Weg weiter in Frieden und Ruhe wandern, unbekümmert um unsere Brüder, die anderer Meinung sind als wir „Austrittler". Wenn man uns in Ruhe läßt, schweigen auch wir. Sollte der Artikelschreiber aber die Materie weiter aufzustöbern für tzut befinden, so wird er uns, so Gott uns weiter Kraft und Verständnis gibt, auch weiter auf dem Plan finden. Wir haben nichts zu verschweigen. Vermischkes. Frankfurt a. 21t, 19. Oktober. Die Mitglieder des Unabhängigen Vereins isr. Lehrer im Volks st aate Hessen werden hiermit ausgesordert, den Jahresbeitrag für 1925 mit 10 Mark (5 Mark für den „Bund") unverzüglich an das Postscheckkonto 11480 Frankfurt a. M., H. Sulzbacher in Groß-Vieberau einsenden zu wollen. Berlin, 8. Oktober. Die Berliner Synagogen sind seit einiger Zeit ein beliebtes Tätigkeitsfeld für Einbrecher. In der vergangenen Nacht wurde — dies ist der siebente Synagogen-Einbruch — die kleine Syngaoge in der G i pl s st r a ß eheimgesucht, die im Seitenflügel eines Gebäudes liegt, und deren Zugänge nur wenig gesichert sind. Der Schrank, in dem die gottesdienstlichen Geräte aufbewahrt werden, wurde von den Einbrechern erbrocyen. Sie erbeuteten aus diesem Schrank zwei silbervergoldete Kle kaudesch, außerdem eine Opferbüchse, die sie von der Wand abrissen. London, 13. Oktober. Hans Herzl ersuchte die Jüdische Telegraphen-Agentur heute, in seinem Namen die folgende Erklärung der Presse zu übermitteln: „Ich betrach t e m i ch nichtlängerals Untergebener der katho!ifchen Kirche." Druckfehlerberichtigung: Im Artikel: „Die Grenzen unserer Naturerkenntnis" ist auf Seite 3 erster Spalte im letzten Absätze ein bedauerlicher, sinnentstellender Druckfehler stehen geblieben. Der Satz muß richtig heißen: „Auch der Laplace'sche Geist, der die mathematische Formel alles Weltgeschehens in Händen hätte, so daß er für einen gegebenen Augenblick den Stand aller Weltkörper, ihre Kraftladung und ihre Kraftwirkung aus einander genauestens mathematisch fixieren könnte, stände vor der Welt wie vor einer Schachpartie und könnte nicht einmal feststellen, welchen von den vielen möglichen Zügen der Spieler als allernächsten Zug machen wird." frankfurter Berichte. Die Wohltätigkeitsveranstaltung zu Gunsten der Israelitischen Volksschule. Die Veranstaltung im großen und kleinen Saal des Saalbaues verspricht ein gesellschaftlich-künstlerisches Ereignis zu werden. Es ist gelungen, prominente Kräfte zu gewinnen, so Irene T r i e s ch, die gefeierte Tragödin, sowie den berühmten Berliner Schauspieler Friedrich ji a g s 1 e r, außerdem Herrn Eduard Lankow, erster Bassist von der Metropolitan Opera New Pork und der Oper von Chicago. Das Orchester setzt sich aus Mitgliedern des hiesigen Opernhaus- und Symphonieorchestsrs zusammen. Die gesamte künstlerische Leitung hat Herr Max N e u m a n n. Aus der jüdischen Gedankenwelt. Diesen Sonntag abend 6 Uhr eröffnet Herr Rabb. Dr. Jos. Breuer seinen diesjährigen Vortragszyklus im Mekor Chajim, Langeftraße 18, über das Thema: „Aus der jüdischen Gedankenwelt", in Anknüpfung om'aiv

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