Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 66 (1925)
- Issue
- Heft 43 (22.10.1925)
- Date
- 1925-10-22
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr 43 Seite 7 22 Oktober IdW Anordnung zur Entfernung der Betenden gegeben habe und bezog sich dabei auf ein altes türkisches Gesetz, welches eine Gemeindeandacht vor der Klagemauer, sowie die Benutzung von Bänken und Sitzen vor der Klagemauer verbietet und nur improvisierte Sitze erlaube. Die <mordnung gab sich mit dieser Erklärung nicht zufrieden und wies darauf hin, daß das erwähnte Gesetz zur Zeit der türkischen Herrschaft aus dem Papiere blieb und daß die Juden seit unvordenklichen Zeiten am Jom Kippur vor der Klagemauer ihre Andacht verrichteten. Die Mitglieder der Abordnung kündigten eine Gerichtsklage gegen die Polizei wegen Störung des Gottesdienstes an. (Siehe auch Wochenrundschau.) Allerlei aus Palästina. Jerusalem, 3. Oktober. Der Gouverneur der südlichen Provinzen, Sir S t o r r s, übersandte den Führern der Gemeinde seine Glückwünsche zum neuen Jahre in hebräischer Sprache. Rabbiner Charlcip wurde vom Oberrabbinate des Rabbi Kook als Ortsrabbiner nach Rifchon entsendet. Wiewohl gegen die Person des Rabbi Charlap wenig eingewendet wird, macht sich doch in der Kolonie große Unzufriedenheit bemerkbar, daß das Oberrabbinat es gar nicht für nötig gehalten hat, die Vorstände der Kolonie erst zu befragen, sondern ihn einfach mit höherer Verfügung einsetzte. Aus diesem Grunde hat die Kolonieverwaltung bisher die Genehmigung der Wahl noch nicht ausgesprochen. Am Mittwoch, den 7. Oktober, wurde in Tel-Awiw die Handelsmesse des Nahen Orients feierlich eröffnet. Anwesend waren alle fremden Konsuln, Beamte der Regierung und auch zahlreiche Araber. Begrüßungsreden hielten Colonel Kisch und Gouverneur Storrs. Der letztere führte aus, die Juden hätten die Ausstellung ohne jede Geldstütze seitens der Regierung organisiert, und sie verdienten alles Lob. Sie zeigten auch einen regen Kunstgeist. Plebiszit über das Frauenstimmrecht. Ierufalern, 10. Oktober. Das Vollzugskomitee des Jüdischen Nationcnrats in. Palästina (Waad Leumi) hat die Entscheidung getroffen, daß die Frage des Wahlrechtes der Frauen zur jüdischen Nationalversammlung gemäß dem Vorschlag des „Misrachi" auf dem Wege einer jüdischen Volksabstimmung gelöst werden soll. Bekanntlich hat oie Erörterung über das Frauenstimmrecht zu einer Sprengung der bisherigen Nationalversammlung geführt, da sich die orthodoxen Gruppen gegen die Verleihung des Stimmrechtes an Frauen mit aller Entschiedenheit wehrten. In der gleichen Sitzung erörterte die Exekutive die Wahlordnung für die Nationalversammlung. Es wurde auch der Zwischenfall bei der Klagemauer am letzten Jom Kippur besprochen. Die neue Distrikkseinteilung Palästinas. Jerusalem, 5. Oktober. Eine vom Oberkommissar Lord Plumer Unterzeichnete Kundgebung teilt mit, daß Palästina nunmehr in zwei Hauptdistrikte, von denen jedes mehrere Ünterdistrikte hat, eingeteilt ist. Der Nord-Distrikt umfaßt die Unterdistrikte Haifa, Acre, Nazareth, Tiberias, Safed, Nablus, Jenin, Tulkarem und Beisan. Sitz des Gouverneurs des Nord- Distriktes ist Haifa. Der südliche (Jerusalemer) Distrikt schließt die folgenden Unterdistrikte ein: Jerusale/n, Ramallah, Bethlehem, Jericho, Jaffa, Ramleh, Gaza, Hebron und Beersheba. Sitz des Gouverneurs des Süd-Distriktes ist Jerusalem. ALKbische Magen und Wünsche. I e r u s a l e m, 14. Oktober. Der Oberkommissar für Palästina, Lord Plumer, empfing am 13. Oktober eine aus 40 Arabern bestehende Abordnung, die sich ihm als die Repräsentanz der Palästinensisch-Arabischen Exekutive vorstellte. Der Führer der Abordnung, Muza Kazim Pascha, der Vorsitzende der arabischen Exekutive, unterbreitete dem Oberkommissar ein ausführliches Memorandum, in welchem in sehr heftigem Tone über die „prozionistische Politik der Re gierung" Klage geführt wird. Die verstärkte jüdische Einwanderung, heißt es in dem Memorandum, ist die Ursache der Arbeitslosigkeit, die jüdischen Einwanderer importieren den Bolschewismus in Palästina. Die Geltung Der Israelit der hebräischen Sprache als eine der offiziellen Sprachen sei unberechtigt und außerdem eine schwere Bürde für die Finanzen, da alle Dokumente ins Hebräische übersetzt werden müssen, wozu ein großes Personal erforderlich ist. Weiter heißt es im Memorandum, die Juden hätten die Regierungsämter okkupiert, der Justizsekretär und Oberstaatsanwalt Mr. Nroman Bentwich sei ein zionistischer Führer und arbeite die Gesetze ohne Rücksicht auf die Gefühle und Traditionen der Araber aus. Lord Plumer erwiderte der Abordnung, er werde ihre Forderungen prüfen und sie den Londoner Stellen übermitteln. (I. T. A.) Af-rr« Aus Südaf ika. Johannesburg, 1. Oktober. Seit Chanuka 5681 haben wir für Johannesburg und Provinz eine v"®n npi^n man und wurde auch schon eine avo gefeiert. Außerdem existiert hier seit einem Jahre ein' Vm®'» nnanVi rnaan ®*n»n tv»> in welchem Kinder unterrichtet werden in ni»^n und anderen jüdischen Wissenschaften. Diesen Sommer starb Rabbi Mosche Friedmann, genannt „Rabbi Moschel", der orthodoxe Rabbiner der Gemeinde. Von der v"®n rr^n man wurde eine Versammlung einberusen, oie den Beschluß gefatzt hat, einen Nachfolger aus Europa zu berufen. Da augenblicklich Chiefrabbi Dr. I. L. Landau sich in Europa aufhält, wurden bescylossen, bis zu seiner Rückkehr mit der definitiven Berufung zu warten. Personalien. Rabbi Meir Arrak T a r n o w, 18. Oktober. Der Tarnower Raw, Rabbi Meir Arrak, einer der größten Männer Galiziens, ein Fürst der Thora und ein Führer seiner Gemeinde starb am ersten Sukkaustag. Eine große Reihe von halachischen Schriften, Responsen und Glossen zu Vabli, Jeruschalmi und Dezisoren zeugen von der hervorragenden Größe des verstorbenen Rabbi. Er nahm im Jahre 5665 teil an der historischen Rabbinerversammlung in Krakau und gehörte dort zu den Wortführern. Bei der Gründung der Agudas Jisroel-Weltorganisation auf der Kattowitzer Konferenz wurde Rabbi Arrak in den Rabbinischen Rat der Agudas Jisrool als einer der drei Vertreter Galiziens gewählt. Kurz vor Kriegsausbruch gründete Rabbi Arrak in Wien eine große Jefchiwo, deren Diplome sogar in der Kriegszeit von der Militärbehörde anerkannt wurden. Seit drei Jahren wirkte er in Tarnow. Das größte Interesse widmete er der Beis Jakauw-Bewegung, von der er sich viel Segen für das Neuaufblühen des Judentums in Galizien versprach. Er gehörte zum Czortkower Kreise und stand dort in höchsten Ehren. Er hauchte seine Seele am ersten Festabend aus, nachdem er den Segensspruch über Sukko gesprochen hatte, von einem Herzschlag getroffen. Bei der Bestattung in der zweiten Sukkausnacht waren etwa 30 000 Juden anwesend. y"-T Berlin, 15. Oktober. Am 13. Okober vollendete der in Berlin im Ruhestand lebende Geheime Archivrat Professor Dr. Adolph Warschauer sein 70. Lebensjahr. Nach jahrzehntelanger, überaus fruchtbarer archivalifcher und literarischer Tätigkeit als Staatsarchivar am preußischen Staatsarchiv in Posen und nach langer, erfolgreicher Dozententätigkeit an der dortigen Akademie, kam er 1912 als Direktor an das Staatsarchiv in Danzig, als erster Jude, der im preußischen Archivdienst einen solchen Posten einnahm. Der Weltkrieg brachte ihm die Ernennung zum Leiter der Archivverwaltung beim deutschen Generalgouvernement in Warschau und führte ihn damit in ein Arbeitsgebiet, auf dem er geradezu Erstaunliches geleistet, auf dem er aber auch, in angespannter Pflichterfüllung bis zuletzt, sich wirklich verzehrt hat. Auch nachdem seine Laufbahn die übliche offizielle Beendigung gefunden hatte, diente er dem Staate noch bei wichtigen Verhandlungen mit der Fülle seiner Kenntnisse und seiner unermüdlichen Abeitsfreudigkeit. Adolf Warschauer gilt als Autorität aus dem Gebiete der Geschichte Posens und Polens. Für die jüdischen Verhältnisse seiner Heimatprovinz Posen hatte -Adolf Warschauer, der auch die Bänke des Cheders in seiner Geburtsstadt Kempen geziert hatte, stets regstes Interesse. Auch in seine Forschung hat er von Anbeginn an die Geschichte der posenschön Juden mit einbezogen und sie in besonderen Aufsätzen oder im Rahmen umfassender Arbeiten und in Vortragen vielfach behandelt. Dem Gesamtarchw der deutschen Juden in Berlin steht er seit dessen Begründung als stets hilfsbereites Kuratoriumsmitglied zur Seite. Berlin. 12. Oktober. Zum akademischen Religionslehrer für höhere Lehranstalten wurde Herr Rabbiner Dr. Wilhelm Lewy aus Lebenszeit gewählt. Herr Rabbiner Dr. Wilhelm Lewy, ein geborener Berliner, war Hörer des Berliner Rabbiner-Seminars und vervollständigte seine talmudischen Kenntnisse aus der Jeschiwa in Krakau. Gießen, 19. Oktober. Am zweiten Tag'nimv »"nm verschied nach langem, schwerem Siechtuttk unser verehrtes Gemeinde- und langjähriges Vorstandsmitglied unserer Religionsgesellschaft, Herr Sigmund Hirsch, in kaum vollendetem 58. Lebensjahre. Der Verlust dieses wackeren Mannes, des 'W vn im reellsten Sinne des Wortes, bedeutet für uns eine große Lücke innerhalb unserer Gemeinde, und betrauern wir dessen Heimgang aufs Tiefste. Täglich, morgens und abends, traf man ihn im Gotteshause, er war für uns ein Vorbild in Frömmigkeit, Gottesfurcht und Mizwauserfüllung. nvn mmr» war ihm ein Herzensbedürfnis, manches Leid suchte er zu lindern, manche Träne zu trocknen. Leider war es unserem Herrn Rabbiner Dr. Hirschfeld des r>"' wegen, nicht vergönnt, dasjenige bei der wilzum Ausdrucke zu bringen, was ihm so sehr am Herzen lag, um ihn als Muster unserer rönp zu schildern und zu würdigen. Der Vorsitzende unserer Religionsgefellschaft, Herr A. Fröhlich, rief seinem treuen Kollegen Worte des Dankes nach für die Hingabe und Fürsorge, die er als Vorstandsmitglied im Interesse unseres Gemeindewesens an den Tag legte, und immer auf dem Posten war, wenn es galt, zu wirken und zu schaffen für unsere ' »npn irn-nn Ein außerordentlich großes Gefolge legte beredtes Zeugnis ab von seiner Beliebtheit und Wertschätzung. Möge '"pn. der gebeugten Witwe und ihren beiden Töchtern Trost geben. n"axm. Varel i. Old.. 13. Oktober. Eine erhebende Feier fand am Donnerstag, den 1. Oktober, in der hiesigen Synagoge zu Ehren des 40jährigen Orts- und Amtsjubiläums des Herrn Lehrer B e r n h e i m statt. Die Gemeinde hatte es sich nicht nehmen lassen, diesen Ehrentag ihres beliebten Beamten festlich zu begehen, um auch in der Oeffentlichkeit die Wertschätzung ihres Lehrers zu bekunden. In dem blumengeschmückten Gotteshause, in dem sich alt und jung, die Kollegen des Oldenburger Bezirks und die Spitzen der Behörden eingesunden hatten, hatte der Schwager des Jubilars, Herr Oberkantor Ziwi, Elberfeld den gesanglichen Teil des Festgottesdienstes übernommen. Herr Landrabbiner Dr. de Haas würdigte in wahrhaft zu Herzen dringenden Worten die Verdienste des Herrn Vernheim um Schule und Gemeinde, dessen Charaktereigenschaften nnxi non. Liebe und Wahrheit ihm die Gunst Gottes und der Menschen erworben hatten. Es sprachen dann noch der Vorstand der Gemeinde, Herr Gustav Schwabe, Herr Lehrer Merzberg, Oldenburg, als Vertreter der jüdischen Lehrer, Hartog, Jever und Herr Bernheim selbst, der für die ihm gezollte Ehrung allen Teilnehmern und Gratulanten seinen Dank aussprach. Alle Ausführungen der Redner gipfelten in dem einen Wunsch, daß der Jubilar auch das 50jährige Jubiläum in gleicher Frische des Körpers und des Geistes und umgeben von der Liebe und Anhänglichkeit seiner Gemeinde begehen möge. i"'oirr Oberlauringen. 8. Oktober. Rach mehrwöchentlicher Krankheit wurde Hermann Fink am 6. 'i®n in ein besseres Jenseits abberufen. Sein ganzes Leben war der nun und rrmy gewidmet. Ein pipnv war er in der Erfüllung der nix». Viele Jahre fungierte er ehrenarütlich als xpw p?a und sup ’pya »man bvi An der Bahre würdigte Hauptlehrer G o l d st e i n die Verdienste des Verstorbenen und sprach ihm den Dank der Gemeinde aus. Bei allen Bestrebungen, die dem Wohle der hiesigen Gemeinde und dem Eesamtjudentum dienten, stand der Verklärte in vorderster Reihe. Er war ein eifriges Mitglied des Distriktsausschusses unseres Rabbinatsbezirrs. Auch war. er Obmann des Zentralvereins. Möge feil nirr uns beiftehen. n“ax:m Lchönlanke. 1. Oktober. In dem festlich mit Blattpflanzen und Bäumen geschmückten Gotteshause fand am na® vor w®n ®m in Verbindung mit dem Freitogabend- Gottesdienst die feierliche Einführung unseres neuen Rabbiners, Dr. C oh e n aus Berlin, in fein neues hiesiges Amt statt. Vor Beginn des a'nvv-Gebetes wurde Herr Dr. Cohen von zwei Herren des Gemeindevorftandes nach seinem geschmückten Platze geleitet, während der Kantor das san -pna vortrug. Nunmehr begrüßte der erste Vorsteher, Herr Rechtsanwalt Asche, den neuen Seelsorger im Namen der Gemeindekörperschaften sowie der gangen Gemeinde aufs herzlichste und verpflichtete ihn durch Handschlag auf sein neues Ami. In seiner Antrittspredigt entwickelte Herr Dr. Cohen ein Programm seines arbeitsreichen, neuen ■ Amtes. Sein größtes Arbeitsfeld erblicke er in der Erziehung und Weiterbildung der Jugend im Geiste unserer heiligen nun, verbunden mit dem Wunsche, daß es ihm gelingen möge, die hiesige Jugend so an sich zu fesseln, wie seine Schüler in Berlin voller Verehrung an ihm hingen und ihm daher den Abschied von Berlin besonders schwer machten. Wir wünschen Herrn Dr. Cohen ein recht langes, ungetrübtes, gedeihliches Wirken innerhalb unserer Gemeinde. Vermischtes. Jerusalem, 5. Oktober. Das Zentralmädchenwaisenhaus gehört zu den schönsten Institutionen der heiligen Stadt. Hunderte armer Waisenmädchen erhalten hier ihre Erziehung auf der Basis der Thora und der Liebe zum Judentum und werden durch Berufserlernung für das spätere Leben ertüchtigt. Besonders verdient machte sich um das Haus neben allen anderen Vorständen und Helfern Herr Emil Lehmann in Frankfurt, aber am* der langjährige Vertreter des Hauses, Josef Mosche Tscharw i n s k i, der in Europa für das Waisenhaus wirbt. Herr Tirbarwinski weilt zurzeit in Jerusalem, tritt aber gleich nach den Feiertagen seine neue Europareise an, um dem Zentralmädchenwaisenhause neue Freunde zu werben und ihm die Möglichkeit seiner weiteren Existenz in dieser kritischen Zeit zu verschassen. Alle, die ein Herz für de Not jüdischer Waisenkinder haben, und denen an einer Erziehung jüdischer Vollmenschen in Erez Jisroel gelegen ist, werden gebeten, dem Vertreter, Herrn Tfcharwinski, helfend zur Hand zu gehen.